Clemens Maier-Wolthausen

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Lebenslauf von Clemens Maier-Wolthausen

Jahrgang 1973, ist Historiker. Er war beschäftigt am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz, am Graduiertenkolleg der Universität Lund, am Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Hamburg) und dem Zentrum für Antisemitismusforschung (Berlin); außerdem verantwortete er Ausstellungsprojekte, u. a. für das DHM und das Leo Baeck Institut New York. Veröffentlichungen u. a.: »Zuflucht im Norden. Die schwedischen Juden und die Flüchtlinge 1933 – 1941« (Wallstein 2019).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Clemens Maier-Wolthausen

Cover des Buches Hauptstadt der Tiere (ISBN: 9783962890407)

Hauptstadt der Tiere

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Erschienen am 26.09.2019

Neue Rezensionen zu Clemens Maier-Wolthausen

Cover des Buches Hauptstadt der Tiere (ISBN: 9783962890407)Igelmanu66s avatar

Rezension zu "Hauptstadt der Tiere" von Clemens Maier-Wolthausen

Ein großartiger Blick auf die lange Geschichte des Berliner Zoos
Igelmanu66vor 4 Monaten

»Die Berlin-Blockade zwischen Juni 1948 und Mai 1949 bedrohte den Fortbestand des Zoos. Tiernahrung hatte keine Priorität für eine Stadt, in der hungernde Menschen über eine Luftbrücke versorgt werden mussten. Dem Verhandlungsgeschick Katharina Heinroths war es zu verdanken, dass das Gesundheitsamt dem Zoo anfallendes Tierkadaverfleisch zuwies. … Damit und mit Falllaub als Streu und Heuersatz schafften die Zootiere es durch den Winter. Auch die Berlinerinnen und Berliner halfen tatkräftig mit, ihren Zoo durch die entbehrungsreichen Monate zu bringen. Täglich brachten sie Küchenabfälle oder vom Munde abgesparte Lebensmittel in den Zoo.«

 

Es ist schon eine ganz besondere Beziehung, die die Berliner mit ihrem Zoo verbindet. Aber es ist auch ein ganz besonderer Zoo! Eröffnet wurde er am 1. August 1844, das Buch hier erschien zum 175. Jubiläum im Jahr 2019. Der Berliner Zoo ist damit einer der weltweit ältesten Zoos, zieht jährlich Millionen von Besuchern an und brachte eine Reihe überregional berühmter Tierpersönlichkeiten hervor, z.B. Flusspferd Knautschke oder Eisbär Knut.

Ich lernte den Zoo als junges Mädchen kennen. Mit der Familie war ich für eine Woche nach Berlin gereist, aber während die anderen eine Sehenswürdigkeit nach der anderen besichtigten, war ich drei Tage hintereinander in Zoo und Aquarium. Noch heute kann ich mich an einige besonders eindrucksvolle Tierbegegnungen erinnern!  

 

Mit diesem Buch reist der Leser durch 175 Jahre Zoogeschichte, was zugleich auch eine Reise durch die deutsche Geschichte bedeutet. Gestartet im Kaiserreich geht es durch die Weimarer Republik, zwei Weltkriege, die Nazizeit, kalten Krieg und Wende bis zum Jahr 2019. Immer gab es enge Verflechtungen zwischen Zoo und Politik, das wird hier deutlich. Ein Zeitstrahl zieht sich durch das Buch und zeigt damit zusätzlich auf einen Blick wichtige Ereignisse der deutschen und der Stadtgeschichte Berlins an.

Sehr beeindruckend und wichtig fand ich, dass bei keinem der dunklen Kapitel (Völkerschauen, Nazizeit) mit deutlichen und kritischen Worten gespart wird. So wird beispielsweise sehr detailliert das Verhalten gegenüber den jüdischen Aktionären und Aufsichtsratsmitgliedern beschrieben.

 

Während der Teilung wurde 1955 im Ostteil der Stadt der Tierpark eröffnet, lange waren die beiden Zoos Konkurrenten, heute gehören sie zusammen, arbeiten miteinander und ergänzen sich. Der ebenfalls sehr sehenswerte Tierpark ist der größte Landschaftstiergarten Europas, der Berliner Zoo der artenreichste der Welt. Dazu kommt noch das beeindruckende Aquarium! Der Schwerpunkt des Buchs liegt sicherlich beim Zoo, aber immer wieder wird auch über den Tierpark berichtet, wichtige Ereignisse geschildert. Auch hier fehlen traurige Kapitel, wie beispielsweise Stasi-Aktivitäten, nicht.

 

Die Lektüre fesselte mich wirklich. Der Stil ist kein bisschen trocken, auf den meisten Seiten finden sich tolle Fotos und Zeichnungen, viele historische Aufnahmen, Abdrucke sehenswerter Dokumente und immer wieder zur jeweiligen Zeit passende Zoopläne. Jedes Kapitel startet mit einer ausführlichen Infoseite zu einzelnen Tieren, z.B. Gorilla, Elefant, Giraffe, Flusspferd, Plumplori oder Panda. Ich lese über die erste Freianlage mit natürlich gestaltetem Lebensraum aus dem Jahr 1903, über Katharina Heinroth, die 1. Zoodirektorin Deutschlands, die ab August 1945 die wichtige Aufbauarbeit des größtenteils zerstörten Zoos betrieb und über mein persönliches Zoo-Highlight, das Nachttierhaus. Wie gerne würde ich jetzt auf der Stelle dorthin fahren!

 

Den Leser erwarten ferner viele Infos zur Architektur der Tierhäuser und interessante Exkurse, wie z.B. „Vom kolonialen Selbstbedienungsladen zu internationalen Zuchtprogrammen“. Immer wieder im Blick ist die Entwicklung in der Tierhaltung, die sich durch stetige Verbesserungen der Haltungsbedingungen auszeichnet und einen großen Schwerpunkt auf den Artenschutz legt. Auch der Berliner Zoo ist höchst engagiert in verschiedenen Artenschutzprogrammen, unterstützt allein 21 Projekte in 15 Ländern. Ein Blick auf die Zukunftsplanung rundet alles perfekt ab.

 

Fazit: Ein großartiger Blick auf die lange Geschichte des Berliner Zoos. Das hochinformative und unterhaltsame Buch ist zugleich ein richtiges Schmuckstück im Regal.

 

»Denn nur wer sich der eigenen Geschichte in all ihren Facetten bewusst ist, kann auch die Zukunft sinnvoll gestalten.«

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