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Dreamworx

vor 2 Jahren

(44)

10 Jahre ist es her, dass die damals 16-jährige Ally Carter mit ihrem 10-jährigen Bruder Simon und ihren Eltern die Ferien in Cardigan Bay/Wales verbracht hat. Während Ally sich zum ersten Mal in einen jungen Mann namens David verliebt und sich heimlich mit ihm treffen wollte, ging Simon auf eigene Faust los, um sich Morlon House anzusehen, die Attraktion des Ortes und umrankt vom Geheimnis um den Heiligen Gral. Doch Simon kommt nicht zurück, seine Leiche wird am Strand gefunden, und das Leben der Familie liegt in Trümmern.

Nun muss Ally als Reisejournalistin eine Reportage schreiben und reist mit einem Fotografen widerwillig an die Küste von Wales nach Cardigan Bay, begleitet von Ängsten und schwermütigen Gedanken. Gleich am ersten Tag begegnet ihr die Vergangenheit in Form von David, der inzwischen als Architekt dort lebt und mit dem Eigentümer des Hotels befreundet ist, in dem Ally und ihr Kollege abgestiegen sind. Zwischen Ally und David funkt es noch immer und während sie sich wieder einander annähern, beschließen sie gemeinsam, Simons mysteriösen Tod aufzuklären. Wird Ally die Geister der Vergangenheit besiegen und endlich frei von Schuldgefühlen sein können?

Constanze Wilken hat mit ihrem Buch „Ein Sommer in Wales“ einen sehr spannenden, aber auch gefühlvollen Roman um Liebe, Verrat, Freundschaft und Schuld vorgelegt. Der Schreibstil ist wunderbar flüssig, bereits ab der ersten Seite gelangt der Leser in den Bann der Geschichte und kann sich kaum von den Geschehnissen lösen. Die Handlung zieht sich über zwei Zeitebenen, die die Autorin sehr gut ineinander zu verschmelzen weiß. Die Spannung wird schon zu Beginn aufgebaut und steigert sich im Verlauf der Handlung immer mehr, wobei der Leser recht lange im Dunkeln gelassen wird, was die genauen Beweggründe sind. So kann man sehr schön seinen eigenen Gedanken und Vermutungen freien Lauf lassen und gemeinsam mit den Hauptprotagonisten ermitteln und die Lösung Stück für Stück zusammentragen. Die Landschaftsbeschreibungen sind malerisch, dabei kraftvoll und wunderbar mit der Geschichte verknüpft, so dass man fast den Wind in den Haaren und die Seeluft in der Nase spüren kann, während man die herrlichen alten geschichtsträchtigen Gemäuer im Geiste besichtigt. Die Autorin hat den Charakteren auf besondere Weise Leben eingehaucht, indem sie sie sehr detailliert und liebevoll gestaltet und ihnen durch ihre Ecken und Kanten Authentizität verliehen hat. Ally ist eine verletzliche junge Frau, die den Verlust des Bruders und das Zerbrechen ihrer Familie bis heute nicht verkraftet hat. Sie hat innerlich eine Mauer aufgebaut, damit sie niemand mehr verletzen kann. Ally ist voller Schuldgefühle, die ihr auch von ihren Eltern nicht genommen wurden, und die sie ganz allein bewältigen muss. Sie ist eine sympathische junge Frau, die all ihre Kräfte mobilisiert, um sich der Vergangenheit zu stellen in der Hoffnung, vielleicht endlich ein normales Leben zu führen. David ist ein intelligenter Mann, der seine Ferienliebe Ally nie vergessen hat, und als sie nun nach all den Jahren vor ihm steht, ist es, als hätte es die vergangenen Jahre nie gegeben. Er versucht alles, um Ally bei der Suche nach der Wahrheit beizustehen. Auch die Ortsbewohner werden in all ihrer Vielfalt sehr schön in Szene gesetzt, wobei sie dazu beitragen, den Leser auf der Suche nach der Wahrheit zu verwirren.

Constanze Wilken ist mit „Ein Sommer in Wales“ eine ganz berührende und zugleich spannende Geschichte gelungen, die man nicht aus der Hand legen kann, bis die letzte Seite gelesen ist. Eine wunderbare Lektüre, die eine absolute Leseempfehlung mehr als verdient! Chapeau!

 

Autor: Constanze Wilken
Buch: Ein Sommer in Wales
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