Colson Whitehead Underground Railroad

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Inhaltsangabe zu „Underground Railroad“ von Colson Whitehead

Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika.

Sklaverei, eines der grausamsten Kapitel der amerikanischren Geschichte, großartig erzählt

— ulrikerabe
ulrikerabe

Pflichtlektüre - schnörkellose, eindringliche aber auch hoffnungsvolle Geschichte über die Sklaverei und eine Flucht in die Freiheit

— krimielse
krimielse

Eine sehr eindringlich erzählte Geschichte der schrecklichen Zeit der Sklaverei in den USA.

— Gelinde
Gelinde

Hier wird fündig, wer wissen will, wie das Böse seit Jahrhunderten in Köpfen und Herzen der Menschen überleben konnte.

— Polly16
Polly16

Schmerzhaft, aber nicht ohne Hoffnung, ist hier ein eindringlicher Roman gelungen, der über Jahre hinweg an Relevanz nicht verlieren wird.

— TochterAlice
TochterAlice

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— queenbee_1611
queenbee_1611

Der Wunsch nach Freiheit

— Jonas1704
Jonas1704

emotionale Geschichte zwischen Realität und Fiktion - die Flucht einer SKlavin aus den Südstaaten

— Gartenkobold
Gartenkobold

Eine fesselnde Geschichte, welche die Railroad leider nur fiktiv beschreibt. Wer historischen Background erwartet, ist vielleicht enttäuscht

— jewi
jewi

Die Geschichte von Sklaverei und Rassismus, erzählt anhand des Schicksals der jungen Cora - geprägt von Gewalt und dem Wunsch nach Freiheit!

— DieBuchkolumnistin
DieBuchkolumnistin

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  • Underground Railroad

    Underground Railroad
    Kleine8310

    Kleine8310

    23. August 2017 um 01:20

    "Underground Railroad" ist ein Roman des Autors Colson Whitehead. Auf dieses Buch war ich schon seit einer ganzen Weile sehr gespannt, denn die Thematik hat direkt mein Interesse geweckt. Aus diesem Grund blieb es auch nicht lange ungelesen und ich kann nur sagen, dass dieses Buch wirklich etwas besonderes ist.   In dieser Geschichte geht es um die Protagonistin Cora. Cora lebt auf einer der Baumwollplantagen in Georgia und sie ist nicht die einzige, die aufgrund der menschenunwürdigen Bedingungen dort, von einer Flucht träumt. Da die Angst, es nicht zu schaffen, aber auch allgegenwärtig ist, traut sich kaum einer der Menschen dort auch nur näher in die Richtung einer Flucht zu denken.    Für Cora beginnt ein Umdenken, als sie von einem anderen jungen Arbeiter, namens Caesar, angesprochen wird, ob sie mit ihm fliehen würde. Und ein dramatisches Geschehen bringt ihr anfängliches Nein gehörig ins wanken und schließlich überwiegt ihre Sehnsucht nach Freiheit, die Angst vor Bestrafung.    Gemeinsam mit Caesar macht sich Cora auf einen gefährlichen Weg, der sie mit der Underground Railroad, einer unterirdischen Bahn, in Richtung Norden bringen soll. Doch schnell müssen die beiden feststellen, dass es nicht nur die Kopfgeldjäger sind, vor denen sie Angst haben müssen, denn jeder Staat den sie durchqueren hat seine ganz eigenen Gesetze und die machen auch vor den Menschen, die ihnen helfen wollen nicht Halt ... Der Einstieg in diesen Roman ist mir sehr gut gelungen. Ich war schon voller Neugier auf diese Geschichte und schon der Beginn zeigte mir, dass mich eine schonungslose und emotionale Handlung erwarten würde, was ich mir auch von diesem Buch erhofft habe. Ich wußte bisher nur sehr wenig über die Behandlung farbiger Menschen in Amerika, da außer dem Thema der Sklaverei, wie ich finde, vergleichsweise wenig davon bei uns in Deutschland ankommt. Daher fand ich es umso wichtiger dieses Buch zu lesen und ich bin auch jetzt, drei Tage nachdem ich das Buch beendet habe, noch mitgenommen und geschockt von den Inhalten. Ich hoffe, dass ich es in dieser Rezension schaffe dem Buch, wenigstens ansatzweise, gerecht zu werden.    Zu Beginn erfährt der Leser/ die Leserin auf wenigen Seiten Fakten zur realen Untergrund Bewegung der Schwarzen in Amerika, was ich sehr interessant fand. Ich weiß zwar sehr viel über den Holocaust etc aber über den Rassismus in Amerika doch noch viel zu wenig. Auch das Interview mit dem Autor, mit speziellen Fragen zu seinem Buch fand ich nicht nur interessant, sondern auch wichtig. Eine gute und hilfreiche Idee, auch zu der Geschichte ansich.   Der Schreibstil von Colson Whitehead ist eindringlich, ohne aufdringlich zu wirken und es gelingt dem Autor ohne irgendwelche Schnörkel oder blumige Beschreibungen, eine wahrhaft fesselnde und sehr emotionale Geschichte zu erschaffen, womit er mich sehr beeindruckt hat. Die Mischung aus Fakt und Fiktion und besonders die Underground Railroad, zu einer realen Untergrundbahn werden zu lassen, fand ich wirklich große klasse. Und hiermit hat der Autor auch ein ganz besonderes Setting erschaffen.   Die junge Cora als Protagonistin zu wählen, fand ich auch sehr gelungen. Sie wirkte, durch ihre schlimmen Erlebnisse, natürlich nicht immer so jung, aber gerade das machte die Geschichte für mich noch glaubhafter, da ich der Meinung bin, dass einen bestimmte Erlebnisse und Schicksalsschläge zwangsläufig altern lassen und bei Cora kam da einiges zusammen. Aber auch die anderen Charaktere fand ich hervorragend ausgearbeitet. Es gab viele Charaktere und ich fand, dass sie alle etwas besonderes hatten, womit der Autor etwas geschaffen hat, um sie in Erinnerung bleiben zu lassen.    Ein großes Plus der Geschichte waren für mich die Emotionen. Colson Whitehead hatte es nicht nötig in Klischee's zu verfallen, da die Handlung allein schon für einen dicken Kloss im Hals sorgt. Aber es ist nicht nur die Traurigkeit, die mich bei Lesen stets begleitet hat, sondern auch die Fassungslosigkeit, die Wut und die Scham, dass es solche Menschen tatsächlich auch außerhalb von Buchdeckeln gibt. In solchen Momenten kann man sich schämen zur menschlichen Rasse zu gehören. Dieses Buch gibt nicht nur Denkanstösse, sondern es rüttelt auch auf, was ich so wichtig finde.    Die Handlung und Cora's Weg mit der Underground Railroad war durchweg fesselnd zu lesen und ich war beeindruckt, wie gut es dem Autor gelungen ist, auch Ansätze aus dem Holocaust Geschehen und Rassismus Fakten verschiedener Jahre mit dieser fiktiven Geschichte zu verweben. Ich war während des lesens oftmals entsetzt und die Ungläubigkeit über manche Geschehnisse hat mich die ganze Zeit nicht mehr verlassen. Das Ende, auch wenn es teilweise offen ist ( und ich das eigentlich nicht so mag ) passt großartig zu dieser Geschichte. Zum einen weil es nicht nur Hoffnungslosigkeit zeigt, sondern auch einen weiterlebenden Hoffnungsschimmer auf Veränderung, aber auch aufgrund der gegenwärtigen Situationen den Rassismus betreffend, eigentlich auf der ganzen Welt. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass ich dieses Buch niemals vergessen werde, denn es hat sich in mein Herz eingebrannt und ich würde behaupten, dass es problemlos ein Klassiker in unserer Zeit werden sollte!   Positiv:  * wunderbar, flüssiger und fesselnder Schreibstil * sehr gute Ausarbeitung der Charaktere * spannende und bewegende Handlung * die Geschichte beinhaltet eine Fülle an Emotionen, die mich auch nach dem Lesen,     nicht verlassen haben * die Inhalte regen zum Nachdenken an * die Idee der Underground Railroad in Form einer Untergrundbahn, ist grandios und    voller Potenzial   Negativ:  * Nichts!   "Underground Railroad" hinterliess bei mir ein Gefühlschaos allererster Güte. Ich liebe dieses Buch und die Art, wie Colson Whitehead zum Nachdenken anregt und den Leser/die Leserin aufrüttelt. Für mich ist Cora's Geschichte schon jetzt ein Klassiker, den jede/r gelesen haben sollte!

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  • Eine bewegende Flucht aus der Sklaverei

    Underground Railroad
    Nabura

    Nabura

    22. August 2017 um 20:16

    Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist die Sklaverei in den Südstaaten Amerikas ein fest etabliert. Cora wurde als Sklavin geboren und schuftet auf einer Baumwollplantage in Georgia. Ihre Mutter ist die einzige geflüchtete Sklavin der Plantage, die nie gefunden und vor den Augen der anderen zu Tode gefoltert wurde. Cora fühlt sich von ihr im Stich gelassen und ist unter den anderen Sklaven als zu meidender Sonderling bekannt. Bis sie eines Tages von Caesar angesprochen wird: Er habe Verbindungen zur Underground Railroad, einem Netzwerk, das Sklaven bei der Flucht unterstützt. Gemeinsam mit ihr will er die Flucht wagen. Nach einigem Zögern sagt Cora zu und erlebt eine Odyssee, die geprägt ist von vorsichtiger Hoffnung und schweren Rückschlägen.Das Cover des Buches zeigt ein düsteres, allein stehendes Haus unter einem Sternenhimmel. Etwa so habe ich mir die Stationen der Unterground Railroad vorgestellt, zu denen die Sklaven in der Dunkelheit von ihren Helfern gebracht werden und wo eine versteckte Falltür hinunterführt zu Schienen, auf denen Züge die Geflüchteten gen Freiheit transportieren. Denn der Begriff Underground Railroad wird in diesem Roman wörtlich genommen: Aus dem historisch belegten Netzwerk von Unterstützern, die Sklaven versteckten und sie über geheime Fluchtrouten in Sicherheit brachten wird in diesem Roman ein unterirdisches, in seiner Ausdehnung enormes Schienennetz für die Flucht.Die Protagonistin Cora lernt man als Sklavin mit starkem Willen kennen, die das Risiko einer Flucht abwägt. Ihre Großmutter wurde in Afrika geraubt und starb als Sklavin, doch ihre Mutter ist vor Jahren geflüchtet und wurde nie gefunden. Andere Beispiele führen Cora jedoch vor Augen, welches schlimme Schicksal all jenen blüht, die gefunden werden. Ist es trotzdem einen Versuch wert? Während Cora überlegt, lernt man ihren Alltag auf der Plantage kennen. Die kräftezehrende Arbeit, die Intrigen unter den Sklaven, die Grausamkeit und Willkür des Plantagesbesitzers und entsetzliche Strafen, die jeden einmal treffen. Auch wenn mir die historischen Fakten bekannt waren, hat es mich betroffen gemacht, die Szenen durch Coras Augen zu erleben. Dass Cora flüchten wird verrät schon der Titel, doch nach diesen Einblicken konnte ich umso besser verstehen, weshalb ihr die Entscheidung so schwer fällt und warum sie sich schließlich wie so viele vor ihr trotzdem dafür entscheidet.Mit der Flucht kommt zur Dramatik eine Spannungskomponente hinzu. Wird das Vorhaben erfolgreich sein? Die Erlebnisse während der Flucht zeigten mir noch deutlicher, welches Schicksal den Geflüchteten bei Gefangennahme droht und ebenso denen, die geholfen haben. Immer wieder schöpft Cora vorsichtig Hoffnung, dass sich alles zum Besseren wendet. Dafür sorgen auch viele ganz verschiedene Menschen, die helfen wollen – ein großer Appell an Zivilcourage, die auch unter den widrigsten Bedingungen zum Glück nie gänzlich erstickt werden kann. Doch der Rassismus und damit verbundene feindselige Übergriffe treiben Cora von einem Ort zum anderen. Ich hatte großen Respekt vor ihrer Stärke, die sie bei all dem zeigt. Ihre Erlebnisse führten mir eindringlich vor Augen, wie Menschen durch Propaganda und Rassendenken zu grausamen Taten getrieben werden, die sie in der vollen Überzeugung ausführen, im Recht zu sein. Kurze Kapitel geben Einblicke in die Gedanken von Menschen, denen Cora auf ihrem Weg begegnet, und ließen mich ihre Motivation besser verstehen, auch wenn sie oft verwerflich ist. Dem Autor gelingt es, dass bei all der Grausamkeit die Hoffnung bis zum recht offenen Ende nie ganz verloren geht, was für mich eine gelungene Botschaft ist.In „Underground Railroad“ wagt die Sklavin Cora die lebensgefährliche Flucht gen Norden. Ihre Erlebnisse auf der Plantage und auf der Suche nach Freiheit machten mich betroffen. Eindringlich berichtet der Roman von gelebtem Rassismus in seiner schlimmsten Form und Menschen mit Zivilcourage, die heimlich Widerstand leisten und Hoffnung geben. Das Buch lässt den Leser durch die Augen einer Sklavin aufs Geschehen blicken und hat mich ins Nachdenken gebracht nicht nur über die Sklaverei in Amerika, sondern über Rassismus im Allgemeinen. Ich kann die Lektüre klar weiterempfehlen.

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  • Ein dunkles Kapitel der amerikanischen Geschichte

    Underground Railroad
    ulrikerabe

    ulrikerabe

    22. August 2017 um 19:54

    „We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness“ (aus der Präambel der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung)Cora ist jung, schwarz und Sklavin auf einer Baumwollplantage in Georgia im 19. Jahrhundert. Schon von Kindesbeinen ist sie auf sich gestellt, da ihre Mutter Mabel vor Jahren geflohen ist und nie wieder aufgefunden wurde. Couragiert stellt sie sich der unmenschlichen Behandlung durch ihren Besitzer, bis sie eines Tages selbst gemeinsam mit Caesar die Flucht wagt. Über die Underground Railroad schafft sie es auf Irrwegen immer wieder der Verfolgung durch Sklavenjäger oder dem weißen Mob zu entkommen und der Freiheit näher zu kommen.Die Underground Railroad gab es wirklich, es war ein Netzwerk von Fluchthelfern, die Begriffe aus dem Eisenbahnwesen als Codeworte benutzten., um geflohenen Sklaven die Freiheit zu verschaffen Colson Whitehead nimmt allerdings die Eisenbahn nicht als Metapher, sondern lässt seine Protagonistin tatsächlich mit unterirdischen Zügen von Station zu Station fahren. Allerdings wollte er auch keinen historischen Roman schreiben, sein Motto war, sich nicht an Tatsachen, sondern an die Wahrheit zu halten. Ausgehend von slave narratives, Erfahrungsberichten ehemaliger Sklaven und mündlicher Überlieferung erzählt er von unmenschlicher Grausamkeit und der Verrohung der herrschenden weiße Klasse. Manche Schilderungen sind so unfassbar grausam, dass man sich fragen muss, wieviel ein Mensch aushalten kann und was Menschen dazu bringt, nicht nur diese Grausamkeiten zu begehen, sondern diese auch noch als Belustigung für Gäste anzubieten und das Publikum dem beiwohnt. Als besonders zynisch habe ich es auch empfunden, dass ein Sklave angehalten wurde die amerikanische Unabhängigkeitserklärung zu deklamieren.Underground Railroad ist ein Buch das ungemein gehyped wurde. Pulitzerpreis 2017, National Book Award 2016, Barack Obama hatte es auf seiner Sommerleseliste 2016. Ausgehend von diesen hohen Erwartungen ließ ich mich auf dieses Buch nicht ganz vorbelastet ein. Das Buch ist ein großartiges Stück Literatur. Es schildert eines der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte, welche bislang eher stiefmütterlich behandelt wurde, aber jetzt auf einmal ausreichend bedient wird. Im Vergleich zu Yaa Gyasis Heimkehren, die sehr bildhaft mit ihren Protagonisten umgeht, fehlt mir das bei Underground Railroad. Es ist mir zu protokollarisch, von Cora zu sehr distanziert. Nichtsdestotrotz halte ich es für ein wichtiges und lesenswertes Buch.

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  • Spannende und einfühlsame Geschichte einer Flucht [Bonus: Vergleich mit Gyasi, Heimkehren]

    Underground Railroad
    Forti

    Forti

    21. August 2017 um 22:35

    Zusammen mit der jungen Sklavin Cora begibt sich der Leser auf die Flucht durch die Südstaaten der USA. Die Handlung spielt (vermutlich) Mitte des 19. Jahrhunderts.Die titelgebende Underground Railroad, das illegale Netzwerk, das wirklich Sklaven auf der Flucht geholfen hat, wird hier sehr fiktiv und auch nur als Nebenschauplatz dargestellt. Im Buch handelt es sich um eine Eisenbahn, die unter der Erde fährt, was so natürlich nicht geschehen ist. Diese Darstellung ist einerseits etwas schade, da ich gerne mehr über das Netzwerk erfahren hätte, andererseits rücken durch diese fiktive, unaufgeregte Umsetzung die Menschen und die Lebensumstände der Schwarzen in den USA in den Fokus. Das Amerika - vor allem die Südstaaten - vor dem Bürgerkrieg wird hier verdichtet in vielen Facetten dargestellt.Da die Darstellung der Underground Railroad fiktiv ist, habe ich mich gefragt, wie nah an der Realität die restlichen Schilderungen im Roman sind. Die Sklaverei wird brutaler dargestellt, als ich es je zuvor gelesenen habe - in der Annahme, dass es wirklich verbreitet solche Vorkommnisse gab, wie sie hier beschrieben sind, ist die Darstellung manchmal an der Grenze des Erträglichen. Hier wird nichts geschönt oder ausgelassen. Auch der Alltag der (vermeintlich) freien Schwarzen wird meiner Einschätzung nach mit Alltagsrassismus und Diskriminierungen sehr treffend dargestellt.Die Wurzeln des Rassismus in den heutigen USA und der dort teilweise immer noch herrschende Rassentrennung wurden für mich durch diesen Roman erklärbar (was beides aber natürlich nicht rechtfertigt).Definitiv ein lesenswertes Buch! Colson Whitehead hat eine einfühlsame, aber auch spannende Geschichte geschrieben. Für Laien in amerikanischer Geschichte hätte ich mir allerdings noch eine historische Einordnung der wahren Geschehnisse als Nachwort gewünscht.***Ein Vergleich zum anderen großen aktuellen Roman über Sklaverei bietet sich hier natürlich an. Yaa Gyasis "Heimkehren" ist in meinen Augen ebenfalls ein grandioses Buch zum Thema, geht dieses aber völlig anders an. Sie setzt in ihrem Roman einen Fokus auf Afrika und die Entwicklung einer Familie über mehr als 200 Jahre, während bei Colson Whitehead sich die Handlung auf die USA und eine einzelne Person bezieht. Der weiße Blickwinkel spielt bei Yaa Gyasi keine Rolle, während Colson Whitehead auch diesen beleuchtet. Ich lege dem interessierten Leser beide Bücher ans Herz. 

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  • LovelyBooks Literarische Weltreise 2017

    Reise um die Welt
    Ginevra

    Ginevra

    Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr (wieder) Lust auf eine literarische Weltreise im Jahr 2017? Dann lasst uns gemeinsam durch 21 verschiedene Lese- Regionen reisen! Die Aufgabe besteht darin... - 12 Bücher in einem Jahr zu lesen; - Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen); - Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen. - Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen; - Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen; - Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen, dabei sind 2 Kurzmeinungen erlaubt. - Eure Beiträge werde ich verlinken; - Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich; - Genre und Erscheinungsjahr sind egal: - Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt! Diese Challenge eignet sich für Neuerscheinungen aller Kategorien, um den SuB endlich mal weiter abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren. Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlost Lovelybooks am Ende des Jahres ein kleines Buchpaket! Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Viele tolle Tipps und Empfehlungen findet ihr auf der Seite der LIterarischen Weltreise 2016:  https://www.lovelybooks.de/autor/Lily-King/Euphoria-1117239512-w/leserunde/1210564360/ Dann wünsche ich uns allen... Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездки Счастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! - 旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。- Gute Reise! TeilnehmerInnen: ambermoonArgentumverde Arietta Aleida ban-aislingeach Bellis-Perennis Beust black_horse britta70 buchjunkie Buchraettin Buecherwurm Caroas carathisCaro_LesemausChattysBuecherBlog Code-between-lines Cornelia_RuoffCorsicana CosmoKramer danielamariaursula Elke elmidi faanie fasersprosse Fjordi Florenca Fornika Gela_HK Gelinde Ginevra Gruenente gst Gwendolina haberland86 Hamburgerin hannelore259 Harlequin histeriker Hortensia13 Igela Igelchen Isador Jari jeanne1302 lehmasLeonoraVonToffieFee leselea lesebiene27 lieberlesen21 Jisbon JuliB kingofmusic kleinechaotin krimielse LibriHolly Luiline marpije miss_mesmerized monerlnaninka Nelebooks  niknak Nisnis paevalill Pagina86 papaverorosso parden peedee Petris PMelittaM postbote saku Schlehenfee schokoloko29 seschat Sikal StefanieFreigericht sursulapitschi TanyBee TraubenbaerulrikerabeValabe vanessabln vielleser18 wandablue waschbaerin Wedma Wermoewe Wichellawidder1987 WollyYolande

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    • 1174
  • Pflichtlektüre

    Underground Railroad
    krimielse

    krimielse

    21. August 2017 um 22:04

    Die schwarze Sklavin Cora, gequält und gepeinigt auf einer Baumwollplantage in Georgia, nutzt die Chance zur Flucht aus dem Wahnsinn und der Gewalt, die ihren Alltag auf der Plantage beherrschen. Sie hatte seit ihrem 11.Lebensjahr, in dem ihre Mutter Mabel von der Plantage erfolgreich geflohen und sie zurückgelassen hatte, in der „Hob“, einer Hütte der Wahnsinnigen, Geächteten, Kranken und Ausgestoßenen unter den Sklaven gelebt und war zur Eigenbrötlerin geworden, begleitet von Stärke, Mut und Widerspruchsgeist, den sie allerdings sehr gut zu verstecken weiß. Hilfe bekommt Cora auf ihrer Flucht vom „Underground Railroad“, bestehend aus Fluchtstationen und einem Unterirdischem Schienenetzwerk, das die Flüchtigen zu nicht immer vorher bestimmbaren Orten bringt und sie dort in die Realität ausspuckt. Von einer Station in Georgia gelangt sie nach South Carolina, wo sie von einer gewaltigen Flüchtlingsindustrie „verarbeitet“ wird mit Wohnheimen, Arbeitsvermittlung, zwielichtigen medizinischen Untersuchungen. Erkannt und gejagt vom Sklavenjäger Ridgeway muss Cora weiter und landet in einer Station in North Carolina bei der Familie Wells, die schon seit zwei Generationen gegen die Sklaverei kämpft, sie aber wegen der Gefahr der Verhaftung monatelang auf dem Spitzboden ihres Hauses verstecken muss. Hin und hergerissen vom Wunsch nach Freiheit, von der Angst, entdeckt zu werden muss sich Cora den jeweiligen Gefahren stellen, von denen sie sich an jeder neuen Station der Underground Railroad überrascht wird. Die Underground Railroad war vom Ende des 18.Jahrhunderts bis Mitte des 19.Jahrhunderts ein Fluchtnetzwerk, geschaffen von den Abolitionisten, für entlaufene Sklaven von den Sklavenstaaten im Süden der USA in den Norden. Es bestand aus geheimen Routen und sicheren Häusern, vielen helfenden Händen, die dabei ihr Leben riskierten. Es ist ein heller Lichtpunkt im sehr dunklen Kapitel der USA zur Sklaverei. Benutzt wurden als Code Eisenbahnbegriffe wie Station, Schaffner, Gepäck, Passagiere… Colin Whitehead benutzt den Begriff Underground Railroad im Roman im wörtlichen Sinn. Es handelt sich tatsächlich um einen unterirdische Eisenbahnlinie mit verschiedenen Bahnstationen und Stationsvorstehern, zwischen denen Züge nach geheimen Absprachen verkehren. Der Roman lebt von der Protagonistin Cora, die mit ihrer Kraft und ihrem Lebensmut die Geschichte vorantreibt. Als Kind von ihrer Mutter allein gelassen setzt sie sich schon damals gegen Neid und Missgunst anderer Sklaven der Farm durch und verteidigt ihr winziges Stück Land, auf dem sie Gemüse anbaut. Verächtlich und gleichzeitig angstvoll gehen viele der anderen Sklaven mit ihr um. Sie ist eine Einzelgängerin und Träumerin, wissbegierig und lernfähig. Auf der Flucht in den verschiedenen Situationen findet sie sich schnell zurecht, nimmt sie mit, was sie kriegen kann und ist nur selten vom Glück begünstigt, sondern muss sich entlang ihres Weges hart voran kämpfen. Schnörkellos, knapp, eindringlich und treibend erzählt der Roman von der Flucht Coras, vom Grauen der Sklaverei in den USA, von der Gefahr, der sich Fluchthelfer ausgesetzt sahen. Dass die Befreiung der Sklaven in den Nordstaaten auch nicht wahre Selbstbestimmung der schwarzen Bevölkerung bedeuteten wird ebenso thematisiert wie die Greueltaten, die von Weißen Teufeln im Süden an ihrem beweglichen Eigentum verübt wurden. Und realistisch zeigt Whitehead, dass es auch unter den Sklaven selbst eine grausame Hackordnung gegeben hat. Entwürdigungen, unvorstellbare unmenschliche Erniedrigungen und Gewalttaten finden an manchen Stellen so intensiv sprachlich Ausdruck, dass man sich nicht abschotten kann, was ich für sehr gelungen und sehr wichtig halte; der Roman versucht eben nicht, eine extrem schmutzige Geschichte sauber zu schreiben. Hochaktuell, fesselnd und bereits mehrfach ausgezeichnet (National Book Award 2016, Pulitzer Preis 2017, Longlist Man Booker Prize 2017) ist der Roman in meinen Augen ein sehr wichtiges Buch zu einem Stück Geschichte, das gerne unter den Tisch gekehrt wird oder, schlimmer noch, als Vorlage für romantische Geschichten dient. Ich halte es für ein absolutes Muss an Lektüre in diesem Jahr.

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  • Episches Werk

    Underground Railroad
    DreamingBooks

    DreamingBooks

    21. August 2017 um 20:40

    Inhalt: Die Sklavin Cora, erlebt die alltägliche Odyssee auf den Baumwollplantagen Georgias, so wie Millionen andere Sklaven in den Südstaaten der USA. Wie Cora selbst, träumen so viele der schwarzen Sklaven von der Flucht aus den albtraumhaften Bedingungen, doch alles was ihnen bleibt, ist eben einzig der Gedanke daran. Denn auch wenn die Zustände, wie ein Tier behandelt zu werden grausam sind, ist die Angst zu fliehen und es nicht zu schaffen viel größer. Denn nicht selten müssen sie miterleben, wie Entflohene zurück gebracht werden und grausam zugrunde gerichtet werden. Doch als Cora eines Abends eine Entscheidung trifft, die ihr mehrere Peitschenhiebe einbringt, hört sie die Worte ihrers Leidensgenossens Ceasar immer lauter in ihrem Kopf.... der Fluchtweg über die underground railroad. Doch können sie es bis dahin überhaupt schaffen und wenn ja, ist das Leben was sie an anderer Stelle erwartet wirklich gnadenvoller? ! Meinung : Dies ist wohl das beste Buch in diesem Jahr, welches ich gelesen habe. Zwar habe ich kurz zuvor, das Buch von Yaa Gyasi gelesen, welches eine ähnliche Thematik beinhaltet und mich ebenfalls sehr überzeugen konnte, doch dieses Buch ist nochmals um einiges besser! Mit einer erbarmungslosen, bildhaften und zum Teil zu tiefst erschütternden Sprache, schafft der Autor Colson Whitehead ein Werk, das zum Klassiker und zur Schullektüre unserer Zeit werden könnte. Dieses Buch setzt ein Plädoyer für Freiheit, für Menschlichkeit, es weist die Grausamkeit der damaligen Zeit auf und es warnt uns davor, dass sich diese Dinge in der heutigen Zeit wiederholen. In meinen Augen sollte gerade aus diesem Grund, dieses Buch jeder gelesen haben, denn gerade in den Zeiten, die wir heutzutage wieder erleben, ist es umso wichtiger, dass uns die Augen geöffnet werden, damit sich Geschichte eben nicht, wie so oft wiederholt. Dieses Buch schafft Aufklärung, auf unbeschönigte Weise, es verstört, rührt zu Tränen und schafft einem Gänsehaut, weil man die reale Grausamkeit der Menschheit kaum mehr zu ertragen weiß. Durch episch gezeichnete Figuren, die man nur schwer vergessen wird, spiegelt er eines der grausamsten Szenarien unserer Menschheit wieder und dies macht er bravourös, mit unfassbaren literarischen Können, welches den Leser staunen lässt. Mit Sätzen, die unter die Haut gehen, die poetisch und einprägsam zugleich sind, weißt der Autor Whitehead darauf hin, was es bedeutete schwarz zu sein und das diese Zeit, wenn wir nicht aufpassen, immer noch nicht vorbei ist. Fazit : Ein Roman, welcher Realismus und Fiktion meisterhaft zu einem Werk, ja zu einem Plädoyer zusammenführt. Ein episches Buch, welches spannend, verstörend, traurig und zu tiefst wachrüttelnd fungiert. Ein Werk welches jung und alt lesen sollte, ein Werk, dass hoffentlich ein wenig Menschlichkeit in jedem von uns wachruft, denn davon gibt es auf der Welt damals wie heute, zu wenig ! 

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  • LovelyBooks Challenge Buchpreise 2017

    Widerfahrnis
    Ginevra

    Ginevra

    Challenge Buchpreise Liebe Lovelybookerinnen und Lovelybooker, lest auch Ihr gerne anspruchsvolle, womöglich sogar preisgekrönte Bücher? Interessiert Ihr Euch für die Long- und Shortlists diverser Buchpreise? Habt Ihr Lust, gemeinsam unterschiedliche Literatur- Preisträger kennenzulernen und sich hier darüber auszutauschen? Dann ist diese Challenge genau das Richtige für Dich! Hier die Regeln: Es gelten Bücher, die mindestens einmal auf einer Long- oder Shortlist für einen renommierten Buchpreis aufgetaucht sind, oder diesen sogar gewonnen haben.  Bei Preisen für das Gesamtwerk eines Künstlers/ einer Künstlerin gilt jedes Buch aus dem Gesamtwerk, auch nach der Preisverleihung erschienene Werke. Ganz wichtig: das Erscheinungsjahr ist dabei egal!  Hier werden einige Buchpreise vorgeschlagen, aber da es beinahe unzählige gibt, wird es Unterrubriken nach Genre geben. Es ist dabei egal, wieviele Bücher pro Liste gelesen werden. Wichtig ist in erster Linie der Austausch – und der Spass! Du darfst Dir ein persönliches Ziel setzen: 5, 10, 15 oder 20 Bücher! Wie funktioniert es praktisch? 1. Melde dich bitte mit einem Sammelbeitrag unter der entsprechenden Rubrik an! Der Sammelbeitrag wird in der Teilnehmerliste verlinkt, so dass Du ihn schnell wiederfindest. 2. Der Einstieg ist jederzeit möglich. Und du kannst dich natürlich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. 3. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und poste den link dazu in Deinem Sammelbeitrag. 4. Bitte beachten: Die Liste der Buchpreise erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, für alle weiteren Buchpreise gibt es die Rubrik „Sonstige“. 5. Anregungen findest Du u. a. auf folgenden links: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Literaturpreisen www.literaturpreisgewinner.de http://www.deutscher-buchpreis.de/ http://themanbookerprize.com/ http://academie-goncourt.fr/ http://www.norden.org/en/nordic-council/nordic-council-prizes/nordisk-raads-litteraturpris Hier noch ein interessanter link für verschiedene Krimipreise: http://www.das-syndikat.com/krimipreise.html Nimmst du die Herausforderung an?Ich freue mich auf viele Anmeldungen! TeilnehmerInnen (ist hier eigentlich auch ein Mann dabei??): Bellis-Perennisblack_horse Buchraettin Buecherwurm corsicana dia78 erinrosewell Ginevra Gruenente gst Gwendolina Harlequin Jary krimielse leselea lizzie123 marpije miss_mesmerized Orisha schokoloko29 Sikal StefanieFreigericht sursulapitschi wandablue Wedma

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    • 329
  • Ein dunkles Kapitel Amerikas treffend inszeniert

    Underground Railroad
    KSteffi1

    KSteffi1

    21. August 2017 um 17:21

    Ein dunkles Kapitel Amerikas treffend inszeniertAmerika steht bei uns Deutschen als Land der Demokratie hoch im Kurs – sehen wir mal von den derzeitigen Auswüchsen ab.Wir beneiden die Amerikaner um ihr Nationalbewusstsein – aber nicht nur wir Deutschen haben blinde Flecken in unserer Geschichte …Mir erscheint es nach der Lektüre dieses Roman zweifelhaft , ob die Amerikaner mit diesen Flecken so umgehen , wie sie das von uns Deutschen gerne erwarten – und wie es auch richtig ist.COLSON WHITEHEAD erklärt in seinem Roman Amerikas schmutzige Seiten im Georgia des frühen 19. Jahrhunderts : Eine Sklavin flieht durch ein geheimes Fluchtwegenetz:  die Untergrundbahn des Titels .In der Realität war sie ein Netzwerk von Gegnern der Sklaverei - im Roman wird sie zu einer echten unterirdischen Eisenbahn, die quer durch Amerika geflohene Sklaven in den Norden bringt.Deshalb bekam Colson Whitehead auch den National Book Award in der Kategorie "Fiktion". Er erzählt die Geschichte von Cora, einer Sklavin auf einer Baumwollplantage in Georgia vor dem amerikanischen Bürgerkrieg. Durch den Sklaven Caesar , der neu auf der Plantage, ist erfährt sie von einem geheimen Fluchthelfer-Netzwerk. Die beiden entschließen sich zur Flucht.Der Roman beginnt mit Ajarry, Coras Großmutter, die mit einem Schiff nach Amerika verschleppt  wurde und die immer wieder weiterverkauft wurde.Am Ende ihres Lebens kam sie auf die Farm der Randalls. An diesem Ort wuchs auch ihr Enkelin Cora auf. Deren Mutter Mabel wagte den Weg in den Norden, während ihre Großmutter ihr Schicksal ertrug. In Cora sind Beide verwurzelt, deshalb will sie zunächst nicht fliehen; sie weiß ja auch nicht, was sie erwartet. Die Flucht gestaltet sich schwierig und die Angst, wieder eingefangen zu werden, hängt ständig wie ein Damoklesschwert über Cora.Am Cover gefällt mir besonders der weite Sternenhimmel; ein Himmel , den Cora sicher oft auf ihrer Flucht gesehen hat und der sie vielleicht auch zum Träumen von der großen Freiheit lässt. Und im Hintergrund – wie zum Beweis- beginnt der neue Tag.Das fundierte Sachwissen des Romans spiegeln im Cover  die großen Letter des Titels sehr gut wider. Fiction und Realität sind nicht nur im Cover gut verwoben.

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  • Mit dem Zug in die Freiheit?

    Underground Railroad
    BuecherDanny

    BuecherDanny

    21. August 2017 um 12:33

    Cora lebt als Sklavin auf einer Baumwollplantage in Georgia, der Randall-Farm. Das Leben ist hart, die Schwarzen werden behandelt wie Tiere und alle träumen von der Flucht in den Norden. Aber wie soll die Flucht gelingen? Cora hört von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk. Zusammen mit einem weiteren Sklaven, der sie auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht hat, wagt Cora die Flucht. Durch Helfer gelangen die beiden auf einen geheimen, unterirdischen Bahnhof und die gefährliche Reise beginnt...   Colson Whitehead  schildert sehr realistisch das Martyrium der Sklaven auf der Randall-Farm. Alle Charaktere sind sehr gut dargestellt. Besonders ist mir Cora ans Herz gewachsen, da man mit ihr zusammen die gefährliche Reise antritt.   Toll fand ich die Idee des Autors, die “Underground Railroad” als wirkliche Eisenbahnlinie im Untergrund darzustellen. Eigentlich ist der Begriff der “Railroad” ja nur symbolisch gemeint. Obwohl das Netzwerk gut organisiert war, musste Cora immer Angst vor den Sklavenfängern haben. Ihre Flucht war mitreißend, dramatisch und  und spannend zu verfolgen. Es ist beeindruckend, wie vielen Gefahren sich die Helfer ausgesetzt haben um den Sklaven die Flucht zu ermöglichen.   Da es auch in der heutigen Welt Rassismus sowie Ausbeutung und Verfolgung gibt, ist die Thematik des Buches auch heute noch aktuell. Ein Roman, der aufrüttelt, berührt, nachdenklich macht und noch länger nachwirkt....

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  • Underground Railroad

    Underground Railroad
    Gelinde

    Gelinde

    21. August 2017 um 09:29

    Underground Railroad, von Colson WhiteheadCover:Passend zum Buch, dunkel, nüchtern, ein Geheimnis verbergend.Inhalt:Cora lebt das traurige, schreckliche Leben einer Sklavin auf einer Baumwollplantage im Süden der USA (um die „Blütezeit“ der Sklaverei, ein dunkler Teil der Geschichte).Mit Mut und viel Glück, gelingt ihr zusammen mit Caesar die Flucht. Doch ein berüchtigter Sklavenjäger, Ridgeway, heftet sich an ihre Fersen. Denn schon Coras Mutter gelang die Flucht und er hat sie nie gefunden. Was ihn persönlich besonders antreibt.Die Underground Railroad, wird für Cora immer wieder zur Rettung.Aber wird sie den weiten Weg vom Süden in den vermeintlich sicheren Norden schaffen…………Meine Meinung:Dies ist mal wieder ein Buch bei dem die Erwartungen (durch die ganzen Vorschusslorbeeren) sehr hoch gesteckt sind. Und irgendwie lande ich dann oft relativ hart. Hier nicht gerade hart, aber ich kann doch keine 5 Sterne vergeben.Die Geschichte ist eine Mischung aus historischer Geschichte und fantastischen Elementen. (Ich weiß nicht warum ich musste immer wieder an den „Polarexpress“ denken).Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Wenn er auch immer wieder mal Sprünge aufwies, wie bei einer Unterhaltung bei der man zum Abschweifen neigt und von einem Thema zum anderen kommt (es wird nicht immer chronologisch erzählt). Es werden sehr viele Personen und Namen genannt, bei denen ich teilweise Schwierigkeiten hatte sie alle zu platzieren.Diese Punkte haben meinen Lesefluss immer mal wieder ins stocken gebracht.Es wird nichts beschönigt, die menschenverachtende Grausamkeit der Sklaverei wird sehr deutlich, auch mit den unmenschlichsten Strafaktionen, erzählt.Cora ist eine sehr junge, kluge und mutige Protagonistin, die durch ihre gute Beobachtungsgabe sehr schnell lernt und sich anpassen kann. Ihre Gedanken gehen in alle Richtungen, und sie lässt sich kein X für ein U vormachen.Deshalb hätte ich mir auch ein bisschen mehr emotionale Nähe zu den Protagonisten (den Opfern und auch den vielen Helfern) gewünscht.Autor:Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, ist einer der wichtigsten Autoren der neuen amerikanischen Literatur. Er lebt in Brooklyn.Fazit:Eine sehr eindringlich erzählte Geschichte der schrecklichen Zeit der Sklaverei in den USA.Von mir 4 Sterne.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

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    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareen anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesmuqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1557
  • Colson Whitehead - Underground Railroad

    Underground Railroad
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    21. August 2017 um 05:19

    Georgia, Anfang des 19. Jahrhunderts. Cora lebt als Sklavin auf der Randall Farm, dort ist sie geboren, etwas anderes als die harte Arbeit und die schrecklichen Strafen kennt sie nicht. Ihrer Mutter ist vor Jahren die Flucht geglückt, was das Leben für Cora nicht einfacher macht. Nachdem sie sich einer Gruppe Männer erfolgreich zur Wehr gesetzt hat, gehört sie zu den ausgestoßenen Frauen, was ihr aber die Möglichkeit eines halbwegs friedlichen Lebens eröffnet. Als Caesar sie zum ersten Mal wegen einer möglichen Flucht anspricht, lehnt sie ab. Schon ihre Großmutter hatte das zugeteilte Schicksal widerspruchslos ertragen. Doch die Situation auf der Farm ändert sich und so stimmt Cora schließlich doch zu, auf das geheime Netzwerk der Underground Railroads zu vertrauen und die gefährliche Flucht zu wagen. Die nächsten Monate wird sie in Angst leben, mal mehr mal weniger, weite Teile der USA kennenlernen, von Freiheit träumen und doch immer wieder an ihre Herkunft erinnert werden. Wird die junge schwarze Frau jemals dem ihr zugeschriebenen Los endgültig entkommen können?Colson Whiteheads Romane wurden vielfach mit Preisen ausgezeichnet und mit Lob überhäuft. „Underground Railroad“ konnte jedoch alle vorherigen weit übertreffen. Es wurde zwar schon dadurch geadelt, dass President Obama es als Sommerlektüre 2016 benannte, erhielt danach den National Book Award Fiction 2016, die Carnegie Medal for Excellence in Fiction 2017, den Pulitzer Prize for Fiction 2017, den Arthur C. Clarke Award 2017 und stand auf der Longlist des Booker Prize 2017. Sich einem solchen Roman unvoreingenommen zu nähern, ist quasi unmöglich, aber die Messlatte liegt auch hoch und kurzgefasst resümiert: locker übertrifft der Roman die Erwartungen.Zunächst zum titelgebenden Phänomen der Underground Railroads. Diese unterirdischen Züge existierten tatsächlich und waren ein Netzwerk geheimer Routen und sicherer Häuser, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Abolitionisten geschaffen wurden, um Sklaven bei der Flucht zu helfen. Dabei riskierten die Helfer ihr Leben, was man im Roman auch leider immer wieder erleben muss. Die Strafen für sie waren drakonisch, das wussten sie, und dennoch haben sie das Risiko für diese Sache auf sich genommen. In der Geschichte der USA ist dieses Thema für mein Empfinden nur wenig präsent, umso erfreulicher, dass ein Roman es schafft, in der breiten Öffentlichkeit einen Aspekt der Sklaverei bekannt zu machen und so einen wesentlichen Beitrag zur historischen Bildung beizutragen.Der Roman lebt jedoch von der Protagonistin Cora. Sie hat einen großen Überlebenswillen, kann beherzt reagieren, wenn erforderlich, ist jedoch auch sehr bedacht in ihrem Handeln. Sie ist kein bedauernswertes Opfer, sondern eine starke Persönlichkeit, die zukunftsorientiert und wissbegierig ihren Weg geht und Rückschläge tapfer verkraftet. Ihr Leben ist ein kontinuierliches Auf und Ab, geschenkt wird ihr nichts, nur manchmal ist das Glück auf ihrer Seite – aber es ist ein volatiles Gut. Gerade für einen historischen Zeitpunkt, der doch sehr stark männerdominiert war, insbesondere auch bei den Weißen, eine Frau, die mutig ihren Weg geht, als Protagonistin auszuwählen, hat mir insbesondere gefallen.Colson Whitehead und dem Übersetzer Nikolaus Stingl gelingt es auch einen passenden Ton für die Erzählung zu finden. Bisweilen brutal in der Darstellung der Bestrafung der Sklaven schafft dies aber die notwendige Authentizität, die den Roman lebendig wirken lässt. Ähnlich wie Coras Leben mal hektischer und mal in ruhigeren Bahnen verläuft, ist auch der Erzählton angepasst und findet so einen stimmigen Rhythmus.„Underground Railroad“ ist vermutlich einer der wichtigsten Romane des Jahrzehnts, der völlig zurecht in den Kanon der amerikanischen Literatur eingehen dürfte und sollte. Es wäre ein Verlust, wenn man sich dieses Werk entgehen lassen würde.

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  • ‚Wenn man ein Ding war [...], bestimmte der Wert, den man besaß, die Möglichkeiten, die man hatte.‘

    Underground Railroad
    sabatayn76

    sabatayn76

    21. August 2017 um 00:03

    ‚Wenn man ein Ding war - ein Karren, ein Pferd oder ein Sklave -, bestimmte der Wert, den man besaß, die Möglichkeiten, die man hatte.‘Ajarry wird von Ouidah im heutigen Benin aus in die Neue Welt verschifft, unterwegs von ihrer Familie getrennt, mehrfach als Sklavin verkauft und weiterverkauft, vergewaltigt und misshandelt. Schließlich landet sie in Georgia, wo sie auf der Randall-Plantage schuftet und fünf Kinder zur Welt bringt, von denen nur eines überlebt: Mabel. Mabel flüchtet viele Jahre später von der Plantage und lässt ihre einzige Tochter - Cora, die Hauptprotagonistin von Colson Whiteheads Roman - allein zurück. So ist Cora im Alter von 10 oder 11 Jahren auf sich gestellt, muss auf der Baumwollplantage hart arbeiten, Vergewaltigungen, Auspeitschungen, Prügel, Benachteiligung und Isolation ohne jede Unterstützung ertragen. Eines Tages tritt Caesar, ein anderer Sklave auf der Randall-Plantage, an Cora heran und fragt sie, ob sie mit ihm fliehen möchte. Sie lehnt ab, hat zu viel Angst vor den Konsequenzen eines gescheiterten Fluchtversuchs, aber schließlich stimmt sie doch zu, und so machen sich die beiden auf den Weg in den Norden.Sie benutzen hierfür die Underground Railroad, ein Fluchthilfenetzwerk, das im 18. Jahrhundert gegründet wurde und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bestand, ein geheimes Netzwerk von Fluchtrouten, Treffpunkten, sicheren Unterkünften und Helfern, das Gegner der Sklaverei eingerichtet hatten, um Sklaven aus den Südstaaten der USA auf der Flucht in den Norden zu unterstützen: ‚Angesichts des Risikos für die Entflohenen wie ihre Helfer ist strikte Geheimhaltung existenziell. Die einzelnen Beteiligten kennen immer nur die nächsten Schritte und nie den ganzen Plan. Und es gibt einen Code: den der Eisenbahn. ‚Schaffner‘ (conductors) sorgen dafür, dass die ‚Passagiere‘, das ‚Gepäck‘ oder die ‚Pakete‘, wie die Geflohenen genannt werden, zum nächsten ‚Bahnhof‘, ins nächste ‚Depot‘ gelangen, wo der ‚Bahnhofsvorsteher‘ (station master) sie in seinem Haus aufnimmt und mit Kleidung versorgt. ‚Anteilseigner‘ (stockholder) geben Geld- oder Sachspenden, ‚Zugführer‘ (pilots) und ‚Agenten‘ wagen es, Plantagen aufzusuchen und mit den Sklaven deren Flucht zu planen.‘(Julia Schröder: ‚Die Geschichte ist eine Schaufensterauslage. Zum historischen Hintergrund der ‚Underground Railroad‘‘)Im Roman ‚Underground Railroad‘ wird der Ausdruck ‚Underground Railroad‘ wörtlich genommen. Diese ist nicht mehr nur ein Deckname für ein Fluchtnetzwerk, sondern eine echte Eisenbahn, die Cora von einem Ort zum anderen bringt:‚Die Treppe führte auf einen kleinen Bahnsteig. Zu beiden Seiten öffneten sich die schwarzen Mündungen des riesigen Tunnels. Er musste an die sieben Meter hoch sein, die Wände waren in wechselndem Muster mit dunklen und hellen Steinen verkleidet. [...] Zwei Stahlschienen, mit Holzschwellen am Boden fixiert, liefen durch den sichtbaren Teil des Tunnels. Vermutlich verlief der Stahl von Süden nach Norden, ging von irgendeinem unvorstellbaren Ursprung aus und schoss irgendeiner wundersamen Endstation entgegen.‘ In anspruchsvoller, eindringlicher, aber schnörkelloser Sprache erzählt Whitehead seine Geschichte um Cora und die Underground Railroad. Dabei hat mich der Roman von der ersten Seite an in seinen Bann schlagen können, und Whiteheads Kniff, die Underground Railroad als echte Eisenbahn zum Leben zu erwecken, ist so gut gelungen, dass ich mir beim Lesen immer wieder aktiv ins Gedächtnis rufen musste, dass es diese Untergrundbahn nicht wirklich gegeben hat, dass es sich lediglich um einen Decknamen, eine Metapher gehandelt hat. Whitehead hat die Eisenbahn und die gesamte Flucht Coras jedoch so lebendig und lebensnah geschildert, die Handlungsorte so genau und überzeugend herausgearbeitet, dass man die dunklen Schächte, die man häufig über eine im Boden eingelassene Falltür erreicht, vor sich sieht, die Kühle spürt, die Geräusche hört. Mit seinem Roman bietet Whitehead tiefe Einblicke in das Leben der Sklaven in den Südstaaten der USA, in die harte Arbeit, in den Alltag, in die Gemeinschaft innerhalb und außerhalb der Plantage. Er ermöglicht es aber auch, eine Seite kennenzulernen, die mir im Zusammenhang mit Sklaverei in den USA bislang unbekannt war: das durchorganisierte Fluchtnetzwerk und die zahlreichen Fluchthelfer, die ihr Leben dafür riskieren, Sklaven einen Weg in die Freiheit zu ebnen. Whitehead hat die Flucht Coras detailgenau geschildert, so dass man als Leser hautnah dabei ist und einem das Herz bisweilen etwas schneller schlägt. Die sehr expliziten Beschreibungen von Gewalt, die stellenweise kaum zu ertragen sind, zeigen zudem, dass Sklaverei mehr ist als ein Leben in Unfreiheit, und führen dem Leser die Unmenschlichkeit und Entwürdigung deutlich (und bisweilen zu deutlich) vor Augen. ‚Underground Railroad‘ ist nicht nur ein hochaktueller, fesselnder Roman, sondern wurde auch - meiner Meinung nach vollkommen verdient - mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet. Der Roman steht zudem zusammen mit ‚4 3 2 1‘ von Paul Auster, ‚Das Ministerium des äußersten Glücks‘ von Arundhati Roy, ‚Exit West‘ von Mohsin Hamid u.a. auf der diesjährigen Longlist des Man Booker Prize, wobei ‚Underground Railroad‘ mein persönlicher Favorit ist. Die Shortlist wird am 13. September 2017 veröffentlicht, der Gewinner wird am 17. Oktober bekannt gegeben. Ein weiteres aktuelles Buch über Sklaverei, das ich sehr empfehlen kann, ist ‚Heimkehren‘ von Yaa Gyasi.

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  • Sklaven und Menschenrechte

    Underground Railroad
    solveig

    solveig

    20. August 2017 um 22:18

      Sie besitzt nichts und hat keinerlei Rechte, nicht einmal über ihre eigene Person darf sie bestimmen: Cora lebt als Sklavin in dritter Generation auf der Randall-Farm in Georgia. Ihr Alltag ist geprägt von harter Arbeit auf den Baumwollfeldern, Gewalt, Furcht. Doch das junge Mädchen ist stark, die Misshandlungen haben sie noch nicht gebrochen. Und so vertraut ihr der Leidensgenosse Caesar einen Fluchtplan an, um gemeinsam ihrem trostlosen Dasein zu entkommen. Eines Tages ist es wirklich soweit; gemeinsam mit ihrer Freundin Lovey und Caesar gelingt ihr die Flucht. Es wird ein langer, gefährlicher Weg in die Freiheit, den nur einer von ihnen überlebt. Beeindruckend realistisch schildert Colson Whitehead das Martyrium der Sklaven auf den Plantagen. Erschreckend wirkt die Denkweise eines Großteils weißer Zeitgenossen Coras; die weiße „Herrenrasse“, ihre Auslegung der Menschenrechte (festgelegt 1776 in den  „Virginia Bill of Rights“) und die Rechte, die sie für sich selbst daraus ableiten, befremden uns. Auf mitreißende Art versteht es der Autor, den Leser in Coras Geschichte zu verwickeln und ihn auf ihre entbehrungsreiche und gefahrvolle Flucht mitzunehmen. Er hat ihr Schicksal, eingebunden in die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen der Mitte des 19. Jahrhunderts, überzeugend und authentisch ausgearbeitet. Der Roman wirkt „rund“. Vor diesem Hintergrund erscheint die Arbeit der „Underground Railroad“, eines gut organisierten Netzwerkes von Fluchthelfern für entlaufene Negersklaven, das bis 1865 erfolgreich funktionierte, als imposante menschliche Leistung; denn auch die Helfer setzten ihr Leben aufs Spiel, wenn sie als solche erkannt oder denunziert wurden. Der Name „Underground Railroad“ diente als Symbol; die Helfer agierten unter Decknamen wie „Stationsvorsteher“ oder „Schaffner“, die seit Bestehen der ersten Eisenbahnlinien aus diesem Bereich entlehnt  wurden. Doch der Autor lässt die „Underground Railroad“ wortwörtlich,  als tatsächliche Maschinerie, existieren in einer Zeit, in der an eine echte Untergrundbahn, wie wir sie heute kennen, noch gar nicht zu denken war. Ich habe sie als eine Art Verfremdungseffekt verstanden, der das Thema des Romans aus seinem historischen Kontext löst und zeitübergreifend werden lässt; Vergleiche zu früheren Ereignissen, aber auch zu ganz aktuellen Thematiken werden herauf beschworen. Die Verfolgung und Entrechtung von Menschen, Rassismus, Ausbeutung, Folter gehören leider nicht nur der Vergangenheit an. Überall in unserer modernen Welt finden sich Beispiele. Ein anspruchsvolles Buch, das den Leser aufrüttelt und dem Leid Verfolgter in der Welt wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil werden lässt. 

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