Colin Bruce Sherlock Holmes und der Energie- Anarchist. 12 physikalische Rätsel brillant gelöst

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Inhaltsangabe zu „Sherlock Holmes und der Energie- Anarchist. 12 physikalische Rätsel brillant gelöst“ von Colin Bruce

"Eigentlich sind Physiker ja Detektive" -- das wird sich Colin Bruce gedacht haben, als er in seinem neuen Buch <I>Sherlock Holmes und der Energie-Anarchist</I> gleich die berühmteste aller Spürnasen (okay, vielleicht nach Marlowe, Rockford und Columbo) auf einige besonders seltsame Fälle angesetzt hat. Zugegeben, nicht jedem wird der Vergleich zwischen der Lupe des scharfsinnigen Holmes und den Teilchenbeschleunigern der heutigen Physiker unmittelbar einleuchten. Aber, wie Bruce seinen Helden einmal sagen läßt: "Lösen Sie sich von dem Irrglauben, daß ein Wissenschaftler stets auf teure und komplizierte Geräte angewiesen ist, um bestimmte Phänomene der Natur zu untersuchen. Der Schlüssel findet sich immer im menschlichen Geist." Recht hat er!<P> Die bittere Pille Physik im Zuckerguß, das ist die Idee hinter diesem Buch: Bruce versucht, seinen Lesern physikalische Welterkenntnis praktisch nebenbei, im Krimigewand, schmackhaft zu machen. Seine Themen findet er bei tiefen Griffen in das naturwissenschaftliche Abstrusitätenkabinett, und wenn der frisch reanimierte Holmes seine neuen Fälle löst, ist der Schlüssel dazu immer die Einsicht in ein physikalisches Phänomen: Ein vermeintlicher Einbruch in ein Naturkundemuseum führt auf die Spur der Alphastrahlen, geheimnisvolle Todesfälle hängen mit möglichen Deutungen der Quantenmechanik zusammen; Bruce verschafft Schrödingers Katze einen Gastauftritt und läßt Holmes ergründen, warum auch dringende Geheimbotschaften nicht schneller sein können als das Licht. Irgendwann läßt er sogar eine Atombombe in der Nähe von London detonieren.<P> An den Stil des Sherlock Holmes-Erfinders Arthur Conan Doyle kommt Bruce trotz der liebevollen Gestaltung seiner Figuren nicht ganz heran -- kein Problem, schließlich verstand Doyle ja auch nichts von Doppelspalt-Experimenten. Schwerer wiegt allerdings, daß die Erklärungen, die Bruce seinen Protagonisten in den Mund legt, nicht immer so leicht zu begreifen sind wie die eleganten Enthüllungen des Original-Holmes. Bruce wollte bewußt keine Formeln drucken, aber seine Figuren beten schwierige Herleitungen zuweilen herunter, als hätten sie eine Feynman-Vorlesung vor dem inneren Auge. Das soll vermutlich brilliant wirken, bringt aber zuweilen die Verständlichkeit zur Strecke: Vieles, was Holmes seinem Assistenten Dr. Watson erklärt, muß man wie in einem Physikbuch zweimal durchlesen. Da hätte mancher vielleicht doch lieber die Formeln oder ein paar aussagekräftige Skizzen gehabt - oder Bruce ein paar Seiten mehr gegönnt, um seinen Protagonisten etwas mehr Atem zur Erklärung zu lassen. Woher der Wind weht, zeigt dem mißtrauischen Leser denn auch die Anlage der Stories, die gelegentlich etwas konstruiert daherkommen. Hier stand die Physik - und nicht der Krimi - im Vordergrund. Schade: Etwas mehr "Quincy" hätte dem Buch gutgetan.<P> Trotzdem ist <I>Sherlock Holmes und der Energie-Anarchist</I> ein ganz und gar außergewöhnliches Buch. Wer ein wenig von Physik versteht, der wird Bruce und seinen Physikdetektiven mit Vergnügen folgen - am besten, wie es sich für Sherlock-Holmes-Geschichten gehört, abends in einem Schaukelstuhl neben einem prasselnden Kaminfeuer. Und Lehrer, die ihre Schüler mit einer Geschichte aus diesem Buch auf kommenden Stoff einstimmen wollen, machen damit bestimmt keinen Fehler. <I>--Stefan Albus</I>
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