Dörte Hansen Altes Land

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Inhaltsangabe zu „Altes Land“ von Dörte Hansen

„Polacken“, schimpft Ida Eckhoff, Bäuerin im Alten Land, als im Frühjahr 1945 Flüchtlinge aus Ostpreußen auf ihrem Hof stehen. Hildegard von Kamcke und ihre kleine Tochter Vera müssen in die Knechtekammer, auf Idas weißer Hochzeitsbank dürfen sie nicht sitzen. Aber Hildegard hat für die Opferrolle kein Talent. Sie zieht weiter nach Hamburg und lässt ihr Kind zurück. Vera erbt das große kalte Haus und scheint es doch nie zu besitzen. Sie fürchtet sich vor ihm, lässt es verfallen. Bis mehr als 60 Jahre später wieder zwei Flüchtlinge vor der Tür stehen: Veras Nichte Anne mit ihrem kleinen Sohn. Sie kommt nicht mehr zurecht mit ihrem Leben im Szene-Stadtteil Hamburg-Ottensen, wo Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Gegend tragen und ihr Mann eine Andere liebt. Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend
finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

Kein kriminalistischen oder allzu humorvolle Auswüchse, sondern eine gut geschriebene Lebensgeschichte!

— Wichmann

Schöner Schreibstil aber keine Spannung keine Liebe das lesen hat sich sehr hingezogen.

— Svetan

Vertrieben trifft verwurzelt. Seelenwracks, Urgesteine, Weltverbesserer, scharf beobachtet, einfühlsam und humorvoll beschrieben. Genial!

— Dagmar_Urban

Einfach nur großartig.

— Franzihoffmann

Dieses Buch ist der Kracher. Auch, wenn es noch ein paar Wochen sind bis zum Jahresende: jetzt schon mein persönliches "Book of the Year".

— Laurun

Landleben entzaubert, ein lesenswertes Buch über alte Häuse und Familie mit zwei einprägsamen Protagonistinnen.

— Magicsunset

Herrliches Portrait einer norddeutschen Einzelgängerin.

— MarciaViola

Sehr eindrücklich, berührend und wortgewandt

— Rees

Gut geschriebener Gesellschaftsroman mit viel norddeutschem Flair - ich fand's unterhaltsam.

— ConnyKathsBooks

Mal wieder ein Buch, das ich jedem ungefragt empfehlen werde. Einfach toll!

— sofie

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  • Den Namen der Autorin habe ich mir notiert!

    Altes Land

    Wichmann

    13. December 2017 um 15:54

    Redaktioneller Hinweis: Dieses Buch habe ich gekauft.CoverDas Cover kommt eher unspektakulär daher, weiß, nichtssagend und verbirgt gut die Schwere des Inhalts.Inhalt und Aufteilung des BuchesEine verhärmte Bäuerin, die sich nicht um die Aufnahme der Flüchtlinge riss, eine Mutter, die um das Wohl ihres Kindes kämpft und eine Zeit, die wohl keiner gern erleben möchte ist, kurzgefasst, der Umriss dieser Geschichte. Da geht es um ein kleines Mädchen, das hier groß wird und zeitlebens Anschluss an die Gemeinschaft sucht. Es geht um Geborgenheit, um Aufnahme in eine eingeschworene Gesellschaft und darum, selbst Unterschlupf zu bieten, es besser zu machen.MeinungSchon auf der ersten Seite entsteht die Landschaft vor dem geistigen Auge und schnell macht die Autorin den Leser bekannt mit der Situation, mit der knorrigen Alten, die nicht gerade freundlich die Flüchtlinge aufnimmt und zeichnet gekonnt die Spannung, die sich in einem Lied der flüchtigen Sängerin beim Leser verfestigt, dass die Seiten gar nicht schnell genug umgeblättert werden können, denn man möchte ja sehen, wie es weitergeht, wie das Ende ist, was aus den Personen wird! Da erfreut man sich an einer Handreichung, zu dem ein warmes Herz imstande ist, auch wenn es äußerlich verkrustet erst spät aufzubrechen vermag, doch nicht zu spät, sondern passend in der Zeit, denn der Leser muss ja all die Eindrücke auch verarbeiten, sich ärgern und lernen, die Hoffnung nicht aufzugeben. Und so schreibe ich noch immer gefangen im Leseerlebnis des Buches lange Sätze, gehetzt und beseelt von der guten, wirklich guten Geschichte, die da noch immer in meinem Kopfe herumspukt und nach mehr lechzt.FazitDen Namen der Autorin habe ich mir notiert, denn dieses Buch ergreift, fesselt und überzeugt durch Tiefgang und der wundervollen Umsetzung in eine Sprache, die einen das Buch verschlingen lässt!

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  • Flüchtlingsgeschichte mit Lieblingsbuch-Potenzial!

    Altes Land

    Dagmar_Urban

    11. November 2017 um 18:55

    Hildegard von Kamcke, ostpreußische Gutsbesitzerin, und ihre fünfjährige Tochter Vera stranden als Flüchtlinge auf dem Obst-Hof von Ida Eckhoff und ihrem Sohn Karl. Während die beiden Frauen um die Herrschaft an Haus und Herd ringen, kämpft Karl erfolglos gegen die Schrecken seiner Kriegserlebnisse. Vera laviert sich zwischen den Erwachsenen durch, schafft sich einen Platz in der neuen Umgebung und lässt sich einfangen von dem großen, finsteren, flüsternden Haus. Jahre später zieht Anne Hove mit ihrem vierjährigen Sohn Leon bei Vera Eckhoff ein. Auch Anne ist geflohen, aus der Stadt und dem verhassten Arbeitsverhältnis, ist getrennt von Leons Vater und ihrem Traum, Musikerin zu werden. Statt ihrer Tante Vera Miete zu zahlen, soll die Schreinerin das verfallene Reetdach-Haus auf Vordermann bringen. Langsam nähern sich die beiden Frauen einander, ihrer Geschichte und ihrer neuen Welt an.   Schnörkellos, bildgewaltig und lebensnah erzählt Dörte Hansen die Geschichten ihrer Flüchtlinge. Wie genau die gebürtige Husumerin beobachtet, Land und Leute kennt, ist in jedem Satz spürbar. Charaktere, rau wie der Seewind, knorrig wie alte Obstbäume und stolz wie das Reethaus, werden zerrieben zwischen Tradition und Veränderung. Doch mit scheinbar hingeworfenen Bemerkungen knackt die Autorin die Schalen ihrer Figuren, lässt verwundete Seelen schimmern, Bauernschläue und Herzenswärme aufblitzen oder blendende Arroganz verlöschen. Sie zeigt das echte Dorfleben augenzwinkernd, liebevoll und fern von jeder Großstadt-Romantik.  

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  • Ein sprachlich und inhaltlich perfektes Lesevergnügen

    Altes Land

    Magicsunset

    09. October 2017 um 11:53

    Im Mittelpunkt dieses Romans steht ein altes Bauernhaus, das Vera von Kamcke als Flüchtlingskind zum ersten Mal betreten und nie wieder verlassen hat. Inzwischen gehört es ihr, sie hat es geerbt. Es geht um Fremdsein, Ankommen, manchmal Freundschaft und vor allem geht es um Familie, die wir trotz aller Verstrickungen, Verletzungen, vielleicht falscher Entscheidungen nicht einfach ignorieren können. Dörte Hansens Schreibstil ist oft bildhaft-verschwenderische, da darf sich ein Satz schon mal über 7 Zeilen ausdehnen.  Über den Frühling schreibt die Autorin: „Die Felder sahen verheult aus, die Bäume tropften, zitterten, aber an ihren kahlen Zweigen schwollen schon die Knospen.“ (Zitat, Seite 159). ) Dann wieder kommen, wo es um Sachverhalte geht, kurze, prägnante Sätze. Dies macht es dem Leser einfach, diese Wortentspannungen zwischendurch. Dazu kommt noch ihr Sprachwitz, trotz der insgesamt ernsten Thematik. Warum ich dieses Buch nach der letzten Seite mit Bedauern geschlossen habe, liegt einerseits an den beiden starken Protagonistinnen Vera und Anna und andererseits daran, dass hier das Landleben völlig entromantisiert beschrieben wird, die Jugend, die in die Städte zieht, während die Väter bleiben. Doch anders als in dem zur Zeit viel beworbenen Roman „Niemand ist bei den Kälbern“ von Alina Herbig (ich fand ihn furchtbar und die Handlungen der Protagonistin nicht nachvollziehbar), bleiben Dörte Hansen’s Figuren trotz oder wegen ihrer Unzulänglichkeiten nachvollziehbar und sympathisch. Ein lesenswertes Buch für Freunde von zeitgenössischer deutscher Literatur mit ernsten Themen, wie in diesem Fall das so gar nicht romantische Leben auf dem Lande.

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  • Altes Land

    Altes Land

    Rees

    22. September 2017 um 08:14

    Sehr schöne und wortgewandte Schreibweise mit vielen einprägsamen Beschreibungen. Land und Leute zu unterschiedlichen Zeiten und Orten werden eindrücklich festgehalten . Eine tragische Familiengeschichte  wird erzählt , zwar sehr weit ausgeholt , doch echt und authentisch . Ein besonderes Buch mit viel Atmosphäre. Altes Land, eine wunderschöne Gegend in der Nähe von Hamburg , wo noch alles so ist wie vor vielen Jahren, so glaubt man....und möchte einfach nur eintauchen in die Nostalgie von damals. Doch der Schein trügt, die Menschen dort sind wortkarg und eigen, sie mögen keine Fremden und bleiben auf Distanz. Das Leben war hart und hat sie so geformt. Das Buch erzählt aus verschiedenen Perspektiven, mal aus der Sicht von Vera , dem Flüchtlingskind, dass schon früh lernen musste auf eigenen Beinen zu stehen und für sich und ihren kriegsgeschädigten Stiefvater sorgte, weil ihre stolze und unbeugsame Mutter sie einfach zurückliess um ein neues Leben aufzubauen. Und aus der Sicht  von ihren Nachbarn all die Jahre lang .Ihre Beziehungen untereinander, die ziemlich trocken rüberkommt und doch in die Tiefe geht. Und dann viele Jahre später aus der Sicht von Anne, ihrer Nichte, die mit ihrem kleinen Sohn Leon Zuflucht sucht bei Vera. In diesem grossen und unheimlich Haus voller Erinnerungen. Es ist eine traurige und düstere Geschichte ,aber dennoch voller Wärme, weil man die Herzen der Menschen spürt, ihre Sehnsüchte, Ängste und Trauer. Doch manchmal kann man auch schmunzeln und sogar lachen, wenn eine Situation so gut eingefangen wurde, dass man es sich richtig bildlich vorstellen kann. Das Plattdeutsch wirkt auch skurril und gibt dem Buch an den nötigen Stellen den Boden. Ein wirklich schönes Buch .

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    • 2
  • Unterhaltsamer Ausflug ins Alte Land

    Altes Land

    ConnyKathsBooks

    04. September 2017 um 19:12

    "Dit Huus is mien und doch nich mien..." (S. 7)Als Kind musste Vera Eckhoff mit ihrer Mutter aus Ostpreußen fliehen und landete im Alten Land, in einem kleinen Dorf im Landkreis Stade. Mehrere Jahrzehnte später lebt Vera nach wie vor im gleichen Haus. Eine Einzelgängerin, die als verschroben gilt und sich immer noch als Fremde fühlt. Doch dann stehen erneut zwei Flüchtlinge vor der Tür: Veras Nichte Anne und ihr 4jähriger Sohn Leon, die aus dem trendigen Hamburg-Ottensen geflohen sind. Anne leidet unter Liebeskummer und sucht noch ihren Platz im Leben. Noch ahnen beide Frauen nicht, dass ihre Begegnung vieles verändert. "Altes Land" stammt aus der Feder von Dörte Hansen. Ein gelungenes Debüt mit viel norddeutschem Flair und ein unterhaltsamer Gesellschaftroman, der für eine kurzweilige Lesezeit sorgt.Ich war zwar schon öfters in Hamburg, aber leider noch nicht im Alten Land. Doch die Autorin punktet durch ihre sehr anschauliche und bildhafte Schreibweise und ich sah die Obstbaumalleen und reetgedeckten Häuser direkt vor mir. Ein idyllisches Fleckchen Erde, aber nur auf den ersten Blick. Denn so mancher Traum ist hier schon zerplatzt und so manche Illusion geraubt. Großstadtflüchtlinge gegen alteingesessene Gummistiefelträger, Öko-Missionare gegen konventionelle Landwirte - zwei Welten, die aufeinanderprallen und welche Dörte Hansen mit trockenem Humor und scharfer Beobachtungsgabe beschreibt. Selbst Leons Kaninchen erleidet einen Kulturschock , weil es nur noch blankes Heu zu knabbern gibt und kein Nagerglück- Trockenfutter. Da musste ich schon schmunzeln, auch bei den Hamburger Supermüttern und ihren Marotten. Das Ganze liest sich in einem Rutsch und ist aus mehreren Perspektiven geschrieben, mit authentischen Haupt- und Nebenfiguren, die überzeugen und gut gezeichnet sind. Die Schicksale von Vera und Anne, die wir zum Teil per Rückblende erleben, haben mich dabei schon berührt. Werden die zwei Frauen schließlich das finden, was sie suchen und wieder nach vorn schauen? Am Ende fällt Veras Haus die Entscheidung. Insgesamt kann ich daher "Altes Land" empfehlen. Ein unterhaltsamer Ausflug ins Alte Land, für den ich  4 Sterne vergebe.

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  • Milieustudio mit Genusspotential

    Altes Land

    Wortnomadin

    20. August 2017 um 17:40

    Zugegeben, ich hätte das Buch vielleicht nie gelesen, aber eine Freundin hat es mir geliehen. Je länger ich las, desto klarer wurde mir, was theoretische Regeln des Schreibens bisweilen für ein Unsinn sind...Dieses Buch erfüllt so gut wie keine von den festgeschriebenen Grundsätzen der literarischen Schreibmethodik. Die Protagonisten sind selten sympathisch. Antagonisten gibt es so gut wie keine - die jeweiligen Zeiten mit ihren speziellen Problemen ausgenommen. Es gibt nicht einmal einen narrativen Haken oder gewisse "Spitzen", wo sich die Story zuspitzt. Und dennoch war mein Lesevergnügen perfekt. Das lag am Stil der Autorin, am Blick auf die Dinge, die das alte Land und dessen Menschen ausmachen. Und an der Wortwahl, die bisweilen bewundernswert ist (nur ab und zu etwas überzeichnet). Für alle, die sich beim Lesen nicht unbedingt die Fingernägel zerbeißen wollen, ist dieses Buch eine Bereicherung.

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  • Anders als erwartet

    Altes Land

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. August 2017 um 08:22

    Das Buch stand schon lange auf meiner Wunschliste, aber ich habe lange gezögert es zu kaufen. Beim Durchblättern in der Buchhandlung war ich etwas abgeschreckt durch den Schreibstil der Autorin. Aber gerade dieser Stil in Verbindung mit den Hauptfiguren war dann das was dieses Buch ausmacht und es hat sich sehr gut lesen lassen!

  • Familiengeschichte umrahmt von deutscher Nachkriegsgeschichte

    Altes Land

    uli123

    01. August 2017 um 15:35

    Bücher wie das vorliegende lese ich immer wieder gerne – Schilderung familiärer Verhältnisse über mehrere Generationen mit Bezug zur deutschen Geschichte in den Nachkriegstagen. Vera und ihre Mutter werden nach ihrer Vertreibung aus Ostpreußen auf einem Hof im Alten Land bei Hamburg einquartiert. Dort in der Elbmarschlandschaft bei den alteingesessenen Obstbauern bleibt sie, die den Hof nie verlässt und ein unangepasstes Leben führt, zeitlebens fremd. Jahrzehnte später nimmt sie ihre alleinerziehende Nichte aus Hamburg nach Scheitern ihrer Beziehung bei sich auf. Im Vordergrund steht die Thematik des Flüchtens und Ankommens, dargestellt anhand der Protagonistinnen Vera und ihrer Nichte. Wo sind die eigenen Wurzeln, die Heimat, das Zuhause? Beide Frauen sind stark geprägt vom Verhältnis zu ihrer jeweiligen Mutter. Beide Stränge finden letztlich ihren Ausgangspunkt in der traumatischen und nie überwundenen Vertreibung von Veras Mutter aus Ostpreußen. Auch um – böse – Erinnerungen geht es, vorrangig die von Vera aus ihrer Kindheit zu Kriegsende, daneben die ihres Stiefvaters und Hoferben Karl, der psychisch traumatisiert aus dem Krieg heimgekehrt ist. Abgesehen von den Schicksalen der beiden Frauen werden noch so manche Werdegänge der Altenländer Bauern geschildert, von denen einige ihre Höfe noch ganz der Tradition folgend in schmucken Reetdach-Bauernhäusern fortführen, Sohn auf Vater folgend, andere hingegen zu Biobauern werden oder gar ihre Höfe an zugezogene Städter verkaufen. Die bildhafte Beschreibung des Alten Landes und ihrer urigen Bewohner ist wirklich gelungen. Bodenständig und gemütlich wirkt alles dadurch, dass die Autorin die Romanfiguren plattdeutsch reden lässt, von dem man sich einfach einige Sätze auf der Zunge zergehen lassen muss: „Schall ik di wat geven, dat du slapen kannst?“, „mookt se mien Huus schier“, „Kiek man nich hen“. Vieles wird offen gelegt in langen Gedankengängen der Figuren, die über ihr Leben und ihre Mitmenschen nachdenken.   Ein wundervoller Roman.

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  • Altes Land mit alten Häusern

    Altes Land

    buecher-bea

    17. July 2017 um 13:31

    Vera von Kamcke kommt 1945 mit ihrer Mutter Hildegard auf dem Hof der Eckhoffs im alten Land unter. Die Witwe Ida Eckhoff speit und flucht über die verlausten ostpreußischen Flüchtlinge. Aber ihr Sohn, der ein paar Jahre später aus Kriegsgefangenschaft wiederkehrt, ist nicht mehr zu gebrauchen für die harte Arbeit auf dem Hof.Mehr als 60 Jahre später verlässt Veras Nichte Anne Hove in Windeseile das hippe, ökotrendige Hamburg-Ottensen, um bei Vera unterzukommen. Sie bringt ihren 5-jährigen Sohn Leon mit, und die beiden erinnern Vera daran, wie sie selbst damals mit ihrer Mutter auf diesem Hof stand.Die Autorin schafft es, ihre Figuren und deren Familien- und Freundschaftsgeflecht real und tiefgründig darzustellen. Ich war erst verwirrt von den vielen verschiedenen Perspektiven innerhalb eines Kapitels oder Absatzes, aber so ließ es sich leisten, dass mehrere Sichtweisen auf eine Situation fallen, was die Situation herrlich facettenreich macht und einen zum Lachen bringt.Der Roman ist voll mit Respekt den handelnden Personen gegenüber, die alle ihr Päckchen zu tragen haben und doch meist nur sich selbst sehen. Ein tolles Buch!

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  • Die Gummistiefelwelt oder Die Sehnsucht nach Heimat und Freiheit

    Altes Land

    sommerlese

    15. July 2017 um 09:15

    Dörte Hansens Debüt "Altes Land" erschien 2015 im Knaus Verlag. Dit Huus is mien und doch nich mien "Das Haus ist meins und doch nicht meins, der nach mir kommt, nennt´s auch noch sein." Zitat Seite 258 Dörte Hansens Buch ist in gewisser Weise ein Heimatroman, sie stellt ein altes Fachwerkhaus im Alten Land in den Mittelpunkt der Geschichte. Das alte Bauernhaus bietet die Möglichkeit, heimisch zu werden, immer wieder kommen hier Flüchtlingsschicksale an. Erst strandet dort nach dem Zweiten Weltkrieg die ostpreußische Adelige Hildegard von Kamcke mit ihrer Tochter Vera, Hildegard zieht wieder weg und später erbt Vera das Haus. Vera bleibt lange eine Fremde, die Alteingesessenen gewöhnen sich nur langsam an Neulinge und sie lässt den einst so schönen Hof verloddern. Erben für die es sich lohnen könnte, sind nicht in Sicht. Doch dann erscheint ihre Nichte Anne, sozusagen ein Großstadtflüchtling aus Hamburg, die genug hat von der abgehobenen gediegenen Lebensart der Großstädter und von ihrem sie betrügenden Mann. Anne ergreift ihre Chance vom Landleben, sie renoviert und packt an, der Hof darf nicht verfallen. Auch ihr Sohn Leon gefällt es hier gut, er ist der Enkel, den Vera nie hatte. Bei diesem Roman wird der Blick aufs Landleben durch die Generationenkonflikte gelenkt. Es stellt sich mir in erster Linie die Frage nach Heimat und Verbundenheit. Wann schlägt ein Mensch Wurzeln und fühlt sich heimisch? Vera hat damit ihre Probleme und sie braucht Jahrzehnte, um endlich anzukommen und diese Heimat annehmen zu können. Erst die neue Familie gibt ihr Frieden und Ruhe. Die Autorin nimmt aber auch den gegenwärtigen Hype vom Landleben auf die Schippe. Viele Großstädter ziehen am Wochenende in Scharen aufs Land: Frischluft schnuppern, die Kinder dürfen im Matsch spielen und Bioobst und - Gemüse sind "in", jeder geniesst die Freiheit auf dem Land. Doch nur wenige bleiben und werden hier heimisch. Viele Städter schauen ein wenig mit Verachtung auf die arbeitenden Bauern und wollen alles besser machen. Bio statt konventionelle Landwirtschaft, manche wollen aber auch nur dem Großstadtlärm entfliehen, merken aber dann den Traktorenlärm, der keine Wochentage kennt. Die Menschen im Alten Land sind Bauern, manche etwas knorrig, alle jedoch arbeitssam und sie kleben an ihrer Scholle. Was im Besitz der Familie ist, muss Besitz bleiben. Mir hat schon lange kein Buch mehr so gut gefallen wie "Altes Land". Sprachlich ein absolutes Leseerlebnis mit Humor, Ironie und Plattdeutschem Dialekt. Aber trotz der Situationskomik, kommt Dörte Hansen ihren Figuren gefühlsmäßig sehr nahe. Sie erzählt die Geschichte von Flüchtlingen aus Ostpreußen, die sich im Alten Land angesiedelt haben und doch nie heimisch wurden. Es sind Schicksale, die von einer vergessenen Generation erzählt und doch so den Blick auf heutige Flüchtige freimacht. Wer flieht, kann die Vergangenheit nicht aus seinem Kopf verbannen. Schreckliche Bilder verfolgen, Heimatgefühle ebenfalls. So ergeht es auch Vera, die als Kind mit ihrer Mutter aus Ostpreußen auf dem Obstbauernhof bei Ida Eckhoff landete. Ein wunderbar anrührendes Buch, bei dem beim Lesen bei mir ein Film ablief. Das bewirkt besonders der wunderbare Erzählton mit etwas Humor, aber auch mit Wehmut, dazu die eigenwilligen Figuren, die knorrig, unangepasst handeln und trotz aller Schicksalsschläge nie aufgeben. Mal traurig anrührend, mal ironisch, mal amüsant. Von mir gibt es eine absolute Empfehlung für dieses Buch, bei dem der Blick auf Generationenkonflikt, Flüchtlingsschicksale und Landleben aus unterschiedlichen Blickwinkeln freigegeben wird.

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    • 4
  • ein toller Depütroman

    Altes Land

    janinchensbuecherwelt

    13. July 2017 um 09:07

    Dörte Hansen hat mit ihren ironischen und witzhaften Schreibstil,was auch noch ihr Depütroman ist, die Geschichte auf den Punkt gebracht. Die Charaktere waren teilweise auf den Punkt gebracht und haben mich schmunzeln lassen, aber auch eine nachdenkliche Seite war zu sehen.Ich glaub aber nicht das diese Geschichte für jedermann ist, da diese doch speziell ist und nicht von jedem verstanden werden könnte. Man braucht Ruhe und Zeit um dieses zu lesen, auch wenn es nur knapp 300 Seiten große Schrift ist.Innerhalb kürzester Zeit hatte ich die Geschichte um Vera und Anne gelesen, nein eher verschlungen.Vera mit ihrer erst knurrigen, kalten Art --> man erfährt warum sie so ist wie sie ist.Und dann haben wir noch Anne --> sie ist mit ihrem Sohn aus Hamburg "geflohen" da sie von ihrem Mann betrogen wurde und die Art wie ihre Mitmenschen zu dessen Kinder sind schreckt sie ab. Nein es schreckt sie nicht ab, es geht ihr gegen den Strich.Beide Frauen finden nach langer Zeit des Widerstandes zusammen und finden das was sie schon immer gesucht haben. Familie!

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  • Literarisches Plädoyer für mehr Menschlichkeit

    Altes Land

    christinerhömer

    27. June 2017 um 19:07

    Habe das Buch in einem Rutsch gelesen und bin sehr angetan! Schöne Sprachbilder, ein bewegendes Thema, skurrile Figuren und satirische Seitenhiebe. Das Thema mutet wie eine gekonnte belletristische Aufbereitung von "Kriegsenkel - Die Erben der vergessenen Generation" an. Ein literarisches Plädoyer für einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen. Empfehlenswert!

  • „Dit Huus is mien un doch nich mien …“

    Altes Land

    Literaturwerkstatt-kreativ

    23. May 2017 um 18:58

    „Literaturwerkstatt- kreativ“ rezensiert "Altes Land" von Dörte Hansen „Dit Huus is mien un doch nich mien …“ steht auf dem Balken des Hauses in dem die fünfjährige Vera mit ihrer Mutter - Hildegard von Kamcke - 1945 nach ihrer Flucht aus Ostpreußen Zuflucht findet. Sie sind unwillkommene Flüchtlinge im alten Land und werden so auch von der Hausherrin Ida Eckhoff - Altländer Bäuerin in sechster Generation - behandelt. Nachdem der traumatisierte Sohn von Ida Eckhoff, Karl aus dem Krieg zurückkommt, heiratet Hildegard von Kamcke ihn und wird somit Ida Eckhoffs Schwiegertochter und Herrin des Hofes. „Dit Huus is mien un doch nich mien... Die Inschrift galt für beide. Sie waren ebenbürtig, sie lieferten sich schwere Schlachten in diesem Haus, das Ida nicht hergeben und Hildegard nicht mehr verlassen wollte“. Kurze Zeit nach dem Ida Eckhoff verstorben ist wird Hildegard von einem anderem Mann schwanger und zieht mit ihm nach Hamburg. Dort bekommt sie noch eine Tochter, Marlene. Ihre mittlerweile vierzehnjährige Tochter Vera lässt sie einfach auf dem Hof bei ihrem Ex- Mann zurück. Vera bleibt auf dem Hof, beendet ihre Schule, wird Zahnärztin und kümmert sich viele Jahre um ihrem kranken und später auch dementen Stiefvater Karl. Ein halbes Jahr später nach dem Karl verstorben ist, bittet ihre Nichte Anne (Marlenes Tochter) um Asyl für sich und ihren kleinen Sohn Leon. Diese hält es in Hamburg nicht mehr aus, nachdem sie raus bekommen hat, dass ihre Mann schon längere Zeit eine Geliebte hat. Vera nimmt die beiden Flüchtlinge auf. Beide Frauen müssen nun nachdenken, umdenken und sich auf neue Wege einlassen. Fazit Dörte Hansen ist mit “Altes Land” ein wunderbarer Debütroman gelungen. Ihr Erzählstil ist nie langweilig und die Handlungen gut auf den Punkt gebracht. Sehr ausdrucksstark und humorvoll beschreibt sie die einzelnen Protagonisten und lässt diese vor meinem Auge lebendig werden. Kopfkino vom feinsten. Die Autorin hat mich mit ihrem trockenen Humor auch laut lachen lassen, aber in andern Passagen musste ich tief durchatmen, denn sie verschont nicht. Besonders gefallen hat mir auch die immer wiederkehrende plattdeutsche Sprache und der dazugehörige norddeutsche Humor: „Na , wedder Stalingrad tohuus ?“ fragte Hinni dann. Es hatte sich herumgesprochen, dass bei Eckhoffs ziemlich oft die Wände wackelten, aber bei Lührs war es nicht besser. Hinnis Vater war in der Buddel, man wusste nie, in welchem Zustand er nach Hause kam. Am besten war es, wenn er leicht angetüdert war, dann wollte er die Welt umarmen und küsste seine Frau. Aber zwei Köm mehr, und Stalingrad war auch bei Lührs.“ Schön sind auch die Nebenschauplätze, wo Großstädter aufs Korn genommen werden oder die schrullige Landbevölkerung auch ihr Fett weg bekommt. Das Cover ist schlicht gewählt, passt aber wunderbar zur erzählten Geschichte, wunderbar zum Alten Land. Ich kann nur sagen lest dieses Buch. Bei mir sind die Seiten nur so dahin geflogen und ich habe so manches zu Hause liegen lassen, um nicht aus dem Sog des Kopfkinos heraus gerissen zu werden. Ich hoffe Frau Hansen schreibt weiter !!! Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar.

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    • 5
  • Große Gefühle unaufgeregt erzählt

    Altes Land

    Linatost

    09. May 2017 um 21:21

    Ich war sehr neugierig auf dieses Buch. Durch die ganzen Positiven Bewertungen hatte ich sehr hohe Erwartungen. Und ich wurde nicht enttäuscht! Die Sprache der Autorin ist völlig unaufgeregt wenn sie uns von der Familiengeschichte der Kamckes, der Eckhoffs und Hovens erzählt. Gerade das hat mich so gepackt. Sie erzählt von großen Gefühlen, Schicksalsschlägen und einer durch Krieg zerrütteten Familie. Anders als in den allgemeinen Beschreibungen geht es nicht nur um Vera und ihre Nichte. Es wird auch von den Dorfbewohnern erzählt. Besonders witzig sind dabei zwei Charaktere mit zwei völlig unterschiedlichen Standpunkten. Ein Stadtmensch aus Hamburg der vor kurzem aufs Land gezogen ist und alles ganz reizend findet und ein echter Bauer – wie er sich selber nennt – er steht diesem ganzen "Öko-Quatsch" sehr kritisch gegenüber. Die Hauptcharaktere bleiben aber Vera und Anne. Vera die Unangepasste, das Flüchtlingskind, die sich irgendwann als Kind ohne Mutter im Landleben zu Recht finden musste. Und Anne die Nichte von Vera, die Tochter von Veras Halbschwester. Auch sie traf das Schicksal der Kriegsflüchtlinge, ihre Mutter hat die Wunden an sie weitergegeben, die ihre Mutter im Krieg erlitt. In Annes Leben läuft es gerade nicht besonders rund. Sie beschließt nervigen Alltag und den Stadtteil in den sie nie so richtig passte hinter sich zu lassen. Sie zieht zu ihrer Tante und hilft ihr das alte Bauernhaus zu renovieren.

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  • Altes Land von Dörte Hansen

    Altes Land

    consoul

    28. April 2017 um 07:58

    Wie, was und wer?Ich bin vor knapp 2 1/2 Jahren in den Norden Deutschlands gezogen - der Arbeit wegen - und hatte vorher nur so vage Vorstellungen davon, wie die Menschen an der Küste ticken. Nun habe ich schon ein paar mehr Ideen und fühle mich sehr wohl, das "Moin" geht mir sehr leicht über die Lippen und dennoch, da ich beruflich sehr viel mit Menschen zu tun habe, verstehe ich nicht alle Sachen sofort und hatte nur eine Ahnung, gemeint sein könnte. Eine Kollegin empfahl mir also das Buch "Altes Land" mit den Worten: Dann verstehst du das besser, wenn die Menschen hier aus ihrem Leben erzählen.Und ja, nun verstehe ich es wirklich besser, denn Dörte Hansen hat ein eindrückliches Buch geschrieben, das nicht ausufernd ist, das klar, direkt und dennoch sprachgewaltig ist und mich in seinen Bann gezogen hat. "Altes Land" erzählt vom Leben im Alten Land, also in der Gegend um Stade herum. Es erzählt vom Ankommen nach der Flucht aus Ostpreußen. Es erzählt von all dem Leid, das diesen Flüchtlingen widerfahren ist und es erzählt von den Hamburgern, die öko und reflektiert, wie sie sind, mal das Landleben austesten und für sich entdecken wollen. Es erzählt die Geschichte von Anne und ihrem Sohn Leon, die aufs Land fliehen und dort eine Heimat finden. Das Buch hat mich sofort aufgesogen. Plötzlich kamen mir viele Erzählungen, die ich in den Monaten bisher gehört hatte, wieder in den Sinn und ergaben nun auch mehr Sinn. Ich empfand die Sprache von Autorin Hansen als angemessen, manchmal derb, manchmal direkt, manchmal zärtlich und poetisch, aber nie verspielt und banal. Die Erzählperspektiven wechseln, lassen den Leser eintauchen und Beweggründe erahnen. Von mir gibt es 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!!

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