Cordelia Edvardson ist die Tochter einer Schriftstellerin,die christliche- methodische Werke schreibt und eines jüdischen Vaters, der abwesend bleibt. Sie wächst bei Mutter und Großmutter auf. Ihr Verhältnis zur Mutter ist geprägt durch Bewunderung und Ausgeschlossensein. Abgesondert ist sie als Dreivierteljüdin im NSregime. Sie landet in Theresienstadt. Alles wird in der dritten Person erlebt und es existieren nur lyrische, bildgewaltige Eindrücke, Christliche und mythologische Bezüge. Sie schwankt zwischen Auserwähltsein und Opfer. Ein extrem intensives Buch
Cordelia Edvardson
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Gebranntes Kind sucht das Feuer
Gebranntes Kind sucht das Feuer
Gebranntes Kind sucht das Feuer
Neue Rezensionen zu Cordelia Edvardson
Sie ist Außenseiterin, sie ist etwas Besonderes, sie ist das Geheimnis und die Andere.
Ein Kind, das unehelich geboren, bei Mutter und Großmutter lebt. Versteckt ist, als dunkles Geheimnis. Später, als die Mutter verheiratet ist und weitere Kinder hat, ausgegrenzt wird von den Rassegesetzen des 3. Reichs. Dreivierteljüdin, die zum Schutz der Familie bei Fremden wohnt. Die Mutter Ich-zentriert, Künstlerin und gleichzeitig Sehnsuchtsobjekt. Manchmal der Versuch das Kind zu schützen, Adoption von Spaniern um vom Judenstern freizukommen, doch dann in der alles entscheidenden Situation mit 14 Jahren vor die Wahl gestellt, unter die Rassegesetze zu fallen oder Mutter und Geschwister zu schädigen, lässt die Mutter sie allein und schweigt.
Das Buch ist kurz aber dennoch anstrengend zu lesen, kaum eine Situation und Szene wird auserzählt. Alles bleibt hingeworfene Skizze, von fern, nicht in der Ich-Form und alles durcheinander Kindheit und Auschwitz, Heranwachsen und Lager. Ich bin ihr nicht nahegekommen, nicht annähernd und habe doch verstanden, dass dieses Kind, diese Frau Nähe nicht gelernt hat und selbst das eigene Schicksal auf Armeslänge entfernt halten muss, um es zu ertragen.
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Das wahre Grauen benötigt keine Dramatisierung. Was Cordelia Edvardson als Ausschwitz-Überlebende hier im Rückblick auf ihr Leben nüchtern erzählt, gräbt sich in Mark und Bein, man möchte nicht glauben, dass Menschen so grausam sein können.
Ein SS-Mann, der sie auf einem Ball herumwirbelt. Der Judenstern, der ihr die höhere Schulbildung verwehrt. Das tiefgreifende Gefühl, nicht dazuzugehören, anders zu sein. Die katholische und egozentrische Mutter und der Stiefvater, der sie schlägt. Die Deportation, die gleichzeitig den endgültigen Bruch mit der Mutter darstellt, wurde diese doch vor eine Entscheidung gestellt. Todesmärsche, die noch nicht so genannt wurden, die Menschen starben einfach. Die Arbeit als Schreibkraft für Josef Mengele, wie sie die Nummern der Personen notiert, die "aussortiert" werden, ins Gas geschickt. Szenen, die unfassbar sind, beschreibt Edvardson nüchtern, nennt sich selbst "das Mädchen", verzichtet auf jeden stilistischen Pathos und macht dadurch nur noch eindrücklicher: das hier sind Fakten, es war so.
Was mich nachhaltig bewegt, ist das Niemandsland, was sie beschreibt. Wie Ausschwitz ihr alles nimmt, Gefühle nicht mehr zu ihr durchdringen, eine Entmenschlichung, in der nur kleine Momente, in denen jemand mit ihr spricht, jemand sie wahrnimmt, daran erinnern, dass ihre Identität als Häftling A3709 nicht alles ist. Als Überlebende kann sie diese Erfahrung nicht mit dem beschaulichen Leben in Schweden übereinbringen. Sie wird aufgefordert zu vergessen und weigert sich. Erst Jahrzehnte später schreibt sie ihre Erinnerungen nieder, mit einer auch sprachlichen Intensität, die dieses kleine Buch zu einer Erschütterung macht. Das Nachwort von Daniel Kehlmann ordnet es als eines der großen Werke der Holocaust-Zeugenschaft ein und macht es umso unglaublicher, dass es nach der Erstveröffentlichung 1984 in Vergessenheit geriet. Denn es ist wichtig, das immer wieder zu hören: "Ja, so war es - und schlimmer - und schlimmer." (S. 107)
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