Vor Jahren oder besser Jahrzehnten war das Internet noch anders: Man nutzte (verschiedene) Suchmaschinen, die einem Ergebnisse lieferten, nach denen man gesucht hatte. Doch das änderte sich und so lief es fast überall. Nur ein Gefühl oder Tatsache? Dieser Frage geht Cory Doctorow in „Enshittification“ nach.
Nach einer kurzen Einleitung, worum es bei dem Buch gehen soll, widmet sich dessen Autor dem ersten Teil, dem natürlichen Krankheitsverlauf. Dieser Teil ist immer gleich aufgebaut und geht der Reihe nach verschiedene große Portale durch. Im zweiten Teil geht es um die „Pathologie“, also welche Formen der Disziplinierung es gebe. Im dritten Teil geht es um die Epidemiologie (begonnen beim Ende des Wettbewerbs über Diskriminierungen bis zu Gewerkschaften), all das vorgestellt an diversen Apps und im vierten Teil geht es um die Heilung (hier geht es weitgehend um Regulierungen, Gesetze usw.). Im Fazit geht es schließlich noch um die Frage, ob Enshittification letztlich nur Kapitalismus sei. Die Erläuterungen im Anhang verleihen dem Buch einen wissenschaftlichen Anstrich.
Auch wenn es oben hieß, dass es im Buch um die Frage gehe, ob das Internet schlechter werde, ist festzuhalten, dass Doctorow faktisch die These aufstellt und das belegt, verglichen mit dem sehr treffenden Bild von Krankheiten, deren Verlauf sowie weiteren „Folgen“. Mit seinen Analysen belegt er, dass es eben nicht nur „so ein Gefühl“ ist, dass sich die Machtverhältnisse im Internet verschoben haben. Er erläutert zugleich aber auch, dass jeder Nutzer großer monopolistischer Portale Teil des Problems ist und einen Beitrag zur Problemlösung leisten kann. Damit erhält man nicht nur die Analyse, sondern auch Lösungsansätze. Ob seine Idee eines durch verändertes Verhalten wieder besseres Internet als blauäugig zu bezeichnen ist, sei dahingestellt (dass die Masse quasi anlasslos ihr Verhalten verändert, darf wohl bezweifelt werden, zumal sie gerade der nächsten heiligen Kuh hinterherrennt) und ob bei einer Rückkehr zur „guten alten Zeit“ alles besser wäre, ebenso. Dennoch hält Doctorow uns einen Spiegel vor und das ist gut. Ganz im Stile angloamerikanischer Populärwissenschaftsliteratur liest sich das Buch leicht, ist gar unterhaltsam (wer mit dem Ausdruck „Sch…“ nicht klarkommt, sollte das Buch jedoch meiden). Lesen sollte „Enshittfification“ jede(r), der das Gefühl hat, dass Internetkonzerne sich die Welt gestalten, wie es ihnen gefällt.
























