Craig Malkin

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Der Narzissten-Test

Der Narzissten-Test

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Erschienen am 21.03.2017

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Rezension zu "Der Narzissten-Test" von Craig Malkin

Narzissmus als "Drang, sich als etwas Besonderes vorzukommen"
R_Mantheyvor 2 Jahren

Nimmt man diese sehr schwache Definition zum Ausgangspunkt, dann wird sofort klar, dass es sich bei diesem Werk keineswegs um ein Fachbuch handeln kann, denn diesen Drang kennen wohl die meisten Menschen, ob sie das nun zugeben wollen oder nicht. Insofern sind wir dann halt alle Narzissten. Die einen weniger, die anderen mehr.

Klinische Psychiater werden bei dieser Definition wohl den Kopf schütteln, denn sie behandeln Narzissmus als eine Krankheit des Geistes. Man muss dieses Buch jedoch deshalb nicht gleich in Bausch und Bogen ablehnen. Dem Autor geht es um ein anderes Publikum als seine Berufsgenossen. Er möchte das ganze Spektrum menschlichen Verhaltens abbilden, in dem auch der „pathologische Narzissmus“ am Ende einer Skala vorkommt, in deren Mitte der ganz normale, nicht gestörte Mensch steht.

Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass mich der Autor zunächst nicht nur mit dieser schwachen Definition von Narzissmus ziemlich verwirrt hat, sondern auch mit nachfolgend im Text ständig zu findenden Adjektiven, mit denen er Narzissmus belegt. Da wären beispielsweise: gesunder und ungesunder Narzissmus, extremer, dunkler, destruktiver, extrovertierter, introvertierter, subtiler, zentrierter, sozialer, krankhafter, pathologischer Narzissmus. Wissenschaftlichkeit klingt anders, weil all diese Zusätze gar nicht näher definiert werden. Was also soll man sich dann darunter vorstellen? Hinzu kommt noch, dass Malkin sehr oft das Wort Narzissmus negativ besetzt, aber gleichzeitig erklärt, dass wir irgendwie alle Narzissten wären.

Kurz gesagt: Man muss sich davon nicht verwirren lassen und dem Text eine Chance geben. Dies ist nämlich ein Buch für Menschen des Alltags, die sich mit dem Narzissmus-Problem praktisch auseinandersetzen müssen. Vielleicht weil ihr Partner einen hohen Wert auf der Malkin-Skala besitzt. Oder ihr Chef, was so selten wohl nicht vorkommt. Es lohnt sich tatsächlich das Buch bis zum Ende zu lesen, wenn man sich in einer solchen Situation befindet.

Am Ende des in der Tat reichlich verwirrenden ersten Teils findet man den versprochenen Narzissmus-Test. Nachdem ich ihn mehrfach mit anderen Menschen durchgeführt habe, brachte er mir das Buch näher. Denn in der Tat entlarvt dieser Test, den man auch erst hinterher versteht, den Grad von Narzissmus (nach der Definition des Autors) ungewöhnlich gut. Es geht dabei auch um die linke Seite des Malkin-Spektrums, um die sogenannten Echoisten, also das blanke Gegenteil von schlimmen Narzissten. Echoisten (dieses Wort bezieht sich auf die tragische Geschichte zwischen Narziss und Echo) besitzen bei Malkin Werte von Null oder Eins, pathologische Narzissten von Neun oder Zehn.

Nachdem ich diesen Test verstanden hatte, konnte ich mich mehr für dieses Buch öffnen. Im Weiteren geht es Malkin nämlich um das Entstehen von „gesundem und ungesunden Narzissmus“ (Teil 2) und darum, wie man „ungesunden Narzissmus“ bei sich oder anderen erkennt und „bewältigen“ kann (Teil 3). Im letzten Teil schließlich lernt man, wie man „gesunden Narzissmus“ fördern kann.

Für Betroffene, und das dürften nicht wenige Menschen sein, wird sich der dritte Teil als besonders lehrreich erweisen. Dort nämlich zeigt Malkin, welche Strategien tatsächlich helfen. Hat man einen narzisstischen Chef, dann dürfte eine Konfrontation im üblichen Sinne oder gar eine Beschwerde an höherer Stelle genau das Gegenteil von dem bewirken, was man gerne möchte. Die von Malkin zitierten Statistiken aus den USA sind geradezu erschreckend.

Glaubt man ihm, dann gibt es einen Weg, um Narzissten zu einem anderen Umgang mit ihren Mitmenschen zu bewegen. Es gilt deren verschüttete Empathie zu fördern. Das ist jedoch für wirklich Betroffene, die oft mit den Nerven am Ende sind, ein schwerer Weg. Denn es wird von ihnen verlangt, dass sie gerade dem eine Brücke bauen sollen, der ihnen ständig das Leben schwer macht. Sie, die selbst einen Therapeuten brauchen, sollen den Therapeuten ausgerechnet für den bilden, der sie tyrannisiert. Studien (immer ein sehr dehnbarer Begriff) sollen zeigen, dass nur dieser Weg zum Erfolg führt. Oder eben ein konsequenter Bruch mit der Situation, was auf Scheidung, Kündigung oder andere drastische Maßnahmen hinauslaufen würde.

Nachdem ich mich mit der Definition und dem Begriffswirrwarr des Autors schon etwas genervt auseinandergesetzt hatte, begriff ich erst am Ende des ersten Teils, worauf es Malkin ankommt. Dann aber kam es zu schon nicht mehr erwarteten Lerneffekten. Man muss sich also auf die Malkin-Skala und seine Herangehensweise an den eigentlich anders definierten Begriff des Narzissmus einlassen, wenn man etwas aus diesem Buch für sich mitnehmen möchte. Dann aber hat es einiges zu bieten.

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