Clemens J. Setz Die Stunde zwischen Frau und Gitarre

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Inhaltsangabe zu „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ von Clemens J. Setz

<p>In einem Wohnheim für behinderte Menschen wird die junge Natalie Reinegger Bezugsbetreuerin von Alexander Dorm. Der Mann sitzt im Rollstuhl, ist von unberechenbarem Temperament und gilt als »schwierig«. Dennoch erhält er jede Woche Besuch – ausgerechnet von Christopher Hollberg, jenem Mann, dessen Leben er vor Jahren zerstört haben soll, als er ihn als Stalker verfolgte und damit Hollbergs Frau in den Selbstmord trieb. Das Arrangement funktioniere zu beiderseitigem Vorteil, versichert man Natalie, die beiden seien einander sehr zugetan. Aber bald verstört die junge Frau die unverhohlene Abneigung, mit der Hollberg seinem vermeintlichen Freund begegnet. Sie versucht, hinter das Geheimnis des undurchschaubaren Besuchers zu kommen und die Motive seines Handelns zu verstehen. <br /><strong>Dieser Roman ist eine Bergwerksfahrt in die Welt des Clemens J. Setz. Sie fördert ihre innere Ordnung zutage, ihre Geheimnisse und Prinzipien: Macht und Ohnmacht, Sinnsuche und Orientierungsverlust, Unterwerfung und Liebe in allen Spielarten – fürsorglich, respektvoll, besessen, Liebe als Wahn und als Manipulation. Und Rache. So subtil und schmerzhaft, dass die Frage nach Täter und Opfer in namenloses Gelände führt.</strong></p>

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    Die Stunde zwischen Frau und Gitarre
    leselea

    leselea

    07. November 2016 um 11:56

    Ein schwuler Stalker, der eine Frau in den Selbstmord getrieben hatte, aber Hilfe brauchte, um einigermaßen problemlos durch den Tag zu kommen. Man musste mit ihm basteln. Verständnis für seine Situation haben. Briefpapier. Und dann dieser Mann, der ihn besuchte, der Witwer. Seit vier Jahren, jede Woche. Ohne Pause. (S. 96) Dieses Zitat aus Clemens J. Setz‘ Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre fasst prägnant und treffend die Ausgangssituation der sich auf über 1000 Seiten umspannenden Handlung des Werkes zusammen: Die junge Natalie Reinegger beginnt nach ihrer Ausbildung in einem Wohnheim für behinderte Menschen zu arbeiten. Schnell wird sie als Bezugsbetreuerin von Alexander Dorm eingesetzt, einen Mann im Rollstuhl, der wöchentlich Besuch von Christopher Hollberg bekommt. Das Pikante an diesen Besuchen wir schnell deutlich: Hollberg ist Dolls ehemaliges Stalkingopfer; Dorms Taten haben Hollbergs Frau zudem einst in den Selbstmord getrieben. Natalie ist offen verwundert über diese Beziehung, auch wenn ihre Kollegen diese verteidigen und sie als „einen Gewinn für alle“ darstellen. Sie wittert ein Geheimnis, beginnt Nachforschungen anzustellen und wird so immer mehr zum Teil des „Arrangements“, bis sie selber nicht mehr weiß, wer hier eigentlich wen stalkt… Als „Bergwerksfahrt in die Welt des Clemens J. Setz“ preist der Suhrkamp-Verlag Die Stunde zwischen Frau und Gitarre im Klappentext an und findet damit genau die richtigen Worte, um meine Leseerfahrung mit diesem monumental daherkommenden, dick und klobigen, schwer wiegenden Roman zu beschreiben. Auf über 1000 Seiten – ich erwähnte es bereits – kreiert Setz eine Welt, die verrückt, surreal, abstrus daherkommt – und sich dabei immer im Bereich des Möglichen, des Realen bewegt. Es ist die Welt von Natalie, einer Epileptikerin, Synästhetikerin, im Grunde einsamen jungen Frau, die das Alleinsein mit Nonsequitur-Gesprächen, das Anhören ihrer eigenen Essgeräusche und Blowjobs im Park zu vertreiben versucht. Es ist eine Welt, die gefühlt eine minimale Verschiebung, kleine Erschütterungen aufweist, in der sich jedoch jeder Leser wiederfinden und – so unglaublich das auf den ersten Seiten noch scheinen mag – versinken kann. Das liegt zum einen an der Sprache Setz‘. So erschlagend das Buch auf den ersten Blick daherkommt, es lässt sich überraschenderweise sehr leicht und auch sehr zügig lesen. Die Syntax ist vergleichsweise einfach gehalten, der Stil nüchtern, schnörkellos, dabei zugleich oftmals poetisch und berührend. Setz schafft es Natalies wirre, assoziative Gedankengänge über die Welt, in der sie sich bewegt, und über die Menschen, die sie umgeben, an den Leser zu bringen und somit Seite um Seite eine Beziehung zwischen Publikum und Protagonistin aufzubauen. Gerade diese Engführung von Figuren- und Leserperspektive trägt dann im weiteren Verlauf dazu bei, dass das Spanungspotential des Romans voll entfaltet werden kann: Zwar weist Setz‘ Geschichte von Anfang an Züge eines Thrillers auf, subtil unheimlich wirken Dorm und Hollberg schon bei der ersten geschilderten Begegnung mit Natalie. Doch es ist die Frage, was nun Wirklichkeit ist oder was Natalie in ihrem fantasieüberladenen, zum Teil drogenverzerrten Gehirn als Wirklichkeit imaginiert, die den Reiz des Werkes ausmachen. Am Ende traut man in dieser Geschichte niemandem mehr – erst recht nicht der Protagonistin! Ob 1000 Seiten nun wirklich nötig gewesen wären, bleibt zweifelhaft. Kürzungen wären meiner Meinung nach angebracht gewesen, so kommt Die Stunde zwischen Frau und Gitarre vielfach zwar nicht langweilig, aber doch langatmig daher. Zudem war ich persönlich mit dem Ende nicht vollends zufrieden: Es fügt sich zwar stimmig in den Roman ein, ich hätte aber eine genauere Auflösung der Geschichte begrüßt. Dafür dass man viele Stunden in diese investieren muss, kommt mir der Schluss zu unspektakulär, ja beinahe nebensächlich daher. Nichtsdestotrotz ist Die Stunde zwischen Frau und Gitarre ein beeindruckender Roman, der seinesgleichen sucht. Als Leser ist man gefangen in einer Welt, die sie sich kontinuierliche zwischen Genie und Wahnsinn bewegt. Das ist anstrengend, aber auch unheimlich faszinierend und hat mir persönlich auch wirklich viel Spaß bereitet. Insgesamt vergebe ich deswegen 4 von 5 Sternen!

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    Die Stunde zwischen Frau und Gitarre
    walli007

    walli007

    16. July 2016 um 09:33

    Die junge Natalie Reinegger bekommt gleich nach ihrer Ausbildung eine Stelle als Bezugsbetreuerin in einem Wohnheim für behinderte Menschen. Ihre sogenannten Bezugis sind recht unterschiedlich. Einigen soll soweit geholfen werden, dass sie das Heim verlassen können, andere haben diese Aussicht nicht, weil ihre Einschränkungen zu schwerwiegend sind. Ein besonderer Fall ist Herr Dorm, der obwohl auf den Rollstuhl angewiesen, eine Frau so lange belästigt haben soll, bis sie sich umgebracht hat. Nur ging es ihm nicht um die Frau, sondern um deren Mann. Und dieser Dr. Hollberg besucht Dorm nun regelmäßig. In diese Welt wächst Natalie langsam hinein.  Mit über tausend Seiten etwas ausufernd schildert der Autor Natalies Leben und Erleben mit ihrer neuen Arbeitsstelle. Im Privaten eher haltlos driftet Natalie durch Tag oder Nacht, ihr mobiles Telefon immer bei der Hand, um Geräusche oder Gespräche aufzuzeichnen. Ein gewisser Drogencocktail muss ihr ebenso durch Tag oder Nacht helfen. Von ihrem Freund hat sie sich getrennt, kann ihn aber nicht richtig loslassen. Und so bleiben neue Begegnungen flatterhaft und ungewiss. Vielleicht stürzt sich sie umso mehr in die Arbeit, um Halt zu finden. Doch ganz leicht machen es ihr die Bezugis nicht. Zu groß sind manchmal die Seltsamkeiten, mit denen die Behinderungen einhergehen oder sich ausdrücken.  Anrührend und abstoßend zugleich wirkt diese Geschichte. Epische Ergüsse wechseln sich mit Passagen ab, die fast wie eine Kriminalgeschichte wirken. Surreal wirken die Wanderungen Natalies durch die nächtliche Stadt, ihre drogenverzerrte Sicht mal kreischende Bilder, die verstören können. Und dann wieder ihre großenteils sanfte Umgangsweise mit einigen ihrer Bezugis. Ihre Schwierigkeiten, sich abzugrenzen, gut nachvollziehbar. Die Schicksale der Heimbewohner und ihre Versuche, mit den Einschränkungen zu leben, lassen den Leser nicht kalt. Menschlich, dass nicht jeder sympathisch wirken kann. Und so inhaliert man Teile dieses umfangreichen Werkes, fühlt in Teilen mit, empfindet jedoch auch des Öfteren Unverständnis und bleibt schließlich mitunter verwirrt in dem Gedanken, dass man das Ganze nicht durchdrungen hat. Es wird am Leser liegen und nicht am Autor.

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  • Gewinnt die 15 Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2015!

    Lua und die Zaubermurmel
    Daniliesing

    Daniliesing

    Die Vorweihnachtszeit ist doch die schönste Zeit im Jahr für tolle Buchempfehlungen, oder? Da es ja schon eine kleine Tradition geworden ist, möchten wir vom LovelyBooks Team euch auch 2015 wieder unsere Lieblingsbücher des Jahres empfehlen und einen von euch sogar mit einem Buchpaket, das alle 15 Bücher enthält, glücklich machen! Bevor es mit den einzelnen Lieblingsbüchern losgeht, möchten wir euch aber ein wunderbares Kinderbuch ans Herz legen, das uns alle bezaubert hat und das Klein und Groß mit seiner berührenden Geschichte in seinen Bann zieht! "Lua und die Zaubermurmel" ist unser gemeinsamer Buchtipp für das Jahr 2015. Unsere Buchempfehlungen: 1. kultfigur empfiehlt: "Unterwerfung" von Michel Houellebecq Ein hochinteressantes Gedankenspiel zum schlummernden Konfliktpotential in unserer Gesellschaft und der Anpassungsfähigkeit des Einzelnen. Zeitlos und aktuell zugleich. Für mich ein geniales Buch, gerade weil es stellenweise auch banale und langweilige Seiten hat - denn so sind wir Menschen nunmal. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel" von Bradley Somer Ein Goldfisch fällt aus dem 27. Stock - vorbei an den vielen Fenstern des Hochhauses und den Geschichten der Menschen dahinter. Gekonnt verknüpft Bradley Somer die einzelnen Schicksale dieser Menschen - mal ganz gewöhnlich, mal total abstrus und verbindet sie zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk, das man in dieser Form bestimmt noch nicht gelesen hat! Genial! 3. TinaLiest empfiehlt: "Im Frühling sterben" von Ralf Rothmann Ralf Rothmann hat mich mit seinem sprachlich sehr beeindruckenden Roman "Im Frühling sterben" aus einer Leseflaute geholt: Ich habe ebenso gebannt wie erschüttert von den Erlebnissen des Protagonisten Walter während der letzen Monate im zweiten Weltkrieg gelesen & auch nach dem Lesen hat mich der Roman nicht so schnell losgelassen. Ein beeindruckendes, leises und sehr starkes Buch! 4. doceten empfiehlt: "Chaos" von David Mitchell In "Chaos" erzählt David Mitchell in neun Geschichten über den freien Willen des Einzelnen in einer deterministisch-chaotischen Welt - nicht das kleinste Thema für einen Debütroman. Nahezu mikroskopisch klein sind jedoch oft die verbindenden Elemente zwischen den Geschichten, bis sie sich in ein großes Ganzes fügen, das wir wohl Leben nennen. Wer die Erzählweise aus dem bekannteren "Cloud Atlas" mag, wird auch von "Chaos" begeistert sein - ich bins! 5. Malista empfiehlt: "Die schönste Art, sein Herz zu verlieren" von Mamen Sánchez Es gibt Bücher, die liest man und am Ende waren sie gut. Und es gibt Bücher wie Mamen Sanchez' "Die schönste Art sein Herz zu verlieren", erschienen im Thiele Verlag, welches einen auf eine Reise mitnimmt, die niemals enden soll! Die Faszination des Buches liegt in den pointierten Beschreibungen der Protagonisten, ihrer Herkunft und ihrer Lebensstile, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Unbedingt lesen! 6. ValerieLiebtLesen empfiehlt: "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili Ich habe das Familienepos dieses Jahr im Sommerurlaub in Portugal gelesen und war vom ersten Moment an gefesselt von dieser spannenden Geschichte rund um acht beeindruckende Frauenfiguren. Die 1200 Seiten habe ich verschlungen und danach war ich fast ein wenig wehmütig, dass die Geschichte "schon" rum war. Grandios! 7. Sophia29 empfiehlt: "Das Geheimnis des weißen Bandes" von Anthony Horowitz In diesem Jahr bin ich auf den Sherlock Holmes-Geschmack gekommen. Deswegen zählt „Das  Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz zu meinen absoluten Lesehighlights 2015. Die ersten Seiten dieses Buches haben ausgereicht, um mich voll und ganz in seinen Bann zu ziehen:   London im November 1890 – der unvergleichliche Detektiv Sherlock Holmes und sein alter Freund Dr. Watson setzen alles daran, das Geheimnis um „Das weiße Band“ schnellstmöglich zu lüften, um   weitere Morde zu verhindern. Ich habe die beiden wirklich gerne auf ihrer Verfolgungsjagd begleitet und von Seite zu Seite mehr der Auflösung dieses dubiosen Falls entgegengefiebert. Dieses Buch bietet nicht nur durch und durch sympathische Protagonisten und einen einzigartigen Stil des Autors, sondern garantiert vor allem auch Spannung bis zum Schluss. 8. HannaBuecherwurm empfiehlt: "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss Lasst euch nicht vom schleppenden Anfang des Buches trügen! Sobald ihr diesen einmal hinter euch habt, wird euch das Buch vollkommen fesseln und bis zur letzten Seite nicht mehr loslassen. Vor allem der originelle Schreibstil macht dieses Buch aus, macht euch darauf gefasst, wiederholt in Lachen ausbrechen zu müssen. Das Buch ist der Auftakt zu einem fantastischen Fantasy-Epos, auf dessen Fortsetzung ich nun richtig gespannt bin! 9. aba empfiehlt: "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie Gegen Ende des Jahres nur ein Lieblingsbuch zu nennen, fällt einem oft schwer, wenn fast jedes gelesene Buch diese Auszeichnung verdienen könnte. Dieses Mal ist es bei mir nicht so, ich musste keine Sekunde lang überlegen, die Entscheidung stand schon im Frühjahr fest. "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie ist mein absolutes Lieblingsbuch aus 2015. Für so viel Leidenschaft, so konsequente und menschliche Charaktere, und eine glaubhafte und spannende Entwicklung habe ich dieses Buch sehr geliebt. 10. Kathycaughtfire empfiehlt: "Wer die Nachtigall stört ..." von Harper Lee Eines der Bücher, das man in seinem Leben unbedingt gelesen haben sollte. Es ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur, aber einer, den man schlichtweg lieben muss. Die Geschichte ist wunderschön, die Botschaft nach wie vor eine unglaublich wichtige und Harper Lee eine grandiose Autorin. 11. markusros empfiehlt: "Vom Inder, der auf dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" von Per J. Andersson Das Buch und speziell der so mutige Pikay haben mir die eigene Lust am Abenteuer und an fernen Ländern nicht nur in den Lesestunden zurückgebracht. Ich bewundere den Mut, sich aus Überzeugung für eine Sache in Situationen zu begeben, ohne vorher alle Eventualitäten intellektuell durchdacht und durchdrungen zu haben. 12. Tree_Trunks empfiehlt: "Altes Land" von Dörte Hansen Für mich ist "Altes Land" von Dörte Hansen eines der besten Bücher 2015 gewesen. Die Geschichte beschreibt die kleinen Wunden, die sich die Generationen einer Familie gegenseitig zufügen können und erzählt von der Bürde der Vergangenheit. Gleichzeitig hat Dörte Hansen einen tollen Humor, der mich wirklich laut zum Lachen gebracht hat und der von einer ungetrübten Menschenkenntnis zeugt. Ein großartiges Buch über menschliche Stärken und Schwächen! 13. Tasmetu empfiehlt: "Ich bin Malala" von Malala Yousafzai Dieses Buch war so viel mehr als das, was ich erwartet habe und ließ mich tief berührt und nachdenklich zurück. Es ist die Geschichte des Swat Lands, es ist die Geschichte der Taliban, des Islams, es ist die Geschichte ihres Dorfes, ihrer Eltern, ihrer Freunde, ihrer Heimat, ihrer Flucht. Sympathisch, aufrüttelnd, aktuell. 14. nordbreze empfiehlt: "Bora" von Ruth Cerha Die Frankfurter Verlagsanstalt sollte dieses Buch nur zusammen mit einem Flugticket nach Kroatien verkaufen. Obwohl ich schon immer eine Wasser-Sehnsucht hatte, war diese noch nie so stark wie beim Lesen von "Bora". Ich möchte auch eine Insel erkunden, klettern, schwimmen, Wein trinken (ich mag gar keinen Wein ..) und Fisch essen. Ruth Cerha beschreibt das Inselleben einfach, alltäglich, aber trotzdem prägnant, so dass man das Gefühl hat, schon einmal dort gewesen zu sein (was ich für mich ausschließen kann. Ich war noch nie in Kroatien). Hinzu kommen mit Mara und Andrej zwei unaufdringliche Protagonisten, deren Liebesgeschichte so dezent aufgestellt ist, eigentlich will ich das gar nicht Liebesgeschichte nennen. Zwischen den beiden herrscht einfach eine große Vertrautheit, die ohne große Worte auskommt. Seid ihr neugierig auf unsere 15 Lieblingsbücher 2015 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 6. Januar Zeit, bei der Verlosung eines tollen Buchpakets mit allen 15 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns über den "Jetzt bewerben"-Button ganz oben nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir selbst immer so gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Welche sind eure Buchgeschenktipps des Jahres? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • 990
  • Ich bin anstrengend

    Die Stunde zwischen Frau und Gitarre
    Sikal

    Sikal

    12. December 2015 um 09:19

    In einem Interview hat der Autor Clemens J. Setz mal über sich selbst gesagt: „Ich bin anstrengend.“ – und genau dieser Satz fasst den neuen Roman von ihm zusammen. Das Buch ist anstrengend, doch es lohnt sich. In einem Behindertenwohnheim wird die junge Natalie Reinegger Bezugsbetreuerin von Alexander Dorm. Dieser sitzt im Rollstuhl und bekommt wöchentlich Besuch von Chris Hollberg. Dorm hatte Hollberg vor Jahren gestalkt, bis sich dessen Frau das Leben nahm. Diese Beziehungskonstellation Natalie-Dorm-Hollberg ist die Grundlage des Romans. Soviel zum Inhalt. Viel interessanter bei diesem Buch sind die Hintergründe, Verweise, Gedanken und vor allem die in Beziehung stehenden Charaktere dieser Dreieckkonstellation. Natalie hatte während ihrer schwierigen Kindheit immer wieder Grand-Mal-Anfälle, in denen ihr Fingerreime ihrer Mutter halfen. Sie beschreibt ein Gefühl von „Aurigkeit“, das einem Anfall vorangeht, hat im Laufe der Zeit unzählige Strategien entwickelt, wie sie sich beruhigen kann, einem Anfall ausweichen. Während sie zwischen ihrem Arbeitsplatz, ihrer Wohnung und einem Underground-Lokal für schräge Typen hin- und herstreunt beschäftigt sie sich mit Nonseq-Unterhaltungen, chatten, Blowjobs für diverse fremde Männer und Gedanken über ihre Arbeit. In ihrer abgefahrenen Art wird sie dem Leser sympathisch, weil sie Dinge hinterfragt, die für andere als selbstverständlich hingenommen werden, weil sie sich bemüht Hintergründe zu verstehen und aufzudecken und weil sie das Arrangement rund um Hollberg-Dorm als pervers bezeichnet. Ihre Vorliebe für Tabletten und ihre teilweise wirre Gedankenwelt, in die wir hier tiefen Einblick bekommen, lässt eine junge Frau mit geringem Selbstwert erkennen. Dorm ist ein exzentrischer Frauenhasser, der seine Aggressionen nicht nur verbal gegen Natalie richtet. Er vergleicht Frauen mit Gitarren, die seiner Meinung nach eine falsche Form und innen hohl sind. Seine einzige Liebe Chris Hollberg wird von ihm angehimmelt und mit einer auffallenden  Besessenheit verherrlicht. Über Hollberg erfährt man lange Zeit nur Bruchstücke über das Stalking und Andeutungen bezüglich seines Wochenrituals – dem Besuch Dorms. Für Natalie (und für die Leserin bzw. den Leser) steht lange Zeit das Warum im Vordergrund. Warum besucht Hollberg Dorm? Warum hat er ihm anscheinend verziehen, dass sich seine Frau umgebracht hat? Welches Ziel verfolgt Hollberg? Denn dass dieses Arrangement irgendeinen Hintergrund haben muss, merkt man relativ schnell. Das Buch könnte durchaus als Psychothriller beschrieben werden, wenngleich es in keinem Abschnitt um Blut und Barbareien geht. Viel subtiler und strukturierter spinnt Setz ein Netz um diesen Widerstreit der Protagonisten.  Die Grausamkeiten verstecken sich unter einer Oberfläche, verdichten sich im Laufe der Geschichte und vermischen die Opfer-Täter-Rolle perfide. Wer wird denn nun eigentlich von wem gestalkt? Sprachlich ist das Buch gut und einfach zu lesen, keine komplizierten Satz/Setz-Konstellationen, wenngleich man bei manchen Begrifflichkeiten durchaus Google zu Hilfe nehmen muss – könnte es sich ja auch um eine Setz-Begriffserfindung handeln. Durchaus ein Kritikpunkt ist für mich die Länge des Romans. Man taucht zwar relativ rasch in die Geschichte ein, doch sind über 1000 Seiten definitiv ein Zuviel des Guten. Für mich war es der erste Setz. Das Buch war für mich eine Herausforderung, doch es hat sich letztendlich gelohnt durchzuhalten.

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