Constantin Wißmann

 5 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Constantin Wißmann

Constantin Wißmann, Jahrgang 1981, leitet die Online-Redaktion beim Magazin Cicero. Davor arbeitete er als freier Autor für zahlreiche Magazine und Zeitungen. Er hat den Wehrdienst absolviert und sich als Journalist intensiv mit der Bundeswehr beschäftigt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Constantin Wißmann

Cover des Buches Bedingt einsatzbereit (ISBN: 9783742317933)

Bedingt einsatzbereit

 (4)
Erscheint am 20.04.2021

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Cover des Buches Bedingt einsatzbereit (ISBN: 9783742308672)KiraNears avatar

Rezension zu "Bedingt einsatzbereit" von Constantin Wißmann

[Rezension #116] Bedingt einsatzfähig
KiraNearvor 4 Monaten

Name: Bedingt einsatzfähig
Autor: Constantin Wißmann
Genre: Non-Fiction
Preis: € 15,99
Seiten: 204
Sprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 2019
ISBN: 978-3-7423-0867-2
Verlag: riva Verlag 

 

Rückentext:

Ist Deutschland noch verteidigungsfähig? 

Die Bundeswehr ist in einem katastrophalen Zustand. Im In- und Ausland gilt sie mittlerweile als Lachnummer. Vier von zehn neuen Panzern sind nicht nutzbar, jeder dritte Kampfjet muss am Boden bleiben - die Truppe ist kaum noch handlungsfähig. Dabei sind ihre Aufgaben gewachsen. Spätestens seit sie nicht mehr nur für die Landesverteidigung zuständig sind, sondern "unsere Sicherheit am Hindukusch verteidigt". Die Streitkräfte gehen in die zahlreichen Einsätze mit dem schlimmsten Gefühl, das ein Soldat haben kann: nicht ausreichend ausgestattet zu sein. Für ein Land von der Größe und globalen Bedeutung Deutschlands ist der miserable Zustand der Streitkräfte ein Skandal. Wie es so weit kommen konnte und was das für die Zukunft unseres Landes bedeutet, davon erzählt dieses Buch.

  

Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):

Ich muss zugeben, dass mich das Thema Militär oder Bundeswehr nie wirklich interessiert hat; und ich habe dazu auch keinen Berührungspunkt. Abgesehen davon war ich als weibliche Person nie von der Wehrpflicht, bevor diese abgeschafft worden war, betroffen gewesen, daher ist und war die Bundeswehr nie etwas, mit dem ich groß in Berührung kam, außer auf irgendwelchen Ausbildungsmessen oder auf der Gamescom, wenn ich sie da gesehen habe (oder eines ihrer Fahrzeuge). Dennoch bekomme ich auch hier und da etwas mit, wenn bei der Bundeswehr etwas schief läuft. Ist zwar nicht viel, aber selbst ich bekomme etwas davon mit. 

Doch wie schlecht es wirklich um die Bundeswehr steht, das wusste ich vor dem Lesen des Buches bisher noch nicht. Der Autor erzählt in wenigen Kapiteln leicht verständlich, was genau die Probleme sind, die die Bundeswehr lahm legen; wer genau dahinter steckt und was bei den ganzen komplizierten Vorgängen passiert ist. Auch schlüsselt er auf, wer genau an was Schuld ist und welche Konsequenzen die ganzen Fehlentscheidungen und Selbstverteidigungsversuche der Verteidigungsminister auf die Bundeswehr und damit auch auf den Rest des Landes haben. Er fängt damit in der Vergangenheit an, mit den Gründen für die Gründung der Bundeswehr und auch, wie sie sich über die Jahre entwickelt hat; ebenso auch, wie sie sich modernen Problemen stellt. Dass beispielsweise die Bundeswehr als Arbeitgeber nicht sonderlich attraktiv ist und es auch weniger Leute gibt, die seit der Abschaffung der Wehrpflicht dorthin gehen, dürfte ja bekannt sein. 

Doch der Autor kommt nicht sehr überheblich rüber oder hebt den moralischen Zeigefinger allzu weit hoch, er gibt dem Leser einen Eindruck davon, wie komplex das Problemkonstrukt, das die komplette Bundeswehr von A bis Z umgibt. Auch gibt es nicht DIE Ursache oder DEN Schuldigen, ebenso auch wenig DIE Lösung. Dennoch gibt er den einen oder anderen Denkanstoß und auch Lösungsvorschläge, mit denen man die Bundeswehr ein wenig besser machen könnte. Nicht nur einmal habe ich beim Lesen innerlich oder äußerlich den Kopf geschüttelt, weil ich einfach nicht glauben konnte, was ich da gelesen habe. Besonders, wenn es solche Dinge sind wie dass ein Kampfflieger (?) durch dreckige Soldatenschuhe bereits beschädigt werden kann; oder wenn man lieber viel Geld für ein mobiles Kampfgerät, welches untauglich sein soll, ausgibt, als ein besseres Modell aus dem Ausland geschenkt zu bekommen. Da muss ich beim Lesen mir doch immer mal wieder an den Kopf fassen.

  

Leseprobe:

Ich schlief noch in einem Container in Camp Marmal, dem Hauptquartier der Bundeswehr in Afghanistan, als es knallte. Es ist schwer, diesen Knall im Nachhinein mit etwas zu vergleichen. Es war einfach sehr laut. Dass ich für eine Recherche im Frühjahr 2015 das Lager besuchen musste, hatte mir vorher keine Angst gemacht. Ich wusste, dass es auf der Welt kaum besser bewachte Orte gibt als das Camp vor der Stadt Marar-i-Sharif. Ich war schon einige Male in der Hauptstadt Kabul gewesen und habe dort an Straßenständen Kebap gegessen. Das war viel gefährlicher. Aber der Knall änderte das mit der Angst. Am besten liegen bleiben, dachte ich. Ein paar Minuten später klopfte der mit der Pressebetreuung beauftragte Oberfeldwebel an der Tür. "Tja, dann haben wir wohl jetzt einen Alarm", sagte er. Später kam heraus, dass auf dem Flugfeld eine 107-mm-Rakete eingeschlagen war. Niemand wurde verletzte, nichts zerstört. Doch als ich danach in Schutzhelm und Schutzweste im Zimmer saß und Dosenravioli und Cola frühstückte, weil ich den Container während des Alarms nicht verlassen durfte, dachte ich an meine erste Zeit in der Bundeswehr zurück und wie wenig das hier mit dem zu tun hatte, wie ich die Truppe zuerst kennengelernt hatte. Das hier war verdammt ernst.

  

Fazit:

Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich mir das Buch aus der Bibliothek ausgeliehen und damit dem Buch eine Chance gegeben habe. Zwar bin ich immer noch nicht jemand, der sich für derartige Themen auskennt oder gar interessiert, dennoch finde ich es gut, dass ich darüber mal gelesen habe; in einem sachlichen Buch. Zwar gibt es kaum bis gar nichts, was ich persönlich dort dagegen machen könnte, aber ist eines von den Dingen, wo ich ich mir denke: Ja, davon sollte man wenigstens einmal was gehört oder gelesen haben. Außerdem war es anschaulich und zum Nachdenken anregend geschrieben. Von mir bekommt es fünf Rubine und die Leseempfehlung, dass man es zumindest einmal durchgelesen hat, damit man auch noch besser im Bilde ist, so wie ich. 

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Cover des Buches Bedingt einsatzbereit (ISBN: 9783742308672)R_Mantheys avatar

Rezension zu "Bedingt einsatzbereit" von Constantin Wißmann

"Bewusste Verkennung der Wirklichkeit" und "kollektive Orientierungslosigkeit"
R_Mantheyvor 2 Jahren

Beide Aussagen aus diesem Buch (S. 175, 176, 189) beziehen sich nicht auf die Bundeswehr, sondern auf die Einstellung und die Haltung zu dieser Armee in der deutschen Politik. Mit wenigen Ausnahmen gilt das insbesondere für die beiden Parteien, die im Laufe der Geschichte der Bundesrepublik abwechselnd den Verteidigungsminister stellten. Den Zustand der Bundeswehr kann man nur als grotesk bezeichnen. Die Marine, schreibt der Autor besitzt mehr Admiräle als Fregatten. Über die Luftwaffe kann man ähnliche Formulierungen treffen.

Dazu kommen unvorstellbare Steuerverschwendungen. Wenn man hier die Regeln für Steuerhinterzieher anwenden würde, was nur gerecht wäre, denn Verschwendung und Hinterziehung sind vom Effekt her dasselbe, dann würden man zahlreiche Verantwortliche hinter Gittern wiederfinden. Wer sich diese Armee von außen nüchtern ansieht und ihre Kampfkraft einschätzt, wird keine Angst mehr vor ihr haben. Und er wird erkennen, dass sie den gesamten Zustand dieses Staates widerspiegelt.

Schreibt der Autor dieses Buches anfangs noch recht mild über den katastrophalen Zustand der Bundeswehr, so kommt er am Ende seines Textes mit aller Deutlichkeit auf den Punkt. Zunächst zitiert er einen namentlich genannten Ex-General mit den Worten: "Bevor wir eine nicht gewollte, öffentlich regelmäßige verhöhnte und nicht einsatzbereite Truppe am Leben halten, sollten wir sie lieber abschaffen." Immerhin wäre das viel kostengünstiger. Wißmann schreibt dann weiter: "Eine Armee ist für einen Staat nur dann sinnvoll, wenn sie in Sachen Personal, Material, Organisation und nicht zuletzt Moral so aufgestellt ist, dass sie ihre Aufgaben erfüllen kann. Davon ist die Bundeswehr derzeit meilenweit entfernt und zwar sowohl als Bündnispartner in der Weltpolitik als auch im nationalen Rahmen."

Wißmann nennt die Bundeswehr ein "ungeliebtes Stiefkind der deutschen Nachkriegsgesellschaft" ohne eigene Identität. Und das genau ist der wirklich entscheidende Punkt. Man kann den Zustand dieser Armee technokratisch beschreiben und die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Aber man kann auch die tiefersitzenden Ursachen dafür suchen. Im ersten Fall stößt man auf einen Dschungel an Bürokratie, Inkompetenz, Schlamperei oder einen gewissen Größenwahn von im Bundestag sitzenden Lokalpolitikern, die ohne Vernunft und den Blick fürs große Ganze Arbeitsplätze in ihrem Wahlkreis sichern wollen, oder auf eine Struktur, die Duckmäuser und Kriecher am oberen Ende hervorbringt und an der Basis alles andere als attraktiv wirkt.

Bei den tiefer sitzenden Ursachen – und denen geht der Autor glücklicherweise nicht aus dem Weg – stößt man schnell auf ein völliges Unverständnis für das Funktionieren einer Armee. Die gegenwärtige Bundeskanzlerin stellt die Bundeswehr als "normalen Arbeitgeber wie jeden anderen auch" dar. Das drückt wie nichts anderes ein völliges militärisches Unverständnis aus. Bei normalen Arbeitgebern herrschen keine klar definierten Befehlsstrukturen. Und vor allem schickt ein normaler Arbeitgeber seine Mitarbeiter nicht in militärische Auseinandersetzungen, aus denen sie möglicherweise nicht lebend oder schwer verletzt zurückkommen. Wer ignoriert, dass man in einer Armee grundsätzlich zum Kämpfen und Töten ausgebildet wird, leidet unter einer schweren Wahrnehmungsstörung. Macht man diese Störung allerdings zur Grundlage der Politik, dann ist es nur konsequent, sich der Armee zu entledigen. Da man das (vor allem gegenüber den Verbündeten) nicht offiziell als Ziel erklären kann, macht man es eben hintenherum und zerstört sie anderweitig. Ob das nun bewusst oder unbewusst geschieht, ist dabei völlig egal. Sinnbild dafür war ein Manöver an der russischen Grenze, bei dem die Bundeswehr aus Mangelgründen mit Besenstielen anstatt mit Kanonen hantierte. Lächerlicher geht es kaum noch.

Will man die Misere der Bundeswehr also beenden, dann reicht es nicht, irgendwelche technokratische Fehler zu beseitigen oder die alles erstickende Bürokratie kräftig durchzulüften, sondern es geht um etwas Grundsätzliches. Die ganze Haltung der politischen Elite zum Militär stimmt nicht. Und das hat sich über die Jahrzehnte der bundesdeutschen Geschichte stetig vertieft. Ähnlich wie bei fast allen Grundproblemen der deutschen Gesellschaft weigert sich die Politik auch und besonders an dieser Stelle die Dinge beim Namen zu nennen und öffentlich zu diskutieren. Man kann die Wirklichkeit lange ignorieren, doch irgendwann werden sich die Folgen dieser Ignoranz so melden, dass man es schmerzhaft zu spüren bekommt. Entweder man hat eine Armee, dann muss man sie auch ordentlich behandeln, oder man will sie nicht, dann sollte man sie abschaffen. Die Bundeswehr scheint jedoch ein Kind eines seltsamen Irgendwie -Dazwischen zu sein.

Wenn man also die Bundeswehr betrachtet, dann kann man je nach eigenen Standort entweder lachen oder in Sarkasmus verfallen. Dem Autor ist es jedoch gelungen, sachlich zu bleiben und die Dinge wirklich auf den Punkt zu bringen. Sehr lesenswert, auch wenn man die Hoffnung auf Veränderungen nicht hegen sollte. Dazu ist dieses Problem viel zu grundsätzlich. Was über Jahrzehnte gewachsen ist, verändert man nicht mehr schnell. Und schon gar nicht mit Leuten, die diese Misere in dieser Zeit tatkräftig erschaffen haben.

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Cover des Buches Bedingt einsatzbereit (ISBN: 9783742308672)W

Rezension zu "Bedingt einsatzbereit" von Constantin Wißmann

Die Bundeswehr braucht eine neue eigene Identität
WinfriedStanzickvor 2 Jahren


 

Seit nach der Wende die ursprüngliche Aufgabe der Landesverteidigung, die die Bundeswehr laut Verfassung seit ihrer Gründung 1956 hatte, zunehmend von Politik und Öffentlichkeit als vernachlässigbar erachtet wurde, verlagert sich der Einsatz der mittlerweile nach der Abschaffung der Wehrpflicht nur noch 285 000 Soldaten zunehmend ins Ausland, wo Truppenteile unterschiedliche meist friedenssichernde oder ausbildungstechnische Aufgaben wahrnehmen.

 

Doch selbst für diese Aufgaben ist die Bundeswehr schon lange nicht mehr gerüstet. In diesen Tagen wird heftig diskutiert, ob die deutsche Marine zum internationalen Schutz von Frachtschiffen gegen Attacken des Iran beitragen sollte. Doch typisch: von den im Besitz der Bundeswehr befindlichen Fregatten ist zurzeit nur eine(!) überhaupt einsetzbar.

Und so geht das mit allen denkbaren Ausrüstungsgegenständen. Die Bundeswehr ist kaputtgespart worden. Für ein Land von der globalen Bedeutung Deutschlands ist das ein Skandal. Und dieser Zustand ist zunehmend lebensgefährlich für die im Einsatz dienenden Soldaten.

 

 

Das vorliegende Buch des Journalisten Constantin Wißmann zeigt von der Gründung der Bundeswehr bis zur Gegenwart eine Entwicklung auf, die dazu geführt hat, dass eine einstmals funktionierende Armee, deren Ausrüstung und Unterstützung allen damaligen Parteien viel wert war und die durch die Wehrpflicht noch einen Rückhalt in der Bevölkerung hatte, mittlerweile sich international zu einer Lachnummer gemacht hat, eine Luftwaffe, bei der nichts mehr ordentlich fliegt, eine Marine, bei der kaum ein Boot einsatzbereit ist und eine Truppe, die noch nicht mal zum Üben ausreichend Waffen hat.

 

Der Autor schlägt neben dem Eingeständnis der katastrophalen Lage durch die entsprechenden Politiker (neue Verteidigungsministerin!), eine Entschlackung der Bürokratie vor und eine Selbstverständnisdebatte innerhalb der Armee vor. Die Bundeswehr braucht eine neue eigene Identität: „Erst wenn sie diese gefunden hat, kann sie die Anerkennung der Gesellschaft bekommen, nach der sie giert. Nur wenn sie sich zu sich selbst bekennt, kann sie auch wieder die Treue der Soldaten verlangen. Und nur dann wird sie auch wieder attraktiv für Menschen, die nach Sinn suchen.“

 

Der Rezensent zweifelt, ob es an den nötigen Stellen zu diesem Prozess den nötigen politischen Mut gibt.

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