Altes Land - Roman

von Dörte Hansen 
4,3 Sterne bei414 Bewertungen
Altes Land - Roman
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (357):
Wollys avatar

Ein schwermütiges Highlight!

Kritisch (18):
Anakins avatar

Das Buch konnte mich leider nicht so mitziehen wie viele andere Leser. Schade!

Alle 414 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Altes Land - Roman"

Der Bestseller in limitierter, exklusiver Auflage
Das »Polackenkind« ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine andere liebt.
Der Weltbestseller in edler limitierter Geschenkausstattung. Mit einem exklusiven Brief von Dörte Hansen an ihre Leser.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783328103868
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Penguin
Erscheinungsdatum:15.10.2018

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,3 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne224
  • 4 Sterne133
  • 3 Sterne39
  • 2 Sterne11
  • 1 Stern7
  • Sortieren:
    KerstinThs avatar
    KerstinThvor einem Monat
    Nette Geschichte aus dem alten Land

    Vera Eckhoff kam Ende des Zweiten Weltkriegs aus Ostpreußen als Flüchtling ins Alte Land. Mit ihrer Mutter fand sie eine Unterkunft und blieb. Noch heute mit über 70 wohnt sie in dem alten Reetdachhaus. Doch heimisch ist sie nie geworden. Eines Tages taucht dann ihre Nichte Anne mit ihrem kleinen Sohn bei ihr auf und sucht eine Herberge – wieder Flüchtlinge. Diesmal nicht vor dem Krieg, sondern vor Hamburg-Ottensen.

    Die Geschichte wird abwechseln aus verschiedenen Zeitebenen erzählt. Zum einen geht es um Veras Ankunft im Alten Land. Dann erzählt sie immer weiter bis sie in der Gegenwart angekommen ist. Parallel dazu liest der Leser über Anne. Wie es ihr in Hamburg ergeht und was sie antreibt ins Alte Land zu kommen. Teilweise war der Wechsel, vor allem in der Zeit, etwas unübersichtlich. Da brauchte man dann ein paar Sätze lang um zu merken „wann“ man ist. Die Geschichte zeigt zum einen die Probleme, die ostpreußische Flüchtlinge Ende der 40er Jahre hatten. Und dass sie nie wirklich integriert wurden. Sie bleiben die Polacken. Zum anderen wird auch darauf eingegangen, wie es für das Flüchtlingskind war. Die anderen Kinder hatten eben noch nie Tote in Bäumen hängen gesehen. Und diese lassen die arme Vera auch nicht mehr los. Dem gegenüber steht Annes Flucht. Sie flieht vor den verrücken Müttern in Hamburg-Ottensen, aber im alten Land sind die (meisten) Mütter auch nicht besser.

    Leider wurde ich mit der Geschichte nicht richtig warm. Veras Teil fand ich noch am Besten. Aber den Teil über Anne habe ich nicht verstanden. Sie trennt sich und will Abstand, den findet sie im alten Land. Aber was tut sie dort? Irgendwie blieb sie mir sehr fremd. Somit wurde sie mir auch nicht sympathisch. Aber auch Vera ist mir nicht richtig sympathisch geworden. 

    Da ich mit den Charakteren nicht viel anfangen konnte, ich die Grundgeschichte aber gut fand, vergebe ich noch drei von fünf Sternen.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    -Leselust-s avatar
    -Leselust-vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Einfach wunderschön! Absolute Leseempfehlung!
    Große Leseempfehlung!

    Die Geschichte und vor allem die großartige Sprache der Autorin konnten mich absolut begeistern. Mit einem kritischen Blick beschreibt die Autorin manchmal fast bissig, aber immer auch mit einer gewissen Wärme und Zärtlichkeit neurotische Städter, hektische Helikoptereltern, blauäugige Möchtegernbauern und drei Generationen starker Frauen. Dörte Hansen hat ein unglaublich gutes Auge für Beobachtungen und kann diese dann auch noch wunderbar in Worte fassen. Man spürt in jeder Zeile ihre Liebe für diese Geschichte, für die Gegend und die Bewohner, was sie aber nicht davon abhält, auch sehr streng mit ihnen ins Gericht zu gehen. Die Charaktere sind alle toll beschrieben, haben Ecken und Kanten. Und auch die Beziehungen gestalten sich sehr interessant. 

    Auch die eingestreuten Sätze auf plattdeutsch haben mir unglaublich gut gefallen und viel zur authentischen Atmosphäre des Buches beigetragen. Beeindruckt hat mich auch die Fähigkeit der Autorin, durchaus auch tragische Themen zu bearbeiten, etwa die Flucht und die Vertreibung, erfrorene Kinder, die im Krieg gefallenen und die, die zurückkehrten, aber nicht mehr die selben waren, wie vorher. All das fängt die Autorin sehr gut ein und schreibt darüber berührend, aber ohne übertriebene Rührseligkeit. Die Schlichtheit der Worte lässt die Dinge für mich um so ergreifender wirken. 
    "Altes Land" ist einfach ein großartiges Buch und eine absolute Leseempfehlung. Ich freue mich schon sehr auf das neue Buch der Autorin. 

    Kommentare: 1
    19
    Teilen
    laraelainas avatar
    laraelainavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Bildhafte Erzählung über Flucht, Verletzungen und neues Leben
    Fremdsein und der Versuch anzukommen

    Altes Land von Dörte Hansen hat mich vom ersten Satz an gefangen genommen.
    In gut gesetzten und verständlichen Worten geschrieben, erzählt die Autorin die Geschichte über die Wunden, die Flucht und Vertreibung schlagen, eingebunden in die Geschichte einer Familie und den Versuch neu anzufangen in einem anderen Leben und an einem fremden Ort, der es in sich hat.
    Ein wirklich schöner Roman, frei von Klischees und Kitsch, manchmal mit einem zwinkernden Auge und in jedem Fall nicht erdrückend.
    Das habe ich sehr gerne gelesen. 5 Sterne von mir für diese wunderbare Geschichte.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    gsts avatar
    gstvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Die Autorin hat die von ihr beschriebenen Menschen sehr genau studiert. Sie schreibt augenzwinkernd und amüsant. Ein Lesehighlight.
    Heimatlos?

    Vera ist als Flüchtlingskind mit ihrer Mutter auf den Hof von Hildegard von Kampke gekommen und dort bis heute hängen geblieben. Schon die Beschreibung des Hauses zu Beginn des Romans nahm mich für ihn ein: „In manchen Nächten, wenn der Sturm von Westen kam, stöhnte das Haus wie ein Schiff, das in schwerer See hin- und hergeworfen wurde. Kreischend verbissen sich die Böen in den alten Mauern.“ (Seite 7).

    Auch Jahrzehnte später wird das Haus, das mit seinen Bewohnern im Mittelpunkt des Romanes steht, noch einmal beschrieben: „ Vera ließ sich von seiner vernarbten Fassade und dem derangierten Reetdach nicht täuschen. Das mochte angeschlagen sein, aber es würde noch hier stehen, wenn sie schon längst ihren Abgang durch die Brauttür gemacht hatte, die Füße voran.“ (Seite 48)

    Vera verbringt ihr ganzes Leben in diesem Haus, wird aber von den Einheimischen trotz ihres plattdeutschen Dialektes immer als fremd hinzugekommen angesehen. Sie ist und bleibt unangepasst, was nicht jedem im Dorf gefällt. Doch in diesem Menschenschlag hat jeder seine Eigenheiten, die die Autorin gut zur Geltung bringt. Außerdem ist sie nicht die einzige Fremde, denn inzwischen haben auch die Städter das Landleben für sich entdeckt.

    Eine weitere Hauptrolle spielt Anne mit kleinem Sohn. Sie lebt in einem vornehmen Stadtviertel von Hamburg und gibt Musikunterricht. „Die Kinder, die in ihre Kurse kamen, konnten nichts dafür, dass sie Clara-Feline oder Nepomuk hießen, dass ihre Eltern sie wie Preispokale durch die Straßen von Ottensen trugen und von einer Frühförderungsmaßnahme zur nächsten schleppten.“ (Seite 50) Nachdem Anne die unvermeidliche Desillusionierung einholt („Dann kam der Tag mit all den Windeln und den Flaschen, mit Schnullerketten, Handschuhen und Mützen, die immer weg waren, mit Kinderarztterminen, Sandformen, Matschhosen, Wickeltaschen, und plötzlich waren das Mutterglück und die Dankbarkeit nicht mehr auffindbar, sie rutschten tief unter die Feuchttücherpakete, gingen unter in Babyschwimmbecken und Getreidebrei“ - Seite 73) und sie den Vater ihres Sohnes inflagranti erwischt, flieht sie zu ihrer Tante Vera. Nach und nach gelingt es ihr, nicht nur die alte Frau, sondern auch das Haus und die Nachbarschaft zu verändern.

    Das Buch hat mich schon alleine wegen der Sprache begeistert. Die Autorin schreibt amüsant und augenzwinkernd. Ihr entgeht nichts! Sie beobachtet sehr genau und erweckt ihre Protagonisten so zum Leben. Hier haben alle Charaktereigenschaften ihren Platz gefunden: Stolz und Vorurteil, Stärke und Schwäche, Trauer und Lebensfreude, Sprödigkeit und Gefallsucht. Für mich war dieses Buch ein echtes Lesehighlight. 

    Kommentare: 3
    30
    Teilen
    winter-chills avatar
    winter-chillvor 4 Monaten
    Deutsche Geschichte am Beispiel dreier Frauen

    Wenn man so möchte, ist „Altes Land“ ein Abriss der bundesdeutschen Geschichte – über drei Generationen erzählt, von den Nachkriegstagen bis in die unmittelbare Gegenwart. Allerdings ist Dörte Hansens Roman dann doch so anders als die üblichen Jahrhundert-Familien-Romane und gerade auch deshalb so erfrischend, so besonders, so gelungen.


    Hansen erzählt die Geschichte nicht chronologisch und auch eher in relativ kurz angestoßenen Biografien, ohne historischen Ballast. Im Mittelpunkt ihres Romans stehen die Frauen. Eine davon ist Vera – zusammen mit ihrer Mutter Hildegard von Kamcke flüchtet sie 1945 aus Ostpreußen und kommt auf einem Hof im Alten Land – unweit von Hamburg – unter. Vera erlebt eine harte Kindheit: sie und ihre Mutter müssen in der kalten Knechtekammer schlafen, nachts muss Hildegard für ihre Tochter Milch stehlen. Weil Hildegard für die Opferrolle kein Talent hat, zieht sie nach Hamburg weiter und lässt ihr Kind allein auf dem Hof zurück.

    Die anderen Frauen in „Altes Land“ spiegeln wieder andere weibliche Stereotype der deutschen Geschichte wider: So kennt Veras nach dem Krieg geborene Halbschwester Marlene die entbehrungsreiche Zeit nicht. Sie ist allerdings stets getrieben vom Willen, in der Gesellschaft aufzusteigen. Ihrem Mann und ihren Kindern gönnt sie keine Schwäche. Marlenes Tochter Anne steht für die Großstädterin von heute: die gescheiterte Künstlerin lebt in Hamburg-Ottensen und merkt bald, dass sie unter all den perfekten Öko-Müttern mit ihren tollen Jobs nicht zurechtkommt. Als sie von ihrem Lebensgefährten verlassen wird, flüchtet sie mit ihrem kleinen Sohn zu ihrer eigenbrötlerischen Tante Vera ins Alte Land. Und irgendwie sind sich beide ähnlicher als gedacht.

    Der Roman ist recht kurz und Dörte Hansen erzählt die Geschichte ohne große Ausschweifungen und ohne viele Worte – trotzdem schafft sie es die Biografien der Frauen und somit auch ein Stück der deutschen Geschichte sehr einprägsam und detailliert wiederzugeben. Es geht um den Verlust der Heimat und um Flucht, um die Suche nach Anerkennung und die Rolle der modernen Frau oder was von ihr erwartet wird. Die einzelnen Erzählstränge sind zum Teil sehr traurig, zum Teil aber auch sehr humorvoll, fast schon satirisch. Gerade wenn die Städter beschrieben werden, die nun alle ins Alte Land strömen, dort einen alten Bauernhof renovieren und getrieben von einer Sinnsuche plötzlich Gelees herstellen oder töpfern wollen.

    Ein wunderbarer Roman, großartig erzählt. Eine Geschichte, die mich unterhalten hat, bei der ich weinen musste, aber genauso oft lachen. Eines der besten Bücher, die ich bisher in diesem Jahr gelesen habe.

    Kommentare: 2
    9
    Teilen
    Duffys avatar
    Duffyvor 4 Monaten
    Ein gelungenes Debüt

    Vera Eckhoff ist Flüchtlingskind aus Ostpreußen. Es verschlägt sie mit ihrer Mutter auf einen Hof im Alten Land. Die lässt ihr Kind zurück und Vera erbt den Hof und das Haus, fürchtet sich vor dem Haus, kann aber nicht gehen und lebt dort nach dem Tod ihres kranken Mannes alleine. Die Beziehung zu dem Haus ist zwanghaft, bis nach sechzig Jahren wieder Flüchtlinge aufgenommen werden müssen. Ihre Nichte Anne mit Leon, ihrem kleinen Sohn, wurden von Annes Mann verlassen und ziehen nun in das alte Haus ein. Die beiden Frauen haben ihre Heimatlosigkeit gemeinsam und beide fanden bis dahin noch keinen Weg, sich mit ihrer Vergangenheit konstruktiv auseinanderzusetzen. Doch dann beginnen sich mit der Renovierung des Hauses die Dinge zu verändern.
    Eine anrührende Geschichte schreibt die Autorin über das Leben auf dem Land. Die Vorurteile und die Schönheit kann sie genauso ausführlich beschreiben wie die Wechselwirkungen mit der Natur. Eine ruhige und in sich schlüssige Familiengeschichte mit emotionalen Spannungen und Höhepunkten, die nie übertreibt und immer menschlich ist. Das große Plus ist die Ehrlichkeit, mit denen die Protagonisten agieren und noch ein weiterer Genuß ist der Stil von Dörte Hansen. Sie beherrscht die Form der kurzen Sätze und des Weglassens, knapp und prägnant kommen ihre Beschreibungen, knapp auch die Dialoge. Kein Wort ist zuviel und die hohe Kunst dieser minimalen Form gleich im Debüt zeigen zu können, lässt den Rezensenten froh sein, dass hier endlich mal ein Debüt zu Recht etwas gehypt wurde und es zum Bestseller brachte. Verdient.

    Kommentieren0
    17
    Teilen
    N
    ninaliestvor 6 Monaten
    Purer LeseSPASS!

    Vera Eckhoff, ein Flüchtlingskind aus Ostpreußen wohnt seit mehr als 60 Jahren zurückgezogen im „Alten Land“, dem Haus, in das sie damals aus Ostpreußen mit ihrer Mutter kam. Nachdem Veras Mutter den Sohn des Hauses geheiratet hatte, entstand der klassische Schwiegermutter-Konflikt, dem Veras Mutter entfloh, in dem sie auszog und Vera zurückließ.
    Jahre später steht Veras Nichte Anne mit ihrem Sohn Leon vor der Tür und sucht einen Unterschlupf, da sie sich von ihrem Mann getrennt hat und sie außerdem die perfekten Vorstadtmütter aus Hamburg-Ottensen nicht mehr erträgt. Vera taut dank ihren neuen Mitbewohnern mehr und mehr auf und man lernt den weichen Kern hinter ihrer harten Schale kennen. Denn auf ihre eigene Art und Weise ist sie sehr liebenswert und für ihren Nachbarn, mit dem sie regelmäßig Karten spielt sogar eine größere Stütze als dessen eigene Söhne.

    Dörte Hansen schreibt amüsant und pointiert über die verschiedenen Arten von Menschen, die jeder von uns kennt. Mit den passenden Worten beschreibt sie die „Städter“, die von der Zeitschrift „Landlust“ inspiriert, auf dem Land jetzt ihre Erfüllung finden wollen und ihre High Heels gegen Gummistiefel tauschen, um literweise Bio-Apfelsaft herzustellen, den keiner kauft; über die störrischen alteingesessnen Bauern, die sich über die Zugezogenen amüsieren oder über die  perfekten Vorstadtmütter aus Hamburg-Ottensen, die einfach alles können, ihre Töchter auf dem Spielplatz die Rutsche Stufe für Stufe „hochjubeln“ und die Schnuller und Flaschen, die die Kinder aus ihren Buggys werfen „wie gutmütige Hunde apportieren“.
    Ihr wunderbarer Schreibstil macht großen Spaß beim Lesen!

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    B
    BuecherVonInnenvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Man legt es beendet zur Seite und fühlt sich anders als zu Beginn des Buches. Satt, zufrieden mit einem Lächeln auf den Lippen. Das bewirkt
    Ein Buch, das die Gefühle sättigt

    Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

    Welch eine Wohltat ist dieses Buch, nachdem ich über Wochen versuchte mit dem Buch von „Jennifer Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen“ warm zu werden. Die Autorin erlebte ich auf der Frankfurter Buchmesse und wurde richtig neugierig auf ihr Buch. Ein Buch, das mich leider nur langweilte. Ein Platz auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis ist kein Garant für ein gutes Buch. Nach 61 Seiten und etwas quer lesen gab ich auf. Es blieb der Eindruck, dass aus diesem Thema so viel hätte gemacht werden können. Dass das Buch von Seite 1 an mit dem Gedanken im Hinterkopf an einen Buchpreis X geschrieben wurde. Schade!

    Wie immer im Herbst und um die Weihnachtszeit herum, gelüstet es mich nach kitschigen Büchern. Letztes Jahr las ich tatsächlich eines von Jojo Moyes. Asche über mein Haupt.

    Irgendwie erwartete ich ein gefühlskitschiges Buch, als ich „Altes Land“ in die Hand bekam. Wie ich darauf aufmerksam wurde, weiß ich heute nicht mehr.

    Die knorrige, aber auch liebenswerte, Vera nimmt gezwungenermaßen ihre Nichte auf. Beide sind Einzelgängerinnen die, in dem Haus mit der eigenen Geschichte, als Geflüchtete ihre Heimat finden. Die Beschreibung der Gegenwart wird mit Rückblenden unterbrochen, die die Geschichte von Vera, Annas Mutter und der des Hauses beschreiben.

    Angesiedelt auf dem Land hätte die Geschichte richtig ins kitschige abgleiten können. Dem ist nicht so. Natürlich wird die Landromantik auch berücksichtigt. In Beschreibung eines gefeuerten Journalisten, der sich in dem Ort nieder lässt und nun mehr ein Leben mit Schilderungen aus der „Landlust“ leben möchte, statt als Stadtmensch. Hierbei macht er sich zum Gespött der Bewohner und diese Landleben Parodie genoss ich sehr.

    Das Buch ist ganz, ganz großes Erzählkino!  Es beschreibt Gefühle, ohne Gefühle zu beschreiben. (Ist verständlich, was ich meine?) Nicht zu verwechseln mit Kitsch.

    Zwischendurch, so vollkommen unerwartet, taucht ein Satz auf, der so tief ins Gefühl geht, dass ich schier das Atmen vergesse.

    Manchmal ist es sarkastisch geschrieben, was ich sehr mag.

    Das Buch beinhaltet 287 Seiten, die satt machen. Gefühlsmäßig satt. Man legt es beendet zur Seite und fühlt sich anders als zu Beginn des Buches. Satt, zufrieden mit einem Lächeln auf den Lippen. Das bewirkt bei mir der oben genannte Schreibstil, die Verwendung von Vergleichen und Metaphern, aber auch der Inhalt.

     


    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Christine2000s avatar
    Christine2000vor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ein neuer Blick aufs alte Land
    Harte Schale, weicher Kern

    Über das Buch wurde viel geschrieben, deshalb will ich auf den Inhalt nicht weiter eingehen. Für mich ist es eine überaus gelungene Geschichte von tiefen Seelenverletzungen durch Krieg und Flucht, die über drei Frauen-Generationen langsam und mitunter sehr qualvoll in Heilung gehen. Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass ich über die vorletzte Generation, der jetzt ungefähr dreißigjährigen Anne eigentlich zu wenig erfahre, als wäre der Blick ins Jetzt zu indiskret, ließe sich erst wieder im Rückblick erfassen. Ansonsten war ich absolut gefesselt vom scharfen, sezierenden Blick der Autorin, die sich alten Häusern, verletzten Menschen und der in den Jahreszeiten sich wandelnden Natur des alten Landes über eine metaphernreiche Sprache wie in Baumkreisen nähert und am Ende zu einer Mitte findet. Das Buch steckt voller Humor und scharfem Witz, Verständnis und Liebe für die schroffen Charaktere und ihre lakonische Art, am Leben und an der Einsamkeit zu leiden. Eine absolute Leseempfehlung. Mir gefiel es so gut, dass ich es auch noch als Hörbuch, passend -kantig gelesen von der wunderbaren Hannelore Hoger, genossen habe.

    Kommentare: 2
    12
    Teilen
    Schlehenfees avatar
    Schlehenfeevor 9 Monaten
    Willkommen in der Gummistiefelwelt

    Den Inhalt und meine Meinung zu „Altes Land“ zusammenzufassen oder auch nur zu beschreiben fällt mir schwer, aber ich versuche es.

    Erwartet hatte ich eine Geschichte mit Fokus auf Vera und Anne, doch es werden auch noch andere Charaktere mehr oder weniger lang beschrieben, so dass ein Panorama entsteht. Das störte mich bisweilen, wollte ich doch wissen, wie es mit den beiden Frauen weitergeht.

    Dörte Hansens Schreibstil gefiel mir, doch rückblickend stelle ich bei mir auch eine gewisse Distanz zur Handlung und den Charakteren fest, die dieser bewirkt hat. Es ist ein Buch, das man nicht „mal eben zwischendurch“ liest.

    Das liegt wohl auch an dem unterschwelligen Zynismus mit dem manche Personen und Ereignisse beschrieben wurden und der es mir nicht leicht machte, Gefallen an dem Buch zu finden, andererseits aber wieder zum Nachdenken anregte. Ich bin hin- und hergerissen. Es ist wieder eins der Bücher, die mich auf einer persönlichen Ebene nicht so ansprechen, aber gesellschaftliche oder historische Relevanz besitzen. Oder waren es auch die Klischees, sei es über Städter oder Landbewohner, die als wesentliche Charaktermerkmale verwendet werden?

    Burkhard Weißwerth der Städter, der Romantik suchte, aber nie aufs Land passte, sorgte noch für Schmunzeln bei mir.

    Anne, die nichts mit den Hamburger „Vollwert-Eltern“ anfangen kann, sich von ihrem Sohn aber dennoch beim Vornamen nennen lässt, wird als planlose Hilflos-Mutter dargestellt, deren Sohn „natürlich“ Läuse bekommt, was die Kita-Leitung im Alten Land schon bei der Anmeldung abgesehen hat... Das störte mich schon von Berufs wegen (Erzieherinnen kommen bei Frau Hansen nicht gut weg – und welche KiTa schließt denn schon um 15h?).

    Aus Anne wusste ich mir keinen Reim zu machen, sie war so lethargisch, dass sie unglaubwürdig wirkt.
    Auch die Beschreibung der Suche nach den Wurzeln in Ostpreußen wirkte auf mich, als wolle die Autorin sich lustig machen über die Leute, welche im Bus die alten Lieder singen. Ihre Beschreibung der Flucht aus Ostpreußen stellte dagegen für mich die emotionalste Passage des Buchs dar.

    Vielleicht ist alles das „trockener Witz“ im Norden und ich als Rheinländerin tue mich schwer damit? Oh halt, das ist auch ein Klischee!
    3 Sterne für die Story, plus einen für die Umsetzung des Themas Suche nach Heimat und Generationskonflikte.

    Kommentieren0
    7
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    Daniliesings avatar


    Die Vorweihnachtszeit ist doch die schönste Zeit im Jahr für tolle Buchempfehlungen, oder? Da es ja schon eine kleine Tradition geworden ist, möchten wir vom LovelyBooks Team euch auch 2015 wieder unsere Lieblingsbücher des Jahres empfehlen und einen von euch sogar mit einem Buchpaket, das alle 15 Bücher enthält, glücklich machen! Bevor es mit den einzelnen Lieblingsbüchern losgeht, möchten wir euch aber ein wunderbares Kinderbuch ans Herz legen, das uns alle bezaubert hat und das Klein und Groß mit seiner berührenden Geschichte in seinen Bann zieht! "Lua und die Zaubermurmel" ist unser gemeinsamer Buchtipp für das Jahr 2015.

    Unsere Buchempfehlungen:

    1. kultfigur empfiehlt: "Unterwerfung" von Michel Houellebecq
    Ein hochinteressantes Gedankenspiel zum schlummernden Konfliktpotential in unserer Gesellschaft und der Anpassungsfähigkeit des Einzelnen. Zeitlos und aktuell zugleich. Für mich ein geniales Buch, gerade weil es stellenweise auch banale und langweilige Seiten hat - denn so sind wir Menschen nunmal.

    2. Daniliesing empfiehlt: "Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel" von Bradley Somer
    Ein Goldfisch fällt aus dem 27. Stock - vorbei an den vielen Fenstern des Hochhauses und den Geschichten der Menschen dahinter. Gekonnt verknüpft Bradley Somer die einzelnen Schicksale dieser Menschen - mal ganz gewöhnlich, mal total abstrus und verbindet sie zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk, das man in dieser Form bestimmt noch nicht gelesen hat! Genial!

    3. TinaLiest empfiehlt: "Im Frühling sterben" von Ralf Rothmann
    Ralf Rothmann hat mich mit seinem sprachlich sehr beeindruckenden Roman "Im Frühling sterben" aus einer Leseflaute geholt: Ich habe ebenso gebannt wie erschüttert von den Erlebnissen des Protagonisten Walter während der letzen Monate im zweiten Weltkrieg gelesen & auch nach dem Lesen hat mich der Roman nicht so schnell losgelassen. Ein beeindruckendes, leises und sehr starkes Buch!

    4. doceten empfiehlt: "Chaos" von David Mitchell
    In "Chaos" erzählt David Mitchell in neun Geschichten über den freien Willen des Einzelnen in einer deterministisch-chaotischen Welt - nicht das kleinste Thema für einen Debütroman. Nahezu mikroskopisch klein sind jedoch oft die verbindenden Elemente zwischen den Geschichten, bis sie sich in ein großes Ganzes fügen, das wir wohl Leben nennen. Wer die Erzählweise aus dem bekannteren "Cloud Atlas" mag, wird auch von "Chaos" begeistert sein - ich bins!

    5. Malista empfiehlt: "Die schönste Art, sein Herz zu verlieren" von Mamen Sánchez
    Es gibt Bücher, die liest man und am Ende waren sie gut. Und es gibt Bücher wie Mamen Sanchez' "Die schönste Art sein Herz zu verlieren", erschienen im Thiele Verlag, welches einen auf eine Reise mitnimmt, die niemals enden soll! Die Faszination des Buches liegt in den pointierten Beschreibungen der Protagonisten, ihrer Herkunft und ihrer Lebensstile, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Unbedingt lesen!

    6. ValerieLiebtLesen empfiehlt: "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili
    Ich habe das Familienepos dieses Jahr im Sommerurlaub in Portugal gelesen und war vom ersten Moment an gefesselt von dieser spannenden Geschichte rund um acht beeindruckende Frauenfiguren. Die 1200 Seiten habe ich verschlungen und danach war ich fast ein wenig wehmütig, dass die Geschichte "schon" rum war. Grandios!

    7. Sophia29 empfiehlt: "Das Geheimnis des weißen Bandes" von Anthony Horowitz
    In diesem Jahr bin ich auf den Sherlock Holmes-Geschmack gekommen. Deswegen zählt „Das  Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz zu meinen absoluten Lesehighlights 2015. Die ersten Seiten dieses Buches haben ausgereicht, um mich voll und ganz in seinen Bann zu ziehen:   London im November 1890 – der unvergleichliche Detektiv Sherlock Holmes und sein alter Freund Dr. Watson setzen alles daran, das Geheimnis um „Das weiße Band“ schnellstmöglich zu lüften, um   weitere Morde zu verhindern. Ich habe die beiden wirklich gerne auf ihrer Verfolgungsjagd begleitet und von Seite zu Seite mehr der Auflösung dieses dubiosen Falls entgegengefiebert. Dieses Buch bietet nicht nur durch und durch sympathische Protagonisten und einen einzigartigen Stil des Autors, sondern garantiert vor allem auch Spannung bis zum Schluss.

    8. HannaBuecherwurm empfiehlt: "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss
    Lasst euch nicht vom schleppenden Anfang des Buches trügen! Sobald ihr diesen einmal hinter euch habt, wird euch das Buch vollkommen fesseln und bis zur letzten Seite nicht mehr loslassen. Vor allem der originelle Schreibstil macht dieses Buch aus, macht euch darauf gefasst, wiederholt in Lachen ausbrechen zu müssen. Das Buch ist der Auftakt zu einem fantastischen Fantasy-Epos, auf dessen Fortsetzung ich nun richtig gespannt bin!

    9. aba empfiehlt: "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie
    Gegen Ende des Jahres nur ein Lieblingsbuch zu nennen, fällt einem oft schwer, wenn fast jedes gelesene Buch diese Auszeichnung verdienen könnte. Dieses Mal ist es bei mir nicht so, ich musste keine Sekunde lang überlegen, die Entscheidung stand schon im Frühjahr fest. "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie ist mein absolutes Lieblingsbuch aus 2015. Für so viel Leidenschaft, so konsequente und menschliche Charaktere, und eine glaubhafte und spannende Entwicklung habe ich dieses Buch sehr geliebt.

    10. Kathycaughtfire empfiehlt: "Wer die Nachtigall stört ..." von Harper Lee
    Eines der Bücher, das man in seinem Leben unbedingt gelesen haben sollte. Es ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur, aber einer, den man schlichtweg lieben muss. Die Geschichte ist wunderschön, die Botschaft nach wie vor eine unglaublich wichtige und Harper Lee eine grandiose Autorin.

    11. markusros empfiehlt: "Vom Inder, der auf dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" von Per J. Andersson
    Das Buch und speziell der so mutige Pikay haben mir die eigene Lust am Abenteuer und an fernen Ländern nicht nur in den Lesestunden zurückgebracht. Ich bewundere den Mut, sich aus Überzeugung für eine Sache in Situationen zu begeben, ohne vorher alle Eventualitäten intellektuell durchdacht und durchdrungen zu haben.

    12. Tree_Trunks empfiehlt: "Altes Land" von Dörte Hansen
    Für mich ist "Altes Land" von Dörte Hansen eines der besten Bücher 2015 gewesen. Die Geschichte beschreibt die kleinen Wunden, die sich die Generationen einer Familie gegenseitig zufügen können und erzählt von der Bürde der Vergangenheit. Gleichzeitig hat Dörte Hansen einen tollen Humor, der mich wirklich laut zum Lachen gebracht hat und der von einer ungetrübten Menschenkenntnis zeugt. Ein großartiges Buch über menschliche Stärken und Schwächen!

    13. Tasmetu empfiehlt: "Ich bin Malala" von Malala Yousafzai
    Dieses Buch war so viel mehr als das, was ich erwartet habe und ließ mich tief berührt und nachdenklich zurück. Es ist die Geschichte des Swat Lands, es ist die Geschichte der Taliban, des Islams, es ist die Geschichte ihres Dorfes, ihrer Eltern, ihrer Freunde, ihrer Heimat, ihrer Flucht. Sympathisch, aufrüttelnd, aktuell.

    14. nordbreze empfiehlt: "Bora" von Ruth Cerha
    Die Frankfurter Verlagsanstalt sollte dieses Buch nur zusammen mit einem Flugticket nach Kroatien verkaufen. Obwohl ich schon immer eine Wasser-Sehnsucht hatte, war diese noch nie so stark wie beim Lesen von "Bora". Ich möchte auch eine Insel erkunden, klettern, schwimmen, Wein trinken (ich mag gar keinen Wein ..) und Fisch essen. Ruth Cerha beschreibt das Inselleben einfach, alltäglich, aber trotzdem prägnant, so dass man das Gefühl hat, schon einmal dort gewesen zu sein (was ich für mich ausschließen kann. Ich war noch nie in Kroatien). Hinzu kommen mit Mara und Andrej zwei unaufdringliche Protagonisten, deren Liebesgeschichte so dezent aufgestellt ist, eigentlich will ich das gar nicht Liebesgeschichte nennen. Zwischen den beiden herrscht einfach eine große Vertrautheit, die ohne große Worte auskommt.

    Seid ihr neugierig auf unsere 15 Lieblingsbücher 2015 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 6. Januar Zeit, bei der Verlosung eines tollen Buchpakets mit allen 15 Büchern mitzumachen.

    Jetzt müsst ihr uns über den "Jetzt bewerben"-Button ganz oben nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei:

    Da wir selbst immer so gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Welche sind eure Buchgeschenktipps des Jahres?


    Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!
    Zur Buchverlosung

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks