Constanze S. Märchenland im Müll

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Inhaltsangabe zu „Märchenland im Müll“ von Constanze S.

Constanze S. schildert ihre Erlebnisse in der Punk- und Drogenszene, versteift sich dabei aber nicht auf die beliebten süffisanten Details hygienisch bedenklicher Exzesse, die man den jungen Wilden so gern andichtet. In den modrigen Winkeln zugeschissener Abrisshäuser versteift sich nämlich gar nichts mehr. Vielmehr geht es dann bereits ums nackte Überleben, sei es in Schlägereien, die sich aus haarsträubenden Missverständnissen und Getränkeunfällen gnadenlos emporschaukeln oder beim Kampf um den nächsten Schuss. Constanze S. arbeitet zudem ihre schleichende Erblindung auf, die sie auf die Straße trieb, die ihr aber auch zu Erkenntnissen verhalf. So erlebte sie diese Welt hautnah mit all ihren Höhen und Tiefen, ohne unter die Räder zu kommen. Was "Märchenland im Müll" dabei ausmacht, ist seine klare Sprache, weitestgehend ohne Plattitüden und Kraftausdrücke. Diese Story bietet viele echte Denkanstöße, vielleicht sogar Lösungen. Sie kann aufklären, denn im Verlauf der einzelnen, zum Teil erschütternden Episoden gelingt es Constanze S., den Weg des Heroins zu schildern und zugleich liebenswerte Eigenarten ihrer Gemeinschaft einfließen zu lassen.

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  • Rezension zu "Märchenland im Müll" von Constanze S.

    Märchenland im Müll

    Periplaneta

    06. June 2011 um 11:30

    Ein Buch, wie kein zweites. Authentisch- ja! Sensationslüstern- nein! Ebenso nicht bemüht, zu Schocken, das geht ganz von allein. Und obwohl wir hier die Stimme einer im mehrfachen Sinne Betroffenen vernehmen, so entsagt sich das Buch jeder Form des Selbstmitleids, welches den Betroffenen so gern anhaftet. Das Buch will irgendwie ein "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" des Ostens sein. Die Autorin will aber etwas ganz Anderes. Sie schildert in einer Art Rückblende, die meisterlich in eine Rahmenhandlung gestrickt ist, ihre Erlebnisse in der Punk- und Drogenszene, versteift sich dabei aber nicht auf die so gern gelesenen süffisanten Details hygienisch bedenklicher Exzesse, die man den jungen Wilden so gern andichtet. In den modrigen Winkeln zugeschissener Abrißhäuser, in Drogencocktails ersoffener Verzweiflung versteift sich nämlich gar nichts mehr. Vielmehr geht es dann bereits ums nackte Überleben, sei es in Schlägereien, die aus haarsträubenden Mißverständnissen und Getränkeunfällen sich gnadenlos emporschaukeln oder beim Kampf um den nächsten Schuß, ... nach dem letzten Schuß ... Constanze S. sieht sich dabei als scharfe, Beobachterin dieser traurigen Szenerie, die sich selbst ebenfalls auf jener Gratwanderung befindet, die so oft tragisch endet. Gleichzeitig arbeitet sie in ihrem Buch ihre schleichende Erblindung auf, die sie einerseits auf die Straße trieb und ihr aber auch zu tieferen Erkenntnissen verhilft, weil sie dadurch an die Grenzen ihrer Fähigkeiten getrieben wurde. Erkenntnisse, die ihr den Ausstieg ermöglichten, ohne unter die Räder zu kommen. Es geht also nicht nur um Drogen und den Exzess der Verzweifelten. Es geht um ganz reales Elend, das in meinen Augen ebenso sinnlos, wie vermeidbar ist. Aber schon immer ist auch ein Teil der Überflußgesellschaft vor vollen Schüsseln verreckt. Schon immer erfrieren ganze Horden ausgestoßener oder ausgerissener Menschen vor voll aufgedrehten Zentralheizungen, weil sie emotional verwahrlosten, in irgend einer Form mißbraucht oder traumatisiert wurden oder einfach unfähig sind, sich das enge Korsett überzuziehen, das die anderen Freiheit nennen. Was "Märchenland im Müll" dabei ausmacht, ist seine klare Sprache. Es ist weder unbeholfen noch aufgeblasen in seiner Art und dennoch brillant geschrieben. Es kommt weitestgehend ohne Plattitüden und Fäkalsprache aus und ist doch so nah an der Realität, wie selten ein ähnlicher Tatsachenbericht zuvor. Im Gegensatz zur Drogen- und Integrationspolitik unseres Systems bietet dieses kleine Taschenbuch viele echte Denkanstöße, vielleicht sogar Lösungsansätze, allerdings nicht durch gemeinbekanntes Schwingen der Moralkeule. Und es kann wirklich aufklären, denn im Verlauf der einzelnen, zum Teil erschütternden Episoden gelingt es Constanze S. in nur wenigen Sätzen, den Weg des Heroins in die Ostmetropolen zu schildern und zugleich liebenswerte Eigenarten ihrer Gemeinschaft einfließen zu lassen. Diese gründet sich auf ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das sowohl in blindes Vertrauen münden, aber auch plötzlich in rohe Gewalt umschlagen kann. Und es gelingt ihr, in all dem Dreck und Gestank, in all dieser Hoffnungslosigkeit, Grausamkeit und Dummheit mitfühlend zu bleiben. So wird aus "Märchenland im Müll" ein vielschichtiges, autobiographisches Werk, eine Warnung aber auch eine subtile, jedoch sehr wirksame Erklärung des Umstandes, daß neben der beschriebenen Welt der Stoner, Junkies, der Punks und Freaks noch eine ganz andere Hölle existiert, zu der mancher wörtlich genommen, "ums Verrecken nicht" dazugehören will.

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