Cordula Simon Der potemkinsche Hund

(6)

Lovelybooks Bewertung

  • 3 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 1 Leser
  • 1 Rezensionen
(0)
(4)
(0)
(1)
(1)

Inhaltsangabe zu „Der potemkinsche Hund“ von Cordula Simon

In Odessa irrt ein junger Mann ziellos umher. Er ist schmutzig, er stinkt, er läuft einem Hund hinterher. Sein Name ist Anatol Grigorjevič, und er ist letzte Nacht aus seinem Grab gestiegen. Irina, seine Nachbarin, hat ihn wieder zum Leben erweckt. Da sie, die unglücklich in einen Toten Verliebte, nicht weiß, dass ihr Wiederbelebungsversuch erfolgreich war, irrt sie nun genau wie Anatol planlos durch ihr Leben, von Odessa quer durch die Ukraine und wieder zurück, auf der Suche nach Sinn. Den findet auch Anatol in seiner Rastlosigkeit nicht, auch wenn er zwischendurch vermeint, der Hund, den er Čelobaka nennt und der ihn seit seiner Auferstehung auf beinah magische Weise begleitet, wüsste genau, wohin der Weg führe …In ihrem außergewöhnlichen Roman, der an die fantastisch-absurde Tradition eines Bulgakov gemahnt, gelingt es Cordula Simon nicht nur, zwei Menschen in ihrer Einsamkeit geradezu schmerzhaft zu porträtieren, die surreale Geschichte eines wieder zum Leben Erweckten ist üppig gefüllt mit ukrainischen Impressionen, bizarren Charakteren und kafkaesken Situationen. Ein beeindruckendes Debüt!

Kein alltägliches Buch, geschweige denn einfach, aber die besondere Schreibweise und die Geschichte haben mich beeindruckt und fasziniert.

— BluevanMeer
BluevanMeer

Stöbern in Romane

Der Vater, der vom Himmel fiel

Lyle Bowmann's Geist hilft bei der Klärung der Familiengeheimnisse. Ein wahrlicher Lesegenuss.

oztrail

Der Sandmaler

Afrika ist nicht das, was den Touristen gezeigt wird. Mankell richtet einen schonungslosen, aber liebevollen Blick hinter die Fassaden.

Leserin3

Und es schmilzt

Ergreifend und mitreißend! Ein echtes Lesehighlight!

Diana182

QualityLand

Urkomische und doch gruselig nahe/düstere Dystopie mit herrlichen Charakteren . UNBEDINGT LESEN!!!

ichundelaine

Durch alle Zeiten

Eine starke Frau, die von der Liebe betrogen wurde, dennoch ihren Weg trotz vieler Hindernisse geht. Hervorragend geschrieben!

dicketilla

Kleine Schwester

Eine spannende, fesselnde Erforschung der Schuld, der weiblichen Psyche und der Bürde der Weiblichkeit.

JulesBarrois

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Der potemkinsche Hund" von Cordula Simon

    Der potemkinsche Hund
    FriediM

    FriediM

    13. September 2012 um 16:11

    Nichts ist so wie es scheint, als Anatol ­Grigorjevic eigentlich schon tot geglaubt auf einem Friedhof erwacht. Als er die Augen, die ihm zugenäht wurden, endlich öffnen kann, erblickt er vor sich einen schäbig aussehenden Hund. Er nennt ihn Celobaka – Menschenhund. Nach dem Treffen mit zwei älteren Frauen, die ihm freundlicherweise etwas zum Anziehen geben, entledigt er sich seiner restlichen Nähte und begibt sich mit dem Hund auf eine Reise quer durch die Ukraine. Doch wieso ist Anatol angeblich gestorben, wenn er sich doch selbst sicher ist, dass er noch lebt? Irina, diejenige, die stets für Anatol geschwärmt hat, und ihn nicht einfach als tot akzeptieren wollte, hat versucht den Protagonisten mit einer Art Zauber wieder zu beleben, in dem sie versuchte seinen Tod gegen das Leben eines Hundes auszutauschen – was sie nicht weiß, ist, dass ihr Versuch Anatol ins Leben zurückzuholen gelang, wenn auch nicht vollständig. Der Debütroman “Der potemkinsche Hund” der österreichischen Autorin Cordula Simon, 2012 im Picus Verlag erschienen, ist in erster Linie eine merkwürdige, beinahe schon kafkaeske, Geschiche zweier Seelen die auf dem besten Weg sind sich zueinander zu verirren. Anatol ist wie ein Zombie und reist von Odessa bis nach Kiew und wieder zurück, nur um seine Identität erfolglos zurückzuerlangen, Irina reist durch planlos durch die Gegend. Beide treffen sich letztendlich ohne sich wieder zu erkennen, nachdem sie bereits so einiges erlebt haben. Neben diesen beiden Charakteren und dem doch eher eigentümlichen Hund, erwarten den Leser weitere bizarre Gestalten, welche ihre eigenen Erfahrungen mit Anatol machen – sei es Anatols Nachmieter, sein Bestatter oder eben ein Verwaltungsangesteller, welcher sich weigert seine Todeserklärung rückgängig zu machen. All dies ist auf eine so authentische Art und Weise geschrieben, dass man sich selbst in die teils widerwertigen Szenen hineindenken kann und die Trostlosigkeit eines Landes verspürt, welches immer noch nicht weiß ob es sich zu Russland oder dem Rest Europas zählen kann. Die Autorin Cordula Simon schafft es mit einem ausgesprochen sprachgewandten, wenn auch teils sehr rabiaten, Stil die Leserschaft in ihre Wahlheimat Odessa mitzunehmen, wo sie deutsche und russische Philologie studiert hat. Das ukrainische Temperament, welches immer noch von der Sowjetunion geprägt ist, wirkt in erster Linie ungewohnt, sodass man sich zu Beginn wirklich erst in die Geschichte hineinarbeiten muss. Die Charaktere wirken auf ihre Art zwar kalt, rau und schmutzig, doch bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass gerade diese Charaktere menschlich sind und keinesfalls Perfektion anstreben. Auf Übersetzungen einiger Fremdwörter haben sowohl die Autorin als auch das Lektorat weitesgehend verzichtet, sodass der Roman im Lesefluss authentisch wirkt und man ganz klar weiß, wo man sich in der Geschichte rund um den totgeglaubten Anatol befindet. Gleichzeitig befindet sich im Anhang eine Übersetzung der in kyrillisch geschriebenen, herausragend gewählten, Mottos, die einem nicht nur die russischsprachige Lyrik ein wenig näher bringen kann, sondern gleichzeitig auch ein osteuropäisches Lebensgefühl übermittelt. Vor allem im Rückblick auf den gesamten Roman stellt dieses Buch eine wirklich gute Literatur dar, deren Thematik nicht nur neuartig und interessant wirkt, sondern auch gleichzeitig eine verstörende Geschichte zweier Personen charakterisiert, die sich zwischen Tod und Leben nicht mehr finden können, auch wenn sie sich näher kommen als jemals zuvor. Mehr auf meinem Blog: vitrinenglas.wordpress.com

    Mehr