Rezension zu "Im Schatten des Ringes. Science Fiction. (Broschiert 1982)" von Cynthia Felice
glasratzEs ist wirklich schade um dieses Buch. Ich glaube fest, dass es ein großer Klassiker der Science Fiction-Literatur hätte werden können. Nach etwas über drei Viertel des Buches war ich eigentlich überzeugt, dass ich dem Werk vier oder fünf Sterne hätte geben können.
Bei den besagten ersten drei Vierteln handelt es sich um eine hervorragend konstruierte Geschichte. Sie wird durch die Augen von Heao, einer Angehörigen einer katzenartigen Spezies die in einem quasi feudalen, stark religiösen (die genaue Gesellschaftsstruktur wird leider nie erklärt) Staat lebt, erzählt. Die Autorin schafft es geschickt, diese fremdartige Perspektive so zu beschreiben, dass der Leser zunächst nicht mehr von der Welt weiß, als es diese Spezies tut. Es ist ein von Mythologie und Aberglauben geprägtes Weltbild, das fantastisch klingt und nicht so richtig Sinn zu ergeben scheint. Erst langsam, durch Heaos Beobachtungen und dem Wissen der seit nur wenigen Generationen gehaltenen menschlichen Sklaven, beginnt diese Weltsicht schärfer und realistischer zu werden. Heao beginnt die traditionellen Vorstellungen ihres Volkes anzuzweifeln und eckt dadurch mit dem Klerus an. Gleichzeitig erfährt man viel über die politischen und religiösen Ränke der Gesellschaft und die Versuche einzelner Aufklärer, die Lasten der Tradition abzuwerfen.
Und dann ist mit einem Mal die Luft heraus, einfach so. Das letzte Drittel des Buches wirkt, als hätte die Autorin versucht, so schnell wie möglich zum Schluss zu kommen. Der Stil wird fahrig und interessante Aspekte nur noch angerissen. Die aufgebauten Konflikte werden mit einem Handstreich vom Tisch gefegt und auf den letzten paar duzend Seiten noch einmal eine neue, absolut unglaubwürdige Antagonistin mit sehr fadenscheinigen Beweggründen aufgebaut. Das gesamte Konfliktpotential, das zuvor geschaffen wurde, wird vollständig ignoriert und der Schluss gerade zu lächerlich. Das hat es mir wirklich verdorben. Der Roman hätte gut noch hundert Seiten brauchen können um sein Potential voll auszuschöpfen und vor allem den Konflikt um die Sklaverei mehr als nur leicht anzukratzen.
Zuletzt muss ich auch noch ein paar Worte zum deutschen Titel und Cover verlieren: Beides ist das Allerletzte! Der Titel nimmt einen sehr interessanten und langsam aufgedeckten Punkt des Buches bereits vorweg. Der Originaltitel "Godsfire" wäre ohne weiteres zu übersetzen gewesen. Das Cover ist geschmacklos auf einem Niveau, dass man abgebrüht sein muss um das Buch in der Öffentlichkeit zu lesen. Hier ist das Originalcover zwar auch nicht unschuldig, aber zumindest dezenter gestaltet und von wesentlich höherer künstlerischer Qualität.

