Conrad Cortin Das Riesenrad im Kopf

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Inhaltsangabe zu „Das Riesenrad im Kopf“ von Conrad Cortin

Der Klon „Sie können wieder bei uns anfangen, sobald wir unsere Forschungsarbeit fortsetzen dürfen. Wie Sie wissen, ist die Rechtslage ungeklärt.“ Herr Wunder, der Chef unseres Instituts für Reproduktionsbiologie, spricht mir aus der Seele. Ich habe keine Lust meine Zeit in der Firma zu vergeuden. Die Kollegen sehen das anders. Ich spüre ihre mißbilligenden Blicke. Herr Wunder verabschiedet sich und stößt mit dem linken Fuß irgendwas beiseite: "Sie haben was verloren." "Genau genommen in diesem Hause nichts mehr", erwidere ich. Dennoch suche ich den Teppichboden ab. Vorsicht, nicht zertreten! Was sich da auf dem Boden krümmt, sieht aus wie ein Würmchen. Auf irgendeine Weise gefällt es mir, ich schaue es mir genauer an und entdecke eine gewisse Ähnlichkeit zwischen diesem winzigen Geschöpf und mir selbst. "Was ist das", wollen die Kollegen wissen. Ich zeige es ihnen: "Schaut es euch genau an. Dieser Winzling ist der erste menschliche Ableger. Ich bringe ihn gleich in die Abteilung für geklonte Säugetiere. Sie sollen ihn aufpäppeln." Die Kollegen sind entsetzt: „Mach es bloß kaputt, was du vorhast, ist ungesetzlich.“ Genau dieses Verhalten habe ich erwartet. Ihnen fehlt der Mut zum Risiko. Die Abteilung für geklonte Säugetiere liegt im Sicherheitstrakt. Ich präsentiere dem Pförtner meinen Firmenausweis: "Der nützt Ihnen hier nichts, ohne Sonderausweis haben Sie keinen Zutritt." Er läßt mich seelenruhig vor der schweren Eisentüre stehen, als sei ich kein Kollege, sondern bloß irgendwer. Schon manche großartige Erfindung ist an den Hürden der Bürokratie gescheitert. Soll mir nun das gleiche blühen. Wenn der Klon nicht bald versorgt wird, stirbt er ab. Ich dränge: "Rufen Sie den Professor an!" Endlich bequemt er sich: "Hier an der Pforte steht einer, der Sie dringend sprechen will, weil sein Klon versorgt werden muß." Der Professor hat keine Zeit, aber sein Assistent ist bereit, mich zu empfangen. Der Assistent wirkt zuvorkommend und aufgeschlossen. Ich übergebe ihm den Klon. „Sie werden es erleben, er hat hervorragende Anlagen. Behandeln sie ihn gut.“ Der Assistent verspricht, sich höchstpersönlich um ihn zu kümmern. Ich solle nächste Woche bei ihm anrufen. Die Woche über bezähme ich mühsam meine Neugier. Noch bevor die Woche um ist, am Freitag morgen um halb Acht, klingelt mich das Telefon aus dem Schlaf: "Die ganze Abteilung ist in Aufruhr". Ich erkenne den Assistenten an der Stimme. Beunruhigt falle ich ihm ins Wort: "Macht der Klon ihnen Scherereien. Ist er vielleicht heikel?" "Nein, im Gegenteil. Wir können uns seinen Appetit nicht erklären. Er verschlingt alles Bedruckte, das wir in den Papiercontainer geworfen haben: Zeitungen, Broschüren, Werbeprospekte, sogar dicke medizinische Wälzer schleppt er mit eigener Kraft in seinen Laufstall. Man kann förmlich zusehen, wie er wächst und wächst." "Wir sollten ihn Hesekiel nennen", scherze ich. Verdutztes Schweigen. Ich erläutere: "Hesekiel hat mal ein Buch gegessen" und kündige an: "In einer halben Stunde bin ich bei Ihnen, bin gespannt auf die erste Begegnung." Der Assistent empfängt mich an der Pforte und führt mich in eine Kammer, in der sie Altpapier sammeln. Mitten im Raum liegen ein paar abgelaufene Telefonbücher. Der Klon sitzt in seinem Laufstall, blickt finster vor sich hin und beachtet uns nicht. "Er hat Hunger", bemerkt der Assistent, "aber Telefonbücher verschmäht er." Auf den ersten Blick fällt mir zwischen ihm und mir keine Ähnlichkeit auf. Doch dann erinnere ich mich an ein paar alte Fotos. Genau wie dieser Knirps da habe ich mit vier Jahren ausgesehen: Blond, blauäugig und ein bißchen mollig. Bildhübsch aber vermutlich ein Devil, schießt es mir siedendheiß durch den Kopf. Vielleicht waren die Befürchtungen der Kollegen doch berechtigt. Wenn der Klon weiter so gedeiht, ist er spätestens in einem Monat in der Pubertät und mir wie aus dem Gesicht geschnitten. Aber er wird nicht wissen, wie es in der Welt zugeht und seine Gefühle nicht steuern können. Man sollte das Experiment abbrechen, bevor ein Unglück geschieht. Bedrückt begebe ich mich an meinen Arbeitsplatz. Meine Kollegen teilen meine Besorgnis. "Hättest du nur auf uns gehört! Du solltest nicht länger zögern und sofort einschreiten!" In der Abteilung für geklonte Säugetiere ist allerdings niemand mehr zu erreichen. Sie sind schon ins Wochenende gegangen. Gleich am Montag will ich den Professor konsultieren. Am Montagmorgen, nervös und unausgeschlafen, verirre ich mich in den Gängen des Instituts. Möbelpacker in grünen Overalls transportieren schwere Schreibtische. Die Abteilung wirkt verlassen. In einem ausgeräumten Büro finde ich endlich einen Institutsmitarbeiter vor. Von ihm erfahre ich, die Abteilung sei umgezogen, aber er wisse nicht wohin. Mehr will oder kann er mir nicht sagen. Und von meinem Klon hat er angeblich noch nie etwas gehört. Wenigstens finde ich den Ausgang. Der Pförtner läßt sich auf ein Gespräch mit mir ein. Er rät mir, ich solle mich in der Residenz erkundigen, wo gerade ein Kongreß über das Thema: „Haben Klone eine Seele?“ abgehalten wird. Das ist genau die Frage, die ich mir selber stelle. Ich mache mich sofort auf den Weg. Ältere Herren in schwarzen Anzügen stehen in Gruppen im blauen Saal der Residenz zusammen. Cocktails werden gereicht. In meinem hellen Sommeranzug falle ich auf. Die Teilnehmer sind allesamt Theologen. Sie halten mich für einen Journalisten und geben mir bereitwillig Auskunft. Selbstverständlich besitzt ein Klon keine Seele, darin sind sie sich einig. Geklonte Menschen sind gar keine echten Menschen, sondern Zombies. Ihre Züchtung brächte unabsehbare Gefahren für die gesamte Menschheit mit sich. Noch heute nachmittag wird die Ethikkommission bei einer Pressekonferenz das Ergebnis der Tagung bekanntgeben. Die Öffentlichkeit muß aufgerüttelt und rechtzeitig gewarnt werden Ich frage in die Runde: "Besteht denn ein aktueller Anlaß. Warum sonst veranstaltet man gerade jetzt einen Kongreß zu diesem Thema." Die Mienen verfinstern sich. Die Herren stellen Gegenfragen. Ob ich wirklich ein Journalist sei. Was ich mit dieser Affäre sonst zu tun habe. Ob ich gar darin verwickelt sei. Ehe sie mir weiter auf den Zahn fühlen, verlasse ich schleunigst die Residenz. Die nächsten Tage wandere ich von Behörde zu Behörde. Doch niemand kann mir sagen, welche Dienststelle für Retortenbabys zuständig ist. Ich erfahre lediglich eine einzige Adresse. Es ist aber ausgerechnet die meines eigenen Büros. Das bringt mich auf den Gedanken: Vielleicht ist es kein Fehler, wenn ich mich dort aufhalte und das Telefon hüte. Womöglich hat sich inzwischen der Assistent gemeldet oder er tut es noch. Der Chef hat inzwischen die Kollegen nach Hause geschickt. Das Telefon schweigt sich aus. Ich habe Zeit nachzudenken. Ich befürchte, der Klon könnte mir meine gesamte Zukunft verderben. Er könnte Unheil anrichten und man würde dann mir die Schuld in die Schuhe schieben. Acht Tage vergehen; Herr Wunder duldet mich nicht mehr im Büro, ich trete den vorgeschlagenen unbezahlten Urlaub an und setze meine Nachforschungen von zu Hause aus telefonisch fort. Doch weder Ärzte noch Biologen noch Humanwissenschaftler haben angeblich je von meinem Klon gehört. Manch einer der Befragten erklärt mir ohne Umschweife, daß er mich für verrückt hält. Ich lasse die Anrufe daraufhin bleiben. Der Klon bleibt verschollen. Aber die Angst vor einer drohenden Katastrophe will mir nicht aus dem Sinn. Obwohl ich mir nichts davon erwarte, begebe ich mich nochmals zu der Abteilung, bei der ich den Klon abgeliefert habe. Die Pforte ist unbesetzt, das Institut wirkt immer noch ausgestorben, leere Zimmer und Gänge. Gerade als ich unverrichteter Dinge umkehren will, entdecke ich durch eine offene Tür einen grauhaarigen Herrn, der allerlei Papiere in einen Tresor legt. Sein Gesicht ist mir von einer Abbildung aus einer wissenschaftlichen Zeitung her bekannt. Es ist der Professor. Ich spreche ihn an: "Sie haben hier im Institut einen Klon von mir, der gefährlich werden kann. Sie müssen sofort etwas unternehmen". Ich wage nicht vorzuschlagen, man müsse ihn abtöten. Der Professor macht ein verdutztes Gesicht. Anscheinend kennt er den Klon, ich vermute, daß ihm die Ähnlichkeit zwischen diesem und mir aufgefallen ist. Er gibt zu, sie hätten in der Tat einen Klon hier im Institut, der die gesamte Universitätsbibliothek verschlungen habe. Gerade habe er einige wichtige Unterlagen im Tresor in Sicherheit gebracht. "Folgen Sie mir", fordert er mich auf, und führt mich an Reihen leerer Regale vorbei in die Nachbarabteilung für Bioethik. An der Tür verabschiedet er sich mit den Worten: "Ich muß dringend telefonieren und lasse Sie jetzt mit dem Klon allein." Der Klon sitzt über einen dicken Wälzer gebeugt. Vor ihm türmt sich ein Stapel Bücher. Es sind, wie ich sofort sehe, mir selbst bekannte Standardwerke der Paläoanthropologie, Genetik, Biogenetik und Eugenik. Als der Klon mich erblickt, erschrickt er sichtlich. Er ist inzwischen voll ausgewachsen, und sieht aus wie mein Zwilling, nur um dreißig Jahre jünger. Seine Statur ist allerdings athletischer als die meine. Wie mag es um seine Seele bestellt sein, ob er wohl eine hat. Wir verharren eine ganze Weile, ohne was zu sagen. Offenbar errät er meine Gedanken und sagt zaghaft, er sei Lyriker. Auf alles andere war ich gefaßt, aber nicht darauf, es mit einem Verrückten zu tun zu haben. Zu allem Überfluß bin ich unerfahren im Umgang mit Verrückten. Er nützt meine Sprachlosigkeit und beginnt leise, fast beschwörend zu sprechen. Er rezitiert all die Gedichte aus der Weltliteratur, die ich am meisten liebe und die ich mir leider nie habe merken können. Sein Vortrag nimmt mich derart gefangen, daß ich meine Vorbehalte und Ängste vergesse. Mit einem Gedicht von Benn findet er einen Übergang zur Existenzphilosophie. Es ergibt sich daraus ein lebhaftes Gespräch und wir kommen vom Hundertsten ins Tausendste. Mit Erstaunen stellte ich fest, daß er auf allen Wissensgebieten bis ins Detail beschlagen ist und eigene Gedanken entwickelt. Natürlich betreffen diese vor allem seine Existenz als Klon, und damit zusammenhängend geht es ihm um die Frage nach dem Wesen des Menschseins überhaupt. Was ich mir davon gemerkt habe, möchte ich aber hier nicht einflechten, sondern es in einer gesonderten Abhandlung wiedergeben. Nach ungefähr zwei Stunden ist er sich offenbar sicher, daß er mich von seinen seelischen und geistigen Qualitäten überzeugt hat. Unvermittelt springt er auf und ruft aus: "Komm mit, ich werde dir zeigen, daß ich auch körperlich fit bin." Ich glaube ihm das unbesehen, er braucht es mir nicht zu beweisen, und sage ihm das auch. Doch er läßt sich nicht abhalten. Er läuft aus dem Raum und ich ihm hinterher. Durch einen Seitenausgang gelangen wir direkt auf die Hauptstraße. Gerade rumpelt ein dicker LKW daher. Mein Klon wirft sich unter die Reifen. Schade, jetzt macht er das, was ich selber ihm nicht mehr antun wollte, nämlich seinem Leben ein Ende. Sechs schwere Reifen überrollen meinen Klon. Der Fahrer hält an und steigt leichenblaß aus dem Führerhaus. Gerade als mir bewußt wird: Schade, es hätte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein können! hüpft mein Klon hinter dem Heck hervor. Er hat keine einzige Schramme abbekommen. Ein Dutzend Passanten sind stehen geblieben und umringen ihn. "Warum wundert ihr euch", wendet er sich an die Runde, "in Indien kann das jeder Yogi vorführen, sie lassen sich reihenweise von LKWs überfahren, wenn die Touristen es verlangen." Die Passanten erregen sich, die Meinungen prallen aufeinander. Die Stimmung ist aufgeheizt wie kurz vor einer Schlägerei. Nun tritt durch die Hintertür der Professor heraus. "Alle zurücktreten", ruft er aus, "hört mich an, der da ist ein Klon, ich habe mich im Präsidium erkundigt, seine Existenz ist widernatürlich. Ich habe die Polizei alarmiert." Die Polizeiwagen rücken an. Vermummte Scharfschützen positionieren sich. Der Professor erregt sich: "Nicht schießen, nehmt ihn fest. Er muß wissenschaftlich einwandfrei getötet werden." Ich schalte mich ein: "Er hat doch nichts verbrochen!" Aber davon nimmt keiner Notiz. Ich fühle mich machtlos und mit einemmal elend traurig. Mir fällt nichts mehr ein, wie ich sein Leben retten könnte. Der Klon leistet keinen Widerstand und läßt sich abführen. Schon am nächsten Morgen soll das Unfaßbare geschehen. Man will seinen Tod wissenschaftlich auswerten. Ich möchte ihn noch einmal sehen und finde mich im Institut ein. Sie haben den Klon auf einem elektrischen Stuhl angeschnallt. Ein Dutzend Professoren und Theologen haben sich versammelt und starren ihn gespannt und erwartungsvoll an. Den Eingang des kahlen Raums besetzen Polizisten. Der Klon wirkt gelassen, als sei er mit seiner Hinrichtung einverstanden. Ein kleiner Mann mit verbitterten Gesichtszügen schaltet den Strom ein. Der Klon verzieht keine Miene, plötzlich aber reißt er sich los und entwindet einem der Polizisten den Revolver mit den Worten: "Es könnte sein, daß i h r jetzt sterben müßt!" Ich bin bestürzt: "Unsereiner bringt doch niemand um, eine solche Tat könnte ich meinem Klon nie verzeihen, unsere Freundschaft wäre mit einem Makel belastet. Er hat doch sowieso keine Chance. Jetzt werden sie ihn eben doch erschießen." Die Polizisten jedoch sind starr vor Schreck. Sie rühren keinen Finger. Der Klon gibt den Revolver zurück und meint mit einem Lächeln, er habe nur Spaß gemacht. Seit diesem Ereignis habe ich den Klon nicht mehr getroffen. Aber ich weiß, daß er lebt und daß es ihm gut geht. Er wird von Institut zu Institut weitergereicht und läßt sich anstandslos alle Tests und Untersuchungen gefallen. Ich selbst habe mich ins Privatleben zurückgezogen. Herr Wunder möchte mich zwar wieder einstellen. Aber ich habe ihm abgesagt, die Lust an der Mikrobiologie ist mir vergangen.

Karikierender Humor des allzu Menschlichen

— raimund-fellner
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  • Karikierender Humor des allzu Menschlichen

    Das Riesenrad im Kopf
    raimund-fellner

    raimund-fellner

    08. January 2017 um 15:23

       Ein einheitliches Gesamtbild des allzu Menschlichen bilden die meist kurzen Erzählungen dieser Textzusammenstellung von Conrad Cortin. Nur einen Schönheitsfehler bilden wenige Texte geringerer Reife zu Beginn, bei denen Gott Eigenschaften des „pfäffischen“ Gottesbildes angekreidet werden. Gott, so wie ich ihn verstehe, wird somit Unrecht getan. Selbstverständlich meint Conrad Cortin den „pfäffischen Gott“, der mit dem wahren Gott nichts zu tun hat. Doch das kommt nicht heraus, so wie die Humoreske angelegt ist. Ich meine Gott zu karikieren anhand des „pfäffischen Gottesbildes“ tut Gott unrecht. Was nicht heißt, man könne oder dürfe Gott nicht karikieren. Nur setzt das sehr viel Erfahrung und Wissen Gottes voraus, was Conrad Cortin in den jüngeren Jahren dieser Texte wohl noch nicht hat.    Über das Menschliche und allzu Menschliche in den Trieben der Liebe und Liebelei geht es meist. Hier werden alle Varianten des Liebeslebens, die die Liebestriebe ansteuern, durchgenommen. Aber auch das Arbeitsleben der oberen Mittelschicht mit seinen krankhaften Hierarchien und Zwängen wird aufs Korn genommen. Darüber hinaus das Künstlerleben dieser oberen Mittelschicht. Politisch sind die Texte ausgewogen mit einem Herz für die sozial Schwächeren. Darüber hinaus enthält das Buch auch kurze aphoristische weise Sprüche, die sich eignen, bei „Facebook“ zum Besten gegeben zu werden.    Was nun die Literatur von Conrad Cortin besonders macht, ist die originelle humorvolle Darstellung der Wirklichkeit. Seine Methode ist, die Wirklichkeit und die darin lebenden Menschen ins Unwirkliche (Surreale) zu karikieren, also übersteigert zu verzerren, um aus nachsichtiger Distanz über die Unzulänglichkeiten der Menschen schmunzeln zu können, die auch den Autor als Menschen nicht ausnehmen.    Ich meine, ein im großen Ganzen gelungenes Werk. Was übrigens auch für das Leben des Autors, Conrad Cortin, gilt.   Raimund Fellner www.raimund-fellner.de  

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