Als erstes Full disclosure, ich bin Autistin und war auf der Suche nach Büchern über Autisten als ich über dieses gestolpert bin und in diesem Zusammenhang steht auch meine Rezension, für andere Menschen könnte es eventuell ein gutes Buch sein.
Wie auch schon aus dem Klappentext hervorgeht, wurde das Buch von einer neurotypischen Ehefrau und Mutter geschrieben,
ihr autistischer Ehemann hat nur ein paar wenige, sehr kurze Absätze ergänzt (die ich mit großem Interesse gelesen habe und die zwar immer kurz, aber für mich interessant waren).
Vorsicht, es folgen inhaltliche Spoiler, allerdings habe ich es relativ allgemein gehalten, also wenn ihr nichts dagegen habt schon ein bisschen zur Story zu hören, es wird hier kein Cliff hanger verraten oder so.
Ihr Teil liest sich, im Gegensatz zu dem ihres Mannes, leider wie eine sehr lange Rechtfertigung darüber, dass sie ihr Bestes gegeben hat, das aber einfach nicht gut genug war, weil Autismus...
Dabei spricht sie die ganze Zeit davon, dass sie ihren Mann und ihre Kinder jetzt besser verstehen könnte, weil sie die problematischen Dinge einfach wegen des Autismus nicht könnten, und sie tun ihr so leid … (I'm sorry, aber bitte was?????! Autisten sind genauso Menschen wie alle anderen auch, ist es eine Behinderung? Ja. Aber das heißt doch nicht, dass unser Leben weniger lebenswert ist oder sein muss?).
Dieses Thema wiederholt sich immer wieder, wirkliches Verständnis und Lösungsansätze bzw. Accommodations werden enttäuschenderweise nicht wirklich thematisiert. Dabei schert sie auch noch alle Autisten über einen Kamm (Das Spektrum ist sehr groß, let me tell you). Ihre Lösung ist ABA (eine Therapieform für Autisten, die ich auch gar nicht grundsätzlich verteufeln möchte, die aber meiner Meinung nach durchaus kritisch beleuchtet werden sollte), und sie stellt (wie häufig in biografischen Büchern über Autismus) auch sehr gerne Thesen darüber auf, warum bestimmte Dinge bei ihrem Mann so sind wie sie sind (-> Autismus) ohne dies wissenschaftlich zu begründen.
Zusammenfassend muss ich also leider feststellen, dass mir dieses Buch inhaltlich überhaupt nicht gefallen hat, der Fokus war mir zu sehr auf den Problemen der Mutter und die Darstellung und Beteiligung der Autisten im Buch fand ich mangelhaft. Wenn ich mir ableistische Kommentare anhören möchte, rede ich mit Leuten, die sich noch nicht viel mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Von einer Mutter und Ehefrau (die ein Buch mit Fokus auf Autismus schreibt) hätte ich mir einfach deutlich mehr erwartet. Wer auf der Suche nach Büchern über Autismus ist, dem würde ich dringend raten, ein anderes Buch zu lesen.
Aber: Falls jemand nach einem Buch sucht, in dem eine Mutter ehrlich, ihre Verzweiflung und Probleme im überfordernden Alltag mit ihren Kindern darstellt, dann könnte dieses Buch durchaus gut sein und das ist meiner Meinung nach etwas, das es immer noch viel zu wenig gibt, also dafür danke an die Autorin.

