Erst hab ich ein klein wenig gefremdelt, aber dann: OH mein Gott, ich konnte es nicht mehr weglegen und würde gern mit einigen der Frauen aus den Kurzgeschichten mal nen Kaffee trinken, zusammenarbeiten oder einfach befreundet sein! Wie schön können Kurzgeschichten sein???
Aber gut - erst mal von vorn!
"Mittelalte Frauen". Das ist es, worum es in diesem Buch geht. Curtis Sittenfeld, selbst fünfzig, zeigt Frauen in einer Lebensphase, die in der Literatur immer noch erschreckend selten ernsthaft behandelt wird. Und dabei ist es doch so eine spannende!!!
Sittenfeld, 1975 in Cincinnati geboren, ist eine der besten amerikanischen Erzählerinnen ihrer Generation. Im Übrigen eine Einschätzung, die selten bestritten wird. "Mittelalte Frauen" versammelt zwölf Geschichten, die alle um Frauen Ende vierzig, Anfang fünfzig kreisen. Managerinnen, Autorinnen, Produzentinnen, Ehefrauen, Mütter – und vor allem Freundinnen.
Die Auslöser sind immer verschieden, der Grundton bleibt gleich: Die atheistische Filmproduzentin Heather verfilmt ausgerechnet den Eheratgeber eines katholischen Priesters und rettet damit ihre eigene Ehe. Janie bekommt nach einer Mammografie einen Befund, der Anlass zur Sorge gibt, und beginnt ihr Leben neu zu bewerten. Ruth stellt fest, dass sie als Schriftstellerin anderen Kriterien ausgesetzt ist als ihr männlicher Kollege. Jill hält sich für reflektiert und aufgeschlossen und sieht sich plötzlich mit ihrem eigenen Rassismus konfrontiert.
Was Sittenfeld dabei so gut kann: Sie seziert das Innenleben ihrer Figuren mit Schärfe und Humor zugleich und wird dabei nie leichtfertig. Sie spiegelt die Höhen und Tiefen des Lebens so genau, dass sie spürbar sind und überhaupt nicht mehr weit weg. Es könnte einer jeden genau so passieren. Aber sie verpackt es in wunderschöne Sprache. Also hier ist für Herz, Hirn und Muse was dabei!
Natürlich sind nicht alle zwölf Geschichten gleich stark. Auch die sehr amerikanische Verortung, wie Elite-Internate, akademische Milieus und bestimmte gesellschaftliche Voraussetzungen, machen manche Figuren für ein deutsches Publikum weniger unmittelbar zugänglich. Aber es spielt nun einmal dort. Nordische Krimis sind ja auch nicht weniger zugänglich, weil man nicht in Oslo wohnt.
Empfehlen würde ich es daher allen, die Kurzgeschichten mögen und bereit sind, sich auf zwölf verschiedene Welten einzulassen, wo jede einzelne für sich sehr kompakt und einzeln abgeschlossen ist. Besonders für Frauen um die vierzig oder fünfzig ist es das Buch richtig gut, weil man sich mit einem riesigen Schmunzeln einfach wiederfindet!
























