"Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin", diesen Spruch gab es in meiner Jugend noch als Aufkleber, Sticker und dergleichen. Heute findet man ihn kaum noch, doch es würde einigen Menschen in der Politik gut stehen, sich mit diesem Spruch und den unzähligen tragischen Geschichten ihrer Eltern und Großeltern einmal auseinanderzusetzen, vielleicht würden dann einige Entscheidungen anders ausfallen und man könnte wirklich sagen, aus der Geschichte wurde etwas gelernt.
Die Autorin Dagmar Chidolue beschreibt in ihrem Jugendbuch mit eigenwilliger und direkter Sprache die Geschichte ihres Vaters Bonna, der in den 1920er Jahren als ältester Junge einer kinderreichen armen Familie aufwuchs. Sehr beengt lebte er mit den Eltern und den vier jüngeren Geschwister in einer kleinen Wohnung in der Molkerei. Der Vater, schwer herzkrank, für mit dem Pferdefuhrwerk die Milch aus und die Mutter hatte alle Hände voll zu tun, jeden Tag etwas Essbares auf den Tisch zu bringen. Die Kinder mussten alle mit anpacken, für Spiel und Freizeit oder Förderung der Hobbys waren weder Zeit noch finanzielle Mittel vorhanden. Wirklich gesprochen wurde in der Familie auch nicht außer den politischen Parolen des Vaters, die entgegengesetzt der aufstrebenden braunen Fraktion waren. Es herrschte keine herzliche Verbindung unter den Geschwistern und den Eltern, keiner wusste wie das ging, der Kampf ums Überleben nahm einfach zu viel Raum ein.
Bonna ist groß und sportlich und geht leidenschaftlich gern in den Turnverein. Der wird bald umbenannt und geht nahtlos in die Hitlerjugend über, die den Kindern und Jugendlichen etwas bietet, was sie vielfach in ihren Familien nicht finden. Bonnas Leidenschaft ist die Fliegerei und sein Traum ist es Pilot zu werden. Die Versprechen der Führer der Hitlerjugend wirken und für Bonna ist das der Weg aus der familiären Enge und dem täglichen Gezeter und Gezanke herauszukommen. Das politische Klima verschärft sich in Richtung Krieg, doch Bonna kümmert es erstmal nicht, er will fliegen und jagt seinem Traum nach. Doch sein Höhenflug endet und die Landung ist hart.
"Flugzeiten" nimmt den Leser mit in die düsteren 1930er Jahre, die Aufwind versprechen und noch viel weniger halten. Ganz aus Sicht eines damaligen Jugendlichen wird der Leser mit in das Leben der Hitlerjugend genommen und den Lügen, die diese jungen Menschen damals ausgesetzt waren. Parallelen zu heute sind rein zufällig.
































