Mit „Schatten über Föhr“ kehrt Kari Lürsen in den aktiven Ermittlungsdienst zurück – und damit auch in eine Atmosphäre, die von Misstrauen, Angst und vielen offenen Fragen geprägt ist. Der Mord an einem Kind verleiht dem Fall von Beginn an Schwere und emotionales Gewicht und passt gut zum ernsten Ton des Küstenkrimis.
Die Rückkehr auf die Insel Föhr ist stimmungsvoll beschrieben. Die Kulisse mit ihren engen Gemeinschaften, unausgesprochenen Konflikten und dunklen Geheimnissen funktioniert gut und sorgt für eine dichte Grundatmosphäre. Kari Lürsen bleibt eine souveräne, erfahrene Ermittlerin, deren innere Zerrissenheit zwischen Lehrtätigkeit und Polizeiarbeit glaubwürdig dargestellt wird. Auch die Zusammenarbeit mit dem eigensinnigen Sebastian Kuhl bringt Dynamik in die Ermittlungen, besonders durch ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen.
Der Fall selbst ist solide konstruiert und nachvollziehbar entwickelt. Verdächtige gibt es einige, und besonders das rätselhafte Verhalten der Mutter wirft Fragen auf. Dennoch hätte die Spannung an manchen Stellen stärker zugespitzt werden dürfen. Der Krimi setzt eher auf klassische Polizeiarbeit und ruhige Ermittlungsarbeit als auf nervenaufreibende Wendungen oder überraschende Eskalationen.
Ein gut geschriebener, atmosphärischer Nordseekrimi mit interessanten Figuren und starker Kulisse – für mich ein schöner Krimi, dem jedoch ein wenig mehr Tempo und Spannung gutgetan hätten. Auch gut lesbar ohne Vorkenntnisse.


















