Cordt Winkler

 4.4 Sterne bei 8 Bewertungen

Lebenslauf von Cordt Winkler

Cordt Winkler, 1980 unweit der holländischen Grenze geboren, studierte Medienwissenschaften und arbeitet in einer Trendforschungsagentur. Er lebt in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Cordt Winkler

Cover des Buches ICH ist manchmal ein anderer (ISBN: 9783442159666)

ICH ist manchmal ein anderer

 (8)
Erschienen am 18.02.2019

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Rezension zu "ICH ist manchmal ein anderer" von Cordt Winkler

ICH ist manchmal ein anderer
michelles-book-worldvor einem Jahr

Die Geschichte ist aus der Sicht des Autors geschrieben. Hier beginnt die Geschichte mit Cordt Winkler, der noch ein kleiner Junge ist.

Ich fand die Geschichte von Cordt Winkler sehr interessant und lehrreich. Die Psyche des Menschen ist faszinierend. Das Buch ist teilweise Ratgeber im Bereich Schizophrenie und teilweise die Geschichte des Autors.

Wir begleiten Cordt Winkler ab seiner Jugend, in der er unter der schizophrenen Erkrankung seines Vaters leidet, über seine ersten eigenen psychotischen Episoden bis hin zu seinem Weg, mit dem Krankheitsbild vertraut zu werden und seinen Weg zu meistern.

Irgendwie gelingt es dem Autor auch noch den aktuellen Stand der Forschung wie beiläufig in seinen Bericht einfließen zu lassen. Dabei referiert er nicht nur die gängigen psychiatrischen Theorien, auch andere Stimmen kommen zu Wort. Dabei bleibt Cordt Winkler neutral und schildert seinen eigenen Entscheidungsprozess. Auf jeden Fall beendet man die Lektüre klüger als zuvor, hierbei lernt man so unglaublich viel über die Krankheit und was es mit einem Menschen anrichten kann. Die Einblicke in sein Leben und die Psychosen sind tief, und es ist umso erstaunlicher an wie viel er sich rückblickend erinnern kann.

Es sind Fakten mit eingewoben, so dass sich jemand der sonst weder direkt noch indirekt mit Schizophrenie zu tun hatte, sehr gut einfühlen kann. Ich finde das sehr wichtig, da es sonst eher eine Krankheit ist, die nicht so präsent in den Medien ist (wie Depressionen o.ä.).

Cordt Winkler verliert in manchen Situationen komplett den Überblick, wird von wirren Gedanken befallen und tut Dinge, die er sonst womöglich nicht tun würde. Immer wenn er eine Tüdelüt-Episode (so nennt er diese Zeiten) durchlebte, warf er zum Beispiel sein Handy weg. Er legte es auf einen Stein, auf ein Fenstersims, egal wohin, und ging davon. Auch mit Kleidung verhielt es sich so. Ebenso bestimmen Zwangshandlungen diese Phasen. Wenn er nicht tanzte, würde er sterben. Wenn er aufhören würde zu schreiben, würde er sterben. Einmal strandet er in Italien, läuft tagelang in reinster Verwirrung durch die Straßen und steigt in Züge ein und wieder aus, bis er endlich in ein Krankenhaus kommt.

Dieses Buch ist nicht nur für Betroffene, sondern auch für interessierte und angehörige. Hierbei lernt jeder etwas auf seiner Art und Weise dazu.

Während seiner Studienzeit erkrankt er an Schizophrenie und landet in der Psychiatrie. Was danach folgt, kennen praktisch alle Schizophreniebetroffene: Das Hadern und Ringen mit den Medikamenten, die sehr beträchtliche Nebenwirkungen haben: Gewichtszunahme, Libidoverlust, chronische Müdigkeit. Cordt Winkler will sich mit den Nebenwirkungen nicht abfinden und startet mehrere Absetzversuche, die allerdings jedesmal in einem Rückfall enden.

Cordt Winkler hat einen flüssigen Schreibstil. Die Seiten waren angenehm zu lesen und die Seiten flogen nur so dahin. Ich hatte hierbei keine Schwierigkeiten und trotz allem war das Buch unglaublich spannend und ich wollte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Dieses Buch ist echt wichtig!

Fernab der Klischees, die das Wort Schizophrenie in den Köpfen der Menschen hervorruft, steckt dahinter eine hinterhältige Krankheit, die möglicherweise nicht komplett heilbar, aber doch zumindest eindämmbar ist. Und die, das sieht man an Cordt Winkler, nicht dazu führen muss, dass diese Menschen vom Leben ausgeschlossen werden sollten.

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Rezension zu "ICH ist manchmal ein anderer" von Cordt Winkler

Hat mich nicht mehr losgelassen
melli_2897vor 2 Jahren

Ich habe vor kurzem eine Art Überblicks-Werk über verschiedene psychische Störungen gelesen und bin danach zufällig auf dieses Buch gestoßen. Da ich die Schilderungen der Fachliteratur immer etwas einseitig und schwer greifbar finde, dachte ich mir, dass ein Erfahrungsbericht aus erster Hand wohl die beste Möglichkeit sei, sich mit diesem Krankheitsbild genauer zu beschäftigen. Um ehrlich zu sein, habe ich mir beim Begriff Schizophrenie nie so wirklich etwas vorstellen können - außer natürlich die gängigen Symptome, wie das Hören von Stimmen. Doch hinter der Störung steckt noch so viel mehr, was bei der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Krankheit keine Beachtung findet.

 

Die biografische Erzählung von Cordt Winkler bildet die Komplexität des Krankheitsverlaufs und die Probleme der Betroffenen sehr anschaulich ab. Seine Erzählungen sind absolut ergreifend und lassen einen auch nicht mehr los, nachdem man das Buch beiseitegelegt hat. Seit langer Zeit hat mich ein Buch mal wieder richtig gepackt und ich wollte unbedingt weiterlesen, auch wenn es beispielsweise schon spät Nachts war. Die Schilderungen seiner psychotischen Episoden klingen dabei auf skurrile Art und Weise fast schon lustig. Gleichzeitig sind diese Abgründe der menschlichen Psyche jedoch sehr erschreckend und zwingen den Leser dazu, sich prinzipiell mit dem Konzept der Normalität auseinanderzusetzen.

 

Ich hoffe sehr, dass Erfahrungsberichte wie dieser dazu beitragen, die gesellschaftliche Stigmatisierung, die die Betroffenen tagtäglich erleben, zu reduzieren und kann das Buch nur weiterempfehlen.

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Rezension zu "ICH ist manchmal ein anderer" von Cordt Winkler

Tiefe EInblicke
Buchperlenblogvor 2 Jahren

Cordt Winkler erhält mit Anfang zwanzig die erschütternde Diagnose: paranoide Schizophrenie. Schon sein Vater litt sein Leben lang darunter und nun hatte diese Krankheit auch ihn befallen. In Ich ist manchmal ein anderer schildert er seinen Weg von der ersten psychischen Episode bis heute, einem beinahe freien Leben.

Rezension

Schizophren. Dieses Wort ist so negativ behaftet, dass ich mir bisher kaum Gedanken über dessen Bedeutung gemacht habe. Schizophren, das sind doch die Menschen, die völlig wahnhaft handeln. Oder nicht? Doch, auch. Aber nicht nur.

Dank seiner Geschichte lernte ich Cordt Winkler kennen, einen jungen Mann, der schon früh an Schizophrenie erkrankt. Von seinem Vater kennt er die Symptome und erschreckt umso mehr, als er ähnliches bei sich feststellen muss. Er verliert in manchen Situationen komplett den Überblick, wird von wirren Gedanken befallen und tut Dinge, die er sonst womöglich nicht tun würde. Immer wenn er eine Tüdelüt-Episode (so nennt er diese Zeiten) durchlebte, warf er zum Beispiel sein Handy weg. Er legte es auf einen Stein, auf ein Fenstersims, egal wohin, und ging davon. Auch mit Kleidung verhielt es sich so. Ebenso bestimmen Zwangshandlungen diese Phasen. Wenn er nicht tanzte, würde er sterben. Wenn er aufhören würde zu schreiben, würde er sterben. Einmal strandet er in Italien, läuft tagelang in reinster Verwirrung durch die Straßen und steigt in Züge ein und wieder aus, bis er endlich in ein Krankenhaus kommt.

Cordt Winkler beschreibt sein Leben von der Diagnose bis zum heutigen Tag, zeigt die Wege die er allein ging, und die, die er mit Freunden und Therapeuten bestritt. Er erzählt  von der ständigen müde machenden Medikation und wie er sie immer wieder abzusetzen versuchte. Die Einblicke in sein Leben und die Psychosen sind tief, und es ist umso erstaunlicher an wie viel er sich rückblickend erinnern kann. Auch ist der Tonfall ein beschwingter, kein betrübter. Teilweise sehr lakonisch erinnert er sich an so manchen Zwischenfall.

Es ist ein wirklich interessantes Buch, das über eine Krankheit Aufschluss gibt, wo Fachliteratur scheitert – es zeigt den Menschen dahinter. Und ich freue mich, dass er einen Weg gefunden hat, um diese Krankheit, wenn schon nicht zu besiegen, dann zumindest einzudämmen. Und dass er Freunde hat, die zu ihm halten, auch in schweren Zeiten.

Fazit

Fernab der Klischees, die das Wort Schizophrenie in den Köpfen der Menschen hervorruft, steckt dahinter eine hinterhältige Krankheit, die möglicherweise nicht komplett heilbar, aber doch zumindest eindämmbar ist. Und die, das sieht man an Cordt Winkler, nicht dazu führen muss, dass diese Menschen vom Leben ausgeschlossen werden sollten.

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