Cordula Keppler Bulimie

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    Bulimie

    schnecke

    01. May 2013 um 20:57

    Bulimie sucht ihre Ursache immer in einem gestörten Mutter-Tochter-Verhältnis? Meiner Meinung nach ist diese These zu flach. Cordula Keppler beschreibt die Ess-Brechsucht-Problematik im ersten Teil ihres Buches auf dem Hintergrund der Grimmschen Märchen Schneewittchen und Aschenputtel. Die böse Stiefmutter als Sinnbild der "dunklen Seite" der Mutter, die nicht nährt, sondern nur nimmt. Im Verhaftetbleiben im Negativen Mutterkomplex können sich im späteren Verlauf Essstörungen entwickeln. Der Focus liegt in diesem Buch auf der Bulimia Nervosa mit ein paar wenigen Fallbeispielen, in denen ich mich persönlich überhaupt nicht wiedererkannt habe. Es sind "seichte" Lebensgeschichten von Frauen - emotionslos geschrieben und deshalb nicht triggernd. Beiläufig erwähnt die Autorin, dass Bulimie viele Facetten haben kann. Sie schlägt nur kurze Brücken zu anderen Essstörungen wie Magersucht und Esssucht. Dass die Grenzen da fließend sein können (und häufig auch sind), beschreibt Cordula Keppler nur im Ansatz. Auch dass die Vater-Tochter-Beziehung in der Ursachenanalyse eine untergeordnete Rolle spielt, halte ich für ein Ammenmärchen. Teilweise hat mich dieses Buch so wütend gemacht wie die oberflächliche Behauptung, Essstörungen nähren sich an einem überzogenen Schönheitsideal. Natürlich gibt es nicht "die" Bulimikerin und nicht "die" Anorektikerin! Ein wenig mehr Abstufungen und vor allem eine direktere Sprache über die Ursachen hätte ich mir gewünscht. So fällt auf 166 Seiten nur ein einziges Mal der Begriff Missbrauch. Spätestens dort hätte man einlenken können, dass es nicht die Medien sind, die so tief in das Leid einer Essstörung hineinstoßen. Dennoch: Der Versuch, Essstörungen tiefenpsychologisch auf C.G. Jung's Hintergrund zu erklären, ist teilweise interessant zu lesen und scheint für mich einen wahren Kern zu haben. Das Buch der Diplom-Psychologin und Psychoanalytikerin Cordula Keppler "Bulimie - Wenn Nahrung und Körper die Mutter ersetzen" ist erstmals 1995 erschienen. Und das scheint der Knackpunkt zu sein: Heute gehen die Erkenntnisse über die Ursachen von Essstörungen viel weiter und binden auch andere Leiden und Störungen mit ein. Wer also mehr über die Psychosomatik von Essstörungen insbesondere Bulimie erfahren möchte, ist mit aktuellerer Literatur wohl besser beraten.

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