Colson Whitehead Underground Railroad

(5)

Lovelybooks Bewertung

  • 2 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 5 Rezensionen
(4)
(0)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Underground Railroad“ von Colson Whitehead

Cora ist nur eine der unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht, doch wie und wohin? Caesar, ein Leidensgenosse, erzählt Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangen sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnen. Jeder Staat, den sie durchqueren, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet hinter der letzten Grenze wirklich die Freiheit Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika.

Interessant, aber Emotionen kommen nicht an

— minnie133
minnie133

Vorbemerkung: Rezension bereits heute, da ich das Hörbuch über vorablesen.de gewonnen und somit vor Veröffentlichung erhalten habe.

— Jazebel
Jazebel

Stöbern in Romane

Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt

Literaturbetrieb in der Karibik

Aliknecht

Vintage

Etwas Gitarrengeschichte mit einem Krimi gemischt

leniks

Und es schmilzt

Wirklich bewegend und erschütternd

Lilith79

Drei Tage und ein Leben

Ein beklemmendes Buch, stellenweise schwer zu verdauen. Negativ: unerträglicher Protagonist.

Lovely_Lila

Zeit der Schwalben

Eine spannende und berührende Familiengeschichte

SarahV

Die Schlange von Essex

Von der Handlung her hätte ich mir gern mehr Tiefe gewünscht, aber von der Versinnbildlichung bin ich mehr als begeistert.

herrzett

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Bemerkenswert

    Underground Railroad
    Dominikus

    Dominikus

    16. September 2017 um 14:01

    Colson Whitehead hat mit Underground Railroad einen spannenden Roman geschrieben. Es geht um schwarze Sklaven in den Südstaaten. Ich habe das Hörbuch gehört. Es wird von Helene Grass gelesen, die Stimme hört sich gut an. Die Sprecherin liest nicht zu dramatisch, sonst wäre es zu viel gewesen. Die Situation der Sklaven ist dramatisch und sehr realistisch. Manchmal musste ich Pausen einlegen, da mir die Grausamkeit zu viel wurde und wenn man daran denkt, dass die Marter der Sklaven wirklich so war. Man bekommt ja immer noch mit, was es heute noch heißt schwarz zu sein. Die Protagonistin, die Sklavin Cora wird schon in die Sklaverei hineingeboren. Sie arbeitet auf den Baumwollfeldern. Ihre Großmutter und Mutter wurden aus Afrika entführt und auch gleich auseinander gerissen. Sie erfährt von dem Underground Railroad, einer Organisation, die Sklaven bei der Flucht in den Norden hilft. Die Flucht verläuft wieder tragisch mit vielen Opfern. Schon ihre Mutter war geflohen als Cora noch ein Kind war. Für diesen Roman wurde der Autor Colson Whitehead 2016 mit dem National Book Award und 2017 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Ich meine, er hat die Preise verdient. Er hat schon ein paar sehr lesenswerte Romane heraus gebracht. Dieser Roman ist lese- und hörenswert. Allerdings keine leichte Kost. Er ist ein bemerkenswertes Stück Zeitgeschichte.

    Mehr
  • Interessant, aber Emotionen kommen nicht an

    Underground Railroad
    minnie133

    minnie133

    15. September 2017 um 23:06

    Ich hatte das Hörbuch - die Sprechstimme ist sehr angenehm zum zuhören mit einem passenden Sprechtempo. die Geschichte ist optimal als Hörbuch. Der Autor hat Cora mit einer starken Persönlichkeit ausgestattet und es war spannend ihren Erlebnissen zu lauschen. Jedoch ist es dem Erzähler nicht gelungen, die Emotionen (die ja doch in einer Geschichte dieser Form mitschwingen sollten) auch so rüberzubringen, dass sie bei mir ankommen. Das Buch war nett zum Hören und voller interessanter Informationen, aber der Emotionale Teil hat mir persönlich etwas gefehlt. 

    Mehr
  • ‚Wenn man ein Ding war [...], bestimmte der Wert, den man besaß, die Möglichkeiten, die man hatte.‘

    Underground Railroad
    sabatayn76

    sabatayn76

    08. September 2017 um 14:40

    ‚Wenn man ein Ding war - ein Karren, ein Pferd oder ein Sklave -, bestimmte der Wert, den man besaß, die Möglichkeiten, die man hatte.‘Ajarry wird von Ouidah im heutigen Benin aus in die Neue Welt verschifft, unterwegs von ihrer Familie getrennt, mehrfach als Sklavin verkauft und weiterverkauft, vergewaltigt und misshandelt. Schließlich landet sie in Georgia, wo sie auf der Randall-Plantage schuftet und fünf Kinder zur Welt bringt, von denen nur eines überlebt: Mabel. Mabel flüchtet viele Jahre später von der Plantage und lässt ihre einzige Tochter - Cora, die Hauptprotagonistin von Colson Whiteheads Roman - allein zurück. So ist Cora im Alter von 10 oder 11 Jahren auf sich gestellt, muss auf der Baumwollplantage hart arbeiten, Vergewaltigungen, Auspeitschungen, Prügel, Benachteiligung und Isolation ohne jede Unterstützung ertragen. Eines Tages tritt Caesar, ein anderer Sklave auf der Randall-Plantage, an Cora heran und fragt sie, ob sie mit ihm fliehen möchte. Sie lehnt ab, hat zu viel Angst vor den Konsequenzen eines gescheiterten Fluchtversuchs, aber schließlich stimmt sie doch zu, und so machen sich die beiden auf den Weg in den Norden.Sie benutzen hierfür die Underground Railroad, ein Fluchthilfenetzwerk, das im 18. Jahrhundert gegründet wurde und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bestand, ein geheimes Netzwerk von Fluchtrouten, Treffpunkten, sicheren Unterkünften und Helfern, das Gegner der Sklaverei eingerichtet hatten, um Sklaven aus den Südstaaten der USA auf der Flucht in den Norden zu unterstützen: ‚Angesichts des Risikos für die Entflohenen wie ihre Helfer ist strikte Geheimhaltung existenziell. Die einzelnen Beteiligten kennen immer nur die nächsten Schritte und nie den ganzen Plan. Und es gibt einen Code: den der Eisenbahn. ‚Schaffner‘ (conductors) sorgen dafür, dass die ‚Passagiere‘, das ‚Gepäck‘ oder die ‚Pakete‘, wie die Geflohenen genannt werden, zum nächsten ‚Bahnhof‘, ins nächste ‚Depot‘ gelangen, wo der ‚Bahnhofsvorsteher‘ (station master) sie in seinem Haus aufnimmt und mit Kleidung versorgt. ‚Anteilseigner‘ (stockholder) geben Geld- oder Sachspenden, ‚Zugführer‘ (pilots) und ‚Agenten‘ wagen es, Plantagen aufzusuchen und mit den Sklaven deren Flucht zu planen.‘(Julia Schröder: ‚Die Geschichte ist eine Schaufensterauslage. Zum historischen Hintergrund der ‚Underground Railroad‘‘)Im Roman ‚Underground Railroad‘ wird der Ausdruck ‚Underground Railroad‘ wörtlich genommen. Diese ist nicht mehr nur ein Deckname für ein Fluchtnetzwerk, sondern eine echte Eisenbahn, die Cora von einem Ort zum anderen bringt:‚Die Treppe führte auf einen kleinen Bahnsteig. Zu beiden Seiten öffneten sich die schwarzen Mündungen des riesigen Tunnels. Er musste an die sieben Meter hoch sein, die Wände waren in wechselndem Muster mit dunklen und hellen Steinen verkleidet. [...] Zwei Stahlschienen, mit Holzschwellen am Boden fixiert, liefen durch den sichtbaren Teil des Tunnels. Vermutlich verlief der Stahl von Süden nach Norden, ging von irgendeinem unvorstellbaren Ursprung aus und schoss irgendeiner wundersamen Endstation entgegen.‘ In anspruchsvoller, eindringlicher, aber schnörkelloser Sprache erzählt Whitehead seine Geschichte um Cora und die Underground Railroad. Dabei hat mich der Roman von der ersten Seite an in seinen Bann schlagen können, und Whiteheads Kniff, die Underground Railroad als echte Eisenbahn zum Leben zu erwecken, ist so gut gelungen, dass ich mir beim Lesen immer wieder aktiv ins Gedächtnis rufen musste, dass es diese Untergrundbahn nicht wirklich gegeben hat, dass es sich lediglich um einen Decknamen, eine Metapher gehandelt hat. Whitehead hat die Eisenbahn und die gesamte Flucht Coras jedoch so lebendig und lebensnah geschildert, die Handlungsorte so genau und überzeugend herausgearbeitet, dass man die dunklen Schächte, die man häufig über eine im Boden eingelassene Falltür erreicht, vor sich sieht, die Kühle spürt, die Geräusche hört. Mit seinem Roman bietet Whitehead tiefe Einblicke in das Leben der Sklaven in den Südstaaten der USA, in die harte Arbeit, in den Alltag, in die Gemeinschaft innerhalb und außerhalb der Plantage. Er ermöglicht es aber auch, eine Seite kennenzulernen, die mir im Zusammenhang mit Sklaverei in den USA bislang unbekannt war: das durchorganisierte Fluchtnetzwerk und die zahlreichen Fluchthelfer, die ihr Leben dafür riskieren, Sklaven einen Weg in die Freiheit zu ebnen. Whitehead hat die Flucht Coras detailgenau geschildert, so dass man als Leser hautnah dabei ist und einem das Herz bisweilen etwas schneller schlägt. Die sehr expliziten Beschreibungen von Gewalt, die stellenweise kaum zu ertragen sind, zeigen zudem, dass Sklaverei mehr ist als ein Leben in Unfreiheit, und führen dem Leser die Unmenschlichkeit und Entwürdigung deutlich (und bisweilen zu deutlich) vor Augen. Nach dem Lesen habe ich außerdem das - gekürzte - Hörbuch zum Roman gehört, das von Helene Grass gelesen wird. Auch das Hörbuch hat mir ausgesprochen gut gefallen: Grass' Stimme ist sehr angenehm, und sie liest in passender Geschwindigkeit, so dass man dem Hörbuch gut folgen kann und ihm zudem gerne folgt. Grass liest 'Underground Railroad' sehr eindringlich und kann den Hörer dadurch genauso gut fesseln, wie es das gedruckte Buch vermag. Inhaltlich finde ich den Roman auch nach meiner zweiten Begegnung absolut großartig und kann den Roman sowohl als Buch als auch als Hörbuch jedem ans Herz legen. Die Kürzungen sind meiner Meinung nach nur geringfügig, wichtige Teile des Romans fehlen nicht. ‚Underground Railroad‘ ist nicht nur ein hochaktueller, fesselnder Roman, sondern wurde auch - meiner Meinung nach vollkommen verdient - mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet. Der Roman steht zudem zusammen mit ‚4 3 2 1‘ von Paul Auster, ‚Das Ministerium des äußersten Glücks‘ von Arundhati Roy, ‚Exit West‘ von Mohsin Hamid u.a. auf der diesjährigen Longlist des Man Booker Prize, wobei ‚Underground Railroad‘ mein persönlicher Favorit ist. Die Shortlist wird am 13. September 2017 veröffentlicht, der Gewinner wird am 17. Oktober bekannt gegeben. Ein weiteres aktuelles Buch über Sklaverei, das ich sehr empfehlen kann, ist ‚Heimkehren‘ von Yaa Gyasi.

    Mehr
  • Erzählerische Wucht

    Underground Railroad
    yellowdog

    yellowdog

    02. September 2017 um 15:16

    Underground Railroad. Was für ein grandios Buch! Zuerst ist Hörbuch Hamburg für die Gestaltung des Hörbuchs in einer CD-Pappbox mit 7 CDs zu loben. Das ist meine favorisierte Hörbuchform. Gelesen von Helene Grass, die auch einmal zusammen mit ihrem Vater bei einer Lesung im Theater gesehen habe. Ihr Vortrag ist wirklich gelungen und passend. Anfangs ist es ziemlich hart, da das Sklavenleben deutlich beschrieben wird. Dazu gehören neben der harten Arbeit auch grausame Bestrafungen, Vergewaltigungen und weitere unmenschliche Behandlungen. Das muss man als Leser bzw. Hörer auch erst einmal ertragen. Doch bei dem, was die Menschen damals ertragen mussten, verbietet sich mir ein weghören. Mit Cora gibt es eine starke Persönlichkeit als Hauptfigur. Es gibt auch authentisch wirkende Nebenfiguren wie Caesar, die Brüder Randall, Miss Lucy und die unterschiedlichen Mitarbeiter der Underground Railroad. Die Vereinigung der Underground Railroad hat eine Route in die mögliche Freiheit Richtung Norden bis zu Kanada aufgebaut. Es folgt die abenteuerliche Flucht und das Leben in Freiheit. Cora und Caesar werden getrennt, als eine neue Flucht erforderlich wird. Erschreckende Szenen folgen. Und entschlossene Sklavenjäger setzen sich auf Coras Spur. Der Sklavenfänger Ridgeway ist eine für mich erschreckend glaubwürdige Figur. Sein Herrenmenschendenken war damals sicher verbreitet, bei manchen selbst noch heute. Das der US-Präsident Trump sich nicht gegen den Ku Klux Klan und anderen Rassisten ausspricht ist ein Verbrechen. Cora bewegt sich durch verschiedene US-Staaten: Von Georgia aus durch South und North Carolina, Tennessee und Indiana. Viele Motive des Romans sind auf eine symbolische Ebene gebracht. Die wirklich versteckt fahrende Eisenbahn ist ein Stück magischer Realismus. Das und die erzählerische Wucht machen das Buch zu etwas besonderen. Kein Wunder, dass es den Pulitzer und den National Book Award gewann.

    Mehr
  • Der amerikanische Imperativ

    Underground Railroad
    Jazebel

    Jazebel

    27. August 2017 um 13:53

    Normalerweise bin ich ja nicht der Hochliteratur-Typ und Verkaufsargumente wie diverse erhaltene Preise wie der Pulitzer-Preis und der National Book Award schrecken mich eher ab. Solche Bücher sind ja leider oft hochtrabend geschrieben, schön im Stil und arm in der Handlung.Nicht so aber dieses hier. Die Geschichte um die Sklavin Cora, die den schlimmen Zuständen auf der Plantage entfliehen will und einfach nur frei sein möchte, hat mich völlig in ihren Bann geschlagen. Von Helene Grass einfühlsam und trotzdem kraftvoll auf sieben Audio CDs vorgetragen, kann man dem Sog der Handlung nicht entfliehen. Man erlebt Coras Flucht, das Leben der Sklaven auf der Plantage, Helfer und Verräter, Häscher und falsche Freunde und fühlt sich dabei als würde es  einem selbst geschehen.Wichtig zu wissen ist, das der Autor Colson Whitehead sich einige künstlerische Freiheiten genommen hat. Dieses Buch gibt nicht zur Gänze exakte historische Tatsachen wieder, manches ist frei erfunden, anderes manchen Berichten und Erzählungen entlehnt, das erlittene Unrecht von Millionen jedoch ist historischer Fakt. Die Underground Railroad selbst ist weniger, selbst wenn im Buch so beschrieben, als Eisenbahn zu verstehen, denn als Metapher für das Untergrundnetzwerk welches den Sklaven im Buch auf versteckten und verschlungenen Pfaden half. Man sollte also keinen bis ins Detail genauen Historienroman erwarten, Aufschluss hierzu gibt auch das Booklet des Hörbuchs. Ein absolutes Highlight ist der Charakteraufbau von Whiteheads Protagonisten. Sie sind durchweg glaubwürdig und authentisch, nie hat man das Gefühl jemand denke oder handele in einer Art nur weil es so politisch korrekt wäre. Selbst die Antagonisten wie der Sklavenjäger Ridgeway haben authentische Beweggründe für ihre Taten, ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Denkweisen und sind nicht „einfach nur böse“. Auch Cora, wegen Mordes gesucht, denkt intensiv über ihre Tat nach, die nach heutigem Rechtsverständnis wohl eher als Notwehr betrachtet werden würde.Die Zustände, das Elend und die permanente Angst und Unterdrückung der Schwarzen schildert der Autor derart eindrücklich und auf eine detaillierte Art grauenhaft, dass es selbst mich als Thrillerfan an meine Grenzen gebracht hat. Dieses Buch ist: eindrücklich, grauenerregend, fesselnd, traurig, schön, hoffnungsvoll und hoffnungslos. Definitiv ein literarisches Highlight 2017, ein Buch über das man sprechen wird und sprechen muss. 

    Mehr