Cornelia Lotter Abgeschossen

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Inhaltsangabe zu „Abgeschossen“ von Cornelia Lotter

Die 40-jährige Journalistin Karen Mohn reist 1998 in ihr Heimatdorf in der Nähe Weimars, um an der Beerdigung ihres Vaters teilzunehmen. Bei der Auflösung des Hausstandes findet sie einen Fliegerring und amerikanische Fliegerkarten sowie einen Brief. Was hatten ihre Urgroßväter mit den Lynchmorden an abgeschossenen amerikanischen Bomberpiloten während der letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges zu tun? Stück für Stück forscht Karen mit Hilfe der Dorfchroniken, die ihr Urgroßvater väterlicherseits geschrieben hatte und den Erzählungen von Zeitzeugen nach dunklen Flecken in ihrer Familiengeschichte. Und sie stößt auf ein Geheimnis, das die Grenzen zwischen persönlicher Schuld und Unschuld verschwimmen lässt. Für Karen steht am Ende ihrer Recherchen eine Entscheidung, die ihr ganzes bisheriges Leben auf den Kopf stellt.>br<>br< Ein Buch über das Erinnern und Verdrängen, über kollektive und individuelle Schuld.
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    Abgeschossen

    monja1995

    05. May 2015 um 20:01

    Klappentext: Die 40-jährige Journalistin Karen Mohn reist 1998 in ihr Heimatdorf in der Nähe Weimars, um an der Beerdigung ihres Vaters teilzunehmen. Bei der Auflösung des Hausstandes findet sie einen Fliegerring und amerikanische Fliegerkarten sowie einen Brief. Was hatten ihre Urgroßväter mit den Lynchmorden an abgeschossenen amerikanischen Bomberpiloten während der letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges zu tun? Stück für Stück forscht Karen mit Hilfe der Dorfchroniken, die ihr Urgroßvater väterlicherseits geschrieben hatte und den Erzählungen von Zeitzeugen nach dunklen Flecken in ihrer Familiengeschichte. Und sie stößt auf ein Geheimnis, das die Grenzen zwischen persönlicher Schuld und Unschuld verschwimmen lässt. Für Karen steht am Ende ihrer Recherchen eine Entscheidung, die ihr ganzes bisheriges Leben auf den Kopf stellt. Ein Buch über das Erinnern und Verdrängen, über kollektive und individuelle Schuld. Mein Umriss: Als ihr Vater verstirbt, muss Karen Mohn nach Weimar reisen, um sich um die Beisetzung und die Haushaltsauflösung zu kümmern. Während sie die Hinterlassenschaften ihres Vaters durchsieht, stößt sie auf diverse Bilder, einen Brief, Fliegerkarten und einen Fliegerring und beginnt in den Chroniken der damaligen Zeit zu recherchieren. Die Chroniken wurden von ihrem Urgroßvater verfaßt. Darin findet sie diverse Erzählungen der Menschen aus dieser Zeit, sowie auf Dinge der Familiengeschichte, die ihr bislang unbekannt waren. Während ihrer Recherchen stößt sie auf unvorstellbare Dinge und versucht herauszufinden, wo noch Zeitzeugen leben, um mit ihnen darüber zu sprechen. Einen dieser Zeitzeugen findet sie in ihrem ehemaligen Lehrer, dem sie auf den Kopf zusagt, was er für ein Wendehals war. Als dieser vor ihren Augen in Tränen ausbricht, verlässt sie sein Haus. Um sich die Geschehnisse vor ihr geistiges Auge zu rufen, sucht sie die Orte der damaligen Geschehnisse auf und hadert, ihren Großvater immer wieder mit Fragen zu diesem schwarzen Fleck der deutschen Geschichte gelöchert zu haben. Hat ihr ihr Vater verziehen, dass sie zu Zeiten der DDR in den Westen ausreiste? Kann sie ihm nachträglich noch verzeihen, dass er mit ihr brach, weil er ihre Ausreise als Fahnenflucht sah? Sie selbst sieht sich als verbitterte Frau, aber die Verbitterung löst sich langsam von ihr, als sie René, einem ehemaligen Mitschüler über den Weg läuft. Er steht ihr zur Seite, während sie ihre Familiengeschichte aufarbeitet. Ebenso, als es um die Entscheidung geht, wohin ihr Schicksal sie nun führen wird. Mein Eindruck: Ein vom Inhalt gesehen schwieriges Kapitel deutscher Geschichte, von Cornelia Lotter in Szene gesetzt. Aufgeteilt in zwei Handlungsstränge, wobei der eine das Geschehen im Jahr 1998 und der zweite die Jahre 1944/45 zeigt, vermittelt die Autorin das Leben von Karens Eltern in diesen beiden Nachkriegsjahren, die von Entbehrungen und Ängsten geprägt waren, sowie die Nachforschungen von Karen im Jahr 1998. Diese beiden Stränge kommen sich durch die Parallelen in den Erlebnissen der Eltern und der Chroniken in Karens Händen immer näher und fügen sich zum Ende hin zu einem kompakten Ganzen. Die Autorin holt den Leser mithilfe der Protagonistin Karen Mohn ab und entführt ihn nach Weimar und Umgebung, wo Karen aufgewachsen ist und noch während der DDR-Zeit ausreiste. Sie zeigt, wie verbohrt die Menschen teilweise noch so lange nach dem zweiten Weltkrieg waren, am Beispiel von Karens Vater, der seit ihrem Weggang nichts mehr von ihr wissen wollte. Sie zeigt die Ähnlichkeiten zwischen den Nationalsozialisten mit dem DDR-Regime, die vom Volk jedoch nicht wahr genommen wurden, oder nicht wahrgenommen werden wollten. Durch ihre bildhafte Schreibweise kann sich der Leser die Umgebung um Weimar und die dortigen Erinnerungsstätten an den zweiten Weltkrieg vorstellen, als wäre er selber dort. Sehr gut recherchierte Lotter darüber, wie es den Menschen zur Zeit der Befreiung von der Naziherrschaft erging und wie hart die Folgezeit war, in der es an allem, insbesondere am Essen mangelte. Sie zeigt den Starrsinn der Menschen, wenn es darum geht, mit der eigenen Vergangenheit ins Reine zu kommen. Dabei empfindet man dies beim Lesen nicht als Starrsinn, sondern Verletzlichkeit. Sie wollen nicht darüber sprechen, denn das würde verheilt geglaubte Wunden wieder aufreißen. Trotz der Härte des Themas bleibt man an diese Geschichte bis zum Ende hin gefesselt, auch wenn man vielleicht vorher noch der Meinung war, dies nicht lesen zu wollen oder zu können. Mein Fazit: Ein Einblick in die Befreiung von den Nazis und dem Leben in den Nachkriegswirren und der Aufarbeitung eigener Ungerechtigkeit und der anderer, den man unbedingt gelesen haben sollte. Danksagung: Mein herzlicher Dank geht an die Autorin Cornelia Lotter, die mir ihr Vertrauen schenkte und mich für dieses Buch als einen ihrer Testleser auswählte. Ein zusätzlicher Dank in diese Richtung dafür, dass ich das Cover in Verbindung mit der Veröffentlichung meiner Rezension verwenden darf.

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