Colm Tóibín Nora Webster

(8)

Lovelybooks Bewertung

  • 9 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(4)
(1)
(2)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Nora Webster“ von Colm Tóibín

Als ihr Mann viel zu früh stirbt, verfällt Nora Webster in einen Schockzustand. Es ist das provinzielle Irland der 60er Jahre, in dem sie nun versuchen muss, sich in einem selbstbestimmten Leben als Frau und Mutter von vier Kindern zurechtzufinden. Jeder kennt jeden in der kleinen Stadt, das macht all die Entscheidungen, die sie nun alleine fällen muss, nicht einfacher. Nora ist katholisch und unkonventionell, mit grimmiger Intelligenz sucht sie neue Wege für sich und ihre Kinder. In seinem großen Roman gelingt Colm Tóibín das Porträt einer Frau, die die Unabhängigkeit ihrer Gefühle bewahrt. Nora Webster ist eine der bleibenden Frauenfiguren der Literatur.

Stöbern in Romane

Olga

Traurig. Melancholisch. Dennoch schön

Freda_Graufuss

Der Weihnachtswald

Tolles Weihnachtsbuch! Die Geschichte ist romantisch und verzaubert schön.

lesefant04

Das Herz des Henry Quantum

Meiner Meinung nach sehr emotionslos und überhaupt nicht packend

snekiiic

Leere Herzen

Tolles Cover, spannende Handlung, sprachlich ausgefeilt, Leseempfehlung!

dasannalein

Was man von hier aus sehen kann

Etwas ganz besonderes!

TheCoon

Kleine große Schritte

Ein wichtiges Thema, die Ausarbeitung überzeugt nicht ganz.

TheCoon

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Weiterleben

    Nora Webster

    serendipity3012

    19. February 2017 um 08:24

    Weiterleben  Noras Mann Maurice ist seit einigen Monaten tot. Sie versucht, zurück in den Alltag zu finden und mit der neuen Situation zurechtzukommen. Wir befinden uns in den späten 60er Jahren des 20. Jahrhunderts in einer kleinen Stadt in Irland. Dort wird viel geredet, und es ist wichtig, was die Leute über einen sagen. Es gibt jede Menge ungeschriebene Regeln, und von Nora wird erwartet, dass sie sich an diese Regeln hält. Zu Beginn des Romans ist sie Mitte 40 und der Leser darf sie ungefähr drei Jahre lang dabei begleiten, wie sie langsam in ein neues Leben ohne Maurice hineinfindet. Colm Tóibíns Roman „Nora Webster“, auf deutsch im Herbst 2016 bei Hanser erschienen, konzentriert sich sehr auf seine Hauptfigur. Nora ist gezwungen, zu arbeiten. Ihre beiden jüngeren Kinder, die Söhne Donal und Conor, sind aber eigentlich noch zu jung, um die Nachmittage allein zu Hause zu verbringen. Die Töchter Fiona und Aine sind schon aus dem Haus. Nora ist auf die Hilfe anderer angewiesen, ihrer Schwestern, mit denen sie ein nicht ganz spannungsfreies Verhältnis hat, ihrer Tante, die ihr auch mal den Kopf zurechtrückt, worauf Nora dann gern ein wenig spitz reagiert. „Nora Webster“ ist denn auch eigentlich hauptsächlich eine Charakterstudie dieser Frau: Sie ist eine starke Persönlichkeit, erlaubt sich auch eine eigene Meinung, wo die meisten Frauen in ihrem Umfeld eher schweigen und die Männer reden lassen, sie wehrt sich, als sie auf der Arbeit ungerecht behandelt bzw. gemobbt wird. Nora eckt an. Sie ist aber auch klug und wägt stets genau ab, wie sie vor allem in der Erziehung ihrer Kinder am besten reagiert. Sie entdeckt, dass sie selbst der wichtigste Mensch in ihrem Leben ist, verliert das Wohl vor allem der Söhne aber nie aus den Augen. Tóibín erzählt seine Geschichte in einem ruhigen Ton und lässt den Leser Platz nehmen an Noras Tisch in ihrem Haus, das ihr nun allein gehört, zeigt ihm ihr Leben: Irgendwann stellt sie fest, dass sie jetzt Dinge tun kann, die Maurice nicht mochte, wie Musik hören, so entdeckt sie die Klassik für sich. Oder dass sie das Haus verändern kann, wogegen er sich gesträubt hätte. Gefühle lässt Tóibín seine Protagonisten eher in Nuancen zeigen und kaum aussprechen, Noras Trauer um ihren Mann und die ihrer Kinder um den Vater spüren wir trotzdem. „Nora Webster“ hat starke autobiografische Züge: Colm Tóibín hat in seinem Roman seiner Mutter ein Denkmal gesetzt, die wie seine Protagonistin ihren Mann früh verlor. Und wie Noras Sohn Donal hat Tóibín nach dem Verlust des Vaters zu stottern begonnen. Wir lesen von der Mondlandung und von den Unruhen in Nordirland, immer wieder werden wir daran erinnert, wie sehr die kleine Stadt auf Nora achtet und auf das, was sie treibt. Man hat genaue Vorstellungen davon, was eine Witwe zu tun hat und in welchem Zeitraum die Dinge zu geschehen haben – dass sie es etwa nach drei Jahren immer noch nicht geschafft hat, Maurices Kleidung wegzugeben, sieht man mit Argwohn und Unverständnis. Wie Tóibíns Figur sich aber eigensinnig und mutig einen Weg sucht zurück in ein Leben ohne ihren Mann, der, für diese pragmatische Frau klingt es fast ein wenig rührselig, „die Liebe ihres Lebens“ war, das liest sich trotz aller Ruhe, trotz des Fehlens aller Dramatik, berührend und fesselnd. Über Trauer zu schreiben, ist stets schwer, hier gelingt es. Ein stilles Buch, in dem der Autor sich mit aller Behutsamkeit seiner Figur nähert. Wie schon der zuvor erschienene Roman „Brooklyn“ ist er zugleich die Charakterstudie einer Frau, die sich in einer neuen Situation zurechtfinden muss und dazu das Porträt einer Zeit des Aufbruchs und eines Milieus. All dies fügt sich zusammen zu einer lesenswerten Geschichte.

    Mehr
  • Ein intensives Frauenportait

    Nora Webster

    Minoo

    30. November 2016 um 09:06

    Beim Stöbern auf der Frankfurter Buchmesse, entdeckte ich "Nora Webster" von Colm Toibin und war bereits nach den ersten Seiten Feuer und Flamme. Umso mehr freute ich mich darüber, als ich wenige Wochen später mein eigenes Exemplar in der Hand hielt und die gesamte Geschichte lesen konnte. "Nora Webster" handelt von einer verwitweten Frau und ihrem Weg zurück ins Leben. Das Leben einer alleinerziehenden Mutter ist nie leicht, schon gar nicht im Irland der 60er Jahre. Noras Trauer um ihren Mann Maurice spielt in diesem Buch eine allgegenwärtige Rolle, wobei diese vom Autor nicht ausgesprochen werden muss. Colm Toibin beschreibt meisterhaft, wie Trauer den Menschen verändert und welch langer und schwerer es für die Hinterbliebenen ist, wieder mit dem Leben fertig zu werden. Die Beschreibung der Protagonistin ist unglaublich detailliert. Sie ist hart und unsicher zugleich. Sie ist stur und sie sagt und tut Dinge, die auf den ersten Blick nicht immer sympathisch sind. So ist sie beispielsweise nicht gerade dankbar für die Hilfe, die ihr zuteilwird. Sie empfindet diese als lästig, nimmt sie aber meist dennoch an. Oft auch deshalb, weil ihr gar nichts anderes übrig bleibt. Dank des Mitgefühls ihrer ehemaligen Arbeitgeber, erhält sie ihren alten Bürojob zurück, den sie jedoch früher schon nicht ausstehen konnte. Die Arbeitgeber kommen ihr nach kurzer Zeit sogar nochmals entgegen und zahlen ihr dasselbe Gehalt trotz Stundenreduzierung. Dennoch tritt Nora der Gewerkschaft bei, wohl einfach, weil sie dazu eingeladen wurde und kränkt ihre Arbeitgeber damit sehr. Es fällt ihr schwer Entscheidungen zu ihrer Gunsten zu treffen, wie sich bspw. einen Plattenspieler zu kaufen. Des Weiteren wird ihr Verhältnis zu ihren Kindern genauer betrachtet. Ihre beiden Töchter Aine und Fiona sind bereits aus dem Haus, während die beiden Jungs, Donal und Conor, noch Kinder sind und bei ihr leben. Noras Liebe zu ihren Kindern ist authentisch und für den Leser spürbar und doch hat sie Probleme, ebendiese Gefühle zu zeigen. Sie leidet darunter, wenn auch ohne dass dies genauer beschrieben wird, dass die Kinder ihrer Schwester mehr erzählen als ihr, sucht im gleichen Moment aber nach einer Begründung, warum dies wohl so ist. In diesen Momenten war für mich Noras Einsamkeit und Trauer am stärksten spürbar. Auch den Unterschied der Beziehung von Müttern zu ihren Söhnen bzw. Töchtern beschreibt Toibin gekonnt. Toibins Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er ist intensiv und eindringlich. Es gab immer wieder Szenen, welche mich nicht zuletzt durch Sprache und Wortwahl berührten und ich bin begeistert von seiner Fähigkeit unterschiedliche Stimmungen und Atmosphären zu schaffen. Das Buch ist in einem sehr ruhigen Ton geschrieben und schaffte es, mich auch ohne unerwartete Wendungen an die Seiten zu fesseln. Den Charakter Nora Webster habe ich bereits beschrieben und für seinen Tiefgang gelobt, doch auch die Nebencharaktere in diesem Werk dürfen nicht unerwähnt bleiben. Egal ob die Schwestern, die Kinder, die Arbeitgeber oder die Kollegin...all diesen Charaktere konnte der Autor ausreichend Leben einhauchen, dass auch diese authentisch wirkten. Fazit: Dank Nora Webster kann ich es kaum erwarten weitere Bücher dieses großartigen Autors zu lesen. Ein Buch, das noch lange in mir nachhallen wird und das ich mit großer Sicherheit noch einmal lesen werde.

    Mehr
  • Frauenschicksal

    Nora Webster

    Clari

    17. October 2016 um 18:28

    Colm Tóibín ist ein Autor, der sich in die tieferen Schichten menschlichen Seins hineinversetzen kann, wie er bereits in seinem Roman „Brooklyn“ bewiesen hat.Mit seiner Hauptfigur Nora Webster hat er ein diffiziles und kritisches Frauenbild zu Ende der sechziger Jahre in Irland in den Fokus genommen. Erster Aufruhr bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Nord- und Südirland spielen am Rande der Geschichte mit.Nora Webster muss sich nach dem plötzlichen und frühen Tod ihres Mannes Maurice Mitte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in einem Provinznest im Süden Irlands alleine durchschlagen. Sie hat zwei Töchter, die schon aus dem Haus sind, und zwei kleine Söhne, die noch ihrer ganzen Fürsorge bedürfen. Ihr Mann war ein angesehener Lehrer im nahe gelegenen Städtchen Wexford. Beiläufig kommen ihr in Gedanken Erinnerungen an ihn, die von einer sehr glücklichen Ehe zeugen. Er war die Liebe ihres Lebens. Unwiederbringlich und grausam starb er in der Mitte ihres gemeinsamen Lebens. Die Familie erlebt eine einschneidende Wende mit seinem Tod.In pragmatischem und nüchternem Ton erzählt Colm Tóibín die Geschichte einer Frau, die auf sich gestellt mit allen Folgen der Alleinversorgerin für die Familie leben lernen muss. Immer wieder stellen sich Bekannte oder ihre Schwestern ein, die ihr helfen wollen, doch sie sucht nur die Ruhe, um ihr Leben neu zu ordnen. Nora musste vor ihrer Ehe im Büro der Firma Gibney arbeiten, obwohl sie das Zeug zu einer akademischen Laufbahn gehabt hätte. Die häuslichen Verhältnisse ließen ein Studium nicht zu.Nun bietet man ihr erneut eine Stelle in derselben Firma an, da man weiß, dass der frühe Tod ihres Mannes sie mittellos hinterlassen hat. Erste Gewerkschaftsgründungen führen zur Gegnerschaft zwischen Arbeitgebern- und Nehmern. Nora ist eine aufgeweckte Person und sieht die Zeichen der Zeit und die Notwendigkeit für Veränderungen. Sie schließt sich einer Gewerkschaft an, was ihrem Stand in der Firma, in der sie als tüchtige Bürokraft geschätzt wird, nicht gerade dienlich ist.21 Jahre war sie mit Maurice verheiratet und konnte sich ihren Hobbies und dem Lesen widmen. Jetzt gehört sie wieder zu den weniger gut Betuchten, die sich hart durchschlagen müssen. Mit klarem Blick und wachen Sinnen orientiert sich Nora und sucht ihren eigenen Weg. Neid, Boshaftigkeit und der Kleingeist, von dem sie sich umgeben sieht, machen ihr das Leben schwer. Sie geht ihren Weg in großer Einsamkeit, denn sie ist klug und durchschaut die kleinen Schwächen der sie umgebenden Menschen mit analysierendem Blick. Wir erleben sie als gerechte und liebevolle Mutter, die ihren Kindern auf Augenhöhe begegnet. Colm Tóibín zeichnet seine Figur mit viel Empathie und Verständnis. Nora wird als stolz, klar und weitsichtig beschrieben. Ferner umreißt er das Milieu einer kleinen Stadt, in der es Klatsch und Tratsch gibt und in der strenge Hierarchien je nach Amt, Würden und dem Wohlstand herrschen. Der Roman gewinnt auf diese Weise den Status einer Sozialstudie. Colm Tóibín hat das Zeug zu einem Ausnahmeschriftsteller. Seine Romanfigur Nora Webster wird zu den großen Frauen der Weltliteratur wie Madam Bovary oder Effi Briest gerechnet.Giovanni und Ditte Bandini haben mit ihrer Übersetzung ihren Beitrag geleistet, um den Roman zu einer der wichtigsten Neuerscheinung des Herbstes 2016 zu verhelfen.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks