Corrado Augias

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Autor von Die Geheimnisse des Vatikan, Die Geheimnisse Italiens und weiteren Büchern.

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Die Geheimnisse des Vatikan

Die Geheimnisse des Vatikan

 (4)
Erschienen am 31.10.2012
Die Geheimnisse Italiens

Die Geheimnisse Italiens

 (1)
Erschienen am 16.01.2017
The Secrets of Italy

The Secrets of Italy

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Erschienen am 01.04.2014
The Secrets of Rome

The Secrets of Rome

 (0)
Erschienen am 01.04.2014
Il lato oscuro del cuore

Il lato oscuro del cuore

 (0)
Erschienen am 01.09.2014

Neue Rezensionen zu Corrado Augias

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Rezension zu "Die Geheimnisse Italiens" von Corrado Augias

Spüren der „Seele“ eines Volkes
michael_lehmann-papevor 5 Jahren

Spüren der „Seele“ eines Volkes

Vorweg gesagt, dies ist kein Roman, sondern eine Sammlung von elf Essays, in denen Augias in eleganter, verständlicher und wunderbar daher fließender Sprache dem Leser mittels ausgewählter Literatur, Einblick in die Geschichte mancher Städte und angehaftet an konkreten Persönlichkeiten dem Leser einen tiefen Einblick in die Mentalität Italiens gibt.

„Eine Reise durch Raum und Zeit“, in der Augias immer wieder „Archetypen“ des Landes und der „Lebensform“ vor Augen führt, die sich auch in der Literatur Bahn gebrochen haben.

Nicht umsonst legt Augias dem Leser realativ zu Anfang zwei zentrale Romane Italiens in ihrer Verwobenheit in „das wahre Leben“ vor Augen. Ein „Blick von Innen“, wie er emotional verständlicher nicht sein könnte, um die „Seelen“ vor Augen zu führen.

De Amicis „Herz“ und D´Annunzios „Lust“.

Das eine ein Volksroman des „bürgerlichen“ Italiens mit einer Vielzahl von Personen, welche die verschiedenen Facetten dieser Welt im Land von allen Seiten widerspiegelt. Der „Geist“ der guten Absichten, das politisch Korrekte, der bürgerliche Fleiß. Manchmal ein wenig „blutleer“ und langweilig, was für so manch andere Bewohner des Landes als „No Go“ gilt.

Das andere der Roman der lebensverschlingenden Seite Italiens. Der hedonistischen „Schicht“, der in aller Offenheit diese Lust an der Liebe, am Leben, dieses wankende und schwankende an Trieben und Emotionen bestens auf den Punkt bringt.

Das Land der „Varietekünstler“, der Schamlosen, die über ihre Verhältnisse beständig leben, flüchtige Affären, geraubter Sex, schnelles Lachen, lockere Zunge, „sie wollen Regeln, wir wollen Freiheit“.
Auch eine faszinierende Seite des Lebens (wie sonst wäre die lange Amtszeit Berlusconis zu erklären). Eine Seite, die natürlich öffentlichkeitswirksam im Raum steht, welche die „bunten Seiten“ zu Hauf füllt, dennoch aber nicht die „Mehrheit“ darstellt.

Archetypen zweier Seiten des Landes, das einerseits von Gott „sonnig“ geküsst und kulturell weit herausgehoben vor Augen steht, dass mehr Genies, Künstler, „Seelenmenschen“ wie Franziskus hervorgebracht hat als die meisten anderen Nationen, und das andererseits in sich nie wirklich geeint sich gefunden hat. „Zur Revolution nicht fähig ist“, sondern nur zu kleineren Aufständen, weil der Mut vielleicht fehlt, die Bereitschaft, sich zu opfern oder überhaupt sich Schmerzen zuzufügen. Als „feige“ geltend, und doch zu heroischen Taten auch militärisch in der Lage gewesen. Land der Gegensätze und Widersprüche, ohne Frage

„Alle Vorzüge und Fehler des Landes liegen offen zutage und im Übrigen tun auch die Italiener selbst nichts, um sie zu vertuschen. Das gilt vor allem für die Fehler“.

Eine Bandbreite zwischen Michelangelo, Franziskus und Berlusconi, zwischen „den Tag dahin streichen lassen“ und „Welt-Kunst“, hinter der vor allem Disziplin steckt. Zwischen schnell aufstecken (der Fall Venedigs) und konsequent durchhalten (Galileo). Zwischen Leonardo da Vinci und der Mafia, samt wiederum der mutigen und tapferen Richter, Staatsanwälte und Polizisten, die dagegen unter Lebensgefahr angehen.

Ein Land zwischen industrialisiertem, bürgerlichem Norden (mit der „Hauptstadt“ Mailand) und „Dolce Vita“ (mit der „Hauptstadt“ Rom) und lange Zeit mit vom Orient geprägten Mentalitäten in Sizilien.

Eine Mischung „hunderter Kulturen und Völker“, die es unmöglich macht, von „dem Italiener“ und „dem Italien“ letztgültig sprechen zu können.

Eine rationale Einordnung entzieht sich dem Betrachter und so wählt Augias zwar den rationalen Zugang, vollzieht diesen aber auf der bestmöglichen Ebene für den Leser: Indem er Assoziationen, Emotionen und Wiedererkennungswerte in hoher Zahl wachruft.

Eines wird ganz deutlich im Lauf der Lektüre: Dieses Vorurteil „von außen“, Italien wäre „die Krone der Schöpfung“, der Italiener aber misslungen, „kriminell und schmutzig, korrupt und faul“ kann natürlich nicht sein.
Denn: „die Italiener“ haben Italien geformt in all seinen Widersprüchen und dramatischen historischen Momenten und wiederum hat die Geographie den Menschen mit geformt.

Ein gegenseitiges Bedingen und ein allseitiges „sich reiben“, aber auch befruchten, welches Augias wunderbar je auf den Punkt bringt.

Wer sich in Italien vertiefen möchte, sich hier und da in dieser kaum fassbaren, prallen Vielfalt an Kultur, Geschichte und Mentalität bereit ist, zu verlieren, der ist mit diesem hervorragend geschrieben und sachlich fundierten Buch bestens bedient.

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Rezension zu "Die Geheimnisse des Vatikan" von Corrado Augias

Rezension zu "Die Geheimnisse des Vatikan" von Corrado Augias
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

Neverending Story

Was ist nicht alles schon in den letzten Jahrhunderten über die katholische Kirche mit ihrem Zentrum in Person der Päpste und im Ort des Vatikan geschrieben worden. Thriller, Lobpreisungen, Sachbücher, kritische Auseinandersetzungen, Hasstiraden, mystisches und politisches. Wohl kaum eine Institution und kaum eine Religion polarisiert auf dieser Welt schriftstellerisch in gleicher Weise wie der Katholizismus mit seinen Dogmen, seiner Inquisition, seinen geheimnisvollen und verschwiegenen (auch finanziellen) Wegen und seinen, immer wieder mythisch-spanennden „Geheimarchiven“.

In diesem Reigen der Veröffentlichungen gedenkt Corrado Augias einen besonderen Akzent nun zu setzen. Wie der Titel des Buches verrät, will er, als intimer Kenner, den Geheimnissen des Vatikan auf die Spur kommen, quasi auf leisen Sohlen durch die altehrwürdigen Gänge schleichen und den Leser dabei mitnehmen.

Sicher rekurriert er dabei im Buch auf einige der dunklen Kapitel gerade auch der neueren Geschichte der römischen Kirche. Er macht keinen Bogen um die unleidliche Haltung den Juden gegenüber im zweiten Weltkrieg, er verweist intensiv auf die finanziellen Verwicklungen des Vatikan, die gerade in Bezug auf einen Einbruch in die Vatikanbank überdeutlich in den Raum treten. Und ja, er führt ein in die Privatgemächer der Päpste und beleuchtet noch einmal die (ebenfalls unrühmliche und rein machtpolitisch orientierte) Mitwirkung der Päpste bei der Zerschlagung des Templerordens (an sich schon Stoff für unzählige mystisch angehauchte Bücher). Im letzten Kapitel führt er zudem vor Augen, wie weit die Ränkeschmiede und die Verzahnung des ultra-konservativen „Opus Dei“ im Vatikan der Gegenwart sich Raum greift.

Vielfache Fäden, die Augias in unterhaltsamer und gefälliger Sprache zentriert in seiner grundsätzlich kritischen Anfrage an die Verfassung einer Religion als „Staatsgebilde“ auffädelt. Hierin sieht Augias die Wurzel (allen?) des Übels der Grausamkeiten und machtpolitischen Verflechtungen des Vatikans, in der Austarierung einer „geistlichen Aufgabe“ und der „politischen Natur eines Staates“. Eine Verflechtung, die bis heute, folgt man den Gedanken Augias, nicht aufgehört hat, die „alte, nie widerrufene Idee der politischen Vormachtstellung“ des Vatikan gegenüber der Welt zu verfolgen.

Hierbei legt Augias seine Finger weniger in schwärende Wunden, eher beschreibend folgt er seinen diversen „Geschichten“ und versucht nicht zwanghaft, aus all diesen abzuleiten, dass politisches Machtstreben sich mit einer Religion kaum vereinen lässt. Hintergründig aber schwingt diese Grundannahme beständig im Buch mit. Ein durchaus schlüssiger Gedanke, übrigens, der durch die Darstellungen im Buch fundiert belegt wird. Ebenso bietet das Buch eine interessante Zusammenstellung verschiedener Umstände, Geschehnisse und Ereignisse über die Jahrhunderte hinweg, die allesamt durchaus interessant zu lesen sind.

Das Buch krankt allerdings an anderer Stelle, nämlich in der Lücke zwischen Anspruch und, allein schon durch den Titel, in den Raum gesetzter Erwartung und dem, was wirklich nachzulesen ist. „Geheimnisse“ nämlich (Enthüllungen, Empörendes, gänzlich Unbekanntes) finden sich nicht im Buch. Alle Informationen, die Augias nutzt, sind nachlesbar. Entweder jüngeren Datums in der Presse und diversen Veröffentlichungen oder in historischen Fachbüchern vielfacher Natur. Gut recherchiert und geschickt zusammengestellt, ja. Neues, geheimnisvolles, unbekanntes, nein.

Das Buch eignet sich als interessante historische Lektüre und Zusammenstellung bisher eher getrennt vorliegender Ereignisse. Eine wie immer geartete Erwartung der Offenlegung von „Geheimnissen“ und verborgenen Ränkeschmieden aber wird das Buch nicht gerecht. Augias reiht sich so ein in die unübersehbare Phalanx von Autoren, die sich dem unerschöpflichen Thema einer 2000jährigen Institution nähern. Wobei er beileibe keine schlechte Annäherung vorlegt.

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Rezension zu "Die Geheimnisse des Vatikan" von Corrado Augias

Rezension zu "Die Geheimnisse des Vatikan" von Corrado Augias
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

Geschichte, Schauplätze und Personen einer Jahrtausendmacht!

Der Klappentext lautet:
„Mit Corrado Augias betritt der Leser den Vatikan durch die Hintertür: Der Autor führt ihn in die Privatgemächer der Päpste, findet in dunklen Winkeln Spuren vergangener Skandale, durchleuchtet ungeklärte Vorfälle bei der Schweizergarde und der Vatikanbank, besucht die Zentrale des Opus Dee, fragt nach der Rolle des Papstes während des Zweiten Weltkriegs und entdeckt die geheime Botschaft großer Kunstwerke.“

Das stimmt ja einigermaßen, also man wandert durch die Privatgemächer, durchleuchtet ungeklärte Vorfälle der Schweizergarde und der Vatikanbank, besucht Opus Die und fragt nach der Rolle des Papstes während des Zweiten Weltkriegs, aber nicht durch die Hintertür, denn die meisten der hier dargestellten Informationen sind auch öffentlich zugänglich.

Es werden sehr viele interessante historische Ereignisse dargestellt, aber das wohl wichtigste historische Ereignis, meiner Meinung nach der Zweiten Weltkriegs und der Nationalsozialismus, wird auf nur knapp 30 Seiten erläutert. Schade, da es für das moderne Kirchenbild von so großer Wichtigkeit ist.

Der italienische Untertitel „Geschichte, Schauplätze und Personen einer Jahrtausendmacht“ passt viel besser als der deutsche Untertitel „Eine andere Geschichte der Papststadt“. Insgesamt recht gut, aber dennoch hätte man wohl daran arbeiten müssen und das eine oder andere Kapitel komplett streichen können, um andere Kapitel ausführlicher gestalten zu können.

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