Dörthe Kaiser Chanson triste

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Inhaltsangabe zu „Chanson triste“ von Dörthe Kaiser

Was geschieht mit einem Liebespaar, wenn die Diagnose Krebs die tödlichste aller Scheidemauern aufrichtet: die zwischen Gerade-noch-Lebenden und Jetzt-noch-nicht-Sterbenden? Welcher gemeinsame Raum bleibt? Dörthe Kaiser, die Witwe des deutschen Soziologen Karl Otto Hondrich (1937-2007), erzählt von der Zeit ihres Zusammenlebens: vom Einbruch der Diagnose bis zum Tod ihres Mannes. Im Rückblick lotet sie den Raum aus, den die Krankheit lässt, und die Leere, die nach dem Abschied bleibt.

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  • Rezension zu "Chanson triste" von Dörthe Kaiser

    Chanson triste

    Clari

    05. December 2010 um 23:46

    Sterben und sterben lassen. Jeden Morgen spielt Karl Otto Hondrich Tschaikowskys "Chanson triste"auf dem Klavier, bevor ein weiterer Tag auf dem Weg zu seinem Ende beginnt. Dem bevorstehenden Ende ist ein langer Leidensweg voller Hoffnung, Verzagen und Lebensmut vorausgegangen, bevor er und seine Frau Dörthe Kaiser die Wahrheit akzeptieren, dass er sterben wird. Wenn jung und alt zusammen gehen, so ist das eine besondere Aufgabe. Ein Altersunterschied von 25 Jahren trennt die beiden sehr individuellen Persönlichkeiten Dörthe Kaiser und Karl Otto Hondrich, als sie ihren Lebensweg 2003 beginnen. Er ist Professor der Soziologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/ M. Reflektiert, ehrlich und sehr ernsthaft schildert Dörthe Kaiser ihr Leben mit ihrem Mann, als sie kurz nach der Hochzeit und dem Beginn einer gemeinsamen Zukunft mit der Diagnose "Krebs" aus der Bahn und dem gemeinsamen Leben gerissen werden. Unerwartet und unvorbereitet trifft sie die Diagnose, die das gemeinsame Leben bis zu seinem Ende in einen traurigen Leidensweg verwandeln wird. Sie ist 42 Jahre alt, und er ist Mitte sechzig. Widersprüchliche Diagnosen, Operation und Chemotherapien beginnen alles und jedes in ihrem gemeinsamen Leben zu überschatten. Dörthe Kaiser ist ehrlich, selbstkritisch und genau in der Beschreibung ihrer Ehe und ihres Lebens an der Seite ihres kranken Mannes. Sie verhehlt nicht die schwierigen Zeiten, sich mit diesem Leben zu arrangieren und ihre große Verzweiflung, einen Mann zu verlieren, mit dem sie Interessen, Lebensart und gedankliche Gemeinsamkeiten verbindet. In einer klaren Selbstanalyse beleuchtet die Autorin ihr Leben zwischen Angst, Hoffnung und dem möglichen Tod ihres Lebensgefährten. Dörthe Kaiser bemüht sich redlich, ihrem Mann zur Seite zu stehen. Sie kann die Trauer und das Entsetzen ihrer gemeinsamen Tragödie kaum fassen. Karl Otto Hondrich und Dörthe Kaiser sind intellektuelle Menschen, die sich auf verstandesmäßige Art mit dem Todesgedanken beschäftigen. Verständlich aber wird jede Regung, jeder Gedanke auch an Flucht vor zu viel Schrecken. In allen Berichten über Krebspatienten von dem Kabarettisten Werner Schneyder über den Aktionskünstler Christoph Schlingensief bis zu Dörthe Kaiser wiederholen sich die Erkenntnisse, dass aussichtslose Krankheiten die Betroffenen in der Erwartung auf Heilung zu immer neuen Therapien verleiten, und sie damit in ein unendliches Wechselbad aus Leid, Hoffnung und qualvollem Sterben hineingezogen werden. Dieser Zwiespalt ist nicht zu beheben. Kein Arzt mag die Hoffnung seiner Patienten auf Heilung beenden, auch wenn er weiß, dass alle Therapien nur zur Verlängerung des Leidens beitragen. Und jeder Patient wird für sich die Phasen von Hoffnung, Verzweiflung und unabänderlicher Akzeptanz des nahen Endes durchlaufen. Wie viel Stärke gehört dazu, diesen Zeitpunkt zur rechten Zeit zu finden? Schicksalsschläge ereignen sich. Sie sind Bestanteile unseres Lebens. Wie man damit lebt, sie bewältigt, die Trauer erträgt und doch das Weiterleben nicht aufgibt, das zeigt Dörthe Kaiser einmal mehr in der Schar jener, die darüber zu berichten wissen.

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