Colette Vivier

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Liline. Tagebuch einer kleinen Französin.

Liline. Tagebuch einer kleinen Französin.

 (1)
Erschienen am 01.01.1959

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Rezension zu "Liline. Tagebuch einer kleinen Französin." von Colette Vivier

Ohne Mutti
Buchgespenstvor einem Jahr

Die elfjährige Liline ist rundum glücklich. Mit ihren Geschwistern Estelle und Riquet kommt sie gut aus, ihre beste Freundin Violette wohnt gleich nebenan und zusammen mit den anderen Kindern des Hauses kann man eine Menge anstellen. In ihrem Tagebuch erzählt sie von einer fröhlichen Kinderzeit, die plötzlich von einem Unglück überschattet wird. Ihre Mutter muss die Familie für eine Zeit alleine lassen und unter dem Regime der strengen, unnachsichtigen Tante Mimi fühlen sich die Kinder immer mehr verloren. Liline versucht immer wieder die Mutter zu ersetzen, doch zwischen Schule, Freundinnen und eigener Kindheit fühlt sie sich zunehmend überfordert.

Das Buch beginnt irreführend harmlos. Fröhlich plätschert eine glückliche Kindheit vor sich. Liebevoll und farbenfroh werden die unterschiedlichsten Charaktere – Kinder wie Erwachsene – gezeichnet. Man lernt jeden gut kennen, lacht mit Liline und ihren Freundinnen. Dann kommt der Wendepunkt und ein Schatten legt sich über die glückliche Welt. Wie Liline spürt man, wie mit der Ankunft von Tante Mimi die Geborgenheit verblasst. Man spürt wie Liline ein Stück erwachsener wird, aber dabei einsam ist. Sie kümmert sich, während von ihrer älteren Schwester und ihrem Vater nichts zu erwarten ist. Verständnis oder Hilfe findet sie bei niemandem. Dabei erstarrt die Geschichte nicht in einer simplen Schwarzweißzeichnung oder der Konstruktion einer einfachen Antagonistin zur liebevollen Mutti. Erst allmählich wird aus Tante Mimi eine Schreckgestalt, die nicht aus Bosheit sondern Unfähigkeit der Familie das Leben zur Hölle macht. Liline nimmt immer mehr die Rolle der perfekten Mutti ein – eine Reminiszenz an die Zeit, aber da sie immer wieder an ihre Grenzen stößt, der kindliche Charakter nicht verloren geht und die Überforderung stets deutlich wird, wirkt das weder altbacken noch unrealistisch. Stets bleibt die Geschichte vom fröhlichen Ton und der Kindersicht geprägt. Die Tagebuchform lässt den Leser hautnah dabei sein und jedes Erlebnis mitfühlen.

Ein zeitloses, amüsantes Kinderbuch mit ein paar ernsten Tönen und ohne moralischen Zeigefinger, das zu Unrecht vergessen wurde.

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