Dörte Schipper

 4.3 Sterne bei 9 Bewertungen

Lebenslauf von Dörte Schipper

Dörte Schipper, aufgewachsen in Köln, zog es nach dem Abitur Richtung Norden. Seit 1990, nach Abschluss ihres Filmstudiums in Hamburg, arbeitet sie als Fernsehjournalistin in der Hansestadt, anfangs für ein Satiremagazin. Seit vielen Jahren ist sie erfolgreich als Autorin und Regisseurin in den Bereichen Dokumentation und Reportage tätig. Ihre zahlreichen Filme wurden zumeist mit großer Resonanz in der ARD gesendet, einige davon sind prämiert worden. Dem Buch, Den Tagen mehr Leben geben, ist eine Fernsehdokumentation in der ARD vorausgegangen, für die die Autorin mit dem Erich-Klabunde-Preis ausgezeichnet wurde.

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Rezension zu "Den Tagen mehr Leben geben" von Dörte Schipper

Berührend und tiefsinnig
rumble-beevor 9 Monaten



Schon seit Jahren bin ich um dieses Buch herumgeschlichen. Einerseits reizte es mich vom Standpunkt des langjährigen Sachbuchlesers aus. Es war einfach ein zu schönes, ungewöhnliches Thema – ein Spitzenkoch, der freiwillig seine Karriere an den Nagel hängt, um ins Hospiz kochen zu gehen. Ein Abstieg, der letztlich keiner war. Gereizt hat es mich aber auch, weil ich selber schon Hospizarbeit gemacht habe, und auch heute noch mit Menschen am Ende ihres Lebens in der Pflege zu tun habe. Ich erhoffte mir also einerseits eine journalistisch gut aufgearbeitete Geschichte, andererseits Einblicke in den Hospizalltag.

Ich bin wahrlich nicht enttäuscht worden. Das Buch las sich einerseits dermaßen flüssig weg, dass es – trotz des ernsten Themas – eine wahre Freude war. Es war andererseits gut recherchiert, und dennoch „menschlich“ erzählt. Es bot einen sehr gut austarierten Mix aus Emotion und Hintergrundinfo. 

Man merkt schon, dass die Autorin Journalistin ist. Sie weiß genau, wie weit sie gehen darf, und was die Leser interessiert. Dabei lässt sie natürlich das Hauptthema des Buches, den Koch Ruprecht Schmidt, nicht aus den Augen. Er ist zwar der Aufhänger, bietet aber genügend Gelegenheit, Abstecher in die Krankenzimmer und zu den Bewohnern des Hauses „Leuchtfeuer“ zu machen.

Das Buch ist wie eine warmherzige Erzählung geschrieben. Ruprechts Lebenslauf wechselt sich immer wieder ab mit neu einziehenden Bewohnern, mit deren Hintergrundgeschichten, mit ihren Lieblingsgerichten und aktuellen Konflikten, die sich aus der Pflegesituation ergeben. Da ist die strenge alleinerziehende Mutter, die erst durch ihre tödliche Erkrankung lernt, zu genießen. Da ist der schüchterne Buchhalter, der seiner zweiten Frau monatelang den Hof gemacht hat, und als letztes Lieblingsgericht noch den Pflaumenquark aus einem Urlaub in Jugoslawien behalten hat. Und da ist die Lehrerin mit Magenkrebs, die nur noch kleinste Portionen zu sich nehmen kann, und dennoch vor Glück und Gelassenheit strahlt. Ich habe sehr oft wirklich zwischen Lachen und Weinen geschwankt.

Als besonders wohltuend habe ich empfunden, dass sich die Autorin mit einer eigenen Meinung zurückhält, und soweit als möglich die Beteiligten im „O-Ton“ zu Wort kommen lässt. Ruprecht Schmidt erzählt zum Beispiel auf berührende Weise, wie sich durch seine Arbeit seine allgemeine Lebenseinstellung und sein Berufsethos gewandelt hat. Dass er allerdings immer noch nicht weiß, wie er selber auf den Tod reagieren wird. Auch die Bewohner und Angehörigen erzählen. Und dadurch entsteht ein lebendiges Bild vom Menschsein, vom Genuss, vom Leben und Sterben.

Ich habe mir viele Fragen gestellt. Was bedeutet Essen und Genuss für mich? Welche Erinnerungen hege ich zum Beispiel an Familienfeiern oder Lieblingsgerichte? Essen hat ja auch viel mit sozialer Interaktion zu tun. Mit Familie und Feiern. Mit Urlauben oder Jubiläen. Was ist für mich Genuss? Wo ist der Sinn des Lebens und Sterbens?

Alle diese Fragen vermittelt das Buch in warmherzigem Ton, sehr unaufgeregt, aber extrem gut lesbar. Ich wünsche ihm noch viele weitere Leser.

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F

Rezension zu "Den Tagen mehr Leben geben: Der Starkoch vom Hospiz und seine Gäste (HERDER spektrum)" von Dörte Schipper

Ein bemerkenswert spannendes und überraschendes Buch.
falkvor 2 Jahren


"Ich definiere mich als Koch nicht mehr darüber, wie viel gegessen wird, sondern, ob ich die Menschen damit erreiche." Früher war er Küchenchef in einem Nobelrestaurant. Heute kocht er im "Leuchtfeuer", einem Hamburger Hospiz. Die meisten seiner Gäste haben Krebs im Endstadium.


Mit dem Einzug ins Hospiz rückt für die sterbenskranken Menschen das Endgültige immer näher. Vorbei mit: "Das kann ich noch nächstes Jahr machen." Es gilt nur noch das Heute und Jetzt. So unterschiedlich, wie sie gelebt haben, gehen die Menschen auch mit der Gewissheit um, bald sterben zu müssen. Viele fühlen sich wie zu Hause und gut aufgehoben in der familiären Atmosphäre des Hospizes. Einige fühlen sich abgeschoben und lassen ihren Frust genau an den Menschen aus, die sie am meisten lieben. Für die einen ist der Tod ein Tabu, andere reden pausenlos über das Sterben – mit schwarzem Humor, Ironie, oder abgeklärt und nüchtern. Manche finden Trost in der Religion, manche im Sarkasmus. Begriffe wie Harmonie und Dankbarkeit werden plötzlich wichtig. Zwischenmenschliche "Baustellen", die schon seit Jahren gären, sollen unbedingt noch schnell bereinigt werden. Es können sich aber auch neue auftun.

 

Verhalten, Wünsche und Gedanken der Menschen verändern sich, je näher der Tag rückt. Wer heute noch Scherze macht, kann morgen unendliche Angst haben, verbittert sein oder umgekehrt. Trotz der extremen Gefühlsschwankungen, zeigt sich bei den Bewohnern eines durchgehend: Auch wer unwiderruflich weiß, seine Tage sind gezählt, kann noch genießen, lachen und Momente des Glücks erleben.

 

Lebensbejahend, wie die Atmosphäre im Hospiz, ist auch das Buch. Es erzählt über einen außergewöhnlichen Koch und die Lebensgeschichten seiner Gäste.

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Rezension zu "Den Tagen mehr Leben geben" von Dörte Schipper

Rezension zu "Den Tagen mehr Leben geben" von Dörte Schipper
Sophia!vor 8 Jahren

Die Journalistin und Autorin Dörte Schipper beschreibt in diesem Buch Ihre Erlebnisse und Eindrücke, die Sie während des Aufenthalts im Hamburger Hospiz „Leuchtfeuer“ sammeln durfte. Die daraus entstandene ARD-Reportage „Der Luxuskoch vom Hospiz“ fand durchweg positive Resonanz und wurde bereits mit dem Erich Klabunde-Preis gekürt.

„Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben.“
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Ein guter Vorsatz! Doch wie kann es gelingen, gerade den Menschen, die nicht mehr gerettet werden können und auf den eigenen Tod warten, Frieden zu schenken in den letzten Tagen ihres Lebens? Wie kann man ihnen in einer solchen Situation überhaupt noch eine Freude bereiten?
Für Ruprecht Schmidt, ehemaliger Küchenchef eines Nobelrestaurants ist eines völlig klar:
„Essen heißt, ich lebe noch!“
Hier sieht er einen wichtigen Ansatz, wie auch Sterbende das Leben noch genießen können. Seine Arbeit im Hospiz erfüllt ihn. Endlich kann das Bedürfnis gestillt werden, auf zwischenmenschlicher Ebene mit seinen Gästen in Kontakt zu treten.
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Besonders interessant ist, dass der Koch unterschiedliche Lebensgeschichten kennen lernt und sich auch mit verschiedenen Bewältigungsstrategien seiner Gäste auseinandersetzen muss. Denn schließlich geht jeder von ihnen mit dem bevorstehenden Sterben anders um. Doch eine Gemeinsamkeit bleibt: Alle freuen sich tagtäglich auf die besonderen Gerichte, die sie dank Schmidt genießen dürfen.
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Fazit: Ein Buch, dessen Inhalt zu Herzen geht. Es beschäftigt sich mit einer Frage, die uns alle betrifft. Gerade zur Weihnachts- und Adventszeit sollte man sich damit auseinandersetzen, was wirklich wichtig ist im Leben und wie man jeden Tag sinnvoll verbringen kann.

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