Corinna Müller Verurteilt

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Inhaltsangabe zu „Verurteilt“ von Corinna Müller

Fünf authentische Kriminalfälle im Württemberg des frühen 17. Jahrhunderts bis zur Aufklärung. Mit ca. 30 Bildern und Dokumenten sowie detaillierten und einfühlsamen Texten gelingt der Kriminalbeamtin a.D. Corinna Müller eine spannende Darstellung ihrer Recherchen der Malefiz-Akten. Neben dem gesellschaftlichen Wandel dokumentiert sie Veränderungen im Justizwesen wie das Umdenken von der Todesstrafe hin zur Resozialisierung von Straftätern.

Kurzweilig, interssant geschrieben, aber leider nicht immer ganz sauber in der Trennung zwischen Fiktion und Wahrheit.

— Iudas

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    Verurteilt

    Iudas

    17. November 2014 um 12:51

    Mord, Totschlag, Raub, Betrug – das sind dunkle Begleiter einer jeden Gesellschaft und Zeit. Und in allen Zeiten gab es Versuche, die Kriminalität in ihren Facetten zu erfassen und ihrer Herr zu werden. Dabei geben historische Malefizakten dem interessierten Leser nicht nur Ein­blicke in historische Richt- und Strafverfahren, sondern auch ein Bild über kulturelle und ge­sellschaftliche Aspekte des Lebens in diesen Zeiten. Corinna Müller, ehemals Kriminalbeamtin in Ludwigsburg und jetzt Schriftstellerin, geht fünf historischen Kriminalfällen aus dem alten Württemberg auf die Spur, die sie in ihrem un­längst im Sutton Verlag erschienen Buch »Verurteilt. Historische Kriminalfälle aus Alt-Württ­emberg« versammelt und ausschmückend schildert. Ihrem Talent zum Geschichtener­zählen kann sie hier immer wieder freien Lauf lassen und unter Beweis stellen. So erwa­chen die in historischen Akten verbürgten Menschen dieser Zeit in Murrhardt, Nürtingen, Ludwigsburg, Steigebronn/Bad Urach und Sulz wieder zum Leben und laufen durch die Ge­schichten. Dabei ist es Corinna Müller durchaus wichtiger, nicht nur extreme, sensationslüs­terne Fälle des Formates des Priestermörders Franz Laublers darzustellen, sondern auch unbe­kannte, oft auf den ersten Blick – wenn man doch eher den großen Kriminalfällen zugewandt ist – unscheinbare Fälle. So finden sich in dem neuen Werk Corinna Müllers neben dem Dieb­stahl bei einer Ludwigsburger Kammerjungfer auch der Fall eines vermutlich lebendig begra­benen Kindes und man verfolgt die Spuren des großen Kirchenraubes in Nürtingen im 17. Jahrhun­derts. Ganz deutlich liegt dabei der Fokus aber weniger auf einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Malefizakten, von denen die Autorin sicherlich zahlreiche unter die Lupe nahm, denn da­von zeugen immer wieder passend in die Geschichte eingestreute originale Zitate aus den Ak­ten. Diese Textzeilen, die zur Unterstreichung der historischen, autentischen Atmosphäre die­nen sollen, sind dabei aber nie, auch für Laien, für die mancher Wortlaut der Zeit ungewohnt sein mag, unverständlich oder stören den Lesefluß. Die Autorin macht klar, daß sie dem Leser ein möglichst buntes, lebendiges Bild von der Zeit und der Menschen geben will. Menschen, die ebenso wie wir heute mit Widrigkeiten zu kämpfen hatten, deren kriminelle Tat einen oft doch recht menschlichen Hintergrund hatten. Leider ist es nicht immer ganz einfach zu unterscheiden, wo die historisch in den Akten ver­bürgte Geschichte aufhört und die Fiktion anfängt, denn leider macht Müller das nicht mittels Fußnoten deutlich. Im Epilog legt sie zwar dar, welche literarische Freiheiten sie sich nahm, um die Fälle lesefreundlich aufzuwerten, allerdings wäre manche direkte Anmerkung im Text schon besser gewesen. So bekommt man oft das etwas mulmige Gefühl, die Autorin legt den Personen Worte in den Mund und Gefühle auf die Seele, die sie vermutlich so gar nicht gesagt oder gahabt haben. Aber man kann Corinna Müller die Freude am ausschmückenden, lebensnahen Erzählen nicht absprechen. Sie hat Talent und das stellt sie mehrfach unter Beweis, wobei sie manchmal doch zu sehr in einen die alte Sprache imitierende Tonfall abrutscht. Trotzallem sind ihre Er­zählungen mit viel Genuß zu lesen, sie schafft es, die Vorstellungskraft des Lesers mit einer sehr bildreichen Sprache anzuregen und Kulissen mit Worten aufzubauen. Bilderreich ist auch das Buch an sich – viele Schwarz-Weiß-Illustrationen stellen die mit den jeweils geschilder­ten Kriminalfällen zusammenhängenden Dinge und Orte gut in Szene und dienen der Unter­stützung der Texte. Da sieht man, wie der Delinquent als Strafe vom Henker aus der Stadt ge­peitscht wird oder welcherart die Schwurstäbe waren, mittels derer die vor dem Gericht Stehenden einen heiligen Eid ableisteten. Das alles gibt ein stimmiges Bild von der Zeit und die chronologische Aufreihung der Fälle vom ältesten zum jüngsten machen deutlich, inwieweit sich Rechtsprechung und Bestrafungsmethoden auch änderten. Diesen Pfaden zu folgen und die Rechtsprechungsgeschichte derart lebensnah geschildert zu bekommen, ist vergnüglich und lehrsam zugleich. Trotzdem wäre es gerade für ein Sachbuch dieserart besser gewesen, enhielten die spärlich gesetzten Fußnoten nicht nur Worterklärungen und kurze Anmerkungen zum Text, sondern auch nachweisliches Quellenmaterial, um Wahrheit besser von Fiktion trennen zu können. Ein weiterer Negativaspekt, den ich mir nicht nehmen lassen will, zu benennen, ist aber die Typographie, die das Lesen nicht immer als angenehm gestaltet. Leider wurde ein zu großer Satzspiegel gewählt und der Text recht weit bis an den Rand gedrückt, sodaß zu lange Zeilen entstehen und die gesamte Textoptik zu geballt wirkt. Das ist schade, denn gerade sonst ist es durch die schön eingesetzten Bilder und auch die übrige Gestaltung ein schönes Buch, das man gern anschaut. Trotzallem ist »Verurteilt. Historische Kriminalfälle aus Alt-Württemberg« lesenwert und ein schönes Geschenk für all jene, die sich mit Kriminalfällen und der Geschichte der Jurisprudenz befassen wollen und einen einfachen Einstieg in die Thematik suchen. Oder für (Baden-)Württemberger, die wissen wollen, wie ihr Land noch wenigen Jahrhunderten wohl aussah. Ich selbst lebte einige Jahre in der Nähe von Bad Urach und erkannte freudvoll viele der angesprochenen Orte und Lebensgewohnheiten der Menschen wider. Ich danke dem Sutton Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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