Colin Thubron Ein Berg in Tibet (DuMont Reiseabenteuer)

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Inhaltsangabe zu „Ein Berg in Tibet (DuMont Reiseabenteuer)“ von Colin Thubron

Nach dem Tod seiner Mutter pilgert der berühmte britische Schriftsteller Colin Thubron, ein welterfahrener, weiser alter Mann, nach Tibet. Es wird eine mühe volle Fußreise von Nepal über die tibetischen Pässe zu den magischen Seen unter dem heiligen Kailash, dem heiligsten Berg der Tibeter. Dort mischt er sich un ter die Pilger und nimmt an der rituellen Umrundung des Berges teil. Er spricht mit den Bergführern, mit Bewohnern abgelegener Dörfer, mit Mönchen in verfallenden Klöstern und bringt uns so die Seele der Tibeter näher. Ein tiefgrün diges Buch von großer Erzählkraft.
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  • Eine Reise ins Land westlicher Verklärungsphantasien

    Ein Berg in Tibet (DuMont Reiseabenteuer)

    R_Manthey

    27. December 2015 um 16:47

    Es geht hier nicht um irgendeinen Berg in Tibet, sondern um den heiligen Berg mehrerer Gottheiten. Man muss ihn als Gläubiger wenigstens einmal im Leben umrundet haben. Diese gewaltige Anstrengung lohnt sich: "Eine einzige Umrundung des Berges, so heißt es, vertreibt die Beschmutzung eines ganzen Lebens und bringt Vergeltung selbst noch für einen Mord an einem Lama, an Vater oder Mutter, während einhundertacht Umrundungen den Pilger in den Rang eines Buddha erheben." Colin Thubron wollte es genau wissen und hat diese Reise noch in recht hohem Alter auf sich genommen. Er startete von Simikot in Nepal und lief mit mehreren Begleitern und Trägern zunächst zu Fuß bis an die Grenze zu Tibet. Allein diese Wanderung hat es bereits in sich, denn die Anstiege sind erheblich. Und kurz vor der tibetischen Grenze wartet der 4620 Meter hohe Nora-Pass. Auf chinesischem Gebiet greifen danach andere Beförderungsmöglichkeiten. Den Kailash kann man auf dem Cover dieses Buches bewundern. Sein majestätisches Aussehen allein wird in ihn nicht in den Stand eines Heiligen befördert haben. Für die Verhältnisse im Himalaya beeindruckt auch seine Höhe von etwas über 6700 Metern kaum. Aber er steht alleine da. Und in seiner Umgebung liegen die Quellen von vier großen asiatischen Flüssen. Bisher hat ihn noch niemand bestiegen. Leider enthalten die Reisebeschreibungen dieser Reihe keine Bilder. Vielleicht kann man dies im Allgemeinen verkraften. Doch in diesem Fall versagt das eigene Vorstellungsvermögen an der Dimension dieser Berge und den Kontrasten der monumentalen Landschaften. In gewaltiger Höhe liegen in graubraunem Gestein immer wieder Dörfer oder Klöster und malen bunte Tupfer in die Hochtäler. Man glaubt als Europäer kaum, dass man dort leben kann. Und in Wirklichkeit geht es tatsächlich nur unter kaum vorstellbaren Mühen, wenn überhaupt. Die kleinen Felder geben oft nicht genug her. Manchmal hilft ein kleiner Nebenverdienst als Träger für Touristen. Nicht selten entschließen sich Männer, Mönche zu werden. Immerhin erweist sich das als recht erfolgreiche Überlebensstrategie. Wenn man Colin Thubrons Reisebericht liest, lösen sich viele westliche Phantasien in Luft auf. Während er über seine unmittelbaren Erfahrungen berichtet, fallen ihm auch Begebenheiten, Erlebnisse und Geschichten ein, die einen unverklärten Blick auf die Wirklichkeit in Nepal und Tibet zulassen: Armut, Rückständigkeit, Verfall und ein in Agonie liegender Staat in Nepal und Besetzung und Umerziehung in Tibet. Gelegentlich kommt auch die Vergangenheit zurück, wenn Thubron über die verschiedenen Erkundungsversuche am Kailash und über die Vereinnahmung des Berges durch verschiedene Glaubensrichtungen erzählt. Oder über seinen Vater, der einst in Indien stationiert war. Am Höhepunkt seiner Reise erlebt Thubron den eigenartigen Mikrokosmos am Kailash, in dem natürlich auch der übliche menschliche Irrsinn seinen Platz einimmt. Viele Inder buchen eine Umrundung des Kailash, weil er auch für Hindus heilig ist. Zu Hause haben sie bestenfalls einmal die Treppe bestiegen. Nun ereilt sie der Tod beim Versuch, die eigenen Sünden loszuwerden. Dieses Buch zu lesen, ist ein Erlebnis. Nicht nur, dass es hervorragend geschrieben und leicht lesbar ist - es befreit vielleicht auch manchen Esoteriker von falschen Vorstellungen. Wer einen visuellen Eindruck von dieser faszinierenden Landschaft gewinnen will, kann das hier tun: Himalaja: 40 Jahre unterwegs auf dem Dach der Welt oder hier: Tibet: Ein Blick zurück. Ein authentisches Buch eines klugen Mannes.

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