In drei Abschnitte unterteilt eröffnet der Sohn als Ich-Erzähler innere Monologe, teils gedankliche Dialoge, mit seinem Vater im Pflegeheim bzw. im Krankenhaus. Bei bisherigen Besuchen ging es betont um das gemeinsame Essen, teils um Lieblingsgerichte des Vaters, der als Diplomat weltweit kulinarische Spezialitäten zu genießen wusste. Gerichte wie Spargel, Weihnachtsessen, Pfifferlinge oder Desserts bilden den Leitfaden im Buch, an dem eher schmerzliche Erinnerungen des Sohnes gekoppelt sind, die sein Verhältnis zum Vater belasten, z.B. bei Rückbesinnung ans Internat, ans Kloster, abgeschoben ohne gefühlte Zuwendung der Eltern. Der Sohn versucht in Zukunft seine Vaterrolle gegenüber seinen Kindern bewusster wahr zu nehmen. Während des geruhsamen Sterbeprozesses des Seniors im Krankenhauszimmer treten weitere Gedanken zum Generationswechsel, zum Genährt-Werden als möglicher Liebesersatz bzw. als Erziehungsfaktor auf. Seine Rolle als Kind erlischt, jedoch die als ältestes Familienoberhaupt beginnt. Der feinfühlige Schreibstil regt zum Nachdenken an.
Corinna Antelmann

Lebenslauf
Corinna Antelmann wurde 1969 in Bremen geboren und studierte Kulturwissenschaft und Ästhetik in Hildesheim. Nach ihrem Diplom arbeitete sie als (Drehbuch-)Autorin, Regieassistentin und Dramaturgin, sowie als Headwriterin der Trickompany Hamburg, bevor sie sich als freie Roman- und Jugendbuchautorin selbständig machte. Sie erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, unter anderem den Frau Ava Literaturpreis, das Kranichsteiner Jugendliteraturstipendium und das Alsergrunder Literaturstipendium. Corinna Antelmann lebt derzeit in Oberösterreich, wo sie zudem als Lehrbeauftragte und Drehbuchberaterin tätig ist.
Alle Bücher von Corinna Antelmann
Der Rabe ist 8
Saskias Gespenster
Spargel in Afrika
Im Schatten des Mondes
Die Farbe der Sprachlosigkeit
Saskias Gespenster
Jon und die vierte Zimtschnecke
Spieglein, Spieglein
Neue Rezensionen zu Corinna Antelmann
Der Rabe ist Acht ist ein sprachlich anspruchsvolles Buch mit einer dichten, fast schon kalten Erzählweise. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht zweier Jugendlicher erzählt: Maja, die voller Wut und Abgrenzung durchs Leben geht, und Klebe, der eher nachdenklich und suchend wirkt. Beide sind auf der Suche – nach Bedeutung, Kontrolle oder einfach einem Platz in der Welt.
Was dieses Buch besonders macht, ist die starke Symbolik: Bienen, Raben, Bibelzitate und eine sich anbahnende Tat, über der von Beginn an eine düstere Stimmung liegt. Doch obwohl all das Spannung aufbaut, hat es mich persönlich nie emotional erreicht. Ich konnte zu Maja keine Verbindung aufbauen – im Gegenteil, ich empfand sie als durchweg unsympathisch. Klebe war greifbarer, aber auch er blieb am Ende für mich auf Distanz.
Die Handlung bleibt oft vage, vieles wird angedeutet, manches bewusst offengelassen – auch das Ende. Ob es tatsächlich zum Mord kommt, bleibt Interpretation.
Wer auf klare Linien, emotionale Nähe oder Spannung hofft, wird enttäuscht. Wer jedoch bereit ist, zwischen den Zeilen zu lesen, wird hier ein Buch finden, das zum Nachdenken anregt – auch wenn es emotional leer zurücklässt.
Corinna Antelmanns „Saskias Gespenster“ entführt die Leser in die düstere und komplexe Gedankenwelt der jungen Protagonistin Saskia. Geprägt von einem schweren Verlust und den darauffolgenden Umstellungen in ihrem Leben, kämpft Saskia mit ihrer inneren Isolation und der Anpassung an eine völlig fremde Umgebung. Die Handlung beginnt mit ihrem Einzug in ein Heim, in dem sie sich einer Mischung aus Gleichgültigkeit, Ablehnung und unaufgeforderter Fürsorge ausgesetzt sieht.
Charakterdarstellung:
Saskia ist eine vielschichtige und starke Figur, die trotz ihrer Trauer und Abweisung eine unerschütterliche innere Welt aufbaut. Ihre metaphorische Transformation – die Schichten aus Granit, die sie vor der Welt schützen – spiegelt ihre emotionale Abwehrhaltung wider. Die anderen Charaktere, wie die aufdringliche Natalie oder der mysteriöse Oskar, bieten interessante Kontraste zu Saskias verschlossener Natur. Besonders Oskars Wiesel-ähnliche Präsenz verleiht der Geschichte einen besonderen Charme und gibt Hoffnung auf einen potenziellen Wendepunkt in Saskias Isolation.
Atmosphäre und Stil:
Der Schreibstil ist bildhaft und emotional aufgeladen, mit einer spürbaren Schwere, die perfekt zur Geschichte passt. Antelmann gelingt es, Saskias innere Welt mit eindringlichen Metaphern darzustellen, etwa durch das Motiv des Granits und des zerbrochenen Geigenkastens. Diese Symbole verstärken die melancholische und manchmal beängstigende Stimmung der Erzählung. Die düstere und zugleich fragile Atmosphäre zieht den Leser in Saskias Gefühlswelt hinein.
Themen:
Die Leseprobe thematisiert den Umgang mit Trauer, Verlust und Selbstfindung. Es geht um die Frage, wie man in einer Welt voller Unverständnis und Oberflächlichkeit seinen Platz findet, und welche Rolle dabei Selbstschutz und Offenheit spielen. Saskias Weigerung, sich der neuen Realität zu stellen, wird authentisch und bewegend beschrieben.
Fazit:
„Saskias Gespenster“ ist ein eindringlicher Roman über Verlust und die Suche nach einem neuen Anfang. Die Leseprobe lässt erahnen, dass dies keine leichte Kost ist, sondern eine tiefgründige und emotionale Geschichte, die den Leser nachhaltig berührt. Saskias Weg ist nicht nur eine Reise in ihre neue Umgebung, sondern vor allem eine Reise zu sich selbst.
Empfehlung:
Für Leser*innen, die sich für psychologisch dichte und emotional herausfordernde Geschichten interessieren, ist „Saskias Gespenster“ eine klare Empfehlung. Wer Bücher mag, die sowohl berühren als auch nachdenklich machen, wird in diesem Werk eine wahre Perle finden.
Gespräche aus der Community

Hauptfigur Dana entdeckt eine Veränderung der Haut, die sie in unerwartete Ängste stürzt. Dieser Angst vor Krankheit, vor dem Tod, wird sie im Laufe der Geschichte begegnen und sich ihr stellen. Oder ist es die Angst vor Veränderung und damit dem Leben selbst, dem der Tod immer auch innewohnt?
Das Buch wird in der Reihe www.schoenebuecher.net/bibliothek erscheinen.

Ein Sohn nimmt Abschied von seinem Vater, der sterben wird. Wo das Miteinander-Reden-Können schwer fällt, wo Sprachlosigkeit herrscht, kreist das Gespräch um Essen. Mit der Erinnerung an gemeinsam eingenommene Mahlzeiten beginnt eine Reise durch fremde Länder, verschwiegene Emotionen und Konflikte und führt schließlich zu der Frage, wer für wen Sorge zu tragen habe.

In DER RABE IST ACHT geht es um zwei Jugendliche, Maja und Klebe, die sich aus unterschiedlichen Gründen nach grundlegender Veränderung sehnen. Zahlensymbolik scheint ihnen dafür einen Weg zu weisen und ein Ventil zu benennen, aus ihrem Frust über diese Welt auszusteigen. Und so schmieden sie einen mörderischen Plan, der sie gewaltsam aus dem Gefühl des Unverstanden-Seins herausführen soll.
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