Clemens Lindner Weißer Mohn

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Inhaltsangabe zu „Weißer Mohn“ von Clemens Lindner

Sebastian Hauser, poetisch begabt, aber wenig erfolgreich, fühlt sich in seinem Schicksal dem lange verstorbenen Dichter Georg Trakl seelenverwandt. Die unglücklichen Leidenschaften zu ihren Schwestern, die Flucht aus der Wirklichkeit und die Passion für das Schreiben verbinden die beiden – bis hin zum frühen, selbstgewählten Tod. In starken Bildern führt Clemens Lindner durch teils abenteuerliche Episoden: von der Schulzeit in Tirol über Szenen aus der New Yorker Halbwelt bis hin zu den letzten Tagen in Okinawa. Zwielichtige Gestalten kreuzen Hausers Weg. Vor allem während seiner Zeit in New York ist er konfrontiert mit Gewalt, sexuellen Übergriffen und vollkommener Beziehungslosigkeit. Doch drängen sich in die illusionslosen Schilderungen des Großstadtalltags immer wieder Passagen voll Poesie und Hoffnung, die die Nähe zu Georg Trakl deutlich spüren lassen. Kunstvoll und in stimmungsvoller Sprache webt Lindner die Lebensfäden zweier Dichter und Außenseiter ineinander, die um ihren Platz am Rande der Gesellschaft bis zu ihrem tragischen Scheitern kämpfen.

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  • Rezension zu "Weißer Mohn" von Clemens Lindner

    Weißer Mohn
    Cabriofahrerin

    Cabriofahrerin

    13. April 2009 um 19:14

    Sebastian Hauser, der Wahn, die getriebene Unruhe, das Ende Clemens Lindner wurde 1965 in Hall geboren. Er ist Stipendiat und lebt sowohl in Tirol als auch in Tokio. Dieses Buch entstand mit Unterstützung der Kulturabteilung des Landes Tirol. Lindner zeichnet in seinem Roman das Psychogramm des Außenseiters Sebastian Hauser. Viele Begebenheiten sind ganz offensichtlich Parallelen zum Leben des Dichters Georg Trakls. Obwohl Trakls Leben und Werk nicht direkt Inhalt dieses Romans sind, möchte ich zum besseren Verständnis einen kurzen Abriss zu Trakl voranstellen. Georg Trakl wurde am 3. Februar 1887 in Salzburg geboren. Er wuchs in einer intakten Familie als viertes von sechs Kindern auf. Seine Schullaufbahn war von Versagen geprägt (zwei Nichtversetzungen). Nach dem Studium der Pharmazie (ab 1908 in Wien) arbeitete er als Apotheker und lebte abwechselnd in Salzburg, Wien und Innsbruck. Seine ersten literarischen Werke wurden in der Zeitschrift "Der Brenner" veröffentlicht. Trakl war depressiv, nahm Drogen und hatte eine enge inzestiöse Beziehung zu seiner Schwester Margarethe. Deren Heirat war ein prägender Schock für Trakl; er inspirierte ihn so stark, dass in dieser Zeit seine besten Werke entstanden. Sie sind geprägt von Depressionen. Trakl starb früh - im Alter von 27 Jahren - an einer Kokainvergiftung. Seine Schwester Margarethe erschoss sich drei Jahre später. Sebastian Hauser, der Protagonist in Clemens Lindners Roman, weist frappierende Ähnlichkeiten mit Trakl auf: die sexuelle Liebe mit seiner Schwester Judith; beide wählen für sich den Freitod; Hauser ist drogenabhängig und schwermütig; er zieht sich in seine eigene Welt zurück. Aber Hauser ist ein eigenständiger Mensch. Seine Individualität ist durch unsere moderne globale Welt geprägt. Er muss kein Kriegserlebnis verarbeiten. Sein krankhaftes, unruhiges Leben mit der Obsession Orte, Dinge und anderes zu sammeln, haben andere Ursachen, die nichts mit Trakl zu tun haben. Das erste Kapitel beginnt mit dem Satz "Georg Fischer erhielt spät nachts einen Anruf ..." Weitere nächtliche anonyme Arufe erzeugen Spannung wie in einem Krimi. Aber dann meldet sich Fischers Exfrau Karla und später sein ehemaliger Mitschüler Sebastian Hauser. Der Anruf Hausers veranlasst Fischer, in seiner Vergangenheit zu forschen. Im Jahresheft des Maturajahrgangs 1986 f. indet Fischer ein Klassenfoto, auf dem alle handlungsrelevanten Personen abgebildet sind: Georg Fischer und seine Frau Karla, Sebastian Hauser und seine Schwester Judith. Diese vier Personen verbindet etwas, z. T. lose Frundschaft, sexuelle Beziehunen, einschließlich mehrerer Vergewaltigungen. Georg Trakls Werk, seine Geburt am 3. Februar und sein Selbstmord sind ein gemeinsames, verbindendes Interessensfeld der vier Personen. Ab dem vierten Kapitel konzentriert sich Lindner zunehmend auf die Person Sebastian Hauser. Das Kapitel beginnt mit dem Satz "Sebastian Hauser ging mit gedankenvoller Miene ...". Hauser ist Einzelgänger, Atheist, schwarz gekleideter Grufti und Muttersöhnchen. Hauser sieht sich selbst als "Alter Ego von Georg Trakl". Seine Einstellung zu Mitschülern und Lehrern ist von Arroganz geprägt. Handlung und Ereignisse reduzieren sich mehr und mehr. Zunehmend erleben wir Sebastian Hauser als Drogenabhängigen, umgeben von einer Randgruppen-Gesellschaft. Durch seine Spleens ist er fremdbestimmt und kann sich diesen Süchten nicht entziehen: Er treibt sich auf Friedhöfen herum, sammelt Gräber von Dichtern und Persönlichkeiten aus der Film-, Theater- und Musikwelt. Der Bücherwahn jagt ihn durch viele Buchhandlungen. Dabei schreckt er nicht vor systematischem Diebstahl zurück. Widersinnigerweise sehnt er sich danach, ertappt zu werden ... Unerwartet für den Leser beschreibt Clemens Lindner eine absurde, kafkaeske Situation (am 3. Februar 1986): Ein Clown sitzt in einem engen Raum, durchlebt Halluzinationen. Nach der langsamen Verbesserung seines krankhaften Zustandes darf er den Raum wieder verlassen. Was hat es damit auf sich? Aufschluss über derlei Rätsel gibt der Autor mit einem besonderen Stilmittel: Immer wieder sind in den Text des Romans deutlich anders gesetzte Zeilen eingefügt. Sind es Verse aus Trakls Werk? Sind es Verse aus Hausers eignenen literarischen Versuchen? Oder sind es einfach nur kommentierende Einschübe? Auch nach der Clown-Szene folgt eine solche Sentenz: "Dämonen durch die kranke Seele gehen". Manche dieser Kommentare sind schwer verständlich, andere erhellen Zusammenhänge. Im Sommer 1991 zieht der ruhelose Hauser nach New York. Er lernt eine Japanerin kennen, die er später in Japan besucht. Hausers permanente Unruhe lässt den Leser nicht unberührt. Lindner ersetzt die direkte Rede durch gesprochene Gedanken, die nur so hin und her jagen. Sinnlose Sätze wie z. B. "Spiderman hat Urlaub" häufen sich. Ab Kapitel 9 setzt Lindner ein neues sprachliches Stilelement ein: Dominique, eine Transsexuelle, schreibt Briefe an Hauser: fünfzehn Stück. Der letzte psychotische Wahn lässt Hauser auf der Suche nach öffentlichen Telefonen und fremden Telefonnummern durch New York rennen. Im vorletzten Kapitel stellt Lindner noch einmal sein kriminalschriftstellerisches Talent unter Beweis: Er beschreibt einen brutalen Mord, dessen Aufklärung und die Festnahme des Mörders. Eine gelungene Abrundung des Buches ist das letzte Kapitel. Hier treffen sich die Protagonisten wieder. Ihre Beziehungs- und Liebespaarungen klären sich. Der 3. Februar spielt eine katastrophale Rolle. Christoph Lindners Buch wirkt puristisch - auf dem kargen Deckblatt finden sich nur drei Sätze; Informationen zu Autor und Inhalt fehlen völlig. Dieses Buch wird wahrscheinlich nur eine kleine Leserschaft finden. Das finde ich schade, denn es verdient Aufmerksamkeit und Anerkennung.

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  • Rezension zu "Weißer Mohn" von Clemens Lindner

    Weißer Mohn
    Lesebienchen

    Lesebienchen

    13. April 2009 um 17:17

    Der Roman "Weißer Mohn" von Clemens Lindner beschreibt das Leben des intellektuellen Außenseiters Sebastian Hauser. Lindner wählt hierfür den Weg der Multiperspektive sowohl im Hinblick auf den Wechsel personaler Erzählperspektiven als auch den der Textsorten. Narrative Passagen wechseln sich mit lyrischen Versatzstücken sowie poetischen Kapiteln ab. Diese Erzähltechnik eröffnet dem Leser den Blick auf eine exezessiv lebendige, spannende und zum Teil zutiefst abgrundtiefe Welt, in der sich Hauser bewegt und die er reflektiert. Aber an einigen Stellen des Romans stiftet sie auch sehr große Verwirrung. Vor allem die poetischen Passagen muten, sicherlich aufgrund der Nähe zu Trakl gewollt, einem Drogenrausch an. Der tiefere Sinn erschließt sich aufgrund der teilweisen Assoziationswut nur schwer. Insgesamt wirkt der Roman wie ein rauschhafter Trip in eine zerissene Welt, an der Hauser zunehmend zerbricht. "Hausers Leben war wie ein Gedicht von Trakl." Dieses Zitat aus dem Roman beschreibt die Darstellung am treffendsten. Aus der Sicht eines ehemaligen Bekannten, dessen Plot die Rahmenhandlung bildet sowie zweier Freundinnen bzw. Geliebten wird das Bild des Sebastian Hausers illustriert. Hauser sieht sich als Alter Ego Trakls und versucht mehr und mehr verzweifelt zu dichten. Er ist ein Einzelgänger, der zu den Gräbern berühmter Persönlichkeiten pilgert und diese geradezu in einem Kult verehrt. Seine zerrissene Persönlichkeit spiegelt sich vor allem in seinem Namen "Hauser" wider. Hauser lebt nicht, sondern haust in einer Welt, die ihm fremd ist. Der Roman ist vor allem aufgrund der Bezugnahme zu Trakl lesenswert. Er hinterlässt jedoch ein zum Teil sehr verwirrendes und auch bestürzendes Bild eines Menschen, der an sich selbst zerbricht.

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