Colin Barrett

 4,3 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor*in von Wilde Häuser, Junge Wölfe und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Colin Barrett, 1982 in Kanada geboren, wuchs in der irischen Grafschaft Mayo auf. Er arbeitete zunächst für eine Mobilfunkfirma in Dublin, studierte dann bis 2009 Creative Writing am University College Dublin. Seine Erzählungen wurden in The Stinging Fly, Granta, Harper's und im New Yorker veröffentlicht. Sein Debüt Junge Wölfe (»Young Skins«) wurde mit dem Guardian First Book Award, dem Frank O'Connor International Short Story Award und dem Rooney Prize for Irish Literature ausgezeichnet. Colin Barrett arbeitet an seinem ersten Roman, der ebenfalls bei Steidl erscheinen wird. Er lebt in Kanada.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Colin Barrett

Cover des Buches Wilde Häuser (ISBN: 9783969994931)

Wilde Häuser

(4)
Erschienen am 19.03.2026
Cover des Buches Junge Wölfe (ISBN: 9783958291348)

Junge Wölfe

(2)
Erschienen am 09.03.2016
Cover des Buches Heimweh (ISBN: 9783969991107)

Heimweh

(1)
Erschienen am 06.12.2022
Cover des Buches Homesickness (ISBN: 9781787333819)

Homesickness

(1)
Erschienen am 10.03.2022

Neue Rezensionen zu Colin Barrett

Cover des Buches Wilde Häuser (ISBN: 9783969994931)
hamburgerlesemauss avatar

Rezension zu "Wilde Häuser" von Colin Barrett

hamburgerlesemaus
Sehr atmosphärisch

WILDE HÄUSER

Colin Barrett

CT: 19.03.26



Im Westen Irlands liegt die Kleinstadt Ballina in angespannter Stimmung: Das Wochenende des großen Festivals steht bevor.
Nicky und ihr Freund Doll besuchen eine Party. Es wird Whiskey getrunken, geknutscht und gestritten — bis Doll die Feier wütend verlässt und nie zu Hause ankommt.

Erst einige Tage später wird klar, dass er von zwei Kleinganoven entführt wurde. Doll soll für seinen Bruder Cillian geradestehen, den Kleindealer der Stadt, der bei seinem Boss noch eine offene Rechnung hat.

Die Entführer, Gabe und Sketch Ferdia, verstecken Doll im Haus von Dev. Der gutmütige junge Mann hat vor einem Jahr seine Mutter verloren und verlässt seitdem kaum noch das Haus, außer für Spaziergänge mit dem Hund. Dev war schon immer ein Außenseiter. Freunde hatte er nie, obwohl er sich immer danach sehnte. Nun scheint sich ihm endlich die Möglichkeit zu bieten, Teil einer Gruppe zu sein. Doch seine Sanftmütigkeit steht ihm dabei immer wieder im Weg.

Wie die Geschichte endet, solltet ihr besser selbst herausfinden.

Colin Barretts neuester Roman Wild Houses wurde mehrfach nominiert und ausgezeichnet. Unter anderem stand er auf der Longlist des Booker Prize 2024.

Die liebe @carola und ich sind in unserem ersten #buddyread nahezu atemlos durch die Seiten geflogen und tief in das düstere Drogenmilieu Ballinas eingetaucht.

Barrett zeichnet seine Figuren nicht mit großen bildhaften Beschreibungen, sondern erschafft vielmehr eine bedrückende Atmosphäre, die ihre Hoffnungslosigkeit spürbar macht. Ähnlich wie in den Büchern von Claire Keegan aus dem Steidl Verlag dominiert auch hier eine allgegenwärtige Perspektivlosigkeit.

Fazit:
Ein spannender und atmosphärischer Roman, der das Leben im Westen Irlands eindrucksvoll einfängt. Fesselnd geschrieben, auch wenn ich mir beim Plot am Ende noch etwas Größeres gewünscht hätte. Große Leseempfehlung!
4/5


Cover des Buches Wilde Häuser (ISBN: 9783969994931)
Hyperikums avatar

Rezension zu "Wilde Häuser" von Colin Barrett

Hyperikum
Intensiv und atmosphärisch

Dev liegt auf dem Sofa, die Kopfhörer auf den Ohren. Schräg gegenüber im Sessel, den früher seine Mutter für sich beanspruchte, die Promenadenmischung Georgie. Ein in die Jahre gekommener räudiger Köter mit schlechter Laune, fettem Überbiss und immerzu flehentlichem Blick. Georgie hat seiner verstorbenen Mutter gehört und war nie Devs Freund. Da er jedoch akzeptiert, dass Dev nun das Sagen hat und Herr über das Dosenfutter ist, führt er Devs Befehle aus, sofern sie energisch genug herausgebellt kommen.

Schluss jetzt!, dämmt Dev Georgies Gekläffe ein. Die Scheinwerferlichter eines Autos gleiten über die Wohnzimmerwände. Dev steht auf und schiebt die Vorhänge zur Seite. Er erkennt den Wagen seines Cousins Gabe Ferida. Er hält an, steigt aus, gefolgt von seinem Bruder Sketch. Sie zerren einen Jugendlichen von der Rückbank und scheuchen ihn zur Hintertür. Dev öffnet und sieht in ein blasses Gesicht.

Sketch ist zwei Jahre älter als Dev. Seine trainierten Oberarme sind übersät mit Tätowierungen. Sein Kinn ist kantig, die blauen Augen leuchten launisch. Wenn ihm danach ist, zieht er Schwachköpfen eins über. Gabe ist vierzig, sieht aber zehn Jahre älter aus. Er besteht aus Haut und Knochen. Sein langes vernarbtes Gesicht rahmt die tief in den Höhlen liegenden Augen ein. Zehn Jahre Heroin hatten ihm übel mitgespielt. Gar nicht einfach in der tiefsten Provinz Irlands so draufzukommen. Sie arbeiten für einen Typen namens Mulrooney. Kommen immer mal wieder bei Dev reingeschneit und bringen Pakete, die Dev dann wahlweise im Keller oder der Scheune unterbringt, bis sie wieder abgeholt werden. Dev bekommt dafür ein bisschen Geld. Jetzt sitzt der Junge in seiner Küche, weil sein Bruder die Feridas abgezockt hat. Dreizehn Riesen schuldet er Mulrooney und Sketch und Gabe werden sie eintreiben, egal wie. 

Fazit: Colin Barrett, mehrfach ausgezeichneter Autor, hat das Porträt dreier Kleinstadtganoven gezeichnet. Die Feridabrüder verticken Drogen, der behäbige Cousin Dev bietet sein Haus als Lager an. Eigentlich will Dev, der keine sozialen Kontakte hat, nur seine Ruhe. Doch dann schleppen sie ihm eine Geisel ins Haus, um von dessen Bruder zu erpressen, was ihnen zusteht. Die Mutter der Geisel setzt seinen Bruder unter Druck, der das Dilemma zu verantworten hat. Ich erfahre Devs Hintergründe und warum er unter Panikattacken leidet. Im Laufe der Geschichte nimmt die Geisel Einfluss auf den konfliktscheuen Dev und rettet damit ihr Leben. Der Autor hat die Gabe, szenisch zu schreiben, was die Geschichte atmosphärisch und dicht macht. Manchmal wurden mir die detaillierten Umgebungsbeschreibungen etwas viel, dennoch liest sich das Buch, als würde man einen Film schauen. Das war gute Unterhaltung und für alle Krimifans, die einen besonderen Schreibstil mögen genau das richtige Buch. Nicht zu vergessen, das Cover, die gesamte Umschlaggestaltung ist, wie bei allen gebundenen Steidl Büchern wieder ein besonderes Zusatzbonbon.

Cover des Buches Wilde Häuser (ISBN: 9783969994931)
cybergirlls avatar

Rezension zu "Wilde Häuser" von Colin Barrett

cybergirll
Kleinstadtganoven in der irischen Provinz

Klappentext:

Es ist das wichtigste Wochenende des Jahres. Während sich Ballina im Westen Irlands auf ein großes Fest vorbereitet, verschwindet Doll English nach einem Streit mit seiner Freundin Nicky spurlos von einer Party. Sketch und Gabe Ferdia, Kleinstadt-Gauner mit einem Hang zu roher Gewalt, haben den Jugendlichen entführt. Dessen älterer Bruder, der örtliche Dealer Cillian hat seine Schulden nicht bezahlt. Ihr Cousin Dev scheint den Ferdias der ideale Gastgeber für die Geiselnahme zu sein, denn der sanftmütige Riese führt in ländlicher Abgeschiedenheit ein Leben unter dem Radar. Dev wird zum unfreiwilligen Komplizen, doch ausgerechnet er, die personifizierte Untätigkeit, ist Dolls beste Chance zu überleben. Auch Nicky wird in den Rachefeldzug hineingezogen. Verkatert und voller dunkler Vorahnungen macht sie sich auf die Suche nach ihrem Freund. Wie Dev muss sie, um Doll zu retten, eine Entscheidung treffen.


„Wilde Häuser“ von Colin Barrett ist ein Roman mit skurrilen Charakteren und einem bissigen Humor.


Der Roman handelt von Kleinstadtganoven, Dealer, Schulden und Rache.

Colin Barrett entwirft ein atmosphärisch dichtes Porträt der irischen Provinz, das gleichermaßen düster wie tief berührend ist.


Die Charaktere sind skurril.

Da ist Dev, ein sanfter Riese, der unfreiwillig in die Machenschaften seines kriminellen Cousins hineingezogen wird, und die jungen Nicky, die verzweifelt versucht, ihren Platz in einer Welt voller Stillstand zu finden. Barrett zeichnet keine Helden, sondern echte Menschen mit Ecken und Kanten. 


Colin Barrett entwirft ein atmosphärisch dichtes Porträt der irischen Provinz, das gleichermaßen düster wie tief berührend ist.

Der Schreibstil ist präzise und atmosphärisch.

Colin Barretts Sprache ist ein Genuss. Er schreibt mit einer Präzision, jedes Wort sitzt, jedes Bild setzt sich im Kopf fest.

Der Autor schafft es, die Tristesse der Kleinstadt Ballina so lebendig zu beschreiben, dass man den Regen förmlich auf der Haut spürt. Dabei verfällt er nie in Klischees, sondern findet für das Alltägliche eine ganz eigene, raue Poesie.


Trotz der harten Themen (Schulden, Entführung, Perspektivlosigkeit) ist das Buch überraschend humorvoll. Es ist dieser typisch irische, beißende Humor, der aus der Ausweglosigkeit geboren wird. Die Dialoge sind staubtrocken und voller schlagfertiger Boshaftigkeiten, die einen immer wieder laut auflachen lassen. Dieser Kontrast zwischen Gewalt und Witz verleiht der Geschichte eine enorme Dynamik.


„Wilde Häuser“ ist ein fesselnder Noir-Roman über Familie, Loyalität und die Enge der Provinz. Ein absolutes Highlight für alle, die literarische Qualität gepaart mit einer packenden Story suchen.


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