Die Nacht, die Lichter

(57)

Lovelybooks Bewertung

  • 79 Bibliotheken
  • 3 Follower
  • 4 Leser
  • 16 Rezensionen
(18)
(17)
(16)
(6)
(0)

Inhaltsangabe zu „Die Nacht, die Lichter“ von Clemens Meyer

Er setzt alles auf eine Karte, der Hundebesitzer, der auf der Rennbahn sein Geld verwettet, um eine teure OP zahlen zu können. Sie will es allen zeigen, die junge Frau, und sich vom Flüchtlingsschiff in die erste Liga hochboxen. Sie reden eine Nacht lang, der junge Mann und eine Freundin, haben einander zufällig wiedergetroffen, sie denkt vielleicht an ein gemeinsames Leben, doch er weiß, dass es anders kommen wird. Clemens Meyer erzählt von der Hoffnung, einmal im Leben den großen Gewinn einzustreichen, von dem Willen, etwas aus sich zu machen, und der verpassten Liebe. Seine Geschichten spielen in der stillen Wohnung, in der Lagerhalle und am Fluss. Seine Helden sind dem Leben ausgesetzt, es sind die Heimatlosen und Träumer, strauchelnde Glückssucher, die die nächtliche Stadt durchstreifen. Meyer trifft die Töne unserer Zeit: In seinen rauen, präzisen und zarten Sätzen spricht er von verlorenen Illusionen, von Sehnsucht und Einsamkeit.

Clemens Meyer kann schreiben - ohne Frage! Aber seine Inhalte - sorry, ich möchte sie nicht lesen.

— Konrad22
Konrad22

Stöbern in Romane

Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen

Gut investierte Zeit in ein Buch, das - einmal begonnen - den Leser nicht mehr los lässt

Manuel2704

Die Stunde des Schmetterlings

Wie die Euphorie schnell der Wirklichkeit weicht.....4 Freunde, der 1. Weltkrieg und die erste Liebe. Beeindruckend, hat mich gefesselt.

vielleser18

Das Nest

Leseempfehlung: unterhaltsames zeitgenössisches Buch, das die Generation 40+ pointiert und gleichzeitig mitfühlend charakterisiert

StefanieFreigericht

Dies sind die Namen

Russischer Alltag, Religionen und Flüchtlinge – bedrückend, erschreckend und dennoch ein kleiner unerwarteter Hoffnungsschimmer am Schluss.

Bücherfüllhorn-Blog

Hasen feiern kein Weihnachten

Liebenswerte Geschichte mit ganz viel Weihnachten zwischen den Zeilen.

JoJansen

The Girls

Anders, als erwartet. Lesenswert!

lisibooks

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Stil - wundervoll; inhalt - nichts für mich

    Die Nacht, die Lichter
    Konrad22

    Konrad22

    07. June 2015 um 11:35

    Clemens Meyer kann schreiben - ohne Frage!
    Aber seine Inhalte - sorry, ich möchte sie nicht lesen.

  • Hem ... ach nein! Clemens!

    Die Nacht, die Lichter
    JimmySalaryman

    JimmySalaryman

    22. May 2013 um 23:19

    Ja, Eine Crux mit der toitschten Literatur. Clemens Meyer ist ein Könner, es tut mir weh, dies so zu sagen. Ein Stilist. Seine Stories sind oft mehr erzählt, mehr Schwank, manchmal ein wenig zu frisiert, aber in seinen besten Momenten ist er nah an seinem Idol, dem Ernest. Geht es um "Verlierer"? Nein. Es geht um echte Menschen. Um echte Probleme. Man muss den Blick nur links oder rechts wenden, dann sieht man sie; natürlich ist das kein Eskapismus, kein Twilight, kein ficki ficki, kotzi kotzi, sondern irgendwie total beschissen, aber real. Dann fragt man sich eben: Will man das lesen? Und kommt zu der alles entscheidenden Frage: Was will Literatur? Meyer hat seine Schreibe in Leipzig perfektioniert, vielleicht ist ihm dort das Rohe etwas aberzogen worden, dieses total Brachiale. Immerhin, hier in diesen Stories, da ist etwas, was in Deutschland nur noch wenige haben. Man sollte es sich bewahren!

    Mehr
  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    Schassi

    Schassi

    06. November 2011 um 20:05

    Clemens Meyer erzählt von gescheiterten Existenzen. Einsame, verzweifelte und kaputte Personen stehen im Mittelpunkt seiner Geschichten.

  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    jandrees

    jandrees

    29. March 2011 um 18:17

    Es gibt Katastrophen, die kündigen sich überraschend zaghaft an: "Es begann damit, dass sein Hund plötzlich anfing zu humpeln und dann ganz stehen blieb", heißt es im neuen Erzählungsband "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer. So etwas muss nicht zwangsläufig im großen Niedergang enden. Humpeln ist nicht tödlich. Aber weil Rolf, Held der Kurzgeschichte "Von Hunden und Pferden", einen mickrigen Hartz-IV-Satz bezieht, fehlen die 3000 Euro für eine rettende, für eine lebensrettende OP. Und der Tod, die Katastrophe, steht scheinbar unausweichlich vor ihm und seinem treuen Kameraden. Gibt es wirklich keine Chance?

    Tostlose Liebe, Tod und Tiere

    Es ist diese Frage, die aus dem drohenden Tod des Tieres ein existenzielles Problem für seinen Besitzer macht. 200 Seiten weiter, in einer ganz anderen Geschichte, muss ein alter Bauer sein Vieh erschießen, weil niemand den Hof kaufen, weil kein Mensch dieses angebrochene Leben weiterführen will. Und trostlos erscheint auch der dicke, verschwitzte, einsame Mathelehrer ("Der Dicke liebt"). Dieser Mann findet an seinem Arbeitsplatz, in der Schule, die unnahbare, reine Liebe. Er findet sie in Juli, seiner kleinen Schülerin und ab da wird es ziemlich ekelig. "Ist es verboten, mit Juli Eis essen zu gehen?" Ist es verboten, ein bisschen Freude festhalten zu wollen?

    Rücken zur Wand

    Die Menschen in Clemens Meyers 16 "Stories" sind arme Schweine. Manchmal erscheinen sie als gefallene Kämpfernaturen, sie sind immer müde Recken und lebensfertige Außenseiter, die ihr letzten Spiel mit dem Rücken zu Wand ausfechten. Die Nacht ist ihr Biotop, Lichter scheinen woanders, weit weg von Knastzellen, Lagerhallen, Kaschemmen, weit weg von ihnen, von ihrer schummrigen Restexistenz. Fernab aller Chancen: Allein Rolf, der Hundefreund, hat für einen kurzen Moment Glück. Durch Zufall gewinnt er nämlich viereinhalbtausend Euro beim Pferderennen. Wie trunken taumelt er, die Scheine in der Jackentasche, weiter Richtung Stadtrand, Richtung Osten, wo er wohnt, und er sieht nicht die drei Männer, die hinter ihm laufen... Hier bricht der Text ab. Aber im Kopf bleibt die Geschichte doch, tagelang. Wie schafft Clemens Meyer das?

    Das Abschreiben der Welt

    Als er den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt, sprang Clemens Meyer wie ein Boxchampion auf, die geballte Faust nach oben gereckt. Wo andere Autoren artig ihren Dichterschemel verlassen, um dankbeflissen Richtung Bühne zu schlurfen, kippte der Leipziger erst einmal ein Bier und sagte: "Ich hatte mir viel Unsinn überlegt, den ich hier sagen wollte. Ich habe aber heute schon genug Unsinn erzählt, also sage ich nichts und schreibe weiter Bücher." Es soll Menschen geben, die behaupten, allein der Text sei wichtig, der Autor habe keine Relevanz. Clemens Meyer, der ehemalige Bauhelfer, Möbelträger, Wachmann und Sozialhilfeempfänger beweist das Gegenteil. Seine Geschichten bleiben im Kopf, weil das Bild des tätowierten, kraftmeiernden Meyers dazugehört, Erinnerungsstütze ist. Clemens Meyer ist ein Genie, in jeder Hinsicht - was er schreibt, das bleibt.

    Mehr
  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    Gelöschter Benutzer

    Gelöschter Benutzer

    04. February 2011 um 11:20

    Meyer schreibt wie kein anderer in Deutschland, auch die Thematik behandelt er wie kein Zweiter. Jedes Wort ist abgewogen, nichts zuviel. Ihn zu lesen, ist ein Genuß. Die Protagonisten in seinen Geschichten sind oft Verlierer, aber nicht diese klischierten Idioten, wie sie in der amerikanischen Literatur auftauchen. Hier sind es echte Menschen, die gehöriges Identifikationspotential bieten. Meyer beleuchtet die Schattenseiten, vergißt aber nie das Menschliche. Unbedingt empfehlenswert.

    Mehr
  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    laughing_buddha

    laughing_buddha

    14. July 2010 um 11:45

    Also ich Fan und nix Kritik hier. Was ist eine Kurzgeschichte? Kleines Format, wenige Seiten, wenige Striche ohne Farbe, aber jeder sitzt und erzeugt ganz viel Emotion, bei Clemens M. aber ohne Smiley. Klappt nicht bei jedem, klar, weil Geschmackssache.

  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    -elviZ-

    -elviZ-

    22. March 2010 um 13:05

    Ganz groß. Verträumt, rau, hart, melancholisch und auf den Punkt formuliert. Clemens Meyer hat hier Mut zu großen Gefühlen und ein Gespür für gute Geschichten bewiesen. Die Helden der Geschichten kommen mal nicht aus gutem Hause und studieren BWL. Klasse!
    Für mich um einiges besser als „Als wir träumten“.

  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    frstk

    frstk

    25. August 2009 um 07:32

    Diese Geschichten verlieren beim selber lesen all ihre Tiefe und Welterfahrenheit, die den Autor live so hervorstechen lassen. Sauber geschrieben aber nichts weiter als wieder ein vertrauter Abklatsch allbekannter Szenen à la Litteraturinstitut...

  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    nuuttipukki

    nuuttipukki

    13. April 2009 um 22:51

    Die Nacht, die Lichter ... und die Schatten. Nicht ganz so packend wie "Als wir träumten". Die Kurzgeschichten einander zu ähnlich, nicht immer packend. Trotzdem ein lesenswertes Portrait vergessener Menschen.

  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    beate

    beate

    12. February 2009 um 16:13

    Einsamkeit, Sehnsucht, Kurzgeschichten

  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    damentennis

    damentennis

    17. January 2009 um 16:39

    Das wichtigste an Clemens Meyer, diesem Superstar der deutschen Undergroundleser, scheint ja zu sein, dass er früher in verschiedenen Jobs gearbeitet hat, z.B. auch als Nachtwächter. Dieser, gesellschaftlich als total verrücktes Detail etablierte, Fakt steht in jeder Rezension über Meyer drin, als würde er etwas begründen oder erklären.

    Dabei möchte ich sagen, dass Clemens Meyer einfach schöne Kurzgeschichten schreiben kann. Die Figuren sind eher Loser als Winner, das Licht ist eher gedimmt als hell, die Getränke eher Whiskey als Sex on the beach, die Situationen eher schäbig als glänzend. Meyer beschreibt gerne mal die armen Säue der Welt, die sich aber auch mit Problemen rumschlagen und diese irgendwie bewältigt haben wollen. Man könnte ihn wohl den Hollywoodreporter der Linksspießer nennen.

    Aber er versteht sein Handwerk, hat gute Ideen und schreibt schöne Geschichten. Da kann das Feuilleton ihn feiern, bis es abgeschafft wird: er ist einfach gut. Punkt.

    Mehr
  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    JulienS

    JulienS

    23. October 2008 um 16:17

    Ein hartnäckiges Vorurteil über Clemens Meyer lautet, er könne nur über Kleinkriminelle in Leipzig Ost schreiben. Dass das nichts anderes ist als ein Vorurteil, dürfte mit seinem zweiten Buch geklärt sein – auch wenn einige der Erzählungen im Milieu bleiben. Es ist ja, auch wenn es sich um Literatur handelt, immer schön, wenn Vorurteile entkräftet werden. Trotzdem haben Vorurteile über Schriftsteller auch ihr Gutes: Denn wenn gesagt wird, dass Clemens Meyer nur das eine kann, heißt das ja auch, dass er das sehr überzeugend gemacht haben muss. Es heißt, genau besehen, dass den kritischen Kritikern die Argumente ausgegangen sind und ihnen nichts anderes bleibt, als den Mangel im Können zu finden.

    Clemens Meyers neues Buch hat den Untertitel: „Stories“. Gemeint ist die Short Story, auf deutsch „Kurzgeschichte“, eine sehr strenge Gattung, die in Amerika ihre größten Autoren hat, früh mit Edgar Allen Poe etwa, aber natürlich vor allem mit Francis Scott Fitzgerald, Sherwood Anderson und Hemingway. Jorge Luis Borges hat einmal über die Kurzgeschichte gesagt: „Uns fehlt der Optimismus des 19. Jahrhunderts, zu glauben, diese Welt ließe sich auf fünfhundert Seiten einfangen; deshalb wählen wir die kurze Form!“ Genau um diesen fehlenden Optimismus geht es bei Clemens Meyer, der ja mit einem 500-Seiten Roman angefangen hat – „Als wir träumten“ hieß er – er erzählte von Jugendlichen in Leipzig-Ost, von deren waghalsigen Leben, ihren Hoffnungen, von ihren Ängsten und ihrem Rausch. Ein 500-Seiten Roman, der, trotz seines Titels, eine Wahrheit transportiert, eine Wirklichkeit, die, bei allem Optimismus, so nur in kurze Geschichten passt. Dieser Roman, so scheint es mir, hat auch nie versucht, etwas anderes zu sein, als viele kurze Geschichten, die sich zu einem großen Bild zusammensetzen, das man Roman nennt. Jetzt hat Clemens Meyer Kurzgeschichten geschrieben, – und die Feuilletons sind zu recht begeistert. Denn es ist lange her, dass in der deutschsprachigen Literatur klassische Short Storys dieser Qualität geschrieben worden sind.

    Die große Zeit der Kurzgeschichte in Deutschland war nach dem Krieg. Autoren wie Heinrich Böll oder Marie Luise Kaschnitz orientierten sich an großen amerikanischen Vorbildern,
    Vorbildern, die eine Literatur schrieben, die der des Nationalsozialismus entgegengesetzt zu sein schien. Lakonisch, konzentriert, einfach und sachlich sollte es sein, eine Stunde Null, ein Neuanfang in Trümmern, Trümmern auch einer Literatur, die die letzten 12 Jahre nachzuholen hatte. Es ging um eine Bestandsaufnahme und um die Wahrheit. Wo der Anfang der Existenz ist, war auch der Anfang der Literatur. Nichts war selbstverständlich, nichts war „einfach da“. Was man wollte, musste man sich beschaffen oder erfinden. Damals hat man diese Form der Erzählung, die von ihrer Schnelligkeit, ihrer Direktheit, ihrer Aggressivität und ihrem direkten Gefühl lebt, gebraucht. Die Short Story war provozierend, erregend, sie war eine Waffe gegen Trägheit und Resignation.

    Nun kann man wohl die ersten Jahre des neuen Jahrtausends in Deutschland schlecht mit der Nachkriegszeit vergleichen. Aber vielleicht genügt es ja, nach Neukölln, nach Frankfurt ins Gallusviertel oder nach Leipzig Ost zu gehen, dorthin also, wo das Leben aus Enttäuschungen und Kämpfen besteht, um sich der Notwendigkeit von Geschichten bewusst zu werden, wie sie Clemens Meyer schreibt. Er ist der Urtypus eines Literaten: Er lebt dort, wo wir nicht sind, er hat ein instinktives Gespür für Menschen, ihre Geschichten und Abgründe. Entscheidend aber ist nicht der Wohnort von Clemens Meyer und dass er uns davon erzählt. Entscheidend ist seine literarische Kraft, die in der deutschen Literatur ihresgleichen sucht. Entscheidend ist seine erzählerische Unbedingtheit, die die Probleme seiner Helden zu unseren macht. Man steigt mit einem Schritt ungeschützt hinein in jede seiner Geschichten. Oft beginnt so ein Text mit einem Pronomen. Von irgendeiner Person ist da die Rede, sie wird nicht eingeführt, sie ist unbekannt, aber man ist sofort bei ihr, bei ihrem Gefühl, ihrer Angst, ihrer Not. „’Mach’s gut’, sagt sie und nimmt ihre Tasche vom Bett. Ich nicke, und sie geht.“ „Mach’s gut“. So beginnt Clemens Meyers erste Story in „Die Nacht, die Lichter“. Der erste Satz schon verabschiedet sich vom Leser. Sofort ist man gefangen von der Einsamkeit desjenigen, der da zurückbleibt. Die Liebe als Drama der Einsamkeit.

    Alle diese Geschichten beginnen mit Momenten, in denen sich etwas zuspitzt.
    Trauer, Alleinsein, Furcht. Und immer handeln sie von der kleinen Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit, von schwankenden Glückssuchern, die durch die Städte streifen, durch die Nacht, mit ihren Lichtern. „Als wir träumten“ – der Titel des ersten Romans war Programm, denn es sind Romantiker, von denen Clemens Meyer erzählt. Über Francis Scott Fitzgerald hat er einen wunderbar begeisterten und begeisternden Essay geschrieben, in dem er dessen „Poesie der Schlichtheit“ lobt. Diese Poesie der Schlichtheit, man könnte auch sagen der Wahrhaftigkeit oder der Wirklichkeit, macht auch sein eigenes Schreiben aus.

    Und nicht nur das. Fitzgeralds große verzweifelte, sich selbst zerstörende Romantiker, seine sich selbst illusionierenden, von jedem noch so kleinen Hoffnungsschimmer, von jedem fernen Licht am anderen Ufer geblendeten Träumer, diese Erwachsenen, die einmal Kinder waren und darüber nicht hinaus gekommen sind, diese Kinder im Erwachsenenkörper – an sie erinnern die Helden, von denen Clemens Meyers Geschichten handeln.

    Wenn Clemens Meyer über Kleinkriminelle und Boxer, über Knastbrüder und Autoknacker schreibt – im neuen Buch auch über einen dicken Lehrer oder über einen alten Mann, der seine Tiere begräbt – dann erzählt er von denen, die ihren Sehnsüchten und Träumen ausgeliefert sind. Ob sie nun in Leipzig leben oder woanders. Meyer kennt, wovon er schreibt. Und damit meine ich nicht das Milieu. „Meyer haut sich rein in seine Geschichten.
    Er nähert sich seinen Figuren mit einem genauen, neugierigen und beinahe zärtlichen Blick“, schreibt der Spiegel. „So was hat die deutsche Literatur noch nicht gesehen“, sagt Meyer.
    Und da gebe ich ihm Recht. Überzeugt euch selbst.

    Mehr
  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    02. September 2008 um 14:33

    Leuchtende Stories,

    Nachdem ich "Als wir träumten" begeistert gelesen hatte, hatte ich Bedenken, ob Clemens Meyer (Jahrgang 1977!) seinen doch sehr spezifischen Erstling toppen wird können. Er hat also keinen Roman nachgelegt, sondern einen Band mit der wahrscheinlich sogar schwierigeren Form der Erzählung, bzw. um genau zu sein, der "Story". Dieser feine Unterschied ist wichtig, da sich Clemens Meyer weniger an der im deutschsprachigen Raum typischen Erzählung, sondern an der eher amerikanischen "Short Story" orientiert. Dadurch entsteht in seinen Stories eine eigenartig rauhe Poesie der Sprache, die nichts mit den z.T. selbstverliebten (und nichtssagenden) Prosagebilden vieler anderer (z.T. sehr erfolgreicher) junger deutscher (bzw. deutschsprachiger) SchriftstellerInnen zu tun hat. Literatur, die trifft, berührt, nie sentimental ist, die den Leser sprachlos zurücklässt und vor allem zeigt, dass es wirklich große junge Literatur gibt. Irgendwo am Schutzumschlag steht eine Aussage von Clemens Meyer, er wolle Geschichten schreiben, die leuchten. Das tun sie, und wie !

    Mehr
  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    HeikeG

    HeikeG

    12. August 2008 um 17:46

    "Er hat mir sein Licht gegeben, indem er mir die Dunkelheit gezeigt hat."

    Dieser Satz aus "Wagen 29" könnte stellvertretend für alle anderen 15 Stories des großartigen Erzählbandes "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer stehen. Dunkelheit gibt es fürwahr mehr als genug im Alltag seiner "Helden", aber immer wieder strahlt der kleine Funke Hoffnung, das Licht am Ende des Tunnels.

    Wer ist dieser junge Autor, der in Halle geboren wurde und in Leipzig lebt?
    "Das ist der, der den Buchmessepreis gewonnen hat. Der, der so gar keinen Respekt vor den Juroren dieser Auszeichnung hatte." "Meyer? Clemens? Ist der nicht am ganzen Körper tätowiert?" "Ja genau der! Hast du gesehen, wie er seine Freude über den Gewinn herausgeschrien hat? Mit Bier hat er angestoßen und sich dabei alles übers Gesicht gekippt. Bisschen komisch war der schon, zu aufgedreht, passte gar nicht ins übliche Klientel."

    So oder ähnlich könnte sich eine Diskussion zwischen zwei Besuchern auf der Veranstaltung zur Verleihung des "Preises der Leipziger Buchmesse 2008" angehört haben. Auf einige Gäste wirkte der Autor wie der "Underdog der Literaturszene". Er schien geradewegs aus einer Story seiner Erzählungen entsprungen zu sein. Meyer schreibt von Menschen, die nicht mehr ins sogenannte gesellschaftliche Raster passen, die Drogen nehmen oder im Knast sitzen, die trinken, spielen, dealen und sich prügeln: die "Looser der Nation".

    Der Autor siedelt seine Erzählungen in verwahrlosten Wohnungen, in Bierkneipen, im Boxring oder in stillen, nächtlichen Straßen an der trostlosen Peripherie einer Stadt an.
    Er berichtet zum Beispiel von einem Arbeitslosen, der - auch noch von der Frau verlassen - seine ganze Zuneigung seinem Hund widmet. Doch dieser erkrankt schwer und nur eine kostspielige Operation könnte ihm helfen. Also setzt er sein ganzes Geld in eine Pferdewette.
    Oder der schwarze Boxer, der seine Gage dadurch aufstockt, dass er bewusst verliert. Bis zu dem Tag, wo er doch einmal gewinnt... im Ring.
    In einer anderen Erzählung soll der Langzeitknastie beim Freigang der Tochter seines Mithäftlings Geld übergeben. "Nimm es und gib's ihr. Is 'ne Überraschung. Sie macht doch jetzt Lehre, hat nicht viel." Doch als er bei ihr in der Wohnung auftaucht, wird er von deren Zuhälter zusammengeschlagen.
    Oder der alte Mann in dem verlassenen Dorf, dessen Frau schon lange tot ist, der all seinen Lebensmut verloren hat, die Hühner auf seinem Hof tötet und seinen Freund bittet, ihm dessen Pistole zu geben, um seinen kranken Hund zu erschießen, aber dazu mindestens zwei Patronen haben will. Intensiv auch die Geschichte des kranken, drogensüchtigen Malers, der nicht nur entfernt Ähnlichkeit mit Jörg Immendorff aufweist und dessen Leben im letzten Rausch in einem Hotelzimmer an ihm vorbei gleitet.

    Vage Hoffnung durchströmt seine Nachtgestalten

    Trotz der Dunkelheit, in die seine Protagonisten abgerutscht sind und die sich durch alle Erzählungen zieht, setzt Meyer immer wieder Lichter. Lichter, die zeitweise nur flimmern und kaum zu erkennen sind. Lichter, die sich bewegen, heller werden und manchmal auch wieder verschwinden. Doch niemals zerstört Clemens Meyer den Traum von einem besseren Leben, niemals die Illusionen seiner Figuren, auch wenn es der oberflächlichen Gesellschaft vielleicht so scheint.

    "Das wird schon, das wird schon wieder". Dieser Satz durchzieht als Leitmotiv alle 15 Stories. Vage Hoffnung durchströmt seine Nachtgestalten, die meist schon mit einem Bein am Abgrund stehen. Immer wieder setzt der Autor das sogenannte Licht am Ende des Tunnels: "in diesem Augenblick dache ich, dass es da so was wie ein Glück geben müsste, irgendwo, und die Angst und die Kälte, die ich mit mir rumschleppte (...) waren weg." (aus "Wir reisen") oder "Und dass das alles ein gutes Ende nimmt, daran glaube ich, daran glaube ich so fest, dass es fast schon wehtut." (aus "Die Flinte, die Laterne und Mary Monroe").
    Eine Lösung, ein Happy End, die gibt es jedoch nicht. Alles ist offen, könnte sich so oder so weiterentwickeln. Meyer erzeugt einen atemberaubenden Schwebezustand.

    Eigene Intensität ungesagter Worte

    Daneben entfaltet der Autor eine unglaubliche Dynamik. Er treibt den Leser mit einer permanenten Sogwirkung durch den Text, durch sein Wechselspiel zwischen Hell und Dunkel, zwischen Licht und Schatten, erzeugt eine suggestive Wirkung, lässt die Gedanken und Empfindungen seiner Protagonisten wirbeln, springt in die Vergangenheit und noch im selben Satz wieder zurück in die Gegenwart oder gar die Zukunft. Grenzen verwischen. Alles ist in Bewegung. Es gibt keinen Moment des Stillstandes. Wahrnehmung, Erinnerung und Traum fließen nahtlos ineinander.

    Das Nichtgesagt ist dabei Meyers Stärke. Eine ganz eigene Intensität unausgesprochener Worte zwischen den Zeilen zeichnet seine Erzählkunst aus. Gut und Böse gibt es nicht, alles verschwimmt. Zuweilen Entsetzen, aber kein Befremden, Hoffnungslosigkeit, aber auch Hoffnung: die Nacht, aber auch die Lichter.

    Meyer wertet nicht, schreibt ohne Pathos und Larmoyanz über seine sympathischen Anti-Helden, denen er dadurch so etwas wie Würde verleiht. Er dokumentiert, dies jedoch passgenau und mit einem exzellenten Blick auf intime Kenntnisse für diese Verhältnisse. Er selbst sagte einmal in einem Interview: "Émile Zola ist durch abgewrackte Gegenden gewandert, um Stoff zum Schreiben zu finden. Ich wohne dort."
    Clemens Meyer zeichnet in seinen Geschichten ein scharfes Bild unserer sozialen Verhältnisse und lässt in ihnen eine ganze Lebenswelt erkennen.

    Seine großartige Erzählkunst zeichnet sich auch dadurch aus, wie er alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunterbricht. Kurze Sätze, die alles sagen. Mit Kleinigkeiten, zudem meist unausgesprochen, verrät er mehr, als es seitenfüllende Abhandlungen tun würden. Er verdichtet auf ein Maximalmaß und erzeugt dadurch immensen inneren Druck und enormer Kraft. Seine präzise Unschärfe, seine wenigen Andeutungen, eröffnen komplexe Zusammenhänge.

    Fazit:
    Großartige 15 Stories eines verdienten Gewinners des "Buchpreises der Leipziger Buchmesse 2008".

    Mehr
  • Rezension zu "Die Nacht, die Lichter" von Clemens Meyer

    Die Nacht, die Lichter
    LeseAnne

    LeseAnne

    16. June 2008 um 19:07

    Nach den ersten 30 Seiten abgebrochen, muss ich nicht zu Ende lesen, dieser neue Schreibstil, ähnlich wie Katharina Hacker, sagt mir nicht so zu, war eher gelangweilt. Diese normalen Geschichten von super normalen Leuten haben irgendwie keinen Reiz, das ist alles so verloren..