D. J. Taylor

 4 Sterne bei 1 Bewertungen
Autor von Bright Young People, The Windsor Faction und weiteren Büchern.

Alle Bücher von D. J. Taylor

Cover des Buches Can You Forgive Her? (ISBN: 9780099528647)

Can You Forgive Her?

 (1)
Erschienen am 01.06.2012
Cover des Buches Bright Young People (ISBN: 9780374532116)

Bright Young People

 (1)
Erschienen am 05.01.2010
Cover des Buches The Windsor Faction (ISBN: 9781605986197)

The Windsor Faction

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Erschienen am 15.09.2014
Cover des Buches At the Chime of a City Clock (ISBN: 9781849013901)

At the Chime of a City Clock

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Erschienen am 24.03.2011
Cover des Buches Ask Alice (ISBN: 9781605982632)

Ask Alice

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Erschienen am 15.12.2011
Cover des Buches Kept (ISBN: 9780099488743)

Kept

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Erschienen am 29.06.2011
Cover des Buches Orwell (ISBN: 9780805076936)

Orwell

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Erschienen am 01.10.2004
Cover des Buches Derby Day (ISBN: 9781605983325)

Derby Day

 (0)
Erschienen am 01.04.2012

Neue Rezensionen zu D. J. Taylor

Cover des Buches Bright Young People (ISBN: 9780374532116)A

Rezension zu "Bright Young People" von D. J. Taylor

Die "Goldenen Zwanziger" in Großbritannien
Andreas_Oberendervor 9 Monaten

Auch in Großbritannien waren die "goldenen" 1920er Jahre eine Zeit überschäumender Lebenslust. Nach vier Jahren Weltkrieg bestand großer Nachholbedarf an Vergnügungen aller Art. Besonders ausgeprägt war die Gier nach Zerstreuung und Amüsement bei den sogenannten Bright Young People, einer Gruppe von jungen Erwachsenen aus adligen und großbürgerlichen Familien. Während gebildete Briten noch heute etwas mit dem Begriff Bright Young People anzufangen wissen, ist dieses kulturelle Phänomen außerhalb Großbritanniens weitgehend unbekannt. Berichte über die extravaganten Parties und anarchischen Streiche der Bright Young People füllten in den 1920er Jahren die Seiten und Kolumnen der britischen Boulevardpresse. D.J. Taylor, Schriftsteller und Sachbuchautor, vermittelt mit seinem Buch einen Einblick in das hemmungslos hedonistische Leben der Bright Young People. Er betrachtet die Gruppe als Kollektiv, geht aber auch auf einzelne Personen und Schicksale ein. Taylor lässt es nicht damit bewenden, die aus heutiger Sicht bizarr und infantil anmutenden Aktivitäten der Bright Young People zu schildern. Er fragt auch danach, was ein Phänomen wie die Bright Young People über die britische Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg aussagt. Obgleich das Buch ohne wissenschaftlichen Anspruch auftritt, ist es ein lesenswerter Beitrag zur Sozial- und Kulturgeschichte Großbritanniens in den 1920er Jahren.

Die Bright Young People waren Söhne und Töchter aus gutem Hause. Sie waren um 1900 geboren worden, hatten den Ersten Weltkrieg als Jugendliche erlebt und traten nach Kriegsende ins Erwachsenenleben ein. Viele männliche Mitglieder der Bewegung hatten sich in Privatschulen und an Oxbridge-Colleges kennengelernt. Die Bright Young People waren kultiviert, gebildet und kreativ; viele versuchten sich als Literaten. Angehörige der Mittel- und Unterschicht spielten in der Bewegung kaum eine Rolle. Es lässt sich heute nicht mehr feststellen, wer den Begriff Bright Young People prägte. Mitte der 1920er Jahre war er jedenfalls in den täglichen Sprachgebrauch eingegangen. Medien und Gesellschaft benutzten ihn gleichermaßen. In Anspielung auf die Kombination von "guter" Herkunft und nonkonformistischem Lebenswandel sprachen manche Beobachter auch von einer "Bohemokratie" (bohemocracy). Die Bright Young People waren ein rein hauptstädtisches Phänomen. Außerhalb Londons, in der Provinz und erst recht im Ausland fasste die Bewegung nicht Fuß. Die enorme mediale Aufmerksamkeit, die die Bright Young People genossen, stand in auffälligem Kontrast zur geringen Größe der Gruppe, die weniger als 2.000 Personen umfasste. Die Bright Young People hatten weder ein Programm noch Ziele; ihre Aktivitäten waren vollkommen zweckfrei - es sei denn, man möchte Amüsement um jeden Preis als ernst zu nehmenden Zweck bezeichnen.

Taylor leuchtet die historischen Verhältnisse aus, die ein Phänomen wie die Bright Young People hervorbrachten. Der Erste Weltkrieg hatte die britische Gesellschaft erschüttert. Werte, Verhaltensnormen und Rollenbilder der viktorianisch-edwardianischen Zeit vor 1914 wurden in Frage gestellt. Generationenkonflikte zwischen Eltern und Kindern brachen auf. Jugendliche und junge Erwachsene verspürten das Bedürfnis, sich durch provozierendes Verhalten von ihren "spießigen" Eltern abzugrenzen. Hinzu kamen ein weit verbreitetes Gefühl der Orientierungslosigkeit und die Schwierigkeit, einen Platz im Leben zu finden. Großbritannien war nach dem Krieg wirtschaftlich angeschlagen; viele Söhne aus gutem Hause hatten Mühe, beruflich Fuß zu fassen. Heirat und Familiengründung mussten auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Da sie nichts Besseres mit sich anzufangen wussten, flüchteten sich die Kinder der Oberschicht in Kostümfeste und Crossdressing-Parties, in Alkohol und Drogen, in sexuelle Eskapaden. Die ältere Generation klagte über das sinn- und ziellose, dekadente und frivole Treiben der Jugend, während die Boulevardpresse den Bright Young People das gab, wonach sie nicht weniger gierten als nach Vergnügen - Aufmerksamkeit, Publicity. In den 1920ern erlebte die moderne Boulevardpresse ihre erste Blütezeit. Die Bright Young People profitierten davon genauso wie von der Faszination der Mittelschicht für neuartige Typen von Prominenten - Sportler, Filmstars, Entertainer oder eben feierwütige und genußsüchtige Kinder aus vornehmen Familien.

Von Interesse ist Taylors Buch in erster Linie für Leser, die ein Faible für die Kulturgeschichte Großbritanniens in der Zwischenkriegszeit haben. Die Lektüre ist nicht immer einfach. Im Buch kommen zu viele obskure Figuren vor, die schon in den 1930er Jahren in Vergessenheit gerieten, als die Bright Young People von der Bildfläche und aus den Klatschspalten der Zeitungen verschwanden. Zu oft verliert sich Taylor in der Nacherzählung biographischer Episoden aus dem Leben von Personen, deren Namen heute allenfalls Spezialisten noch geläufig sind. Taylor hat viel Material über eine elitäre Bewegung zusammengetragen, deren historische Relevanz alles in allem begrenzt ist. Nur wenigen Vertretern der Bright Young People gelang zu Ende der 1920er und zu Beginn der 1930er Jahre der Übergang in ein "ordentliches" Leben, beispielsweise als Schriftsteller oder Journalist. Aus dem Kreis der Bright Young People und ihrem Umfeld sind heute eigentlich nur noch die Mitford-Schwestern (vor allem Nancy) und der Schriftsteller Evelyn Waugh allgemein bekannt. Waugh und Nancy Mitford schafften es, sich weiterzuentwickeln und ihre Energie in literarische Schöpfungen von bleibendem Wert zu stecken. Mit vielen anderen Namen, die in Taylors Buch vorkommen, verbinden sich hingegen keinerlei nennens- und erinnernswerte Lebensleistungen. Die Geschichte der Bright Young People ist auch eine Geschichte von sinnlos vergeudeten Kräften, ungenutzt gebliebenen Potentialen, von Menschen, die trotz privilegierter Herkunft und guter kreativer Anlagen als verkrachte Existenzen endeten. Hat man das Buch gelesen, dann regen sich Zweifel, ob die Bright Young People eine fast dreihundertseitige Würdigung wirklich verdienen. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im März 2016 bei Amazon gepostet)

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