Cristina De Stefano

 4,7 Sterne bei 26 Bewertungen
Autor*in von Skandalös, Kinder als Lehrer und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Cristina De Stefano ist Journalistin und Autorin. Sie lebt in Paris und arbeitet als Literaturscout für große Verlage auf der ganzen Welt. Für ihre Biographie über die 2006 verstorbene italienische Journalistin Oriana Fallaci erhielt sie große Anerkennung.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Cristina De Stefano

Cover des Buches Skandalös (ISBN: 9783442718047)

Skandalös

(14)
Erschienen am 13.01.2020
Cover des Buches Kinder als Lehrer (ISBN: 9783442718269)

Kinder als Lehrer

(11)
Erschienen am 09.11.2021
Cover des Buches Oriana Fallaci (ISBN: 9783442714162)

Oriana Fallaci

(1)
Erschienen am 12.09.2016

Neue Rezensionen zu Cristina De Stefano

Cover des Buches Skandalös (ISBN: 9783442718047)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Skandalös" von Cristina De Stefano

Trishen77
Spannende Kurzportraits

Unter „Skandalös“ darf man sich keine zusammenhängende Erzählung über außergewöhnliche Frauen im 20. Jahrhundert vorstellen. Vielmehr enthält dieser Band zwanzig sechs- bis achtseitige Portraits, in denen die Leben von Künstlerinnen, Schauspielerinnen und anderen eigenwilligen Frauen-Persönlichkeiten des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts knapp und rasant geschildert werden.

Verbinden tut diese Frauen, dass sie sich zumeist den gängigen Vorstellungen ihrer Zeit und ihres Umfelds widersetzten, herausragende (und oftmals im Nachhinein viel zu wenig gewürdigte/bekannte) Leistungen in ihren Betätigungsfeldern vollbrachten und nicht selten mit ihrem exzentrischen Verhalten in die Geschichte eingingen – auf die Beschreibung der Vorlieben und exzentrischen Züge legt De Stefano bei den meisten ihrer Portraits besonderen Wert, wohl auch, um den Untertitel zu rechtfertigen.

Die Portraits bekommen dadurch (und durch ein manchmal etwas ausuferndes Name-dropping) etwas sehr Anekdotisches, was zwar Bewunderung und Staunen hervorruft, auch Begeisterung, aber hier und da ein bisschen zu wenig Raum für die inneren Züge der jeweiligen Persönlichkeiten lässt, die zwar gut umrissen werden, teilweise auch gekonnt, aber manchmal auf einen Konflikt, ein Problem heruntergebrochen werden, was ein bisschen nach mustergültiger Tragik schmeckt.

Dennoch: es sind durchweg spannende Persönlichkeiten, die geschildert werden. Natürlich kannte ich die weitgereiste Autorin Annemarie Schwarzenbach, die Romane von Marguerite Duras, die einzigartige Geschichte von Nina Simone, die unnachahmlich-unterschätze Clarice Lispector, die tragische Geschichte von Else Lasker-Schüler, aber viele der anderen Namen und Biografien waren mir fast oder gänzlich unbekannt.

Gleich zu Anfang geht es um Mina Loy, eine besonders provokante Dichterin, dann um Lydia Cabrera, die unermüdlich die Religionen und Riten der Afroamerikaner*innen erforschte, Niki de Saint Phalle, die bekannt wird, weil sie auf ihre eigenen Gemälde mit einem Gewehr schießt und später mit ihren Nanas berühmt wird, Toto Koopman, exotische Schönheit & Model, aber auch Kriegsgefangene, Galeristin, Kunstsammlerin, dann die permanent ihre Persönlichkeiten wechselnde Claude Cahun, Fotographie-Pionierin, die im zweiten Weltkrieg mit ihrer Geliebten die deutschen Besatzer auf Jersey narrte, die schlagfertige Tallulah Bankhead, Theaterkoryphäe, bekannt für ihre Sprüche, ihre Drogen und ihre vielen Liebhaber*innen, die Autorin Pearl S. Buck, Nobelpreis- und Pulitzer-Preis-Trägerin, Chinakennerin und Amerikahasserin, fast vergessen, Nahui Ollin, die sich selbst zur Kunstfigur stilisierte und immer jeder Emotion nachgab, gleichzeitig malte und dichtete, Grace Metalious, Autorin des Skandalromans und Mega-Bestsellers „Die Leute von Peyton-Place“, Louise Bourgeois, die auf dem Gebiet der Kunst-Installation Vorreiterin war und in ihrem Werk weibliche und männliche Geschlechtlichkeit verschmolz, Albertine Sarrazin, eine Art weibliches Pendant zu Jean Genet, Tove Jansson, Schöpferin der Mumins, Jean Rhys, die ein Leben lang ihrer ersten Liebe nachtrauert, Violet Trefusis, Geliebte von Vita Sackville-West und Vorbild für Virginia Woolfs Orlando und Elsa von Freytag-Loringhoven, die viele Kunstformen und Moden lange vor ihrer Etablierung prägte.

„Skandalös“ ist zwar kein revolutionäres Werk, aber doch eine lohnende und dennoch angenehm kurzweilige Lektüre, die viel Bemerkenswertes bereithält und oft zur weitergehenden Auseinandersetzung mit der ein oder anderen „freien“ Frau anregt.

Cover des Buches Skandalös (ISBN: 9783442718047)
S

Rezension zu "Skandalös" von Cristina De Stefano

sbalunzia
Sehr interessant

Ein grossartiges Buch voller faszinierenden, mutigen, starken, kreativen, aber auch gebrochenen, traurigen und traumatisierten Frauen.

Die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise zu inspirierenden Persönlichkeiten wie der Künstlerin Niki de Saint Phalle, die ihr Trauma durch Kunst überwindet und mit ihren Nanas einen bedeutenden Beitrag zur Frauenemanzipation leistet.

Ein weiteres eindrucksvolles Porträt ist das der wunderschönen Toto Koopmann, die mit vielen Träumen und Ideen die Welt als ihr Zuhause betrachtet. Ihre Beziehung zu einem italienischen Partisanen und ihr Engagement für die Resistenza führen sie in ein Konzentrationslager,  welches sie überlebt.

Auch Clarice Lispector erhält ihr Kapitel. Als erste Schriftstellerin Brasiliens wird sie für ihren Werken, in denen „nichts passiert, aber alles gesagt wird“ berühmt.

Auch Pearl S. Buck ist durch ihre Bücher berühmt. Die amerikanische Schriftstellerin "wurde in China geschätzt, aber nicht gelesen und in Amerika gelesen, aber nicht geschätzt".


Diese und viele weitere berührende und motivierende Lebensgeschichten werden kompakt und prägnant zusammengefasst. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die kurzen Biografien bieten eine willkommene Abwechslung und sind trotz ihrer Kürze inhaltlich gut ausgearbeitet und spannend. Ein hervorragendes Buch für zwischendurch!


Mehr Rezensionen auf Instagram: book_recommender_sbalunzia

Cover des Buches Kinder als Lehrer (ISBN: 9783442718269)
FranzysBuchsalons avatar

Rezension zu "Kinder als Lehrer" von Cristina De Stefano

FranzysBuchsalon
Eine absolute Empfehlung, für alle, die mehr über Maria Montessori wissen wollen

Buchinfo  
Wer war Maria Montessori (1870 - 1952) wirklich? Ihre Methode, das Kind in den Mittelpunkt seiner eigenen Erziehung zu stellen, hat die Pädagogik revolutioniert. So unkonventionell wie ihr Ansatz war auch ihr eigenes Leben. Als Schülerin lehnt sie sich gegen das Schulsystem auf, studiert in einer Zeit, in der Frauen an der Universität eine Seltenheit sind, Medizin. Sie kämpft für Frauenrechte und beginnt in einer Nervenheilanstalt, nie dagewesene Lernkonzepte für Kinder zu entwickeln. Ihre pädagogische Methode macht innerhalb weniger Jahre in der gesamten Welt Schule.

Cristina De Stefano wertet in ihrer Biografie bislang unveröffentlichte Briefe und neu zugängliche Quellen aus. Sie zeigt Maria Montessori in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit – von ihren Gegnern als Opportunistin gehasst, von ihren Anhängern als Prophetin verehrt. (Quelle: Amazon)

Meine Meinung
Als Erzieherin bin ich natürlich immer in der Pflicht mich weiterzubilden und auf dem neusten Stand zu bleiben. Aber auch mich als Privatperson interessieren die großen Revolutzer:innen der Pädagogik, ihre Arbeit und ihr Leben. Deswegen war mir auch klar, dass ich dieses Buch über die große Maria Montessori lesen wollen würde.

Vielen Nicht-Pädagog:innen ist Montessori mittlerweile ein Begriff. Einige Eltern erziehen selbst auch ganz bewusst nach dieser Methodik, doch für alle, die nichts oder nur wenig darüber wissen, kommt hier ein kleiner Abriss.

Der Leitsatz in der Montessori-Pädagogik lautet: Hilf mir, es selbst zu tun.

Es geht also darum, Kinder und Jugendliche nur soweit zu unterstützen, wie es notwendig ist, damit sie es selbst schaffen. Das genaue Gegenteil von den aktuell steigenden Zahlen von Helikopter- oder Rasenmähereltern.

Die Idee von Maria Montessori war es, den Kindern und Jugendlichen freizustellen, was sie wann und wie lernen möchten - das absolute Gegenteil von unserem Schulsystem.
Kinder in Kitas bekommen eine Umgebung geschaffen, in der sie lernen WOLLEN und nicht müssen. Dies lässt sich zum Beispiel wunderbar mit Aktionstabletts umsetzen. Ein Holztablett mit Dingen darauf, bei denen den Kindern klar ist, was sie damit tun müssen und es probieren können, bis sie es schaffen (z.B. verschiedene Gefäße für Schüttübungen mit Wasser oder Reis). So trainieren sie nicht nur ihre Motorik, sondern haben bereits ersten Kontakt zur mathematischen Bildung (Mengen erkennen und abschätzen) und lernen etwas für die Lebenspraxis (selbst Getränke in einen Becher eingießen).
Jede:r weiß von sich selbst, dass lernen viel mehr Spaß macht und auch eher etwas hängen bleibt, wenn man es freiwillig tut. Und genau nach diesem Ansatz arbeitet man in der Montessori-Pädagogik.

Das heißt nicht, dass die Kinder machen können, was sie wollen und sich niemand an gesellschaftliche Normen oder aufgestellte Regeln halten muss, sondern lediglich, dass sich die Erwachsenen bewusst werden, dass Kinder mehr können, als man ihnen zutraut - wenn man sie nur lässt - und sie ihre eigenen Erfolgserlebnisse, aber auch ihr eigenes Scheitern brauchen, um gut gewappnet fürs Leben zu sein.

In meiner Ausbildung meinte mal jemand zu mir: "Montessori? Die Olle hat ihr eigenes Kind weggegeben und will dann aber was von Erziehung erzählen?! Halte ich nichts von!" Dieser Ausspruch war mit ein Grund, warum ich das Buch lesen wollte. Kann es denn wirklich sein, dass sich jemand so für Kinder einsetzt, aber dann das eigene weggibt? Muss da nicht mehr dahinter stecken? Und kann man einen ganzen pädagogischen Ansatz ablehnen, weil ein Mensch für sich selbst eine Entscheidung getroffen hat oder vielleicht dazu gezwungen wurde?
Das Buch hat mir die Geschichte dazu erzählt und meine Vermutung bestätigt - es steckt deutlich mehr dahinter!

Empfehlenswert ist dieses Buch auf jeden Fall für die Menschen, die generell gerne Biografien lesen, oder die gerne mehr über Maria Montessori erfahren möchten. Christina De Stefano hat wirklich gute Recherchearbeit geleistet und ein sehr umfassendes Bild über Maria Montessori, ihr Leben und ihre Pädagogik gezeichnet.

Fazit
Ein tolles Buch über Maria Montessori, ihr Leben, ihr Wirken und ihre Pädagogik!

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