Cristina Sanchez-Andrade

 4 Sterne bei 3 Bewertungen
Autorin von Die Wintermädchen.
Cristina Sanchez-Andrade

Lebenslauf von Cristina Sanchez-Andrade

Cristina Sanchez-Andrade ist Tochter eines galicischen Vaters und einer englischen Mutter und wurde in Santiago de Compostela geboren. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Universidad Autónoma de Madrid und lebt mittlerweile auch in der spanischen Hauptstadt. Sie arbeitet unter anderem als Literaturkritikerin und Übersetzerin und veröffentlichte nun ihren Roman "Die Wintermädchen" als erstes ihrer Werke in deutscher Sprache. 2014 war sie Finalistin um den Premio Herralde de Novela und wurde zum Hawthornden International Retreat for Writers in Schottland eingeladen.

Alle Bücher von Cristina Sanchez-Andrade

Die Wintermädchen

Die Wintermädchen

 (3)
Erschienen am 05.10.2017

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Rezension zu "Die Wintermädchen" von Cristina Sanchez-Andrade

Rezension zu "Die Wintermädchen" von Cristina Sanchez-Andrade
abavor 2 Jahren

Ein originelles Märchen

Geheimnisse verbinden Menschen, denn wenn zwei etwas teilen, wovon kein anderer weiß, entstehen besondere Bänder, und es gilt nur, dieses Wissen nicht nach außen sickern zu lassen.
Das Geheimnis, das die Wintermädchen teilen, ist etwas Furchtbares, aber sie haben gelernt, damit zu leben. Die zwei Schwestern haben es geschafft, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und neu anzufangen, auch wenn das bedeutet, in ihre Heimat zurückzukehren, in ein kleines Dorf in Galicien, der Region im Spanien der 50er Jahre, die vom Rest der Welt vergessen wurde.

"Die Wintermädchen" ist mein erster Roman der spanischen Schriftstellerin Cristina Sánchez-Andrade.
Ich war von dieser Geschichte fasziniert. Die Autorin hat eine wunderbare Art zu erzählen, die uns das Leben und Traditionen im Spanien in den Zeiten unter Francos Diktatur vermittelt. Besonders in Galicien, weit weg von der Zivilisation, war es deutlich zu spüren, wie rückschrittlich Francos Regierung war. Die Zeit blieb stehen, die Menschen schienen vergessen worden zu sein, Galicien einfach inexistent. Nicht aber für die Wintermädchen. Die Isolierung ihres Geburtsortes ist der ideale Zustand für ihre Pläne. Dass sie sehr spezielle Gestalten sind, die die Aufmerksamkeit aller Dorfbewohner wecken, scheinen sie nicht zu merken. Ihre lange Abwesenheit und die Erfahrung, die sie in fernen Ländern gemacht haben, machen aus ihnen absolute Exotinnen.

Dieses Buch erzählt ein originelles Märchen - humorvoll und gleichzeitig traurig, auf jeden Fall berührend -, das dem Leser eine Überraschung am Ende bietet.
Und Bücher, die mich überraschen, lese ich immer sehr gern!

Kommentare: 1
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Literaturchaoss avatar

Rezension zu "Die Wintermädchen" von Cristina Sanchez-Andrade

Definitiv ein kleines Bücherjuwel!
Literaturchaosvor 2 Jahren

Mit "Die Wintermädchen" habe ich ein kleines Bücherjuwel entdeckt! Die Sprache, die Geschichte, die Protagonisten .... - hier ist einfach alles so zauberhaft beschrieben, dass man nicht anders kann, als vollständig in die Geschichte einzutauchen. Und obwohl mir das Cover nicht besonders zusagt und auch der Klappentext nicht wirklich sehr aussagekräftig ist, wusste ich bereits nach wenigen Seiten, dass dieser Roman einer von den ganz besonderen ist, von denen, die noch lange im Kopf und noch länger im Regal bleiben, in die man immer wieder gerne hinein sieht, um hier und da eine Passage erneut zu lesen.

Cristina Sánchez-Andrade entführt uns mit ihrem Buch zurück an den Anfang der 50er Jahre in ein kleines Bergdorf in Galicien. Die beiden Schwestern Dolores und Saladina kehren mit wenig Hab und Gut, ein paar Hühnern und einer Kuh zurück zum Haus ihres Großvaters, in dem sie aufwuchsen, bevor sie vor dem spanischen Bürgerkrieg ins Exil fliehen mussten. Das Haus ihrer Kindheit ist ziemlich heruntergekommen, trotzdem richten sie sich häuslich ein. Argwöhnisch beäugt von den Dorfbewohnern, denn kaum einer hier freut sich über das Auftauchen der Wintermädchen. So werden Dolores und Saladina genannt, weil sie als kleine Mädchen eines kalten Winters zu ihrem Großvater kamen, der fortan für ihr Wohlergehen zuständig war.

Der Großvater starb während des Bürgerkriegs unter grausamen Umständen, ist aber bei den Dorfbewohnern niemals in Vergessenheit geraten. Denn er war ein ausgekochtes Schlitzohr und hatte sie alle in der Hand. Wie? Nun....das ist eine kuriose Geschichte..... Als nun lange nach seinem Tod die Wintermädchen quasi als seine Erbinnen wieder auftauchen, kommen längst vergessen geglaubte Geheimnisse an die Oberfläche. Alte Schulden und alte Sorgen, Hass, Ärger und Zwietracht machen sich im Bergdorf breit. Zunächst unbemerkt von den Schwestern, denn auch die haben ihre Leiche im Keller zu verbergen.

Cristina Sánchez-Andrade zeichnet hier ein so liebevolles Bild einer Gemeinschaft total verschrobener Dorfbewohner, dass die eigentliche Geschichte für mich fast nebensächlich wurde. Ich hatte das kleine Örtchen, die Häuser und ihre Gärten geradezu bildlich vor Augen und habe mich sehr über die bisweilen äußerst bissigen und zynischen Beschreibungen der Protagonisten amüsiert. Obwohl jeder der Dorfbewohner kleinere oder größere Macken hat, mochte ich sie alle - ohne Ausnahme.

Selbst die mitunter nervende Saladina, diejenige der Schwestern, die weniger hübsch und weniger klug ist und das auch bei jeder Gelegenheit bejammert, ist sehr charmant gezeichnet. Naiv sind sie alle miteinander, die Dorfbewohner. Aber so sympathisch naiv, dass man sich hier einfach wohlfühlt und zum Ende hin, als die Geschichte dramatisch wird, richtig mitleidet.

Dieses Buch ist nicht immer realistisch, nicht immer nachvollziehbar, aber gerade das macht es so zauberhaft. Cristina Sánchez-Andrade ist definitiv ein Name, den ich mir merken werde, denn MEIN FAZIT lautet hier: 4,5/5 STERNE.

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Cristina Sanchez-Andrade wurde am 05. April 1968 in Santiago de Compostela (Spanien) geboren.

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