3 Monate verbrachte die Autorin Cristina Peri Rossi (oder zumindest ihr lyrisches Ich) nach einem Autounfall im Bett, mit hochgelegtem gebrochenen Bein, und spielte, nach eigenen Angaben, vor allem Playstation.
In vielen Gedichten aus dem 2009 im Original erschienenen Band (mit demselben Namen wie die Spielekonsole) wird eine Abkehr von klassischen Kulturelementen beschrieben – oder es wird zumindest damit kokettiert. Theater, Literatur, Philosophie, all diese Elemente klassischer Bildung werden in den Gedichten in Zweifel gezogen oder konterkariert. Interessanterweise wird aber durch diese Nivellierung nicht ihre Strahlkraft gedämpft, höchstens gebrochen.
Das liegt wohl auch daran, dass, neben Melancholie und Verdruss, Nostalgie und Wehmut in Rossis Versen eine wichtige Rolle spielen. In einigen Erinnerungen an Übersetzer*innen ihrer Werke, an nicht zustande gekommene Liebschaften und in der ewigen Mär von der Literatur, die niemanden ernährt, wird deutlich, dass die Literatur vielleicht nicht zum Heil taugt, aber doch ein entscheidender Kitt in vielen Beziehungen war und ist. Sie handelt meist von der Trauer. Aber auch wir handeln oft von der Trauer.
Wer Gedicht à la Bukowski mag oder sich einfach an unsentimentaler Sentimentalität erfreut, an Gedichten, die völlig unbefangen und ohne Pathos Tratschen und Posen, der sollte sich "Playstation" ins Haus holen.
Übersetzt wurden die Gedichte von Heinrich von Berenberg.
Lyristix


