Constanze Kleis Sterben Sie bloß nicht im Sommer

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Inhaltsangabe zu „Sterben Sie bloß nicht im Sommer“ von Constanze Kleis

Wieso wird man für Ärzte praktisch unsichtbar, sobald man einen kranken Angehörigen hat? Wie kommt das Stockholm-Syndrom auf die Intensivstation? Und weshalb braucht man für die Beschaffung von Pflege, die den Namen verdient, ähnlich viel kriminelle Energie wie für den Kauf einer ordentlichen Portion Heroin? Als ihre Mutter an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt, muss sich die Autorin nicht nur mit der Aussicht auf einen endgültigen Abschied auseinandersetzen; sie erlebt im Backstagebereich unseres Gesundheitswesens obendrein, wie Würde, Fürsorge, Mitgefühl und Interesse systematisch kaputtgespart werden. Dabei erhält sie ein paar überlebenswichtige Lektionen. Dinge, die Sie unbedingt wissen sollten, bevor es mit Ihnen oder Ihren Liebsten zu Ende geht. Schließlich stirbt man nur einmal … 'Glauben Sie mir kein Wort – ich bin eine Angehörige!'

Einblick in das gesundheitswesen und den Problemen mit denen man noch so zu kämpfen hat wenn man eh schon am verzweifeln ist

— Nanni87
Nanni87

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    Sterben Sie bloß nicht im Sommer
    sab-mz

    sab-mz

    21. June 2013 um 18:17

    Die Autorin Constanze Kleist ist Journalistin für diverse Zeitschriften. Daneben schreibt sie eher seichte Bücher. Nun wagt sie sich an ein heikles Thema für das viel Sachverstand bräuchte. Sie hat dieses über das Gesundheitswesen geschrieben nachdem ihre Mutter wegen eines Hirntumors diverse Stationen durchlaufen hat. Die Autorin prangert das gesamte deutsche Gesundheitswesen an und vor allem hebt sie auf den Unterschied Privatpatient – Kassenpatient ab. Ihre subjektive Meinung unterlegt sie mit Zutaten aus vielen Literaturstellen. Diese erstrecken sich von der „Bild“ über „Wikipedia“ bis zu Voltaire. Sie gibt in ihrem Buch ihr Empfinden des Systems von der Praxis über die Akutklinik bis zur Reha und der Pflege zuhause wieder. Viele gute Gedanken sind im Buch zu finden, wie z.B. was bewilligt oder verhindert der MDK (Medizinische Dienst der Krankenkassen ) , wie kann man häusliche Pflege organisieren, was kommt als Betreuer auf einen zu, Erfahrungen mit Krankenhäusern, usw. Leider erscheint mir das Ganze recht einseitig basierend auf einzelnen Quellen oder eigenen Erfahrungen. Da wird nicht hinterfragt wieso ein Arzt so und nicht anders handelt, etc. Ich bin seit 30 Jahren immer beruflich im medizinischen Umfeld tätig, sehe eine Reihe von Missständen, politisch gewollt oder auch nicht, bedingt durch Verwaltungen und Krankenkassen oder auch durch die handelnden Personen. Sicher gibt es Zustände wie die Autorin sie erlebt hat, aber es gibt auch ganz andere Seiten im deutschen Gesundheitswesen, liebevolle Ärzte und Pfleger, die sich immer noch aufopfern für die Patienten und dabei selbst im Burn – Out landen. Klar gibt es Praxen und Krankenhäuser, die Unterschiede zwischen Privat – und Kassenpatienten machen. Oft aber aus einem reinen finanziellen Druck. Ich kenne Praxisinhaber, die mit dem Einkommen aus der gesetzlichen Krankenkasse gerade die Kosten decken und von den Privateinkommen leben. Aber diese Seite sieht die Autorin nicht oder will sie nicht sehen. Mein Fazit: ein Buch zu wichtigen Themen aber leider sehr einseitig geschrieben. Wenn man es mit gesundem Menschenverstand liest und provokative Bücher mag durchaus eine Empfehlung.

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  • So stellt man sich sein eigenes Sterben und sein eigenes Ende nicht vor

    Sterben Sie bloß nicht im Sommer
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    17. June 2013 um 10:14

    Normalerweise hat sie andere Themen auf ihrer Agenda, die Journalistin und Bestsellerautorin Constanze Kleis. Doch als ihre Mutter unheilbar an einem Hirntumor erkrankt, und Constanze Kleis sie durch mehree Kliniken und über ein halbes Dutzend verschiedene Stationen bis in die Palliativmedizin begleitet, da muss sie Erfahrungen machen, die sie geradezu zum Schreiben dieses Buches gezwungen haben. Denn sie hat am Leiden und Sterben ihrer Mutter einen medizinischen Alltag erlebt, der sie erschüttert hat und den sie durch ihre Recherchen immer wieder bestätigt fand. Unser Leben und das unserer Lieben geht in diesem Lande sehr wahrscheinlich unter Bedingungen zu Ende, die schockierend anders sind, als wir es uns erhoffen.   Constanze Kleis spart nicht mit beißender Kritik, nicht nur an dem medizinischen Betrieb in den Kliniken, sondern auch an einem Profitdenken, das längst schon in der Palliativmedizin angekommen ist und an ihrem Hausarzt: „Es ist Mittwochnachmittag. Wir haben eine tote Muter im Haus. Der Notarzt war jetzt oft genug da. Der Hausarzt ist nicht erreichbar. Entgegen seinen Beteuerungen, ihn jederzeit, wirklich jederzeit, anrufen zu können. Ja, auch auf dem Handy. Aber das ist ausgeschaltet. Er wäre so gerne ein wirklich guter Mensch. Außer mittwochs. Da ist die Praxis geschlossen, und auch das Mitgefühl hat Ruhetag.“   Es sind solche harten Urteile, die einen beim Lesen manchmal verstören, gerade wenn man wie der Rezensent auch andere Erfahrungen gemacht hat und immer wieder staunt, welche auch menschliche und empathische Leistungen manche Ärzte und viele Schwestern täglich aufbringen.   Auch Constanze Kleis hat Menschen getroffen, die ihr zeigten, dass Ärzte auch anders sein können. Dennoch musste sie dieses Buch schreiben und von ihren bitteren Lektionen berichten, die sie während der Leidenszeit ihrer Mutter gelernt hat. Wer das Buch wie der Rezensent liest als einer der zwei Drittel bis drei Viertel seines Lebens schon hinter sich hat, und für den jederzeit der Fall der Fälle eintreten kann, der bleibt ernüchtert und schockiert zurück. Denn so stellt man sich sein eigenes Sterben und sein eigenes Ende nicht vor. Und doch wird es wahrscheinlich so oder ähnlich sein, denn dass sich an unserem medizinischen System kurz- oder mittelfristig etwas ändern wird, ist sehr unwahrscheinlich.    

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  • Rezension zu "Sterben Sie bloß nicht im Sommer" von Constanze Kleis

    Sterben Sie bloß nicht im Sommer
    Lelita

    Lelita

    14. March 2013 um 10:51

    Es gibt kein Thema, das uns alle so umfassend und im wahrsten Sinne des Wortes hautnah betrifft und von dem wir uns zugleich so wenig betroffen fühlen, wie das Sterben. Spätestens wenn – wie in Constanze Kleis‘ Erfahrungsbericht – ein Mensch, der uns nahe steht, tödlich erkrankt oder wir selbst krank werden, stellen wir wahrscheinlich fest, dass es gut gewesen wäre, besser darauf vorbereitet zu sein. Dazu bietet das lesenswerte Buch, das Constanze Kleis aus ihren Erfahrungen gemacht hat, eine echte Chance. Es lohnt sich, die extreme Unlust, die das Thema auslöst, zu überwinden. Denn diesem Buch ist das Kunststück gelungen, über das ernsteste aller Sujets unterhaltsam zu schreiben und ihm dennoch gerecht zu werden. Ganz selten ist mir eines ihrer bissigen, treffsicheren Bilder doch mal zu viel geworden. Dafür habe ich an anderen Stellen laut aufgelacht. Auch wenn das angesichts des Themas natürlich Galgenhumor ist. Aber anders kann man dem Klinikalltag in Deutschland in solchen Situationen wohl kaum begegnen. Vor allem schafft Constanze Kleis es, ihrer sterbenden Mutter und anderen Kranken das zu bewahren, was der Medizinbetrieb offenbar nach Kräften zu zerstören sucht: die Menschenwürde. Das Buch sollte Pflichtlektüre für alle angehenden und praktizierenden Mediziner sein. Constanze Kleis schildert nicht nur offen und eindrücklich, wie ihre Mutter starb und was das für die Angehörigen bedeutete. Sie hat auch gut recherchiert, Interviews mit einem Anwalt, einer Krankenschwester, einem kritischen Arzt und einem Mann geführt, der seit Jahren seine kranke Frau pflegt. Das Resultat sind umfangreiche Hintergrundinformationen – von einer kritischen Inspektion der Gesundheitspolitik bis zu praktischen Hilfen wie einer Muster-Patientenverfügung und Tipps zur Bewältigung der Pflege.

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  • Rezension zu "Sterben Sie bloß nicht im Sommer" von Constanze Kleis

    Sterben Sie bloß nicht im Sommer
    Ati

    Ati

    16. January 2013 um 17:10

    Constanze Kleis ist - wie man dem Buchumschlag oder diversen Verlagsseiten entnehmen kann - Journalistin und Buchautorin. Zusammen mit Susanne Fröhlich verfasste sie mehrere Bestseller, war 2002 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Darüber hinaus arbeitet sie freiberuflich für Zeitschriften wie Cosmopolitan und Elle aber auch für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Normalerweise schreibt Kleis in ihren Büchern auf spritzige Art und Weise über erheiternde Themen. Ihr Name, das Cover und der provokative Titel Sterben Sie bloß nicht im Sommer - Und andere Wahrheiten, die Sie über Ihr Ende wissen sollten vermitteln bei einem flüchtigen Blick den Eindruck, dass es in dem im August 2012 bei Dumont erschienen Buch ebenfalls so sein könnte. Allerdings ist das Gegenteil der Fall. Trotz des erkennbaren, frisch-humorigen Schreibstils der Autorin ist das Buch bitterernst. Constanze Kleis verfasste es nach der unheilbaren, tödlich verlaufenden Erkrankung ihrer Mutter und den in diesem Zusammenhang gemachten Erfahrungen im Krankenhaus-, Reha- und Pflege-Alltag. Ohnmächtige Wut kann dafür sorgen, dass man ungerecht wird. Blind um sich beißt oder schlägt, um sich zu wehren. Dass man anklagend auf jemanden zeigt, weil man sich verraten fühlt. Und angesichts der von der Autorin geschilderten Erlebnisse kann man ihre Wut in gewisser Weise fühlen. So lässt sie sich etwa auf Seite 210, kurz nach dem Tod ihrer Mutter, über den Hausarzt aus. Zitat: Er wäre so gerne ein wirklich guter Mensch. Außer mittwochs. Da ist die Praxis geschlossen und auch das Mitgefühl hat Ruhetag. Ist das Buch nur ein posthumer Aufschrei nach dem Tod ihrer Mutter? Stellvertretend gegen all das, wogegen man anschreien kann, weil besagter Tod einfach keine Ohren hat? Oder steckt mehr dahinter? In ihrem Buch erzählt die Autorin nicht nur die Krankengeschichte ihrer Mutter, die sie zusammen mit ihrer Schwester und ihrem Vater bis zuletzt eng begleitete. Sie startet tatsächlich auch einen Rundumschlag gegen die Entmenschlichung in unserem zunehmend privatisierten und gewinnmaximierten Gesundheitssystem und der damit verbundenen profitablen Sterbeindustrie. Erwähnt dabei Ärzte, die nicht mit der Familie reden wollen. Pampig reagierendes Klinikpersonal, das zudem stellenweise schlampig bis fahrlässig arbeitet. Schreibt von denjenigen, die gerade dann im Urlaub sind, wenn man sie braucht und fatalerweise keine Vertretung haben. Von Behandlungsdokumentationen, die nicht nur lückenhaft sind, sondern von der Wirklichkeit abweichen. Berichtet von Klinikverwaltungen, die nach berechtigten Reklamationen Einschüchterungsversuche starten. Lässt auch Versicherungen, Kranken- und Pflegekassen und den Medizinischen Dienst nicht außen vor, die auf Paragrafen und/oder Richtlinien beharrend auf Zeit spielen, wo es gar keine Zeit mehr zu verlieren gibt. Und wettert eben gegen jenen Hausarzt, der entgegen der Beteuerung, jederzeit erreichbar zu sein, nicht erreichbar war. Die von ihr geschilderten Übel sind, so persönlich Constanze Kleis sie auch erlebt hat, seit Langem allgemein bekannt. Dennoch haben sie sich in den vergangenen Jahren fatalerweise eher intensiviert als verbessert. Tatsächlich hat Kleis zu gut recherchiert und die Ergebnisse stringent in ihr Buch eingeflochten, als dass man ihr den Vorwurf eines traumabedingten, verzweifelt-pauschalen Rundumschlags machen kann. Die Autorin verweist zur Untermauerung ihrer Aussagen auf Studien und diverse Berichte, nennt Quellen und gibt Interviews wieder. Sie geht auf Fördermittel ein und Privatisierung, auf Lohndumping, bürokratischen Unsinn und unlogische Dezentralisierungen. Spricht explizit zu viele Dinge (etwa die ungleiche Bezahlung häuslicher Pflege im Gegensatz zu einer solchen mittels Pflegediensten oder in Pflegeheimen) an, die in unserem Gesundheitswesen allgemein eindeutig besser laufen bzw. völlig geändert werden müssen. Stellenweise beißend sarkastisch, dann wieder leicht ironisch, mal bitter, mal voller Trauer aber nicht weinerlich und mal distanziert schildert die Autorin Missstände, die (wie ich aus eigener Erfahrung weiß) bedauerlicherweise und leider nicht nur hierzulande ganz und gar nicht unrealistisch sind. Egal ob es sich darum handelt, dass man als Angehöriger für diverse Ärzte praktisch unsichtbar oder für hysterisch oder grenzwertig minderbemittelt gehalten wird. Oder darauf, dass man seltsamerweise irgendwann sogar Verständnis für Dinge entwickelt, für die man im Grunde kein Verständnis haben kann, einfach weil man keine Alternative weiß. Dass unabhängig vom Umgang mit den Angehörigen Kranke zum Teil (glücklicherweise nicht immer) sukzessive ihrer Würde beraubt werden. Das Mitgefühl ein Auslaufmodell in unserer Gesellschaft zu sein scheint. Und dass man während der schweren Zeiten, die lebensbedrohliche und akute Erkrankungen mit sich bringen, in einem Meer aus Hilflosigkeit zu ertrinken droht. Dass man geradezu erstarrt und sich allein gelassen fühlt. Dass man sich nicht traut, auf den Tisch zu schlagen, weil man fürchtet, dass der Falsche und Schwächste die Konsequenzen tragen muss. Dass es eine riesengroße Diskrepanz zwischen beworbener oder gepriesener Wahrheit und tatsächlichen Gegebenheiten gibt. Insgesamt lässt Kleis ihre LeserInnen nicht nur an ihren individuell gemachten schlechten Erfahrungen und schockierenden Rechercheergebnissen im Bezug auf Studien, Statistiken und Berichten teilhaben. Auch andere Betroffene und (menschlich gebliebene) Behandler tragen ihren Teil zum Buch in Form von Interviews bei. Etwa ein ganzheitlich denkender und handelnder Chirurg aus Frankfurt. Oder eine Krankenschwester, die ihren Beruf einst aus der Überzeugung ergriff, anderen damit wirklich helfen zu können; heute jedoch desillusioniert resümiert, dass sich das Berufsbild völlig verändert hat. Kleis ist nicht blind gegenüber der Tatsache, dass die eigene Moral angesichts häuslicher Pflege auf den Prüfstand gehört. Sie lässt auch die Tatsache nicht unberücksichtigt, dass manchen Angehörigen im Zuge einer privaten Pflege nichts anderes übrig bleibt, als konspirativ und nicht immer ganz legal zu agieren, wollen sie ihren Kranken eine adäquate Versorgung bieten. Fatalerweise werden - wie auf Seite 206 zu lesen ist - zu Hause betreuten Pflegebedürftigen doppelt so häufig Leistungen verwehrt, wie denen in Pflegeheimen. All dies, ist trotz der enthaltenen Tragik und Wut dank des ganzen Sarkasmus auf durchaus unterhaltsame Weise und mit dezentem Wortwitz niedergeschrieben. Leichter wird die Lektüre dadurch nicht, dazu ist die Thematik einfach zu ernsthaft und aufwühlend. Verständlicherweise hat die Autorin mit ihrem Buch einigen Widerspruch bei denen ausgelöst, die sich negativ davon angesprochen fühlen. Bei einigen davon kann man mit Sicherheit den Spruch „getroffene Hunde bellen“ anwenden. Genauso sicher darf man aber vermutlich davon ausgehen, dass Kleis im Zuge des Erlebten dem einen oder anderen Beteiligten auf die Füße getreten ist, obwohl der oder die betreffende Person am wenigsten dafürkonnte. Einfach, weil man auch als Kranker oder Angehöriger einen (durchaus nachvollziehbaren) Egoismus entwickelt, den man anderen jedoch nur bedingt zubilligt. Nicht jeder hat das Glück im Fall einer schwerwiegenden oder gar tödlichen Krankheit über Angehörige zu verfügen, die sich finanziell und/oder zeitlich in Pflege und Versorgung einbringen können. Nicht jeder hat die Kraft, im Fall der Fälle den Kampf gegen Windmühlenflügel aufzunehmen. Doch genau so ein Kampf kommt viel zu häufig auf Kranke und ihre Angehörigen zu. Constanze Kleis hat ihn, gemeinsam mit ihrer Familie, erlebt und in einem berührenden, aufwühlenden Buch verarbeitet. Fazit: Sterben Sie bloß nicht im Sommer - Und andere Wahrheiten, die Sie über Ihr Ende wissen sollten ist kein Buch für nebenher. Die darin von der Autorin aufgeworfenen Fragen können Angst machen, ebenso wie die eine oder andere von ihr gefundene Antwort. Nicht, weil es keine Lösungsansätze an sich zu geben scheint. Eher, weil die wenigsten von uns vor schwerwiegender Krankheit und den daraus resultierenden Folgen gefeit sind. Es ist kein leichtes Buch, aber ein lesenswertes. Eins das berührt, polarisiert, fassungslos und nachdenklich macht und unter die Haut geht. Die in dem Buch zum Ausdruck kommenden Gefühle (Trauer, Verbitterung, Wut) sind logischerweise nicht objektiv, da sie aus eigenen schmerzhaften Erfahrungen entstanden sind. Sie lassen sich nicht werten. Die Recherchen und der Schreibstil schon. Ob man es im Fall der Fälle schafft, den latent enthaltenen und explizit ausgesprochenen Empfehlungen der Autorin Folge zu leisten, steht zugegebenermaßen auf einem anderen Blatt. Doch es ist wichtig, dass diese Themen immer wieder und immer lauter angesprochen werden. Dass man nicht alles hinnimmt. Dass man sich wehrt. Nur so schaffen wir es vielleicht irgendwann wieder, unsere Kranken in Würde zu behandeln, zu pflegen und zu verabschieden, statt uns kräfteraubend um Unsinnigkeiten streiten und gegen gewinnorientierte Sparmaßnahmen kämpfen zu müssen. Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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  • Rezension zu "Sterben Sie bloß nicht im Sommer" von Constanze Kleis

    Sterben Sie bloß nicht im Sommer
    rotwaldi

    rotwaldi

    18. November 2012 um 07:10

    Sterben Sie bloß nicht im Sommer erzählt von der Krankengeschichte der Mutter der Autorin , bei der ein Hirntumor festgestellt wird, und dem damit zusammenhängenden Leidensweg von ihr und der Familie. Zwischen die Berichte aus dem Alltag mit einer tödlichen Krankheit sind Berichte anderer Betroffener, Interviews und Statistiken eingebaut. Das Buch ist sowohl sachlich, da der Krankheitsverlauf und die Begleitumstände geschildert werden, aber auch sehr berührend, da man selbst auch schnell in ähnliche Situationen kommen kann. Und obwohl die Autorin Constanze Kleis die Missstände im Gesundheitssystem anprangert, ist ihr Buch kein plumpes „Ärzte-Bashing“ , sondern einfach eine Schilderung der nicht patientenfreundlichen Zustände in vielen Einrichtungen. Constanze Kleis schildert, wie durch eine Krankheit das gesamte Gefüge einer Familie kippen kann, was sich alles verändert und wie ratlos man als Patient und dessen Angehöriger ist. Wer schon einmal in einer solchen Situation war, kann wahrscheinlich vieles wiedererkennen, wem etwas Ähnliches bisher erspart blieb, der sollte dringend aus den im Buch geschilderten Situationen lernen und die Tipps, die durch die Erfahrung der Autorin entstanden, ernst nehmen. Fazit: Sterben Sie bloß nicht im Sommer ist ein bei aller Schwere des Themas tolles Buch. Es ist traurig, berührend, ironisch und hat Humor. Und da sich jeder mit dem Thema Krankheit und Tod auseinandersetzen sollte, ist das Buch auch absolut ein Buch für jeden.

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  • Rezension zu "Sterben Sie bloß nicht im Sommer" von Constanze Kleis

    Sterben Sie bloß nicht im Sommer
    Monika58097

    Monika58097

    25. October 2012 um 19:52

    Wer hat das nicht auch schon mal erlebt? Ein Angehöriger muss ins Krankenhaus. Man besucht diesen lieben Menschen, wünscht ihm alles Gute und dann - bei näherem Hinsehen - kommt einem einiges Spanisch vor. Wieso haben die zuständigen Àrzte eigentlich nie Zeit für einen? Wieso bekommt man nie eine verständliche Auskunft? Wieso kümmert sich niemand um die alte arme Frau, die ganz alleine ist? Die Autorin Constanze Kleis hat alles hautnah und sehr intensiv miterleben müssen. Ihre Mutter, unheilbar an einem Gehirntumor erkrankt, hat mehrere Kliniken und die verschiedensten Stationen durchlaufen. Sie hat gelernt, dass einem Nettsein nicht immer weiterbringt, dass man manchmal sogar eher kriminelle Energien aufbringen muss, um das Schicksal des betroffenen Angehörigen wenigstens etwas zu verbessern. Es geht um Hygienezustände in den Krankenhäusern, ums Zwischenmenschliche, um Fachliches und Persönliches. Mit ihrem Buch macht die Autorin aufmerksam auf Zu- und Missstände. Sie sensibilisiert den Leser, beim nächsten Krankenhausbesuch doch mal etwas genauer hinzusehen. Zudem gibt es Tipps, wie z.B. rechtzeitig eine Patientenverfügung zu verfassen. Ein offenes und ehrliches Buch und trotz der eigentlich schweren Kost (es geht schliesslich um eine im Sterben liegende Frau), hat Constanze Kleid es geschafft, das Thema mit ihrer frischen Art anzugehen. Ich weiss nicht, wie oft ich beim Lesen zustimmend genickt habe, weil meine Familie selbst einige der dargestellten Situationen erlebt hat (Pillencocktails, Vermummung bei Viren, vergessene Mahlzeiten). Ein Buch, das unbedingt gelesen werden muss.

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