Colin Thubron In Siberia

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Inhaltsangabe zu „In Siberia“ von Colin Thubron

Eine düstere und wahnsinnig interessante Reise durch das unwirtliche Sibirien

— ichundelaine
ichundelaine
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  • Durch das wilde Land

    In Siberia
    ichundelaine

    ichundelaine

    04. August 2017 um 16:14

    Man sollte viel mehr reisen! Leider fehlt einem meist die Zeit und/oder das Geld und/oder die richtigen Mitreisenden, deshalb bin ich ein sehr großer Freund der Reiseliteratur. Sie erlaubt es dem Leser, durch die abenteuerlichsten Gegenden dieser Erde zu reisen, ohne einen Fuß in den Schnee oder Sand setzen zu müssen. Mit Colin Thubron bin ich also kürzlich mit Bahn, Schiff und Bus von Yekaterinenburg bis Vladiwostok ein Mal quer durch Sibirien gereist und es war wahrlich ein düsteres Abenteuer. Nichts desto trotz wollte ich nach der Lektüre SOFORT meine Tickets für die Transsibirische Eisenbahn kaufen.Sibirien erstreckt sich über ein Areal von 13,1 Quadratkilometern und ist sogar größer als China, doch leben dort nicht annähernd so viele Menschen und die klimatischen Bedingungen sind in Teilen sehr sehr harsch. So rau wie die Natur dort, so sind auch die Menschen, die irgendwie immer gelitten haben. Sie es unter den Zaren, dem kommunistischen Regime oder unter der Vernachlässigung der jetzigen Regierung. Thubron bereist halb-verwaiste Akademikerstädte, wo nur noch einige Tapfere aushalten und mit primitivsten Mitteln nach magnetischer Strahlung forschen, er besucht ein Dorf, wo wirklich JEDER Alkoholiker ist und ist immer wieder Gast bei warmherzigen, interessanten Menschen.Er zeigt in seinem Buch die Zerissenheit Sibiriens, die irgendwo auch für ganz Russland steht - der Spagat zwischen Moderne und Tradition, die während des Kommunismus unterdrückt wurde. Gleichzeitig beschreibt er düstere Landschaften so eindringlich, dass ich beim Lesen leicht fröstelte.Dieses Buch hat alles, was man sich von einem Reisebericht wünscht und noch einiges mehr. Minuspunkte würde ich lediglich aufgrund der theologischen Ausschweifungen geben, allerdings fallen diese nicht allzu stark ins Gewicht. Klare Leseempfehlung für Daheimbleiber und Seiten-Reiser!

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  • Sibirien

    In Siberia
    TheRavenking

    TheRavenking

    15. May 2017 um 22:46

    Sibirien bedeckt etwa 12% der Erdoberfläche. Auch wenn man den europäischen Teil Russlands davon abspalten würde, wär es immer noch das flächenmäßig größte Land der Erde. Der britische Autor Colin Thubron gehörte 1999 zu den ersten Ausländern, denen es erlaubt wurde dieses Gebiet zu bereisen. Thubron war bereits in den 1970-er Jahren, in der Breschnew-Ära durchs europäische Russland gereist. Diesmal führt ihn sein Trip von West nach Ost, von Jekaterinburg, wo die Zarenfamilie der Romanows hingerichtet wurde, bis Wladiwostok im äußersten Osten. Armut, Elend, Alkoholismus, Resignation und Zerfall begleiten ihn, sowie eine tiefe Melancholie. Die Geister der Vergangenheit schweben über dem Land, die Seelen all jener Ermordeten, die Opfer des stalinistischen Terrors wurden. Die Geschichte lastet schwer auf diesem Land, dessen Name lange Zeit als ein Synonym für Grauen und Folter wahrgenommen wurde. Thubrons Reisebuch ist sehr nachdenklich und philosophisch. Weite Strecken legt er per Zug zurück. Er besucht sowjetische Forschungseinrichtungen, wo man damals wunderbarsten Utopien nachhing, so wollte man mittels Solarkollektoren das sibirische Klima erwärmen, um ein mediterranes Paradies zu schaffen, und konstatiert resigniert, dass nichts von diesen Träumen übriggeblieben ist. Das Düstere, Pessimistische scheint eine ganz besondere Faszination auf ihn auszuüben: Er berichtet, dass in den Wäldern riesige Zecken lauern, welche sich mit Vorliebe in der menschlichen Kopfhaut festbeißen, weshalb man im Frühling und Sommer nicht ohne Kopfbedeckung im Freien unterwegs sein sollte. Die Gruselgeschichten der Natur werden nur von denen der Menschen übertroffen: Die Kälte im Straflager Kolyma war so groß, dass viele der Gefangenen ermordet wurden, einfach indem man sie ins Freie hinaustrieb, wo ihre Körper am Boden zerschmettert wurden und die Knochen, Eiskristallen gleich zu unzähligen Splittern zerbarsten. Es sind Passagen wie diese, die in Erinnerung bleiben. Sehr traurig und sehr lesenswert.

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