Clemens Kammler

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Rezension zu "Foucault-Handbuch. Sonderausgabe" von Clemens Kammler

Werk, Themen und Kontexte
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Werk, Themen und Kontexte

Als einer, der ganz neue „Ordnungen der Diskurse“ hervorgebracht hat und damit eine überaus prägende Kraft für die Kultur- und Sozialwissenschaften entfaltet hat, ist Foucault einer der wichtigsten Denker der Moderne.

Mit Hilfe dieses sehr überlegt strukturierten und sehr ausführlich die „Bereiche des Denkens“ betrachtende (und diese dabei in die jeweiligen Kontexte stellende) Handbuches erhält der Leser eine sehr fundierten, übersichtlichen Zugang zum Denken, zu den Themen, zur Rezeption des Philosophen. Und zur „Basis“ seiner Wirkung, dem „Legen der Aufmerksamkeit auf die über Einzelindividuen und ihre Äußerungen hinausgehenden Regularitäten von Diskursen“,

Mit der Folge einer sich ständigen selbst revidierenden, immer wieder neu die Dinge angehenden „Diskursivitätsdenkens“, welches Foucault begründet hat und dem die Autoren des Buches von verschiedenen „Startpunkten“ aus immer wieder folgen.

Wobei die „intellektuelle Biographie“ Foucaults und damit seine Verortung im Denken seiner Zeit den ersten Teil des Werkes bildet, bevor im zweiten Hauptteil Beiträge zu den einzelnen Werken, aber auch Werkgruppen des Denkers sorgsam nachvollzogen werden.

Von der Psychologie zu „Wahnsinn und Gesellschaft“, von der „Ordnung der Dinge“ zum „Willen zum Wissen“ („Sexualität und Wahrheit“), vom Gebrauch der Lüste bis zu den Werkgruppen der „Dits et Ecrits“ und der Vorlesungen Foucaults findet der Leser Einführungen in alle wesentlichen Gedanken (und Entwicklungen) Foucaults.

Im dritten und Hauptteil des Buches verorten die Autoren Werk und Person in die entsprechenden Kontexte der Zeit und Rezeption gestellt.

Von Referenzautoren wie Kant und Nietsche über die zeitgenössischen Bezüge wie Existentialismus und Strukturalismus und „Denkern der Zeit“ (und Umgebung) wie Lacan oder Derrida führt der Weg dann zur Diskussion der „Begriffe und Konzepte“ Foucaults, die aus vielfachen Richtungen in großer Breite im Handbuch vorliegen.

In diesem Teil schärfen die Autoren des Buches zudem „den Werkzeugkasten“ Foucaults durch eine Herausstellung seiner wichtigsten Arbeitsbegriffe.

Mit den „Anschlüssen an Foucault“, für die Judith Bulter, Antonio Negri und andere stehen, schließen die Betrachtungen, nicht ohne in diesen Betrachtungen immer wieder den Blick auf die Gegenwart und Zukunft zu legen und die Fragen nach dem zukünftigen „Arbeiten mit Foucault“ mit Impulsen zu versehen.

Selbstverständlich bieten die Überschneidungen und Differenzen (Kritische Theorie, Luhmann und Bordieu) hier zum Abschluss des Handbuches auch die Einordnung in (auch aktuelle) Denksysteme.

Immer wieder wird kritisch, reflektierend dabei in verständlicher (wenn auch anspruchsvoller) Form jene „Geschichte der Systeme des Denkens“ und die „Ordnung des Diskurses“ vor Augen geführt, in der sich im Kern das Denken Foucaults immer wieder gespiegelt hat, wie auch sein „Machtbegriff“ (der das politische Denken steuert, nicht die „Suche nach einer gerechten Gesellschaft“) und seine Entwicklungen am Ende wieder hin zu klassischen philosophischen Theoremen im Handbuch nicht fehlen.

Eine breite, fundierte, nicht immer leicht zu lesende aber umfassend informierende Darstellung, welche die Mühe der Lektüre zum Verständnis des Denkens und Werkes Foucaults lohnt.

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Rezension zu "Uwe Timm, Am Beispiel meines Bruders" von Clemens Kammler

Rezension zu "Uwe Timm, Am Beispiel meines Bruders" von Clemens Kammler
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

"Abwesend und doch anwesend hat er mich durch meine Kindheit begeleitet, in der Trauer der Mutter, den Zweifeln des Vaters, den Andeutungen zwischen den Eltern. Von ihm wurde erzählt, das waren kleine, immer ähnliche Situationen, die ihn als mutig und anständig auswiesen. Auch wenn nicht von ihm die Rede war, war er doch gegenwärtig, gegenwärtiger als andere Tote, durch Erzählungen, Fotos und in den Vergleichen des Vaters, der mich, den Nachkömmling, einbezogen."

FAZIT: In diese, wie auch in seinen anderen Werken, befasst sich Uwe Timm mit einem weiteren sehr persönlichen Thema. Sein Bruder, der, gefallen im Zweiten Weltkrieg und für Uwe Timm nur eine bildlose Gestalt, die er von Erzählungen kannte, trotzdem immer gegenwärtig war, immer als Vergleichsobjekt des Vaters für den "Nachkommling", wie Timm selbst genannt wurde, stand. Sein Leben lang musste er sich mit dem mutigern, anständigeren, besseren Bruder herumschlagen, der am Ende gar zu einem Phantom wurde. Doch auch die Geschichte seines Vaters wird hier erzählt, das Verhältnis zu ihm, seine eigene Entwicklung, die in den innerlichen und äußerlichen Zerfall deutlich wurde. Erst, nachdem all seine Verwandten, Bruder, Vater, Mutter und Schwester gestorben waren, konnte sich Uwe Timm mit diesem Thema, mit diesem Aspekt seines Lebens beschäftigen und darüber schreiben. Mit Auszügen aus dem Tagebuch des Bruders, Briefen an seinen Vater und vielen Erinnerungsfetzen versucht Uwe Timm hier ein Bild zu liefern, eine kleine Rechtfertigung vor sich selbst, aber vor allem ein Schreiben, das nur eines zum Ziel hat: Verarbeitung. Es ist vielleicht sogar das persönlichste Buch, das Timm bis jetzt geschrieben hat und es ist definitiv lesenswert.

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