Conny Vischer Die eine Nachricht

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Inhaltsangabe zu „Die eine Nachricht“ von Conny Vischer

Panik überkam ihn.
Er hörte Schüsse.
Ich will noch nicht sterben.
Er sass vor seinem Laptop und starrte auf das Facebook-Profil einer jungen Frau, das er per Zufall angeklickt hatte. Augen, die wie die Sonne strahlten und ein bezauberndes Lächeln, welches einem alle Sorgen vergessen liess.
Einer Eingebung folgend schrieb er ihr in aller Eile eine persönliche Nachricht. Ohne nochmals nachzudenken drückte er auf ,senden’, bevor er es sich anders überlegen würde. Ein letzter Blick auf sein Handy, ob er auch wirklich auf Messenger online war, dann schloss er seinen Laptop. Er betete zu Gott, dass die junge Frau seine Nachricht nicht als plumpen Annäherungsversuch abtun würde.
Draussen hörte er angstvolle Schreie und weitere Schüsse fielen.
„Ich muss mich in Sicherheit bringen“, flüsterte er.

Mandy sass nach einem anstrengenden Arbeitstag zu Hause an ihrem Schreibtisch und bereitete alles für ihre online Zahlungen vor, als ihr Handy surrte. Sie blickte aufs Display und las Nachricht von Jamie. Etwas verwirrt wandte sie sich wieder ihrem Computer zu, um sich für das e-banking einzuloggen. Ich kenne keinen Jamie, dachte sie. Sie musste dreimal ihr Passwort eingeben, da sie sich nicht recht auf die Tastatur konzentrierte.
„Jetzt reiss’ dich aber zusammen“, murmelte sie vor sich hin. „Fehlt noch, dass ich wegen einer solchen Nachricht den Zugang gesperrt bekomme.“
Mandy schaffte es, die Zahlungen einzugeben, ohne nochmals einen Fehler zu tippen. Gähnend fuhr sie den Computer herunter und rieb sich die Augen. Sie war nach dem langen Arbeitstag müde, aber auch zufrieden.
Sie hatte es geschafft, eine wunderbare Rundreise für eine Familie mit einem cerebral behinderten Kind genau deren Wünschen entsprechend, zu organisieren. Es war nicht einfach gewesen, da das Kind nur rollstuhlmobil war. Der Dank wollte nicht mehr aufhören.
Sie schaute auf ihr Handy und las ‚Nachricht von Jamie’. Das hatte sie beinahe vergessen. Warum sie die Nachricht nicht einfach ungeöffnet löschte, wusste sie nicht. Irgendetwas hielt sie zurück.
Hallo, ich weiss du kennst mich nicht. Bitte lese trotzdem weiter und lösche die Nachricht nicht. Umgeben von Schiessereien weiss ich nicht, ob ich den morgigen Tag noch erlebe. Zu Hause warten meine beiden kleinen Mädchen auf mich. Sollte ich diesen Ort nicht mehr lebend verlassen wirst du ein Mail meines Anwaltes, James Johnson, erhalten. Bitte folge seinen Anweisungen, lasse meine Mädchen nicht im Stich!! Wenn möglich, werde ich mich wieder bei dir melden. Übrigens, du hast wunderschöne Augen.
Das Ganze war auch noch in Englisch geschrieben. Woher wusste dieser Jamie, dass ich die englische Sprache beherrschte? Sie las die Nachricht ein zweites, ja sogar ein drittes Mal. War das nur eine Anmache der etwas besonderen Art? Nein, das war es nicht. Warum sie so sicher war, dass dem nicht so war, konnte sie nicht sagen.
Mandy begann, ebenfalls auf Englisch, zu antworten: Hallo, wie du auf mich gekommen bist, weiss ich nicht. Aufgrund deines Namens und dem deines Anwaltes schliesse ich, dass du aus Grossbritannien bist. Ich wohne in der Schweiz und weiss nicht, ob ich die geeignete Person für dein Anliegen bin. Ich hoffe, du findest eine Möglichkeit, dich nochmals bei mir zu melden, damit wir dies zu Ende diskutieren können. Ich bete zu Gott, dass du lebend da rauskommst. Pass auf dich auf.
Und schon war die Sendetaste gedrückt.
Ich bin ja total durchgeknallt. Reagiere auf eine Nachricht eines wildfremden Mannes, als würde ich ihn kennen. Auf dem Bild lächelte er ganz sympathisch, aber das musste nicht zwingend er sein. Seine braunen Augen blickten offen und freundlich. Die braunen Haare trug er kurz geschnitten. Weiss der Teufel was dahinter steckt, dachte Mandy.
Während sie vor sich hin grübelte ertönte erneut der Klingelton einer eingehenden Nachricht auf Facebook.
Vielen Dank, dass du meine Nachricht nicht unbeantwortet gelöscht hast. Ich melde mich sobald ich kann. GLG Jamie
Nachdenklich senkte sie ihr Handy. Was soll ich bloss machen? Ist doch ganz klar, meldete sich eine innere Stimme. Antworte auf keine Nachricht mehr. Da ist etwas faul. Was aber, wenn er wirklich in Not war und Hilfe brauchte?
Okay. Gern geschehen. Mach’s gut.
Und schon war auch die zweite Nachricht gesendet.
Ich gehe schlafen und denke morgen weiter darüber nach, dachte Mandy und machte sich bereit um schlafen zu gehen. Lange fand sie keinen Schlaf. Immer wieder drängten sich dieser Jamie und seine beiden Mädchen in ihre Gedanken.

Der Wecker schrillte erbarmungslos neben Mandys Ohr. Am liebsten hätte sie ihn an eine Wand geschmissen. Sie hatte kaum geschlafen. Und wenn, war sie von Albträumen geweckt worden. In diesen Träumen hatte sie gesehen, wie Menschen umgebracht wurden. Wie sie höhnisch ausgelacht wurden, als sie um Gnade gefleht haben. Dann war plötzlich ein Bild von zwei bildhübschen weinenden Mädchen aufgetaucht.
Mandy tapste in die Küche und braute sich einen Tee. Es schnürte ihr das Herz zu, als sie an das Bild der beiden Mädchen dachte. Gewaltsam musste sie diesen Gedanken zur Seite schieben. Es wartete ein weiterer strenger Arbeitstag auf sie.

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