Dacia Maraini

 3,8 Sterne bei 90 Bewertungen
Autor von Die stumme Herzogin, Stimmen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Dacia Maraini

Dacia Maraini, geboren 1936 in Fiesole. Aufgewachsen in Japan und Sizilien. Grande Dame der italienischen Literatur. Enge Freundschaften zu Alberto Moravia und Pier Paolo Pasolini. Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen. Ihre Bücher sind in zwanzig Sprachen übersetzt. Zuletzt auf Deutsch erschienen: Die stumme Herzogin (2002), Bagheria. Eine Kindheit auf Sizilien (2002), Gefrorene Träume (2006).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Dacia Maraini

Cover des Buches Die stumme Herzogin (ISBN: 9783492970587)

Die stumme Herzogin

 (34)
Erschienen am 16.02.2015
Cover des Buches Stimmen (ISBN: 9783492240505)

Stimmen

 (11)
Erschienen am 01.12.2003
Cover des Buches Ein Schiff nach Kobe (ISBN: 9783492244466)

Ein Schiff nach Kobe

 (8)
Erschienen am 01.08.2005
Cover des Buches Das Mädchen und der Träumer (ISBN: 9783852567150)

Das Mädchen und der Träumer

 (6)
Erschienen am 21.02.2017
Cover des Buches Drei Frauen (ISBN: 9783852567716)

Drei Frauen

 (5)
Erschienen am 22.06.2020
Cover des Buches Der Zug in die jüngste Nacht (ISBN: 9783492273411)

Der Zug in die jüngste Nacht

 (5)
Erschienen am 15.09.2011
Cover des Buches Kinder der Dunkelheit (ISBN: 9783492234993)

Kinder der Dunkelheit

 (4)
Erschienen am 01.01.2002
Cover des Buches Tage im August (ISBN: 9783492238861)

Tage im August

 (4)
Erschienen am 01.08.2003

Neue Rezensionen zu Dacia Maraini

Cover des Buches Trio (ISBN: 9783852568270)G

Rezension zu "Trio" von Dacia Maraini

Es ist ein schmales, Buch von 105 Seiten, die in ziemlich großen Buchstaben gesetzt wurden.
Gwhynwhyfarvor 7 Monaten

«Ein in jüngster Zeit vertraut klingender Begriff, der vom italienischen quaranta, vierzig, stammt. Schiffe und ihre Besatzung werden vierzig Tage isoliert, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.»


Sizilien, 1743: Die Pest wütet auf Sizilien. Bereits damals war bekannt, dass man einer Seuche durch Quarantäne entgehen kann. Sich zu Hause einschließen und warten, bis es vorbei ist. Und wer es sich leisten konnte, floh in die Abgeschiedenheit aufs Land. Im Vorwort erzählt die Autorin, wie die Pest durch ein Schiff nach Sizilien kam und sich im höllischen Tempo über die gesamte Insel verbreitete. Ansammlungen von Menschen wurden verboten, man sollte sich in Quarantäne begeben. 


«Erzähl mir mehr von Girolamo. Ich weiß, dass er mit dir glücklich ist, und ich sage mir, dass ich das möchte. Und doch schmerzt es mich und schnürt mir das Herz ab. Nicht aus Eifersucht, glaube mir. Wie könnte ich auf meine Herzensschwester eifersüchtig sein? Es ist das Gefühl des Verlusts und des Verlassenwerdens. Der Gedanke, dass ich nicht fähig war, dauerhafte und tiefe Liebe in seinem aufgewühlten Herzen zu wecken.»


Es ist ein schmales, Buch von 105 Seiten, die in ziemlich großen Buchstaben gesetzt wurden – in einer Stunde ist man durch. Vielleicht habe ich etwas anderes erwartet, einen historischen Roman. Ich sage es ungern, aber das Vorwort, war für mich am spannendsten. Es ist ein Briefroman, bei dem zwei Frauen, die seit der Kindheit beste Freundinnen sind, miteinander korrespondieren: Agata aus Palermo und Anuzza aus Messina. Agata flieht mit der Familie nach Castagna in die Berge, nur die Schwiegermutter bleibt zurück, die die Geschäfte führt. Anuzza sperrt sich in Casteldaccia ein. Sie schreiben über ihre kargen Unterkünfte und das reduzierte Essen, über das Wenige, was sie von draußen hören über Langeweile und Trostlosigkeit. Und sie schreiben über einen Mann, über den großartigen, hübschen Girolamo, der zwischen den beiden Frauen hin und her reist, den alle Frauen lieben. Agata ist mit ihm verheiratet – eine Liebesheirat. Anuzza ist seine Geliebte. Die beiden wissen natürlich, wann diese Dreiecksbeziehung begann, aber der Leser erfährt darüber nichts, natürlich auch nichts über die jeweilige Zweierbeziehung – darüber schweigen sich die Frauen aus. Der Leser wird in die Beziehung hineinkatapultiert und fliegt am Ende heraus.


Dacia Maraini ist eine großartige Schriftstellerin. Aber dieses Buch hat mir nicht gefallen, auch wenn sie gut u schreiben weiß. Ein paar Seiten dahingeschrieben, ohne Tiefe der Geschichte, ohne Tiefe der Charaktere. Der versprochene historische Hintergrund fehlt. Die Erzählung hätte auf jedem Flecken der Welt zu anderen Zeiten handeln können. Agata, die ihren Mann liebt, zeigt keine Eifersucht. Es ist wie es ist. Das hätte ich verstanden, wenn dies eine Heirat zum Zweck gewesen wäre, wie früher meist geschlossen. Sie ist großmütig, gönnt dem Mann die Geliebte – eine gute Wahl, die beste Freundin. So ist der Mann zufrieden, wenn er zu ihr zurückkehrt; besser als einen unzufriedenen Mann im Haus zu haben. Und diese Lappalie darf die Freundschaft der Frauen nicht zerstören. Und die Frauen stellen fest, zu solchem Großmut sind nur Frauen fähig, die Quintessenz der Story. Zwei schreibende Frauen, zwei gleiche Stile, ein langweiliges Geplauder in Briefform ohne Tiefe, eine oberflächliche Geschichte. Gern hätte man mehr über die Frauen, ihr Leben, ihre Intension erfahren. Für mich ist dies ein überflüssiges Buch, das im Mäntelchen von Pandemie und historischem Gewand mal schnell auf dem Markt geworfen wurde. Der Name Dacia Maraini zieht. Aber ob sie sich mit diesem dünnen, in großen Buchstaben gesetzten Briefroman (der sonst wohl nur 50 Seiten gehabt hätte) einen Gefallen getan hat, das bezweifele ich. Nächstes Mal wird man genauer hinsehen, bevor man liest.


Dacia Maraini Geboren 1936 in Fiesole. Aufgewachsen in Japan und Sizilien. Grande Dame der italienischen Literatur; enge Freundschaft mit Alberto Moravia und Pier Paolo Pasolini. Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen, u. a. dem Premio Strega und dem Premio Campiello. Ihre Bücher sind in 25 Sprachen übersetzt.

https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/trio-von-dacia-maraini-rezension.html

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Cover des Buches Die stumme Herzogin (ISBN: 9783852568027)M

Rezension zu "Die stumme Herzogin" von Dacia Maraini

Ein Meisterstück der italienischen Frauenliteratur
Maselivor 10 Monaten

Marianna, die Tochter des Herzogs Signoretto Ucrìa di Fontanasalsa, ist taubstumm. Sie war es nicht immer, aber sie weiß nicht mehr warum sie aufgehört hatte zu sprechen und zu hören. Der Arzt ist der Überzeugung, dass ein enormer Schock der Grund für die Taubstummheit sei und deshalb nur ein weiterer solcher Schock Marianna wieder zur Normalität zurückbringen kann. Und so trifft der Vater die Entscheidung, seine kleine Tochter zu einer Hinrichtung mitzunehmen. Doch auch diese extreme Erfahrung hilft nicht und Marianna spricht weiterhin nicht und hört auch nicht. Mit der Außenwelt kommuniziert sie, da sie schreiben und lesen kann. Ihr über alles geliebter Vater hat für sie eigens ein tragbares Schreibutensil, bestehend aus .... fertigen lassen. 

Wie zur damaligen Zeit durchaus üblich, wird Marianna bereits mit 13 Jahren an ein männliches Mitglied der Familie verheiratet. Ihr Onkel mütterlicherseits wird ihr Mann und von ihm wird sie ... lebende und ... tote Kinder gebären. Erst nach dem Tod ihres Mannes, wird sie körperliche Liebe durch einen jüngeren Liebhaber erfahren und auch auf das furchtbare Ereignis stoßen, dass damals ihre Stimme und ihr Gehör sterben ließ.

Aufwendig, sprachlich durchaus fordernd, mit einigen leicht verständliche Textstellen in sizilianischer Sprache, erzählt Dacia Maraini das Leben der taubstummen Marianna Ucrìa und gibt Einblick in die inzestuösen Kreise der sizilianischen Aristokratie, in vergangene Gepflogenheiten sizilianischer Sitten und Gebräuche. Als Frau komme ich nicht herum mich zu freuen, in der heutigen Zeit zu leben. Marianna ist mehr als nur die taubstumme Herzogin, demütige Tochter und Frau ihres Onkels. Sie verkörpert den Beginn einer neuen Frauenrolle in der Gesellschaft, streift langsam die Bevormundung der männlichen Familienmitglieder ab und beginnt sich ihren eigenen Weg zu suchen. 

Wer das Buch in Italienisch liest, wird umgeben von Sprachblüten und Feinheiten, die nicht alltäglich sind. Die deutsche Übersetzung ist überaus gelungen.

Dieser Roman zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. 

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Cover des Buches Das Mädchen und der Träumer (ISBN: 9783852567150)

Rezension zu "Das Mädchen und der Träumer" von Dacia Maraini

Dacia Maraini | DAS MÄDCHEN UND DER TRÄUMER
Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

INHALT: Diese ersten Sätze sind der Beginn eines Traums, der den Grundschullehrer Nani Sapienza eines Nachts ereilt. Darin folgt er einem jungen Mädchen, das ihn stark an seine Tochter erinnert, die im zarten Alter von acht Jahren an Leukämie verstarb. Als am nächsten Morgen ein Mädchen aus seinem Heimatort als vermisst gemeldet wird, wird Sapienza hellhörig. Die Vermisste, die kleine Lucia, soll einen roten Mantel getragen haben, genau wie das Mädchen aus dem Traum.

Die Wochen vergehen, die kleine Lucia bleibt verschwunden, es gibt weder Spuren noch Hinweise. Die Polizei und auch die Eltern des Kindes geben auf, erklären das Kind als Opfer eines Gewaltverbrechens für tot und schließen die Akte. Sapienza aber bleibt hartnäckig und ermittelt auf eigene Faust weiter. Bei seinen Recherchen stößt er auf einen anderen Fall von Kindesentführung: ein Mädchen soll von ihrem eigenen Vater an ein Kinderbordell in Kambodscha verkauft worden sein. Auch in diesen Fall steckt der Lehrer seine Nase und macht sich damit keine Freunde. Im Gegenteil – seine Hartnäckigkeit macht ihn sogar selbst zum Verdächtigen.

FORM: Dacia Maraini (*1936), seit Jahren die italienische Hoffnung auf den Nobelpreis für Literatur, schreibt ihre themenreiche Geschichte nüchtern wie einen Kriminalroman herunter. Die Kapitel sind kurz, die Sätze nie länger als sie sein müssen. Das mag zum Plot und zur Hauptfigur (der Ich-Erzähler Sapienza) passen, ermüdet den Leser aber auf Dauer. Die einzige Textspielerei, die sich Maraini leistet, ist das verdammte Federvieh, ein imaginärer Rabe, der Sapienza auf der Schulter hockt, ihm ständig ins Gewissen redet und für Unsicherheit sorgt; eine Art zweites Ich, das den Lehrer sowohl ins Taumeln bringt, als auch immer wieder antreibt.

Richtig stark ist Marainis direkte Prosa bei den Rückblicken auf die Krankheit Sapienzas Tochter und bei den schrecklichen Beschreibungen der Kinderbordelle Kambodschas, diese Kapitel sind schwer zu ertragen. Ich habe selbst Kinder in dem Alter und mir ging die Lektüre schwer ans Herz.

FAZIT: Dacia Marainis Roman behandelt eine Vielzahl von Themen. Das ist ambitioniert natürlich sehr löblich, verwässert den Plot aber ungemein. Leukämie, Kindesentführung, Zwangsprostitution Minderjähriger, ganz nebenbei geht es auch noch um häusliche Gewalt und die allgegenwärtige Terrorgefahr – das ist zuviel für einen Roman. Hinzu kommt der permanent mit dem Zeigefinger wedelnde Grundton des Lehrers, der ein unverbesserlicher Moralist ist; ein Attribut, das, wenn man ihrer Vita etwas folgt, auch der Autorin eigen ist.

Die Welt hat unerträglich schlechte Seiten, das wird niemand abstreiten, und Maraini will ihre Leser auf diese Ungerechtigkeiten aufmerksam machen … aber da schalte ich doch lieber den Weltspiegel ein – drei Sterne.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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