Underground Railroad

von Colson Whitehead 
4,2 Sterne bei12 Bewertungen
Underground Railroad
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Interessant und aktuell

Ergreifend!

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Inhaltsangabe zu "Underground Railroad"

Cora ist nur eine der unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht, doch wie und wohin? Caesar, ein Leidensgenosse, erzählt Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangen sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnen. Jeder Staat, den sie durchqueren, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet hinter der letzten Grenze wirklich die Freiheit?
Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika. Das Meisterwerk wurde neben dem Pulitzer-Preis u. a. auch mit dem National Book Award ausgezeichnet.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783957130990
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Audio CD
Verlag:Hörbuch Hamburg
Erscheinungsdatum:01.09.2017
Das aktuelle Buch ist am 27.02.2019 bei FISCHER Taschenbuch erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Das_Leselebens avatar
    Das_Leselebenvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Interessant und aktuell
    Die Geschichte der Sklaverei

    In jeder Buchhandlung und in jeder Bibliothek begegnet ‚Underground Railroad‘ vom Pulitzer Preis Gewinner 2017 Colson Whitehead. Begonnen hatte ich den Roman als E-Book begonnen, merkte aber schnell, dass mir das Hörbuch mehr zusagt.
    Das Hörbuch wird von Helene Grass gesprochen und ist gekürzt 08 Std. 51 Min. lang. Erschienen ist es im Hörbuch Hamburg Verlag im August 2017 und das gebundene Buch bei Hanser Literaturverlage ebenfalls im August 2017.

     

    Inhalt:
    Cora wird schlechter behandelt als ein Tier und sie ist eine von Vielen. Auf einer Baumwollplantage in Georgia träumt Cora davon dem menschenunwürdigen Leben zu entkommen. Als sie von der Unterground Railroad, dem Flüchtlingsnetzwerk in den USA hört, flieht sie. Auf ihrer Flucht begegnen ihr außersgewöhnliche Menschen.

     

    Meine Meinung:
    Wie bereits erwähnt begann ich das Buch in Ebook-Version, aber nach circa 30 Seiten merkte ich schnell, das ich mit dem Schreibstil so nicht zurecht komme. Was für mich vor allem an den langen Sätzen von Colsen Whitehead lag. Diese brachten mir Cora nicht unbedingt näher. Aber sehr früh erzählt der Autor das alles nur mündlich übertragen wird, wegen der fehlenden Bildungsmöglichkeiten. Aus diesem Grund entschloss ich mich dem Roman noch einmal als Hörbuch eine Chance zu geben. Und siehe da ich war gefesselt.
    Die Sprecherin brachte mir sofort Cora meilenweit näher. Die markante Stimme von Helene Grass verlieh der Protagonistin mehr Charakter.
    Die Geschichte ist alles andere als eine leichte Geschichte. Mit Brutalität die zu dieser Zeit an der Tagesordnung war, muss man als Leser erst einmal umgehen können. Aber ich brauchte eine Weile um mich in die Geschichte einzufinden. Denn immer wenn wir einen neuen Teil im Roman beginnen, werden wir in eine Gegenwartssituation geworfen (Sorry, ein besser Aufdruck fällt mir für dieses Gefühl nicht ein.) die scheinbar weit von dem Ende des vorigen Teils entfernt ist. Erst im Nachhinein erfahren wir, wie es Cora zu der neuen Station der Underground Railroad geschafft hat.
    Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt um ein paar Worte zur Underground Railroad zu erwähnen. Dieses Flüchlingsnetzwerk ist keine Erfindung des Autors. Es entstand zur Zeit der Sklaverei in den Südstaaten von Amerika. Menschen die oft aus privaten Gründen und Erfahrungen nicht mit Sklaverei einverstanden waren, halfen Sklaven, zu meist von Baumwollplantagen zur Flucht. Entweder nahmen sie sie auf oder transportierten oder halfen auf andere Weise. Denn jede neue Station im Buch erzählt von einer anderen Art von Hilfe, aber auch von Gräueltaten die erlebt wurden und jede einzelne Seite stellt sich die Frage der Menschlichkeit und den Wert von Leben.
    Anders als in der historischen Realität, hat Colson Whitehead als Symbol für seine Underground Railroad einen Zug erschaffen, der die Passagiere immer zu einer neuen unterirdischen Station bringt, aber Niemand kennt Fahrplan und Streckennetz. Ich persönlich finde das Bild des Zuges sehr gut gewählt, weil der Transporter bleibt ja  immer gleich und man kann sich auf die Geschichte der einzelnen Stationen konzentrieren und die Geschichte der Sklaverei erfahren.
    Bis zu der Rezension wusste ich nicht, dass das Hörbuch gekürzt wurde, denn mir fehlt beim Hören nichts. Aber was mir beim Schreiben der Rezension auch klar wird, warum das Buch in Deutschland längst nicht solche Wellen schlägt wie im englischsprachigem Raum. Als zu meist weißer Deutscher ist man sehr weit weg von dieser Geschichte und sie schafft es nicht zu Hundertprozent die Distanz zu überwinden und sie zu unserer zu machen.
    Aber wer sich für dieses Thema für die Historie der Sklaverei interessiert und die Gesichte der USA, der sollte sich das Hörbuch vor allem Näher angucken.



    Mehr Infos:  https://das-leseleben.webnode.com/news/underground-railroad-von-colson-whitehead-gelesen-von-helene-grass/

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ergreifend!
    Keine leichte Kost, aber wer hätte das schon erwartet?

    Ich habe mich eigentlich selbst damit überrascht, dass ich dieses Hörbuch ausgeliehen und dann auch noch komplett gehört habe! Eigentlich war das nicht wirklich geplant. Das Thema war mir zunächst einfach zu heftig und ich wusste schon, dass es auf keinen Fall etwas für zarte Gemüter sein wird. Der hinzukommende Bezug zur Realität der Geschichte Amerikas und natürlich auch zu ganz aktuellen Themen des Landes macht das Ganze nicht besser. Ich wusste einfach, ich werde wahrscheinlich total betroffen sein, einen fetten Kloß im Hals sitzen haben und ständig vor Entsetzen flennen müssen. Und ja, so kam es dann auch. Aber es hat sich trotzdem gelohnt! Oder vielleicht auch gerade deshalb.

    Natürlich ist einem die Geschichte der Sklavenhaltung im Amerika des 18. Jahrhunderts in groben Zügen bekannt. Entweder man hat schon genügend Filme á la „die Farbe Lila“ oder „12 Years a Slave“ gesehen, oder man weiß darüber einfach aus allgemeinbildenden Gründen Bescheid. Und all die Quellen, Filme oder Bücher die es zu diesem Thema bereits gibt, unterscheiden sich von der Handlung vermutlich nicht sehr von dieser neuen Geschichte. In manchen wird mehr Wert auf Realität gelegt, in anderen wird Fiktion und eine vorantreibende Handlung deutlich in den Vordergrund gesetzt. An sich bedrücken sie aber alle. Und auch dieses neue Werk hat einen wichtigen Platz in der Reihe der vielen bereits vorangegangen, es hebt sich für mich aber nicht sonderlich davon ab.

    Was nicht bedeuten soll, dass ich es nicht gut fand! Ganz im Gegenteil, ich fand es sehr ergreifend, mitreißend und toll erzählt! Eine klitzekleine Enttäuschung empfand ich dagegen nur, als ich erfuhr, dass es die sogenannte „Underground Railroad“ nicht in der der Form, wie es der Autor darstellt, gab. Ich hatte mir das Bild dazu schon zu sehr verinnerlicht und mein geschichtliches Hintergrundwissen davon (welches zugegebenermaßen nicht allzu ausgeprägt war) damit ergänzen wollen. Stattdessen musste ich hinterher mein gewonnen geglaubtes Wissen durch eigenständige Recherche ergänzen und wieder austauschen.

    Wer also eine realitätsgetreue Erzählung der echten Underground Railroad mit realen Personen erwartet, ist hier demnach falsch. Aber so schlimm ist das natürlich nicht, denn dieses Buch ist mit seinem Thema und den Denkanstößen, welches es verursacht, wichtig. Wie alle anderen Bücher dieses Themas eben.

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    S
    Starbucksvor 10 Monaten
    Hier wird der Leser/Hörer in die Irre geführt (Hörbuchrezension)

    Wenn ich einen historischen Roman lese, dann nehme ich fast automatisch an, dass der historische Hintergrund wahr ist (und ich hier vielleicht sogar noch etwas Neues erfahren kann) und die Figuren und der Handlungsverlauf meist fiktiv ist. Bei Colson Whiteheads „Underground Railroad“ sollte man sich darauf besser nicht verlassen, und ich nehme an, dass nun Tausende Leser, vor allem amerikanische, eine falsche Vorstellung von der Underground Railroad haben. Dabei hat Whitehead sogar den Pulitzer Preis für Fiktion in 2017 erhalten – wie kann das sein?

    Das Thema der Underground Railroad und Sklaverei interessiert mich sehr. Ich habe in den USA bereits Harriet Tubmans „The Road to Freedom“ gelesen, den Bericht einer wirklich auf der Railroad geflüchteten Sklavin. „Underground Railroad“ habe ich in einer gekürzten Lesung auf 7 CDs im Hörbuch Hamburg Verlag, gelesen von Helene Grass, gehört. Leider beherrscht die Sprecherin die englische Spreche nicht besonders gut, verhaspelt sich beim „th“ und kann die meisten Orte und Namen nicht aussprechen. Hier kann man sich besser vorbereiten.

    Zum Inhalt. Der Anfang des Hörbuches klingt wie ein Teil von Yaa Gyasis „Heimkehren“. Die Geschichte der geflüchteten Sklavin in beiden Romanen scheint fast identisch, ebenso der Erzählstil. In „Underground Railroad“ wird vor allem Coras Leben als Sklavin, Flüchtende, Halbfreie, Freie erzählt. Flucht und Verstecken gehören zu ihrem Leben. Dabei flüchtet Cora auch auf der Underground Railroad, hier in unterirdischen Zügen durch Tunnel (sie fragt sich, wer das nur alles gebaut hat), und auch am Ende geht es wieder um diese unterirdische Zugstrecke.

    Doch die Underground Railroad war ein Netzwerk an Informanten und Fluchthelfern, das lediglich die Begrifflichkeiten aus der Welt der Züge nutzte. Soweit ich informiert bin, sind diese Tunnel und Sonderzüge die reine Fiktion des Autors ebenso wie so manch andere Begebenheit. Wüsste ich das nicht, so würde ich dem Autor abnehmen, dass die Railroad Züge waren. Als Leser nimmt man eben an, dass der historische Teil soweit stimmt. Weiterhin geht z.B. in der Sklavenzeit schon ein Mischling hier auf ein College – glaube ich weniger, aber habe ich nicht überprüft.

    Der Schreibstil des Autors ist einfach und wenig literarisch. Ich kann die Entscheidung für den Pulitzer-Preis überhaupt nicht nachvollziehen. Vor allem fürchte ich aber, dass die Leser des Buches nun eine ganz falsche Vorstellung von der Railraod haben.

    Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut. Auch, wenn ich es zwar zu Ende gehört habe, so hat sich die Vorfreude leider nur in Ärger gewandelt. Die Geschichte um Cora kann man schon gut anhören, aber um diesen Autor werde ich in Zukunft einen großen Bogen machen. 

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    black_horses avatar
    black_horsevor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Die Wurzeln des amerikanischen Rassismus erzählt in einer Flucht ohne wirkliches Entkommen. Bedrückend und berührend.
    Flucht ohne Entkommen

    Rassismus ist ein Thema, das alle angeht. Verfolgung, Vorurteile, verdeckte oder offene Ausgrenzung oder Unterdrückung sind auch heute längst nicht überwunden, eher im Gegenteil.

    Dieses Buch erzählt die Geschichte der jungen Sklavin Cora, der mit Unterstützung eines Helfernetzwerkes die Flucht gelingt. Doch ist sie damit "frei"? Ob als menschliches Versuchsobjekt, versteckte Gefahr oder gejagtes Freiwild, es gibt kein wirkliches Entkommen.

    Schonungslos und mit eindrücklichen Bildern zeichnet der Autor die Grausamkeiten, die Sklaven und ihre "Freunde" verfolgten. Aber auch Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftssinn und Freundschaft.

    Das Hörbuch ist sehr gut gelesen und durch die lebendige Sprache des Autors kann man der Handlung problemlos folgen.

    Eine gelungene Kombination aus geschichtlichen Fakten und fiktiver Handlung, die aufklärt, aufwühlt und zum Nachdenken auffordert.

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    Gluecksklees avatar
    Glueckskleevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Aufwühlend, bewegend, dramatisch!
    Aufwühlender Roman

    Bei dem Roman „Underground Railroad“ von Colson Whitehead habe ich mich für die Hörbuchfassung, gelesen von Helene Grass, entschieden und ein paar wirklich spannende und aufreibende Stunden damit zugebracht, mir Coras Geschichte anzuhören.

    Zum Inhalt

    Die Geschichte beginnt eigentlich mit Coras Großmutter, die auf einem Sklavenschiff nach Amerika gebracht wird und dort als Sklavin ihr Leben auf einer der zahlreichen Baumwollplantagen verbringt. Dort wird ihre Tochter geboren, die wiederum ihre eigene Tochter, Cora, dort zur Welt bringt. Das Leben auf der Plantage ist hart, bestimmt von der Willkür und Brutalität der Plantagenbesitzer und der Aufseher. Als ihr von Caesar, der ebenfalls als Sklave auf der Baumwollplantage lebt, vorgeschlagen wird, mit Hilfe der Underground Railroad zu fliehen, ergreift Cora diese Chance.

    Meine Meinung

    Bevor ich das Buch gelesen bzw. gehört habe, war mir zwar das Thema der Sklavenarbeit in den Südstaaten von Amerika bekannt, allerdings hatte ich noch nie etwas von der Underground Railroad gehört. In Colson Whiteheads Roman ist die Underground Railroad tatsächlich ein unterirdisches Schienennetz, die geflohenen Sklaven werden von unterirdischen Zügen von einem Ort zum nächsten gebracht. Ein wenig Recherche hat ergeben, dass es sich bei der tatsächlichen Underground Railroad eher um ein informelles Netzwerk von Gegnern der Sklavenhaltung handelte, die die Begriffe rund um die Zugfahrt dazu nutzten, um miteinander zu kommunizieren.

    Colson Whiteheads Variante von den unterirdisch fahrenden Zügen und den verschiedenen Zugstationen, in denen sich Cora und zum Teil ihr Begleiter Caesar wiederfinden, hat mir jedoch auch sehr gut gefallen. Die Stationsvorsteher und Helfer der Underground Railroad sind ein Lichtschimmer in der ansonsten sehr bedrückenden Handlung des Romans. Cora macht sich auf die Suche nach der Freiheit, die man ihr, von Geburt an, vorenthalten hat. Schonungslos wird dem Leser vor Augen geführt, was es bedeutet hat, zur damaligen Zeit ein Sklave zu sein. Man schöpft mit Cora Hoffnung, um diese wieder zerschlagen zu sehen, drückt ihr die Daumen, dass ihre Reise doch noch ein gutes Ende nehmen wird. Das Buch ist definitiv keine leichte Kost, das Thema berührt und wühlt einen auf und damit ist es Colson Whitehead meiner Meinung nach gelungen, einen starken, aussagekräftigen Roman zu schreiben, der ein trauriges Kapitel in der Geschichte beleuchtet.

    Helene Grass hat mir als Sprecherin für diese Geschichte zudem außerordentlich gut gefallen. Sie hat eine angenehme Stimme und ich hatte, obwohl die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wird, das Gefühl, dass es Cora ist, die diese Geschichte erzählt.

    Von mir erhält „Underground Railroad“ fünf von fünf Sternen und eine absolute Leseempfehlung bzw. Hörempfehlung!

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    Dominikuss avatar
    Dominikusvor einem Jahr
    Bemerkenswert

    Colson Whitehead hat mit Underground Railroad einen spannenden Roman geschrieben. Es geht um schwarze Sklaven in den Südstaaten.

    Ich habe das Hörbuch gehört. Es wird von Helene Grass gelesen, die Stimme hört sich gut an. Die Sprecherin liest nicht zu dramatisch, sonst wäre es zu viel gewesen.

    Die Situation der Sklaven ist dramatisch und sehr realistisch. Manchmal musste ich Pausen einlegen, da mir die Grausamkeit zu viel wurde und wenn man daran denkt, dass die Marter der Sklaven wirklich so war. Man bekommt ja immer noch mit, was es heute noch heißt schwarz zu sein.


    Die Protagonistin, die Sklavin Cora wird schon in die Sklaverei hineingeboren. Sie arbeitet auf den Baumwollfeldern. Ihre Großmutter und Mutter wurden aus Afrika entführt und auch gleich auseinander gerissen.

    Sie erfährt von dem Underground Railroad, einer Organisation, die Sklaven bei der Flucht in den Norden hilft. Die Flucht verläuft wieder tragisch mit vielen Opfern.

    Schon ihre Mutter war geflohen als Cora noch ein Kind war.


    Für diesen Roman wurde der Autor Colson Whitehead 2016 mit dem National Book Award und 2017 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Ich meine, er hat die Preise verdient.

    Er hat schon ein paar sehr lesenswerte Romane heraus gebracht.

    Dieser Roman ist lese- und hörenswert. Allerdings keine leichte Kost.

    Er ist ein bemerkenswertes Stück Zeitgeschichte.

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    minnie133s avatar
    minnie133vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Interessant, aber Emotionen kommen nicht an
    Interessant, aber Emotionen kommen nicht an

    Ich hatte das Hörbuch - die Sprechstimme ist sehr angenehm zum zuhören mit einem passenden Sprechtempo. die Geschichte ist optimal als Hörbuch. 
    Der Autor hat Cora mit einer starken Persönlichkeit ausgestattet und es war spannend ihren Erlebnissen zu lauschen. 
    Jedoch ist es dem Erzähler nicht gelungen, die Emotionen (die ja doch in einer Geschichte dieser Form mitschwingen sollten) auch so rüberzubringen, dass sie bei mir ankommen. Das Buch war nett zum Hören und voller interessanter Informationen, aber der Emotionale Teil hat mir persönlich etwas gefehlt. 

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor einem Jahr
    ‚Wenn man ein Ding war [...], bestimmte der Wert, den man besaß, die Möglichkeiten, die man hatte.‘

    ‚Wenn man ein Ding war - ein Karren, ein Pferd oder ein Sklave -, bestimmte der Wert, den man besaß, die Möglichkeiten, die man hatte.‘

    Ajarry wird von Ouidah im heutigen Benin aus in die Neue Welt verschifft, unterwegs von ihrer Familie getrennt, mehrfach als Sklavin verkauft und weiterverkauft, vergewaltigt und misshandelt. Schließlich landet sie in Georgia, wo sie auf der Randall-Plantage schuftet und fünf Kinder zur Welt bringt, von denen nur eines überlebt: Mabel.

    Mabel flüchtet viele Jahre später von der Plantage und lässt ihre einzige Tochter - Cora, die Hauptprotagonistin von Colson Whiteheads Roman - allein zurück.

    So ist Cora im Alter von 10 oder 11 Jahren auf sich gestellt, muss auf der Baumwollplantage hart arbeiten, Vergewaltigungen, Auspeitschungen, Prügel, Benachteiligung und Isolation ohne jede Unterstützung ertragen.

    Eines Tages tritt Caesar, ein anderer Sklave auf der Randall-Plantage, an Cora heran und fragt sie, ob sie mit ihm fliehen möchte. Sie lehnt ab, hat zu viel Angst vor den Konsequenzen eines gescheiterten Fluchtversuchs, aber schließlich stimmt sie doch zu, und so machen sich die beiden auf den Weg in den Norden.

    Sie benutzen hierfür die Underground Railroad, ein Fluchthilfenetzwerk, das im 18. Jahrhundert gegründet wurde und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bestand, ein geheimes Netzwerk von Fluchtrouten, Treffpunkten, sicheren Unterkünften und Helfern, das Gegner der Sklaverei eingerichtet hatten, um Sklaven aus den Südstaaten der USA auf der Flucht in den Norden zu unterstützen:

    ‚Angesichts des Risikos für die Entflohenen wie ihre Helfer ist strikte Geheimhaltung existenziell. Die einzelnen Beteiligten kennen immer nur die nächsten Schritte und nie den ganzen Plan. Und es gibt einen Code: den der Eisenbahn. ‚Schaffner‘ (conductors) sorgen dafür, dass die ‚Passagiere‘, das ‚Gepäck‘ oder die ‚Pakete‘, wie die Geflohenen genannt werden, zum nächsten ‚Bahnhof‘, ins nächste ‚Depot‘ gelangen, wo der ‚Bahnhofsvorsteher‘ (station master) sie in seinem Haus aufnimmt und mit Kleidung versorgt. ‚Anteilseigner‘ (stockholder) geben Geld- oder Sachspenden, ‚Zugführer‘ (pilots) und ‚Agenten‘ wagen es, Plantagen aufzusuchen und mit den Sklaven deren Flucht zu planen.‘
    (Julia Schröder: ‚Die Geschichte ist eine Schaufensterauslage. Zum historischen Hintergrund der ‚Underground Railroad‘‘)

    Im Roman ‚Underground Railroad‘ wird der Ausdruck ‚Underground Railroad‘ wörtlich genommen. Diese ist nicht mehr nur ein Deckname für ein Fluchtnetzwerk, sondern eine echte Eisenbahn, die Cora von einem Ort zum anderen bringt:

    ‚Die Treppe führte auf einen kleinen Bahnsteig. Zu beiden Seiten öffneten sich die schwarzen Mündungen des riesigen Tunnels. Er musste an die sieben Meter hoch sein, die Wände waren in wechselndem Muster mit dunklen und hellen Steinen verkleidet. [...] Zwei Stahlschienen, mit Holzschwellen am Boden fixiert, liefen durch den sichtbaren Teil des Tunnels. Vermutlich verlief der Stahl von Süden nach Norden, ging von irgendeinem unvorstellbaren Ursprung aus und schoss irgendeiner wundersamen Endstation entgegen.‘

    In anspruchsvoller, eindringlicher, aber schnörkelloser Sprache erzählt Whitehead seine Geschichte um Cora und die Underground Railroad. Dabei hat mich der Roman von der ersten Seite an in seinen Bann schlagen können, und Whiteheads Kniff, die Underground Railroad als echte Eisenbahn zum Leben zu erwecken, ist so gut gelungen, dass ich mir beim Lesen immer wieder aktiv ins Gedächtnis rufen musste, dass es diese Untergrundbahn nicht wirklich gegeben hat, dass es sich lediglich um einen Decknamen, eine Metapher gehandelt hat. Whitehead hat die Eisenbahn und die gesamte Flucht Coras jedoch so lebendig und lebensnah geschildert, die Handlungsorte so genau und überzeugend herausgearbeitet, dass man die dunklen Schächte, die man häufig über eine im Boden eingelassene Falltür erreicht, vor sich sieht, die Kühle spürt, die Geräusche hört.

    Mit seinem Roman bietet Whitehead tiefe Einblicke in das Leben der Sklaven in den Südstaaten der USA, in die harte Arbeit, in den Alltag, in die Gemeinschaft innerhalb und außerhalb der Plantage. Er ermöglicht es aber auch, eine Seite kennenzulernen, die mir im Zusammenhang mit Sklaverei in den USA bislang unbekannt war: das durchorganisierte Fluchtnetzwerk und die zahlreichen Fluchthelfer, die ihr Leben dafür riskieren, Sklaven einen Weg in die Freiheit zu ebnen.

    Whitehead hat die Flucht Coras detailgenau geschildert, so dass man als Leser hautnah dabei ist und einem das Herz bisweilen etwas schneller schlägt. Die sehr expliziten Beschreibungen von Gewalt, die stellenweise kaum zu ertragen sind, zeigen zudem, dass Sklaverei mehr ist als ein Leben in Unfreiheit, und führen dem Leser die Unmenschlichkeit und Entwürdigung deutlich (und bisweilen zu deutlich) vor Augen.

    Nach dem Lesen habe ich außerdem das - gekürzte - Hörbuch zum Roman gehört, das von Helene Grass gelesen wird. Auch das Hörbuch hat mir ausgesprochen gut gefallen: Grass' Stimme ist sehr angenehm, und sie liest in passender Geschwindigkeit, so dass man dem Hörbuch gut folgen kann und ihm zudem gerne folgt. Grass liest 'Underground Railroad' sehr eindringlich und kann den Hörer dadurch genauso gut fesseln, wie es das gedruckte Buch vermag. Inhaltlich finde ich den Roman auch nach meiner zweiten Begegnung absolut großartig und kann den Roman sowohl als Buch als auch als Hörbuch jedem ans Herz legen. Die Kürzungen sind meiner Meinung nach nur geringfügig, wichtige Teile des Romans fehlen nicht.

    ‚Underground Railroad‘ ist nicht nur ein hochaktueller, fesselnder Roman, sondern wurde auch - meiner Meinung nach vollkommen verdient - mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet.

    Der Roman steht zudem zusammen mit ‚4 3 2 1‘ von Paul Auster, ‚Das Ministerium des äußersten Glücks‘ von Arundhati Roy, ‚Exit West‘ von Mohsin Hamid u.a. auf der diesjährigen Longlist des Man Booker Prize, wobei ‚Underground Railroad‘ mein persönlicher Favorit ist. Die Shortlist wird am 13. September 2017 veröffentlicht, der Gewinner wird am 17. Oktober bekannt gegeben.

    Ein weiteres aktuelles Buch über Sklaverei, das ich sehr empfehlen kann, ist ‚Heimkehren‘ von Yaa Gyasi.

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    yellowdogvor einem Jahr
    Erzählerische Wucht

    Underground Railroad. Was für ein grandios Buch!

    Zuerst ist Hörbuch Hamburg für die Gestaltung des Hörbuchs in einer CD-Pappbox mit 7 CDs zu loben. Das ist meine favorisierte Hörbuchform.

    Gelesen von Helene Grass, die auch einmal zusammen mit ihrem Vater bei einer Lesung im Theater gesehen habe. Ihr Vortrag ist wirklich gelungen und passend.

    Anfangs ist es ziemlich hart, da das Sklavenleben deutlich beschrieben wird. Dazu gehören neben der harten Arbeit auch grausame Bestrafungen, Vergewaltigungen und weitere unmenschliche Behandlungen.

    Das muss man als Leser bzw. Hörer auch erst einmal ertragen. Doch bei dem, was die Menschen damals ertragen mussten, verbietet sich mir ein weghören.

    Mit Cora gibt es eine starke Persönlichkeit als Hauptfigur.

    Es gibt auch authentisch wirkende Nebenfiguren wie Caesar, die Brüder Randall, Miss Lucy und die unterschiedlichen Mitarbeiter der Underground Railroad. Die Vereinigung der Underground Railroad hat eine Route in die mögliche Freiheit Richtung Norden bis zu Kanada aufgebaut.

    Es folgt die abenteuerliche Flucht und das Leben in Freiheit.

    Cora und Caesar werden getrennt, als eine neue Flucht erforderlich wird.

    Erschreckende Szenen folgen. Und entschlossene Sklavenjäger setzen sich auf Coras Spur. Der Sklavenfänger Ridgeway ist eine für mich erschreckend glaubwürdige Figur. Sein Herrenmenschendenken war damals sicher verbreitet, bei manchen selbst noch heute. Das der US-Präsident Trump sich nicht gegen den Ku Klux Klan und anderen Rassisten ausspricht ist ein Verbrechen.

    Cora bewegt sich durch verschiedene US-Staaten: Von Georgia aus durch South und North Carolina, Tennessee und Indiana.

    Viele Motive des Romans sind auf eine symbolische Ebene gebracht. Die wirklich versteckt fahrende Eisenbahn ist ein Stück magischer Realismus. Das und die erzählerische Wucht machen das Buch zu etwas besonderen. Kein Wunder, dass es den Pulitzer und den National Book Award gewann.

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    Jazebels avatar
    Jazebelvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Vorbemerkung: Rezension bereits heute, da ich das Hörbuch über vorablesen.de gewonnen und somit vor Veröffentlichung erhalten habe.
    Der amerikanische Imperativ


    Normalerweise bin ich ja nicht der Hochliteratur-Typ und Verkaufsargumente wie diverse erhaltene Preise wie der Pulitzer-Preis und der National Book Award schrecken mich eher ab. Solche Bücher sind ja leider oft hochtrabend geschrieben, schön im Stil und arm in der Handlung.
    Nicht so aber dieses hier. Die Geschichte um die Sklavin Cora, die den schlimmen Zuständen auf der Plantage entfliehen will und einfach nur frei sein möchte, hat mich völlig in ihren Bann geschlagen. Von Helene Grass einfühlsam und trotzdem kraftvoll auf sieben Audio CDs vorgetragen, kann man dem Sog der Handlung nicht entfliehen. Man erlebt Coras Flucht, das Leben der Sklaven auf der Plantage, Helfer und Verräter, Häscher und falsche Freunde und fühlt sich dabei als würde es  einem selbst geschehen.
    Wichtig zu wissen ist, das der Autor Colson Whitehead sich einige künstlerische Freiheiten genommen hat. Dieses Buch gibt nicht zur Gänze exakte historische Tatsachen wieder, manches ist frei erfunden, anderes manchen Berichten und Erzählungen entlehnt, das erlittene Unrecht von Millionen jedoch ist historischer Fakt. Die Underground Railroad selbst ist weniger, selbst wenn im Buch so beschrieben, als Eisenbahn zu verstehen, denn als Metapher für das Untergrundnetzwerk welches den Sklaven im Buch auf versteckten und verschlungenen Pfaden half. Man sollte also keinen bis ins Detail genauen Historienroman erwarten, Aufschluss hierzu gibt auch das Booklet des Hörbuchs. 
    Ein absolutes Highlight ist der Charakteraufbau von Whiteheads Protagonisten. Sie sind durchweg glaubwürdig und authentisch, nie hat man das Gefühl jemand denke oder handele in einer Art nur weil es so politisch korrekt wäre. Selbst die Antagonisten wie der Sklavenjäger Ridgeway haben authentische Beweggründe für ihre Taten, ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Denkweisen und sind nicht „einfach nur böse“. Auch Cora, wegen Mordes gesucht, denkt intensiv über ihre Tat nach, die nach heutigem Rechtsverständnis wohl eher als Notwehr betrachtet werden würde.
    Die Zustände, das Elend und die permanente Angst und Unterdrückung der Schwarzen schildert der Autor derart eindrücklich und auf eine detaillierte Art grauenhaft, dass es selbst mich als Thrillerfan an meine Grenzen gebracht hat. 
    Dieses Buch ist: eindrücklich, grauenerregend, fesselnd, traurig, schön, hoffnungsvoll und hoffnungslos. Definitiv ein literarisches Highlight 2017, ein Buch über das man sprechen wird und sprechen muss. 

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