Dace Ruksane Warum hast du geweint?

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Inhaltsangabe zu „Warum hast du geweint?“ von Dace Ruksane

Das Weinen zieht sich durch den Roman der jungen lettischen Autorin Dace Ruksane wie ein roter Faden, ein sich rhythmisch wiederholendes Motiv, ja ein Gesang, der für Gefühle, starke Gefühle steht. Ist das lettisch? Oder eher typisch Katrina, die sich dem Leben mit voller Wucht aussetzt, dafür aber auch von nichts verschont wird. Kein Wunder, daß sie aus dem Weinen nicht mehr herauskommt, denn »früher oder später findet sich ja für jeden etwas, worüber er weinen kann«. Und dabei ist die Welt so schön: es gibt Wlad, der allein weiß, wo die roten Margeriten blühen, es gibt Sergej, der den Akzent der lettischen Frauen liebt, und vor allem gibt es Oleg. »Olegs Lippen schmecken nach Honig. Olegs Hals duftet nach Bienenstock. Oleg hat einen klebrigen Bauch und süße Leisten. Olegs Nabel ist eine große Wabe. Olegs Schoß ist ein zarter Nektartropfen. Oleg klebt an Katrina fest und geht nicht mehr ab.

das schönste Buch was ich seit langem gelesen habe! Wunderschön zarte Sprache, tolle Beobachtungen... unbedingt zu empfehlen!!

— lülli

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  • Rezension zu "Warum hast du geweint?" von Dace Ruksane

    Warum hast du geweint?

    HeikeG

    21. May 2007 um 12:46

    Ein Monat konzentriertes Paradies Kennen Sie Dace Rukšāne? Zugegebenermaßen, ich kannte die 1969 in Riga geborene Schriftstellerin bis vor kurzem auch noch nicht. Mit ihrem dritten Buch, welches erstmals auf Deutsch erschienen ist, dürfte sie bald in aller Munde sein. Der Titel des Buches "Warum hast du geweint" hört sich nach tränenreichem Schmöker an und wenn man weiß, dass Dace Rukšāne Chefredakteurin der lettischen Frauenzeitschrift "lilit" ist, verstärkt sich das Vorurteil geradezu. Doch mitnichten, Rukšāne setzt einen anderen Akzent. In einer wundervollen Sprache (in diesem Buch stellt man nicht einfach Blumen ans Fenster, nein, "der Frühling tupft hübsche Hyazinthentopfreihen auf sämtliche Fensterbänke" oder lässt den Winter ein "zyklamenhaftes Geheimnis" sein; zur Erläuterung: Zyklamen sind Alpenveilchen) erzählt sie uns vom Erwachsenwerden im Lettland der Wendezeit. Das Buch beginnt mit einem Aufenthalt im Flughafengebäude Moskau Scheremetjewo, wo die 16jährige Ich-Erzählerin Katrīna (ein Vorstadtmädel aus dem Riga der achtziger Jahre) gemeinsam mit einer Freundin auf einen Anschlussflug nach Nordossetien wartet. Nordossetien?? Genau - Kaukasusrepublik. Denn die zwei Mädchen werden für einen Monat der Enge des Elternhauses entfliehen und eine sommerliche Alpinisten-Reise in die Bergwelt der Fünftausender des Kaukasus unternehmen. "Ein Monat konzentriertes Paradies", im Gegensatz zu "elf Monaten verdünnter Existenz", nennt Katrīna diese Zeit. Dort trifft sie - die "auf Schulfeten kein einziger Junge zum Tanzen auffordert" und die sich ihr Geld beim Schweineentlausen verdient hat – u. a. auf Sergej (den Komponisten aus Leningrad, der so wunderbar Gitarre spielen kann und den Klang der lettischen Sprache mag), auf Wlad (einen sibirischen Rabauken, dessen "Pusteblümchen, zart aber mit tiefen Wurzeln" sie ist) und auf Oleg, den zweiten Instruktor (Bergführer) der Alpinistengruppe. Mit ihm erlebt sie - liebevoll Krümelchen von ihm genannt - ihre erste große Liebe sowie wunderbare, aber auch gefahrvolle Gipfelbesteigungen in landschaftlich traumhafter Kulisse. "Niemals-werde-ich-dir-weh-tun", verspricht er (verheiratet mit Kind - was sie jedoch noch nicht weiß) ihr, und doch wird ihr weiterer Lebensweg, beginnend mit dem Tag der Heimreise, körperlich und vor allem seelisch sehr schmerzhaft sein. Ihr Geld wird gestohlen, sie muss sich allein nach Hause - im wahrsten Sinne des Wortes - kämpfen, erkrankt an einer schweren Lungenentzündung und innerhalb kurzer Zeit sterben zwei ihrer Bergfreunde. Erschütternd unschuldig beschreibt sie einen Abstecher in die verseuchte sibirische Industriestadt Kemerovo. Hinzu kommt der politische Umbruch in Lettland, die Sowjetunion zerfällt. Dann lassen sich auch noch ihre Eltern scheiden und ihre Mutter begeht Selbstmord. "Tausende ungesagter Worte" - Schuldgefühle - lasten auf ihr. Katrīna verfällt in eine schwere Depression, ist desorientiert und antriebslos. Aus dem vormals so unbedarften Mädchen wird eine junge Frau, die lernen muss, ihren eigenen Lebensweg zu gehen. Das Ende hat Dace Rukšāne bewusst offen gelassen. Der Leser wird aufgefordert, Katrīnas Lebensfaden zu Ende zu spinnen. Kern des ersten Romanteils ist der Monat im Kaukasus. Wechselnd in den Zeiten springt Katrīna einmal in die Vergangenheit und dann gleich wieder in die Zukunft, erzählt einmal persönlich, um manchmal in die 3. Person zu verfallen. Dies ist jedoch keineswegs unübersichtlich und verwirrend, da der rote Faden nie verloren geht. Ein wundervoller subtiler Humor steckt zwischen den Zeilen, auch wenn ab und zu von traurigen Ereignissen berichtet wird. Doch die (noch) kindliche Unbedarftheit überdeckt dies alles. Humorvoll grotesk, wie sie am Flughafen ein Glas Fanta für den Geschmack echter Apfelsinen (zudem mit Sprudel) hält und für das sich anzustehen natürlich zehnmal mehr lohnt, als irgendeine berühmt-berüchtigte Mumie, die sich da Lenin nennt. Gleichzeit verwebt Rukšāne romantische Erlebnisse ihrer Heldin mit einer so wundervollen blumigen Poesie, dass es einen zu Tränen rührt. Selten habe ich eine so schöne und romantische Liebesszene, wie die erste Liebesnacht Katrīnas mit Oleg gelesen, fernab jeglichen Kitsches. Stilistisch erinnert mich "Warum hast du geweint" an Saša Stanišićs "Wie der Soldat das Grammofon repariert". Auch hier wird mit einem unschuldigen (Kindheits-)Blick auf die Geschehnisse, deren Dramatik geradezu hervorgehoben. Der zweite Teil des Buches lässt jedoch die romantischen Erlebnisse der Sechzehnjährigen hinter sich. Qualvoller Liebeskummer und eine tiefe Leere bemächtigen sich ihrer. Dies verdeutlicht sich auch im Schreibstil. Wesentlich nüchterner, fast abgehackt berichtet Katrīna. Kurze Sequenzen wechseln, nur manchmal flackern schöne Kindheitserinnerungen gemeinsam mit ihrer Schwester auf und münden am Ende in einen schwermütigen Monolog, der eine desorientierte Gefühlswelt offenbart. Fazit: Ein wundervolles, leises, unaufdringlich eindringliches Buch hat diese bei uns bisher völlig unbekannte lettische Autorin geschrieben. Aussagekräftig aquarelliert sie ein Bild der alten Sowjetunion, malt es in warmen Farbtönen und tupft einen kleinen gewundenen Pfad leuchtender Kindheitserinnerungen sowie einen "leuchtenden Elbrus" (höchster Gipfel des Kaukasus) der ersten Liebe hinein, um am Ende daraus ein in dunklen Farben gehaltenen "Picasso ihrer eigenen Welt" zu machen - ein kleines Meisterwerk. Für mich d i e Neuentdeckung im Frühjahr 2007. "Es gibt Bücher, die in ihrer Wahrheit so beeindruckend sind, dass man nach ihrer Lektüre nichts anderes möchte, als einfach allein sein und still weinen, ohne sich zu schämen." Ich wünsche dieser jungen lettischen Schriftstellerin noch viele begeisterte Leser.

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