Ohne jede Effekthascherei aber doch so ehrlich wie möglich erzählt und sehr ergreifend, weil es sicherlich eine Frau mit ähnlichem Schicksal gegeben hat.
Inhalt: Colette, mittlerweile in den Fängen der SS, wurde aufgrund von falschen Anschuldigungen, sie aber auch nicht widerlegen konnte, zu einem Aufenthalt im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück verurteilt. Dort hat sie das zweifelhafte Glück, für Siemens und Halske schuften zu dürfen. Die Bedingungen dort sind denkbar schlecht. Eine sehr schlechte Verpflegung und eine Ungeziefer verseuchte Unterbringung machen ihr und ihren Kameradinnen das Leben schwer. Eine Schwester im Krankenbau ist es, der ihr noch vorhandenes rotes Haar auffällt und sie schlägt Colette als Prostituiert in den neu eingerichteten Lagerbordellen vor. Für Collette verbessert sich im ersten Moment in jedem Fall die Verpflegung und die hygienischen Bedingungen.
Sie tritt die “neue” Zwangsarbeit im Sonderbau des KZ Buchenwald an. Dort ist sie nichts weiter als eine günstige Matratze für die gefangenen Männer, sieht aber auch ihren Bruder und eine verloren geglaubte Freundin wieder.
Colette hilft wo sie kann, versucht ihre eigene Würde nicht zu verlieren und hofft, dass sie und ihr liebe Menschen das Kriegsende noch erleben dürfen.
Fazit: Auf dem Titelbild sieht man eine Frau von hinten, wie sie durch eine Gasse läuft. Rechts und links das sollen mit Sicherheit die Baracken darstellen, aber man sieht ganz genau, dass dieses Bild definitiv nicht aus einem Konzentrationslager stammt und mit Sicherheit irgendwie erstellt worden ist, um ein halbwegs passendes Motiv zu haben.
Mir persönlich ging es aber nie um das Cover, sondern den Inhalt dieser Story, da ich unbedingt wissen wollte, wie es mit Colette weiter geht.
Die Story knüpft in jedem Fall an den vorhergehenden Band nahtlos an. Die Warnung, dass man den ersten Band kennen sollte, will man diesen Stoff hier gut verstehen, hat also durchaus seinen Sinn und seine Berechtigung. Der Weg der Winzertochter Colette, die unbeabsichtigt und vollkommen unbedarft in die Mühlen der SS geraten ist, nimmt hier seinen schicksalhaften Weg weiter.
In jedem Fall ist diese Colette nur zu bewundern. - Ja klar, es hat diese Person im wahren Leben nie gegeben, das wird am Ende des ersten Bandes betont. Aber fest steht, dass es für eine Frau durchaus so gewesen sein könnte. - Colette jedenfalls beweist auch in den Konzentrationslagern einen ungebrochenen Willen. Sie ist nach wie vor bereit, ihr eigenes Denken und Handeln zu hinterfragen, ihre Einstellungen zu ändern und sich am Ende dann doch dem Widerstand anzuschließen. Wenn auch auf ihre eigene Art und Weise.
Die Zustände in dem Häftlingsbordell werden in jedem Fall schonungslos ehrlich, aber so vorsichtig wie möglich beschrieben. Zwar wird hin und wieder klar, dass auch dieses “Kommando” für die Frauen kein Zuckerschlecken war, aber dennoch hatten sie es vergleichsweise gut, zu denen, die vielleicht in irgendwelchen Fabriken oder Steinbrüchen schuften müssten. - Wenn man allein von der medizinischen Versorgung hört, welche die Frauen bekommen haben, haben sie ja fast schon im Luxus gelebt. Auch wenn es schon irgendwie blöd war, dass sie keine Verhütungsmittel bekommen haben. So hätte man die Mädchen wohl noch am ehesten gesund erhalten können.
Bis zum Ende hin war mir nicht klar, wie die Sache ausgehen sollte und so kam das Ende der Story für mich dann doch sehr überraschend. Viele weitere Geschichten von eventuellen Begleiterinnen bleiben hier auf der Strecke und werden nicht weiter beleuchtet. Wobei es hier schon interessant gewesen wäre, wie die Sache ausgegangen ist.
Der Text dieser Story kommt ohne große Effekthascherei aus. Einfach nur die nackten Tatsachen aus Lageralltag und Gedankengängen der Betroffenen, sind schon Stoff für schauderhafte Eindrücke genug.
Die Sprecherin rundet den Text durch ihre angenehme Art zu Lesen noch ab und hat mir den hier gehörten Stoff tief in meine Eindrücke gebrannt. - Ich hatte stellenweise ein wirklich übles Kopfkino vor meinem geistigen Auge und glaubte, dass auch mich die Flöhe beißen und es mich am ganzen Körper juckt. Die Lauflänge ist angenehm und bietet Zeit und Raum genug, alles so eindringlich wie nötig und so sparsam wie möglich zu erzählen. Ich hatte hier keine Längen, in denen mal nichts geschehen ist und oder wo es anderweitig langweilig gewesen wäre. Gerade, wenn sich die mitspielenden Charaktere unterhalten konnte man sehr gut zwischen den Zeilen lesen und so noch mehr aus dem Stoff herausholen.
Frau Lotter hat auch mit diesem Roman wieder ein Stück Zeitgeschichte, eine weitere Ungerechtigkeit, thematisiert und durch einen Charakter lebendig gemacht. Sie sagt gleich, dass es diese Colette so nicht gegeben hat, aber ich kann mir eben immer wieder gut vorstellen, dass die betreffende Frau vielleicht anders hieß und es einen ähnlichen Fall wirklich gegeben hat.
Ich kann dieses Buch jedem ans Herz legen, der den ersten Teil bereits kennt. Ohne den ist die komplette Tragweite leider nicht vollumfänglich begreifbar. Aber in jedem Fall ist alles sehr gut erzählt und ergreifend.