Cormac McCarthy Die Abendröte im Westen

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Inhaltsangabe zu „Die Abendröte im Westen“ von Cormac McCarthy

Ein an historische Ereignisse angelehnter Roman über die Indianerkriege und die amerikanische Expansion nach Westen, voller Gewalt und Grausamkeit; ein mythisches Weltuntergangsepos wie nach Bildern von Bosch und Dalí. Hauptfigur ist ein vierzehnjähriger Junge, der 1850 nach Texas kommt und sich einer Bande marodierender Exsoldaten, Desperados und Abenteurer anschließt, die Komantschen, Apachen und friedliche Siedler abschlachten. (Quelle:'E-Buch Text/19.07.2013')

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  • Rezension zu "Die Abendröte im Westen" von Cormac McCarthy

    Die Abendröte im Westen
    bibliophilist1985

    bibliophilist1985

    20. June 2014 um 21:56

    Eines der verstörendsten Bücher, dessen Wirkung durch den Bezug auf eine echte Thematik noch eindringlicher ist. Keine Wildwestidylle oder Bilder des edlen Wilden beseelen diesen Roman, die schonungslose Darstellung  der historischen Geschehnisse steht im Zentrum. Und diese waren schon fast prophetisch für die zukünftige Entwicklung der internen und externen Konfliktlösungsstrategien der Amerikaner. Die Barbarei und unbeschreibliche Grausamkeit mit der Mitte des 19 Jahrhunderts Militär, amerikanische Ureinwohner und marodierende Skalpjägerbanden aufeinanderprallen, um sich gegenseitig von Genozid zu Genozid hetzen, gehören zu den Vorzeigetechniken europäischer Kolonialisierungsmethoden. In dieser morbiden Szenerie begleitet ein Junge eine Gruppe von Gesetzlosen bei der Verübung von Massakern und Überfällen. Die Schockiertheit des Lesers steigert sich im Anbetracht der Tatsache dass reale zeitgeschichtliche Fakten das Grundgerüst dieses Romans bilden und man als friedensverwöhnter und wohlstandsaffiner Europäer schwerlich derartiges verbildlichen kann. Außer vielleicht in den Abendnachrichten, aber eine mitreißende Erzählung mit allen Details schockiert noch mehr als die bereits selbstverständliche Routine des Grauens in diversen Medien, wobei die extremsten Details in Funk und Fernsehen gnädigerweise ausgespart werden. Geschichte kann uns etliches lehren und für eine so nachdenklich stimmende Schreibleistung gebührt dem Autor ein Ziehen des imaginären Hutes. Wenn auch mit leichtem Zittern.

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  • Zuviel erwartet

    Die Abendröte im Westen
    Arun

    Arun

    Auf den Schriftsteller Cormac McCarthy wurde ich aufmerksam durch die Romanvorlagen der Filme „No Country for old Men“ und „Die Straße“. Die Beschreibung des Buches „Die Abendröte im Westen“ war vielversprechend. Story: Texas um 1850, ein 14 jähriger Junge schließt sich einer Bande an welche Mordend und Plündernd durch den Süden der USA zieht. Cormac McCarthy hat eine schöne bisweilen lyrische Sprache und Sinn für Umschreibungen doch einige Wörter gebraucht er etwas zu oft. Das Hauptmanko für mich war das die brutale und blutige Geschichte auf mich total Blutleer wirkte, alle Grausamkeiten werden praktisch im vorübergehen abgehandelt so das keine Furcht, Angst, Mitleid oder Trauer entsteht. Das Buch hat meine Erwartungen nur teilweise erfüllt.

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    • 5
  • Rezension zu "Die Abendröte im Westen" von Cormac McCarthy

    Die Abendröte im Westen
    Metulski

    Metulski

    26. April 2011 um 13:19

    Ein Buch wie ein Weltuntergang! Wenn man meint, dass McCarthy mit 'The Road' ein Endzeitroman geschrieben hat, sollte man sich tunlichst die Abendröte zu Gemüte führen. Wenn man dann die durchaus drückenden Bilder, die in 'The Road' mit karger Sprache gemalt werden, mit dem sprachlichen Bombast der 'Abendröte' , der so ziemlich alle Abgründe des Menschseins aufzeichnet, vergleicht, wird man den Unterschied bemerken. Ähnlich sind sich beide Bücher darin, dass es keine typische Handlung gibt. Da sind Menschen auf dem Weg, ohne eigentliches Ziel. Und Thema ist das, was diesen Menschen auf ihrer Reise widerfährt. 'The Road' ist ja schon fast ein zärtliches Buch, Vater und Sohn, deren Liebe zueinander, und ein, wie ich meine, hoffnungsvolles Ende. In der 'Abendröte' ist die Reise eines Jungen, der sich einer Gruppe von Freischärlern anschließt, mit Leichen gepflastert. Mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit meucheln sich hier die Menschen, dass ich ab und zu das Buch beiseite legen musste, um tief durchzuatmen. Dennoch fasziniert die 'Abendröte'; wohl deswegen, weil durch diese absolute moralische Entblößung die tiefsten Fragen des Menschseins offen zu Tage treten. Zentrum dieser philosophischen, aber auch kryptischen Auslassungen ist die wahnsinnigste Figur des Romans: der Richter Holden. Allein schon um diese literarische Figur kennen zu lernen, lohnt sich die Lektüre. Auch dieser Roman von McCarthy soll ja verfilmt werden. Auch wenn es tatsächlich soweit kommt, kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Verfilmung jemals diesem literarischen Wahnsinn gerecht wird. Greetings, Metulski

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  • Rezension zu "Die Abendröte im Westen" von Cormac McCarthy

    Die Abendröte im Westen
    Sashman

    Sashman

    23. February 2011 um 00:20

    Eigentlich verwährt sich "Die Abendröte im Westen" dem was ich aus einem "gewöhnlichen" Roman kenne: einem erkennbaren Plot. Die Hauptfigur, der der Leser auf ihrer Reise folgt, hat in der Geschichte nicht die Funktion, die ich aus anderen Roman kennen gelernt habe. Ich habe das Gefühl, dass es in dem Roman nicht um den "Jungen" geht, sondern der Junge dazu da ist, dass der Erzähler ihm folgen kann. Letztendlich ist "Die Abendröte im Westen" ein literarischer Reisebericht. Anstelle eines Plots steht die Reise. Anstelle der Handlung stehen die erschreckenden Ereignisse vor dem Hintergrund der Indianerkriege, die sich im Laufe der Reise durch Mexiko zutragen. Der Roman wird getragen von einer düsteren Stimmung, von der Ungeheuerlichkeit der Szenen, die McCarthy beschreibt. Szenen, die McCarthy durch seine prägnante Sprache zur Geltung bringt. McCarthy hat den amerikanischen Schreibstil nicht nur verinnerlicht, er hat ihn perfektioniert. Der heimliche Star des Romans ist der Richter. Seine Bösartigkeit sucht seinesgleichen, gepaart mit seiner Intelligenz, die ihn nur umso gefährlicher erscheinen lässt. Bei der Äußerung seines Selbstverständnisses musste ich beim Lesen laut auflachen, was mir noch nicht oft passiert ist. "Alles was in der Schöpfung ohne mein Wissen existiert, existiert ohne mein Einverständnis." Fazit: Der Roman ist nicht für Jedermann, insbesondere wenn man spezifische Erwartungen an eine Geschichte hat. Vielmehr werden hier historische Ereignisse in Szene gesetzt. Es gab einige gefühlte Längen, trotz der Kompaktheit des Romans (etwa 370 Seiten). Aber die großartige düstere Atmosphäre und die Figur des Richters machen einiges wieder wett.

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  • Rezension zu "Die Abendröte im Westen" von Cormac McCarthy

    Die Abendröte im Westen
    Beagle

    Beagle

    03. August 2010 um 02:12

    Wie könnte man Cormac McCarthys ersten großen Roman „Die Abendröte im Westen“ wohl am Trefflichsten beschreiben? Spannend, wie ein Thriller und ebenso blutig, informativ durch die geschichtliche Hintergründe des Mexikanischen Krieges und alles elegant erzählt. McCarthy schafft es mit diesem Buch, diesen schmalen Grat der Verknüpfungen zu bewandern. Wir schreiben das Jahr 1849. Der Krieg zwischen den USA und Mexiko, bei dem die Vereinigten Staaten einen Teil von Texas, Arizona, New Mexiko und Kalifornien erhielten, ist vorbei. Ein Junge, dessen Namen wir nie erfahren, ist Hauptperson der Geschichte. Sein Vater, ein ehemaliger Lehrer, der am Tod der Mutter zerbrach, kümmerte sich nicht um ihn, sodass er, als Analphabet mit 14 von zuhause fortgeht. Der Junge schlägt sich durchs Land und erreicht schließlich Texas, wo er sich einem Trupp ehemaliger Soldaten anschließt, die den Krieg gegen Mexiko fortsetzen wollen, das komplette Land für die USA erbeuten möchten. Doch schon bald wird dieser Trupp von Apachen überfallen und nahezu komplett getötet. Der Junge kann entkommen und trifft wenig später auf einen schwer verwundeten Kumpan. Gemeinsam ziehen sie durch Mexiko, später wandert der Junge wieder allein. Schließlich heuert er bei einem Trupp Freischärler an, die im Auftrag eines Mexikanischen Staates gegen die Indianer zu Felde ziehen. Die Skalpe der Eingeborenen bringen 100 $, eine stolze Summe. In dieser Gruppe tummeln sich die kuriosesten Gestalten. Angeführt von Glanton, ein in den USA mit Haftbefehl gesuchter Mörder, der seine Frau und Kind zurückließ. Außerdem dabei, ein Richter, der dem Jungen schon in einer Stadt in Texas aufgefallen ist, ein über zwei Meter großer Hüne ohne jeglicher Körperbehaarung, mit stolzem Umfang, ein ehemaliger Priester, ein weißer und ein schwarzer Jackson, mehrere Indianer, ein Australier, sowie ein Mann ohne Ohren. Gemeinsam ziehen sie im Land umher, wohin sie auch kommen, sie hinterlassen eine blutige Spur. Dabei töten sie nicht nur die vom Staat „freigegebenen“ Indianer, sondern im Grunde alles, was sich ihnen in den Weg stellt, seien es nun Wanderer, ganze einsame Dörfer oder Händler. Die Männer kennen keine Gnade und auch innerhalb der Gruppe herrscht Misstrauen. Zwar halten sie zusammen wie Pech und Schwefel, doch ist einer verwundet, so wird er liegengelassen oder erschossen. Mehrmals entkommt der Trupp den Indianern ohne größere Verluste. Doch als schließlich auch ihre anderen Grauentaten aufkommen, werden sie selbst gesucht und ein Kopfgeld in Höhe von 1.000 $ wird auf Glanton ausgesetzt. Nun muss die Gruppe weiterziehen, durch die gnadenlose Hitze der Wüste, verfolgt von Apachen und in blutige Kämpfe verwickelt. Wer McCarthys „Grenzlandtrilogie“ gelesen hat, wird unweigerlich von diesem Buch überrascht sein. Keine Lagerfeuerromantik, keine einsamen Kämpfer für Gerechtigkeit, Freundschaft gibt es in dieser Geschichte nicht. Blut wird hier so viel vergossen, wie in sehr wenigen anderen Büchern. Und doch blieb sich der Autor mit seinen späteren Büchern treu, denn auch das erste hier spielte in der Prärie, in den Wüsten zwischen Mexiko und der USA. Unbarmherzig beschreibt er das Leben der Leute, die für „eine Handvoll Dollar“ ganze Dörfer ausrotten, spannend, wie man es sonst nur von guten Thrillern gewöhnt ist.

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  • Rezension zu "Die Abendröte im Westen" von Cormac McCarthy

    Die Abendröte im Westen
    MichaelSterzik

    MichaelSterzik

    28. May 2009 um 19:48

    Der "Wilde" Westen, der Aufbau und die Entwicklung der Nordamerikanischen Staaten so wie wir sie aus Film und Fernsehen, aber nicht zuletzt auch durch Erzählungen berühmter Autoren kennen, ist eine Illusion. Die Ureinwohner Nordamerikas, die Indianer werden als Menschen niederer Klasse degradiert und bleiben in ihrem Charakter grundsätzlich als böse beschrieben. Es gibt nur wenige Quellen die mit diesen Vorurteilen aufräumen und uns wirklich schildern und aufzeigen, in allen Einzelheiten wie brutal und blutig, wie unmenschlich und egoistisch die Siedlungspolitik und die Unterdrückung der Indianer durch die Siedler und Pioniere gewesen sind. Unzählige Menschen aus allen Herren Länder wanderten in das Land was ein verheißungsvolles und großzügiges Leben versprach vor allen in Freiheit und Würde. Auch das was in vielen Fällen eine Illusion und oftmals fanden die Menschen nicht ihre Freiheit, sondern noch mehr Entbehrungen und Qual, oftmals auch den Tod. In diesem "weiten" Land gab es in Zeiten der Kolonalisierung keine Gesetze, und wenn dann wurden diese ignoriert und das von allen Instanzen. Die Einwanderer mussten um ihrer Existenzwillen kämpfen, um jeden Meter, an jeden Tag, sei es durch die derzeitigen Kolonialherrscher, die Indianer oder die eigenen Reihen neidischer Menschen. Edel und Ritterlich, Romantisch und Liebevoll war es bis ins 20 Jahrhundert nicht unbedingt. Gerade in der Pionierzeit und in der Zeit die wir als der "Wilde Westen" bezeichnen, ging es um die dort lebenden Menschen nur ums nackte Überleben. "Die Abendröte im Westen" von Cormac McCarthy schildert die Ereignisse um die Jahre 1842, beginnend mit den Indianerkriegen und dem nicht immer friedvollem Umgang mit Siedlern und Abenteuern. McCarthy räumt mit den Vorstellungen, dem Mythos von Freiheit und Abenteuer im Westen Amerikas auf. - Story - Es gibt den Tod, einige Männer und die scheinbar leere der Wildnis. Mehr gibt es nicht. Am Firmament leuchten die Sterne und am Morgen des beginnenden Tages zieht die Sonne ihre Bahn. Dem Universum ist es egal was passiert. Mord ist im Alltag allgegenwärtig und es gibt keine Moral, die kann sich niemand leisten. Cormac McCarthy erzählt die Geschichte eines namenslosen Burschen, der nur als der "Junge" bezeichnet ist. Mit vierzehn Jahren läuft er davon und stößt sich damit einer brutale Welt ohne Mitleid und Ethik, ohne Gesetz und Recht. Das einzige was jetzt zählt, ist das Recht des Stärkeren, der ohne Gnade das tut, was er tun muss, ohne Rücksicht auf andere. Der Junge lernt schnell zu überleben, es bleibt ihm auch nichts anderes übrig. In einer Kneipe der mexikanischen Kleinstadt schlägt er dem Barkeeper, nachdem gutes Zureden nicht geholfen hat, zwei Flaschen Whisky über den Schädel und verschwindet mit einer dritten. Was er sonst noch vom Leben will, bleibt unklar. Er reist durch die Prärie von Texas, ein armseliges Menschenkind, ein heruntergekommener Dieb. Ohne Ziel reist er durchs Land und schließt sich verzweifelt einer Gruppe marodierender Desperados und Abenteuer. Strandgut des Krieges zwischen den USA und Mexico. Menschen die wie er kein Ziel haben und deren Gegenwart und Zukunft nur aus dem heutigen Tage besteht. Am Abend sitzen die Männer am Feuer und sprechen über Gott. Der Junge meint das ein gnädiger Gott nicht an ihn denkt, ihn vergessen hat. Aus heiterem Himmel werden sie von einem Hagelschlag überrascht, die Pferde scheuen und ihre Reiter stöhnen, steigen ab und hocken sich die Sattel über den Köpfen auf den kargen Boden. Wenig später legen die Männer den Pferden die Sättel wieder auf und reiten weiter durch die Wildnis. Nachts passierten sie die Lichter eines Dorfes, aber sie ändern deswegen nicht ihren Kurs, wo immer der auch hinführen mag. Gegen Morgen waren am Horizont ein paar Feuer zu sehen. Der Anführer Glanton schickte die Kundschafter, die Delawaren vor. Im Osten beginnt es schon leicht zu dämmern. Als die Indianer zurückkommen hocken sie sich mit Glanton, dem merkwürdigen Mann den alle den "Richter" nennen und den Gebrüder Brown zusammen. Als sie die Wagenkolonne erreichten, sehen Sie fünf Planwagen die noch am brennen sind. Die Goldsucher sind alle tot, namenlos liegen sie mit entsetzlichen Wunden zwischen den schwelenden Wagen, die Gedärme waren ihnen seitlich herausgequollen, die nackten Körper starrten von Pfeilen. Abgetrennte Gliedmaßen, die toten liegen in Pfützen getrockneten Blutes, die Augen der aufgehenden Sonne gerichtet. Der Junge inmitten der Truppe um Glanton, ziehen stumm weiter. Solche Massaker sind ohne Frage die Regel. Und sie begehen einige, als Skalpjäger privilegiert unterscheiden sie nicht zwischen Indianer und ahnungslosen Siedlern oder Mexikanern. Bezahlt werden sie nach der Stückzahl der Skalps. Die Blutspur die sie durch die Wildnis ziehen ist unmenschlich wie das Weltall. Die Welt dreht sich weiter. Die Weite ist unbegrenzt. Die Sonne gnadenlos und brennt den Männern die Haut vom Leib. Die Nächte kühl reiten sie Staub und Schatten. Der Captain - Glanton lehnt sich zurück und verschränkte die Arme. Wir haben es da, sagte er, mit einer entarteten Rasse zu tun. Mit einer Rasse aus Bastarden, kaum besser als Nigger. Vielleicht sogar genauso minderwertig. In Mexiko gibt es keine Regierung. Das ist die Sichtweise, das Credo was diese Gruppe antreibt. Man jagt die Indianer, wo man sie findet, und schleppt die Skalpe für klingendes Gold zum Gouverneur. Der Junge verblasst unter den Männern, seine Moral, sein Menschsein beginnt er zu verlieren. Starrend von Schweiß und Blut, die Pferde erschöpft, aber mit blutigen Skalpen der Indianer behängt, ziehen sie in die Stadt ein, umjubelt und willkommen begrüßen sie die Mexikaner. Wenig später sind sie frisch gebadet, neu eingekleidet und erscheinen zum Festmahl der Gouverneurs. Es wird zu einem einzigen Gelage. Die Mörder saufen, fressen und huren das Geld das sie unter Todesgefahr "verdient" haben. Ihr Besuch verheert die Stadt, es geschehen Morde und Vergewaltigungen, am Ende ziehen sie weiter, neuen Morden entgegen. Irgendwann scheren sich Glanton und seine Leute um keine Abmachung mehr und schießen die Mexikaner nieder, zu deren Schutz sie bestellt sind. Der Boden rationalen Handelns ist längst verlassen, nie wieder erreichbar. Damit werden diese selbst zu gejagten, nicht nur von Indianern…… - Kritik - Der Autor Cormac McCarthy ersetzt in seinem Roman " Die Abendröte im Westen" die Unendlichkeit des Ozean durch eine vernichtende Weite. Die Landschaft, die Wildnis ist hier nicht die kultiviert und erschlossen, hier existiert nur feindliche Gewalt in allen Formen. Mit einer unglaublichen Besessenheit den auch nichts mehr erschüttern kann durchmisst McCarthy seine Geschichte. Er schildert wie er es in seinen Romanen oft tut, die Bestalität des Menschen die auf den kleinsten Nenner zurückgeschraubt wurde. Ihr Elend, ihre beherrschte Wut wirkt auf den Leser trotzdem berauschend und spannend. Im Original heißt der Roman " Blood Meridian Or The Evening Redness in the West". Die Geschichte spielt kurz nach dem Ende des Amerikanisch-Mexikanischen Krieges. Wie nach vielen Kriegen gab es hier auch versprengte Reste der amerikanischen Truppen die ihren Krieg auf ihre ganz eigene Art fortsetzen. Die Grenzen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten sind verworren. Gouverneure der Staaten setzen ein Kopfgeld zur Ermordung von Indianern aus und finanzieren damit einen Völkermord. Es gibt keine gültigen Gesetze, und Verträge gehören einer Fiktion an. Zwischen und in den Ländern gilt nichts weiter als die Korruption des Verderbens. Das gelobte Land "Amerika" zerfällt in seinen Träumen und Vorstellungen. Was bleibt ist nichts. Cormac McCarthy lässt seine Geschichte hauptsächlich in Mexico spielen. Das Land wurde schon immer von Amerika verachtet in der Literatur. Bei dem Autor ist es ein Land der Verdammnis aber die Mörderbande besteht aus Amerikanern, einen Schwarzen und Überläufern - Indianern die als Kundschafter dienen. Einer der Hauptpersonen im Roman, ein äußerst vielschichtiger und interessanter Charakter ist der "Richter". Er gilt als ein Prophet der Geschichte. Ein Mann von großer Gestalt, der aber ebenso brutal wie gebildet agiert. Eine Karikatur des Übermenschen, unverletzbar, unsterblich, unbeschreiblich. In der Wildnis fertigt er Skizzen und wirtschaftliche Notizen an. Er erforscht die Geschichte seiner Ureinwohner, die er andertags ohne Erbarmen mordet. Am Lagerfeuer philosophiert er über Gott und den Sinn des Lebens. Die anderen Männern lauschen erstaunt dem bizarren Richter. Noch sind sie nicht ganz tot und manchmal, aber selten werden Gefühle in den Männern wach. Cormac McCarthy schildert eine Welt ohne Beziehungen und Verpflichtungen untereinander. Ohne Frauen, ohne Erotik oder der Liebe und ganz sicher ohne Moral, Recht und Ethik. Was bleibt ist eine kümmerliche Nähe zwischen dem Richter und dem Jungen. Gegen Ende des Romans verrät sich dies in einem Kampf miteinander. "Du bist weder ein Mörder, rief der Richter weiter. Nur du allein warst in einem verborgenen Winkel deines Herzens voller Milde gegenüber den Wilden. Weißt du denn nicht, daß ich dich beinahe geliebt habe wie einen Sohn?" Der Junge, in der bessern Position gibt den tödlichen Schuß der das Leben des Richters beenden könnte, nicht ab. Sie begegnen sich Jahre später, eine letzte Schicksalshafte Begegnung….. Am Ende des Romans gibt es kein erreichtes Ziel. So ist eben der Tod und das Sterben eine ganz eigene Gewissheit. Der Roman weist eine Ähnlichkeit mit dem Film "Spiel mir das Lied vom Tod" auf. Doch McCarthy beginnt dort wo der Film aufhört. Die Dialoge sind sparsam gestreut, aber wenn dann sind diese in ihrer Deutlichkeit nicht zu übertreffen. Still und grausam, aber auch quälend eindrucksvoll wie auf Harmonikas Musikinstrument werden die Massaker geschildet bis die rasende Bewegung eins wird, mit einer vollkommenden Ruhe. Die Abendröte im Westen - wechselt von Panorama zu Panorama, von Mord zu Mord, von Untat zu Untat und das mit einer Sprachgewalt die ihresgleichen sucht aber wahrscheinlich nicht findet. Viele werden sich sicherlich fragen, ob man den Roman lesen muß?! Wie entsteht eine Zivilisation, eine Gemeinschaft, ein Staat? Wie geradlinig ist solch ein Prozess? Es gibt immer Rückschläge und Abstürze und daraus immer wieder Rückblicke in den Fehlern der Menschen von denen diese dann lernen! Aber was reizt uns an solchen finsteren Werken? Ist es die Tatsache, dass der Schrecken in Bild und Text nicht die Wirklichkeit ist? Wird der Schrecken dadurch genießbarer? McCarthy paart in seinem Roman auch diese Gewalt mit der Schönheit und Einzigartiges jeden Lebens. Er zeigt uns in seinen Begründungen trotz der grundlosen und ungerechtfertigten Gewalt das verzerrte Spiegelbild einer sozialen Moral die wir durch diese Zeit erhalten haben. - Fazit - Wie auch den Roman "Die Straße" kann ich diesen Roman empfehlen. "Die Abendröte im Westen" ist provokativ und erklärt uns das Gewalt schlechthin grundlos ist. Ein Motiv ist eher nachrangig, denn man läuft in Gefahr das psychologische Erklärungen immer Begründungen sein können! McCarthy schildert und beweist, dass das Böse nicht ohne das Gute existieren und bestehen kann, dass alles immer zwei Seiten hat und vielleicht war auch das Motiv des Schriftstellers das niemand als "böse" geboren wird, sondern sich erst dazu entwickeln muss…und auch nicht unverletzlich ist, sondern abschließend durch das "Gute" besiegt und bezwungen werden kann. Die Brutalität im Roman hat mich erschreckt und teilweise sicherlich auch abgeschreckt, aber die Realität in dieser Zeit war grausamer als es ein Roman oder ein Film zeigen kann. Spannend ist er allzumal, und ganz besonders gilt es über das geschriebene Nachzudenken, die Essenz des Lebens, die Wichtigkeit der Botschaften stehen immer zwischen den Zeilen. "Die Abendröte im Westen" ist Literatur die zwar erschreckt, die aber authentisch beschreibt und mit dem Mythos des edlen Mannes im "Western" aufräumt. Was übrigbleibt ist das "Leben" um das sich alles dreht. - Details - Taschenbuch: 374 Seiten Verlag: Rowohlt Tb. (März 1998) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3499222876 ISBN-13: 978-3499222870 Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 11,4 x 2,4 cm Michael Sterzik

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  • Rezension zu "Die Abendröte im Westen" von Cormac McCarthy

    Die Abendröte im Westen
    KollegeKraftwagen

    KollegeKraftwagen

    20. June 2008 um 23:43

    Mit der "Straße" wurde Cormac McCarthy endlich auch in Deutschland bekannt, in seiner Heimat gilt er schon lange als einer der größten lebenden Autoren, als Meister des southern gothic und grimmiger Nachfahre Faulkners. Hier schreibt er eher einen Anti-Western, sein vielleicht bestes Buch. Soviel Grausamkeit in einer so wunderschönen Natur zu beschreiben ist schon eine Leistung - die Sonne scheint, der Himmel strahlt blau und alle sterben einen gewaltsamen Tod. Die Natur kümmert's nicht. "Blood Meridian" ist eine Art Geschichte der Besiedelung des Westens, gegen den Strich erzählt. Siedler töten Tiere, Indianer töten die Siedler, Banditen töten die Indianer, Soldaten fangen die Banditen und richten sie hin. Oder in anderer Reihenfolge. Der Mörtel, mit dem die "city upon a hill" bzw. das Gebäude der amerikanischen Zivilisation verfugt ist, wurde mit Blut angerührt, so könnte man den Gehalt zusammenfassen. Nur zwei überleben alle Massaker: 'the kid', der einzige Zeuge gewissermaßen, und 'the judge', der Chronist, der alle Übel aufzeichnet, halb personifizierte Zivilisation, halb Teufel. Eine Art Teufelsaustreibung ist dieser tolle Roman auf jeden Fall, eine Desillusionierung des amerikanischen Freiheitsmythos.

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