Cormac McCarthy

 4.3 Sterne bei 1.138 Bewertungen
Autor von Die Straße, Kein Land für alte Männer und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Cormac McCarthy

Unter dem Namen Charles McCarthy wurde der US-amerikanische Autor am 20. Juli 1933 in Rhode Island geboren. In seinem literarischen Leben widmet er sich vor allem Plots, die sich am Rande der Gesellschaft ansiedeln, teils mit dystopischen Zügen. Seine Bücher erfreuen sich allseits großer Anerkennung, was Cormac McCarthy Auszeichnungen wie den Faulkner Award, den National Book Award und sogar den Pulitzer Preis - für sein Weltuntergangsszenario "Die Straße" - brachte. Privat lebt der Autor in New Mexico, zusammen mit seinem Sohn und seiner dritten Frau.

Alle Bücher von Cormac McCarthy

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Die Straße

Die Straße

 (625)
Erschienen am 02.04.2013
Kein Land für alte Männer

Kein Land für alte Männer

 (121)
Erschienen am 01.10.2009
Die Abendröte im Westen

Die Abendröte im Westen

 (47)
Erschienen am 11.03.2016
Grenzgänger

Grenzgänger

 (30)
Erschienen am 02.01.1997
All die schönen Pferde

All die schönen Pferde

 (29)
Erschienen am 01.09.2000
Die Border-Trilogie

Die Border-Trilogie

 (20)
Erschienen am 01.12.2008
Ein Kind Gottes

Ein Kind Gottes

 (20)
Erschienen am 28.11.2014
Land der Freien

Land der Freien

 (16)
Erschienen am 01.11.2010

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Rezension zu "Die Straße" von Cormac McCarthy

Außergewöhnlich, dramatisch, ergreifend, unglaublich dicht! Lesen!
Naibenakvor 2 Monaten

Der Mann und sein junger Sohn sind ununterbrochen unterwegs. Zu Fuß, bei jedem Wetter. Immer die Straße entlang, Richtung Süden, um der sich anbahnenden winterlichen Kälte zu entfliehen. Und immer mit der Hoffnung, die „Guten“ zu finden.  Der Mann kennt noch die Welt, bevor sie verbrannt ist und von Asche übersät. Der Junge war zu klein. Nun laufen sie also durch die Welt voll Asche und mit einem Himmel, der die Sonne nur erahnen lässt. Sie begegnen räuberischen Banden, die vor nichts zurückschrecken um zu überleben. Sie begegnen anderen hilflosen Wanderern, die zu den „Guten“ zählen. Sie begegnen Verzweiflung, Gewalt, und immer wieder dem Tod in jeglicher Form.

Cormac McCarthy hat eine Dystopie erschaffen, die in ihrer sprachlichen Schlichtheit (sprich: Schnörkellosigkeit) wahnsinnig unter die Haut geht. Wir begleiten Vater und Sohn auf ihrem Weg, hoffen und bangen mit ihnen. Freuen uns über jeden auch nur minimalsten Erfolg, und kauern ängstlich mit ihnen vor vermeintlich leerstehenden Gebäuden, um die Lage zu sondieren. Ihre Gespräche sind oft äußerst knapp, jedoch schaffen diese es immer wieder, mitten ins Mark zu treffen. Was man sich in der heutigen Zeit kaum vorstellen kann, beschreibt der Autor mit einer atmosphärischen Intensität, dass man tatsächlich (fast) dabei ist, und zumindest einen Eindruck bekommt. Von menschlichen Abgründen in Zeiten, die einzig das Überleben zum Ziel haben. Fragt sich am Ende nur: wofür eigentlich noch?

Fazit: Außergewöhnlich und atmosphärisch extrem dicht. Eine ergreifende, zärtliche Vater-Sohn-Beziehung, die zu Tränen rührt. Ein Roman voller Dramatik, Aussichtslosigkeit, aber auch Wärme und doch einem Fünkchen Hoffnung irgendwo. Irre! Unbedingt lesen!

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Rezension zu "Die Straße" von Cormac McCarthy

Die Bösen und die Guten
Ambermoonvor 2 Monaten

Die Welt nach dem Ende der Welt
Ein Mann und ein Kind schleppen sich durch ein verbranntes Amerika. Nichts bewegt sich in der zerstörten Landschaft, nur die Asche im Wind. Es ist eiskalt, der Schnee schimmert grau. Sie haben kaum etwas bei sich: ihre Kleider am Leib, einen Einkaufswagen mit der nötigsten Habe und einen Revolver mit zwei Schuss Munition. Ihr Ziel ist die Küste, obwohl sie nicht wissen, was sie dort erwartet. Die Geschichte der beiden ist eine düstere Parabel auf das Leben, und sie erzählt von der herzzerreißend Liebe eines Vaters zu seinem Sohn....(Klappentext)

❄❄❄❄❄

"Dass die Welt auf einen rohen Kern nicht weiter zerlegbarer Begriffe zusammenschrumpfte.
Dass die Namen der Dinge langsam den Dingen selbst in die Vergessenheit folgten.
Farben. Die Namen von Vögeln. Dinge, die man essen konnte.
Schließlich die Namen von Dingen, die man für wahr hielt.
Zerbrechlicher, als er gedacht hätte.
Wie viel war schon verschwunden?"
(S. 81)

Dieses Buch beinhaltet eine Dystopie der ganz anderen Art, denn hier passiert im Grunde nicht viel. Keine Zombies, keine actiongeladenen Szenen und keine Bandenrivalitäten zwischen den Überlebenden.
Ein Vater und sein Sohn bewegen sich in einer dystopischen Welt auf einer Straße in Amerika nach Süden, um dem kalten Winter zu entgehen und um an der Küste eventuell Hilfe zu finden, eine Gemeinschaft von Überlebenden, die ihnen nicht ans Leder wollen. Man erfährt nicht, was der Auslöser für die postapokalyptischen Zustände sind oder in welchem Jahr sie sich befinden.
Man streift mit den beiden durch eine Welt, die nicht mehr so ist wie sie einmal war und nie mehr so sein wird. Eine Welt, in der es nichts mehr gibt außer verbrannte Erde, Ruß und Asche, welche selbst die Sonne nicht hindurch lässt. Eine Welt ohne Tiere, dafür mit umso mehr Überlebenden vor denen man sich in Acht nehmen muss. Denn was isst man, wenn es keine Tiere zum Schlachten mehr gibt und man von Hunger getrieben wird?

"Die Stadt war größtenteils ausgebrannt. Keinerlei Anzeichen von Leben.
Autos auf der Straße mit einer Aschekruste überzogen, alles von Asche und Staub bedeckt. Im getrockneten Schlick Fossilien.
In einem Eingang ein ledrig mumifizierter Leichnam. Der dem Tag eine Grimasse schnitt.
Er zog den Jungen näher an sich heran.
Vergiss nicht, dass das, was du in deinen Kopf lässt, für immer dort bleibt."
(S. 14)

Der Schreibstil ist flüssig und beinhaltet, trotz der düsteren und beklemmende Atmosphäre literarisch poetische Züge.
Der Erzählstil ist packend und die Dialogführung nur auf das Nötigste beschränkt. Doch gerade dies führt zu einer unheimlichen Ausdruckskraft der Gespräche zwischen Vater und Sohn.

"Wenn deine Träume von einer Welt handeln, die es nie gegeben hat oder nie geben wird, und du wieder glücklich bist,
dann hast du aufgegeben.
Verstehst du? Und du darfst nicht aufgeben.
Das lasse ich nicht zu."
(S. 169)

Der Autor entführt den Leser in eine unglaublich düstere und herzzerreißende Story voller Erschöpfung, Hunger, Angst, aber auch voller Liebe und Mut.
Aufgrund der äußerst plastischen Beschreibungen von Setting und Gefühlen, fiebert man mit den beiden mit - spürt den Hunger und die Angst in einem hoch kriechen, riecht und schmeckt Rauch und Asche, sieht die verbrannte Welt vor Augen. Hier wird das nackte Überleben von Vater und Sohn mit einer unglaublichen Sprachgewalt erzählt, welche einem als Leser die Gänsehaut rauf und runter laufen lässt.
Wie soll man in so einer Welt überleben und schafft man es trotzdem im Herzen gut und seinen Prinzipien treu zu bleiben? Kann man hier weiterhin zu den Guten gehören?

"Sie kampierten auf einem terrassenförmigen Stück Land jenseits eines zugefrorenen Baches an der Straße.
Der Wind hatte die Asche vom Eis geweht, und das Eis war schwarz,
sodass der Bach aussah wie ein sich durch den Wald windender Basaltpfad."
(S. 35)

Fazit:
Dieses Buch ist eines meiner absoluten Lesehighlights.
Der Autor schaffte es, mich mit dieser Story völlig einzunehmen. Ich habe voller Spannung die Seiten umgeblättert, habe geweint, nachdenklich vor mich hin gestarrt und manche Passagen mit Genuß mehrmals gelesen.
Eine vergleichbare Dystopie, welche mich trotz fehlender Action so sehr in die Story hineingesogen hat, ist mir noch nicht untergekommen. Eine Dystopie ohne Action, jedoch mit umso mehr Sprachgewalt und Atmosphäre.

© Pink Anemone (inkl. Leseprobe, Autoren-Info., Trailer zum Film)

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Rezension zu "Die Abendröte im Westen" von Cormac McCarthy

Nüchtern, düster und ungewöhnlich
Kapitel7vor 2 Monaten

Ein namenloser Antiheld

Seht das Kind. Der Junge ist blass und mager, trägt ein dünnes, zerschlissenes Leinenhemd.

Es ist das Jahr 1850, als wir diesem Jungen, der auch im weiteren Verlauf des Romans keinen Namen tragen wird, auf seinem Zug durch Texas, Mexiko und andere Südstaaten folgen. Er ist 14 Jahre alt, mutterloser Halbwaise und hat von Geburt an einen Hang zur Gewalt. Dieser Junge läuft von zuhause weg und schließt sich nach kurzem einer Bande von Söldnern an, Exsoldaten und Abenteurern, allesamt ominöse Gestalten, die als Skalpjäger durch die Lande ziehen und Indianer jagen.

Die Bande zieht von A nach B, ohne ein wirkliches Ziel zu haben. Spontan folgen sie Gelegenheiten, die Profit versprechen. Wenn es darum geht, einen eigenen Vorteil zu erzielen, kennen sie weder Recht noch Moral, nur das Gesetz der Waffen. Leichen pflastern den Weg der Bande. Von Indianern, von Siedlern und immer auch die eigenen Leute.
Der große Gegner neben den Indianern ist die Gnadenlosigkeit der Wüste. Oft muss die Gruppe tagelang ohne Wasser oder Nahrung durch die Hitze ziehen, verwundet und verfolgt.

Genau wie der Söldnerhaufen kein wirkliches Ziel hat, hat auch der Roman nicht den einen gewöhnlichen Spannungsbogen. Was Zusammenhang stiftet, ist der Blick auf das Schicksal des Jungen, der zwar Hauptfigur, aber dennoch ziemlich passiv und oft nur im Hintergrund ist.

Es ist als würde ein Kamerateam der Bande folgen und einfach nur aufzeichnen, was passiert. Dabei erschafft Cormac McCarthy eine düstere und gnadenlose Atmosphäre. Es gibt kein Bedauern und kein Mitleid, keine moralischen Wertungen. Der Erzähler zeigt mit neutralem und nüchternem Blick einfach nur das, was hier im südamerikanischen Grenzgebiet passiert, in dem Staat und Strukturen sich erst noch etablieren müssen. Das Gesetz lautet Fressen und Gefressen werden, so dass der Text ein Festival an Grausamkeiten ist.

Wer Cormac McCarthy noch nicht kennt, der sei auf eine Besonderheit in seiner Sprache hingewiesen: McCarthy verzichtet bei wörtlicher Rede konsequent auf Anführungszeichen. Das ist ungewohnt, stört beim Lesen aber nicht. Vielmehr hilft es, die Dialoge schnell, knapp und düster sein zu lassen, es fühlt sich an, als würde man direkt neben den Protagonisten stehen und ihnen beim Sprechen zusehen und zuhören.

Am Ende trifft einige Jahre später der Junge, der nun „Der Mann“ genannt wird, auf den anderen letzten Überlebenden der Truppe. Richter Holden, eine mysteriöse und beinahe übermenschliche Figur und Der Mann begegnen sich in einem Finale, das mich verwirrt zurückgelassen hat.

Mehrfach wurde versucht Die Abendröte im Westen zu verfilmen, geklappt hat es aber nicht. Durch seinen düsteren Ton und die übermäßige, offen dargestellte Gewalt ist der Roman fast unverfilmbar.

Wer sich von einem Übermaß an Gewalt und Grausamkeiten nicht abschrecken lässt, der findet in Die Abendröte im Westen einen Roman, der mit seiner ungewöhnlichen Sprache beeindruckt.


Dies ist der Teil meiner Rezension zu Die Abendröte im Westen. Der komplette Text ist auf meinem Blog zu finden: https://kapitel7.de/10-100-cormac-mccarthy-die-abendroete-im-westen/

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Cormac McCarthy wurde am 19. Juli 1933 in Rhode Island (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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