Cornelia Wend

Lebenslauf von Cornelia Wend

Cornelia Wend, geboren 1965 in Detmold, studierte Französisch und Germanistik in Hannover, Hamburg und Rouen. Seit 1994 arbeitet sie als freie Journalistin und Übersetzerin, u.a. von Elisabeth Filhol, Patrick Pécherot, Paul Colize und Chloé Mehdi.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches 100 Jahre Leben in Farbe (ISBN: 9783954163793)

100 Jahre Leben in Farbe

Neu erschienen am 27.05.2022 als Hardcover bei Frederking & Thaler.

Alle Bücher von Cornelia Wend

Cover des Buches Nichts ist verloren (ISBN: 9783945133538)

Nichts ist verloren

 (5)
Erschienen am 01.11.2018
Cover des Buches Paris, die Nacht (ISBN: 9783945133149)

Paris, die Nacht

 (3)
Erschienen am 01.03.2015
Cover des Buches Back up (ISBN: 9783894018221)

Back up

 (3)
Erschienen am 26.08.2015
Cover des Buches Der Block (ISBN: 9783960540373)

Der Block

 (4)
Erschienen am 01.03.2017
Cover des Buches Der Reaktor (ISBN: 9783894017408)

Der Reaktor

 (6)
Erschienen am 25.05.2011
Cover des Buches Doggerland (ISBN: 9783960542322)

Doggerland

 (3)
Erschienen am 05.10.2020
Cover des Buches Der Mann mit der Bombe (ISBN: 9783945133217)

Der Mann mit der Bombe

 (2)
Erschienen am 01.03.2016
Cover des Buches Der Schutzengel (ISBN: 9783960542247)

Der Schutzengel

 (1)
Erschienen am 02.03.2020

Neue Rezensionen zu Cornelia Wend

Cover des Buches Nimm mich mit ins Paradies (ISBN: 9783945133750)E

Rezension zu "Nimm mich mit ins Paradies" von Estelle Surbranche

Interessanter Krimi mit einigen Schwächen
Elenchen_hvor 2 Jahren

Die Kommissarin Gabrielle Levasseur wird an ihrem neuen Arbeitsplatz in Toulouse mit einer Reihe von Selbstmorden junger Frauen konfrontiert. Sie haben alle etwas gemeinsam: vor ihrem Tod waren sie alle mit dem gutaussehenden, charismatischen doch gleichzeitig höchstmanipulativen und grausamen Mann zusammen. Levasseur und ihr Partner Bonanza machen sich auf die Suche nach dem Mann, zugleich wird Levasseur immer noch von der serbischen Killerin Nathalie gejagt, die in einem Strudel aus Menschenhandel, Drogen und Gewalt gefangen ist.

Tja, mit "Nimm mich mit ins Paradies" habe ich mal wieder einen typischen Bücherwurm-Fehler begangen: das Buch ist der zweite Teil einer Reihe. Dementsprechend war mir der gesamte Erzählstrang um die serbische Killerin Nathalie ziemlich suspekt. Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob ich die Story gemocht hätte, wenn ich Band 1 gelesen hätte, da mir das alles etwas zu grausam und abgefahren war. Natürlich könnte es schon nahe an der Realität dran sein, mir persönlich sind Kriminalromane, die sich aber ausschließlich auf den aufzuklärenden Fall konzentrieren, lieber. In meinen Augen ist dadurch nämlich der eigentliche Fall etwas zu kurz gekommen.

Die Idee, eine Reihe von in den Selbstmord getriebene Frauen zu untersuchen, fand ich sehr interessant. Ich war beim Lesen oft sehr wütend, wie weit es der Verdächtige mit seiner Manipulation und seinen Grausamkeiten getrieben hat und wie hörig ihm diese Frauen trotzdem waren. In Kombination mit Levasseur, die selbst unter zahlreichen gescheiterten Beziehungen zu leiden hat, hat das für mich sehr gut funktioniert. An dieser Stelle rate ich euch dringend, euch keine Beschreibungen des Buches auf Amazon etc. durchzulesen. Dort wird viel zu viel vorgegriffen und sogar der Plottwist am Ende schon verraten! Warum macht man denn sowas?!

Der Schreibstil von Estelle Surbranche war sehr angenehm und flüssig und auch die Länge der Kapitel waren nach meinem Geschmack.

Insgesamt also ein durchwachsenes Lesevergnügen mit durchaus positiven Aspekten, für mich war das Buch aber eher nichts. Ich vergebe 3 / 5 ⭐.

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Cover des Buches Nichts ist verloren (ISBN: 9783945133538)G

Rezension zu "Nichts ist verloren" von Cloé Mehdi

Sollte man lesen! Klasse Noir-Roman
Gwhynwhyfarvor 3 Jahren

»Schließ bloß nie jemand in dein Herz. Früher oder später lassen sie dich alle im Stich.«

Der Leitsatz, der Klappentext. Auf der Beerdigung seines Vaters bekommt der elfjährige Mattia diesen Satz von der Mutter gesagt. Der Vater hatte sich in der Psychiatrie erhängt. Die Mutter gibt Mattia in Pflege, weil ihr alles zu viel wird. Der große Bruder, ein Arzt, nimmt ihn nicht auf und die große Schwester packt ihren Rucksack, verschwindet in die Welt, wohin auch immer. Zé nimmt Mattia auf, denn der hatte dem Vater in der Psychiatrie versprochen, dass er sich um seinen Sohn kümmern werde. Zé, zu er Zeit ist gerade 20, ist es letztlich egal, ob der Junge die Schule schwänzt, er schimpft nur mit ihm, weil er sonst Ärger mit dem Jugendamt bekommen würde. Mattia lebt bei ihm, er bekommt zu essen, Frühstücksflocken, Fastfood oder eben Frühstücksflocken, wenn nichts anderes da ist. Und er wird auch zur Schule gefahren, wenn Zé von der Nachtschicht nach Hause kommt, wird abgeholt, irgendwann, manchmal wartet er über eine Stunde lang in der Kälte. Denn Zé kümmert sich hauptsächlich um Gabrielle, auch eine Psychiatriebekanntschaft. Er liebt sie unendlich, kann nicht verstehen, dass sie einfach Schluss machen will mit ihrem Leben – einfach so, ohne einen triftigen Grund. Aber trotz allem geben die beiden dem Jungen Zuneigung, Halt und Geborgenheit. Es ist ein düsteres Umfeld in den Banlieures von Paris, in dem Mattia aufwächst.

»Wie sehr ich mich auch bemühe, ich kapiere einfach nicht, wie die ticken: Zé, die Erwachsenen, die Welt…Mein Interesse an diesem Universum nimmt von Jahr zu Jahr ab, scheint mir. Wenn das in diesem Tempo weitergeht, dann bin ich in zwei Jahren nur noch eine leere Hülle.«

Im Stadtteil sind überall Graffiti auf die Wände gesprüht, neuerdings kommen immer mehr: »Gerechtigkeit für Saïd«. Kurz bevor Mattias Vater in die Psychiatrie eingeliefert wurde, hatte ein Polizist den fünfzehnjährigen Saïd bei einer Ausweiskontrolle erschossen. Es war Mord – sagt man – aber das Gericht hat ihn freigesprochen. Mattia war damals noch klein. Mit den neuen Graffitis taucht auch plötzlich Mattias Schwester auf, die sich seit Jahren nicht gemeldet hatte. Dafür ist die Mutter seit Wochen verschwunden, die er manchmal besuchte. Komische Typen sprechen Mattia vor der Schule an, folgen Zé´s Auto, als er ihn von der Schule abholt.

»Manchmal, wenn ich die anderen Kinder so sehe, dann frage ich mich, ob sie auch schon mal Blut von einer Autorückbank wischen mussten oder nachts verschreckt unter einem Krankenhausbett Wache halten. (…), und dabei das Oberarschloch da oben im Himmel, oder wer auch immer da ist, angefleht haben, allen, die krank sind oder bald sterben werden, einen winzigen Aufschub zu gewähren, nur ein klitzekleines bisschen mehr Zeit zu geben?«

Der elfjährige Mattia erzählt uns seine Geschichte, schaut altklug in die Erwachsenenwelt hinein, denn bei allem, was er täglich sieht, täglich mit dem Tod konfrontiert wird, ist er lange den Kinderschuhen entwachsen. Ein Roman, der einen beim Lesen oft innehalten lässt, tief durchatmen, der einen Sog entwickelt, nicht loslässt. Was ist damals geschehen? Und warum kommt wieder alles hoch, was hat das Ganze mit seiner Familie zu tun? Mattia will es wissen – der Leser auch. Zé, heißt Zéphyr, er war einst ein talentierter Schüler, entstammt einer reichen, bürgerlichen Familie, der Vater ist Staatsanwalt, die Mutter Richterin. Er liest Lamartine, Baudelaire und Camus, gibt sie auch Mattia zu lesen. Warum arbeitet er als Wachmann? Was ist geschehen?

»Schon komisch, ich bin elf und habe längst kapiert, was er mit seinen vierundzwanzig Jahren immer noch nicht kapiert hat: Es ändert sich nie etwas, alles wiederholt sich. Nichts geht verloren, nichts entsteht neu, alles wandelt sich, aber immer auf die gleiche Weise und immer nur für kurze Zeit.«

Hier geht es um Gewalt, Rassendiskriminierung, Chancenlosigkeit, Ohnmacht, Gentrifizierung der Quartiere und ein zweites wichtiges Thema: Schuld und Sühne. Was macht Gewalt aus einem Menschen? Dies ist ein großartiger Gesellschaftsroman und eine Noir-Roman, wie er kaum besser sein kann - ein beeindruckendes Werk, das Cloé Mehdi vierundzwanzig Jahren vorlegte. Zé ist ein Arsch, sagt Mattia immer wieder, wenn er sich über ihn ärgert. Denn er kümmert sich nicht wirklich um den Jungen. Trotzdem liebt Mattia Zé und Gabrielle, denn er weiß, sie würden ihn nie im Stich lassen. Vielleicht Gabrielle, die versucht sich ja dauernd umzubringen. Es gibt eine wundervolle Szene: Das Jugendamt kommt zu Besuch, will prüfen, ob sie Zé die Vormundschaft über Mattia entziehen: Man trifft auf eine aufgeräumte, geputzte Wohnung, einen reichlich gedeckten Tisch mit Tischdecke, es wird zum Frühstück eingeladen. Zé hilft Mattia bei den Hausaufgaben. So hatte er sich eine Familie im Traum vorgestellt. Nichts ist verloren – immer wieder blinzelt die Sonne ins Quartier und eine Portion Humor ist unterlegt, wie soll es auch anders sein, aus der Perspektive eines Kindes. Eine Sprache, die das Herz des Lesers berührt, schnörkellos, mit tiefen Einsichten, Protagonisten feingezeichnet, lebensecht.

Der Roman wurde mit Preisen überschüttet – zu Recht!. Cloé Mehdi wurde im Frühjahr 1992 geboren. Während des Studiums begann sie zu schreiben, um sich die Zeit zu vertreiben. Ihr erster Roman, »Monstres en cavale«, wurde mit dem Prix de Beaune 2014 ausgezeichnet. Für »RIEN NE SE PERD« (Nichts ist verloren) erhielt sie den PRIX FRANCE BLEU POLAR POCHE 2018, den TROPHY 813 DU MEILLEUR ROMAN FRANCOPHONE 2017, den PRIX MILLE ET UNE FEUILLES NOIRES 2017, den PRIX BLUES & POLAR 2017, den PRIX MYSTÈRE DE LA CRITIQUE 2017, den PRIX ÉTUDIANT DU POLAR 2016 und den PRIX DORA SUAREZ 2017.

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Cover des Buches Nichts ist verloren (ISBN: 9783945133538)H

Rezension zu "Nichts ist verloren" von Cloé Mehdi

Suche nach der Wahrheit in der Banlieu
Haversvor 4 Jahren

Eine Wohlfühllektüre ist „Nichts ist verloren“ absolut nicht, aber das ist auch nicht das, was ich von den Büchern des Polar Verlags erwarte. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete zweite Roman der Autorin Cloé Mehdi lenkt einmal mehr unseren Blick auf das Leben in den französischen Vorstädten, den Banlieu, Heimat für Migranten und Abgehängte. Problemviertel nennt die Politik das gerne, nicht wahr haben wollend, dass sie es ist, die diese Probleme befeuert. Die Lebensumstände sind schlecht, es fehlt an Perspektiven, Polizeigewalt ist allgegenwärtig. Und doch ist es Heimat.

Les Verrières. Hier lebt der elfjährige Mattia mit seiner Ersatzfamilie. Vater tot, Mutter weg, Bruder weg, Schwester auch nicht präsent. Sein Vormund Zé und dessen suizidgefährdete Freundin Gabrielle taugen auch nicht wirklich als Vorbilder, und eine Ahnung von  familiärer Geborgenheit vermitteln sie dem Jungen nur dann, wenn die Vertreterin des Jugendamtes mal wieder ihren üblichen Kontrollbesuch macht. So schlecht seine Lebensumstände auch sein mögen, vermitteln sie dem Jungen doch ein Gefühl von Stabilität. Aber auch das gerät ins Wanken, als in dem Viertel Parolen an den Wänden auftauchen, die Gerechtigkeit für Said fordern, einen vor vielen Jahren von der Polizei erschossenen Jungen. Ein Tod, der unmittelbare Auswirkungen auf Mattias Leben hatte, denn sein Vater fühlte sich verantwortlich und brach unter dieser Last zusammen. Es folgte die Einweisung in die Psychiatrie und schließlich dessen Selbstmord. Mattia begibt sich auf Spurensuche, will herausfinden, was damals wirklich mit seinem Vater geschehen ist, warum er sich Saids Tod so zu Herzen genommen hat und er mit der Schuld nicht mehr leben konnte. Doch offenbar passt dieses Herumschnüffeln manchen nicht in den Kram.

Mattia ist der Ich-Erzähler, aus dessen Perspektive der Leser einen Blick auf dessen Leben in der Banlieu wirft. Bisweilen kommt der Elfjährige ziemlich altklug daher, wirkt recht abgebrüht, musste früh erwachsen werden. Aber da sind auch seine Ängste, die Zweifel, die er hat, das Gefühl der Isolation. Zeigen würde er das nie, könnte ihm ja als Schwäche ausgelegt werden. Dann doch lieber mit einer flapsigen Bemerkung darüber hinweggehen.

Es ist das Bild einer kalten, dunklen Gesellschaft, das Mehdi zeichnet. Wo Menschen aus Profitgier aus ihren Viertel vertrieben werden sollen. Einer Gesellschaft, in der Gewalt an der Tagesordnung ist. Wo Mitgefühl ein Fremdwort ist. Einer Gesellschaft, die allen alles abverlangt. Wo es aber dennoch für den einen oder anderen so etwas wie einen Hoffnungsschimmer gibt. All das vermittelt die Autorin dem Leser in einer klaren, nüchternen und präzisen Sprache ohne Drumherumgerede in einem Roman, der lange nachhallt.

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