Ein Thema, das gewiss viel hergibt, und das weit jenseits des internetbekannten Tentakelporns.
Lovecrafts Horror, der sich aus der Ohnmacht im Angesicht unverständlicher und übermächtiger Kräfte jenseits des uns Bekannten - nämlich aus den Tiefen des Universums - speist, dient den Autoren dieser Anthologie als Ausgangspunkt für ihre Kurzgeschichten.
Der einfache Konfrontation mit dem Übernatürlichen, das einen in guter Lovecraft-Manier letztlich in den Tod oder den Wahnsinn treibt, gelingt es heute nicht mehr, den Leser zu schockieren oder zu verstören. Statt des Horrors des mentalen Zusammenbruchs liegt der Fokus dieser Anthologie auf der Erotik des Wahnsinns oder der Erotik des Fremden, Übernatürlichen selbst.
Die diversen Kurzgeschichten der Autoren sind allesamt solide geschrieben, variieren in Qualität jedoch teils stark, was mitunter an der zu dichten Orientierung am Ausgangsmaterial liegt, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Trotzdem lässt die Sammlung nicht an Originalität vermissen - wohl aber größtenteils an Erotik, wobei das ein sehr subjektives Kriterium ist.
Persönliche Highlights waren Nathan Crowders "The Fishwives of Sean Brolly" und Kirsten Browns "Le Ciél Ouvert".
Die drei abschließenden Essays beschäftigen sich mit dem Cthulhu-Mythos in der Popkultur und der Erotik des Lovecraftian Horror.
Hier überzeugt stilistisch und inhaltlich lediglich das Essay von PhD Justin Everett, dessen Ausführungen dem akademischen Anspruch seines Essays Genüge tun und der "Cthulhurotica" in aller Kürze literaturwissenschaftlich beleuchtet.
Die beiden anderen Essays sind hauptsächlich Sammelsurien der Lovecraft'schen Einflüsse, die sich ihren Weg durch das Internet, Filme, Musik, Comics und Bücher tentakelt haben und einen kleinen Einblick in H. P.s Vermächtnis geben.
Insgesamt ist "Cthulhurotica" eine Anthologie für Menschen mit einem speziellen Geschmack - aber wer sich für Lovecraft und Cthulhu interessiert oder einfach nur Tentakel mag, wird sich dieses Buch mit dem großartigen Artwork und den skizzierten Illustrationen schon aus Prinzip ins Regal stellen müssen.
Ich jedenfalls hoffe auf eine Fortsetzung.
Die Erotik des Lovecraftian Horror



