Alma

von Dagmar Fohl 
4,9 Sterne bei9 Bewertungen
Alma
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Eine bewegende Geschichte um den Musikalienhändler Aaron Stern und seiner Tochter Alma, die er 1939 in Nazideutschland zurücklassen musste.

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„Alma“ erzählt vom Musikalienhändler und Cellisten Aaron Stern, der 1939 Deutschland verließ und seine Tochter zurücklassen musste.

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Inhaltsangabe zu "Alma"

Der Hamburger Musikalienhändler und Cellist Aaron Stern muss 1939 Deutschland ohne seine Tochter verlassen. Eine verhängnisvolle Odyssee beginnt. Er findet in keinem Land sichere Aufnahme und gerät in die Fänge der Nationalsozialisten. Nach leidvollen Erfahrungen als Schiffsflüchtling und Lagermusiker kehrt er schließlich nach Hamburg zurück. Eine berührende und abenteuerliche Suche nach seiner Tochter beginnt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783839222423
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:219 Seiten
Verlag:Gmeiner-Verlag
Erscheinungsdatum:11.04.2018

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    meppe76s avatar
    meppe76vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Eine bewegende Geschichte um den Musikalienhändler Aaron Stern und seiner Tochter Alma, die er 1939 in Nazideutschland zurücklassen musste.
    Ein weiteres Beispiel, wie unfassbar grausam Menschen sein können

    ‚Alma‘ ist die Tochter des Musikalienhändlers Aaron Stern und seiner Frau Leah. Die Eltern müssen ihre 1939 gerade geborene Tochter in Deutschland bei einem befreundeten Ehepaar zurücklassen, um sich auf das Schiff zu retten, das sie nach Kuba bringen soll und damit weit weg von den Nazi-Schergen. Was zunächst wie die Rettung scheint, entpuppt sich als Irrfahrt über verschiedene Meere und an Ländern vorbei, die sich alle weigern, die Flüchtlinge aufzunehmen. Allein dieses Geschehen ist höchst beklemmend und kaum begreiflich, dass diese knapp tausend Menschen überall abgewiesen werden, so dass ihre Hoffnung auf Rettung immer weiter schwindet.

    Für Aaron Stern und Leah endet die Flucht schließlich doch in einem Konzentrationslager und es ist die Musik und sein Cellospiel, das Aaron das Überleben sichert, wenn auch unter den schlimmsten vorstellbaren Verhältnissen. Nur der Gedanke, dass irgendwo seine Tochter Alma lebt und er sie unbedingt finden muss, hält ihn davon ab, sich selbst das Leben zu nehmen.

    Die Jahre nach Kriegsende sind bestimmt von der Suche nach Alma.

    Und als er die Suche schon aufgegeben hat und überzeugt ist, dass auch seine Tochter den Krieg nicht überlebt hat, geschieht etwas Unfassbares und es scheint, als dürfe Aaron Stern nach all dem Schrecklichen doch am Ende noch so etwas wie ‚Glück‘ erleben.

    Eine sehr bewegende Geschichte, die die ganze Grausamkeit des Nazischreckens deutlich macht und doch nicht in Hoffnungslosigkeit versinkt.

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    lesefreude_books avatar
    lesefreude_bookvor 4 Monaten
    Auf der Suche nach Alma

    Während die Figur des Aaron Stern fiktiv ist, lehnt sich die Handlung an historische Ereignisse an. So hat die Schifffahrt auf der St. Louis im Jahre 1939 tatsächlich stattgefunden. 937 jüdische Passagiere sollten mit dem Schiff von Deutschland nach Kuba reisen und so den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs entgehen. Doch es kam alles anders.

    Die dargestellten Szenarien wirken derartig skurril, dass man meinen möchte die Autorin hätte sie sich ausgedachte. Wirft man dann einen jedoch einen Blick auf das Mittelmeer, stellt man erschreckende Parallelen fest. Lediglich mit dem Unterschied, dass die Zustände schlimmer sind als damals auf der St. Louis. Denn die Überfährt an sich glich in “Alma“ mehr einer Kreuzfahrt denn einer Flucht.

    Dieses Gefühl mit Aaron Stern mitzuerleben wie er seine Heimat verliert und plötzlich keinen Platz mehr hat wo er hin kann. Auf unserer ganzen großen Erde gibt es keinen Platz wo er erwünscht ist.

    Und schließlich die Lagermusik. Eine Institution, die für einige wenige zur Überlebenschance wurde. Dabei zeigt die Lagermusik wie schändlich und grausam Musik missbraucht werden kann. Jeden Tag von fröhlicher Marschmusik auf dem Weg zur und von der „Arbeit“ begleitet zu werden, kommt ein ganz eigenen perfiden Folter gleich.

     „Alma“ geht unter die Haut. Ich habe die 220 Seiten in einem Zug gelesen. Es gibt schlicht keine Stelle, die zum Aufhören geeignet wäre. Im weiter trägt dieser kleine Funke der Hoffnung den Leser immer weiter durch die Geschichte. So schwer viele Seiten auch zu lesen waren, musste ich einfach wissen ob Aaron überlebte und was mit „Alma“ geschehen ist.

    Besonders gut hat mir gefallen, dass auch das danach beschrieben wird. Was wurde aus den KZ-Häftlingen nach dem Ende des Kriegs. Wie lebten Sie weiter? Wo fühlten Sie sich sicher oder gar zu Hause?

    Die Feinfühligkeit mit der Dagmar Fohl durch die Geschichte führt, ist beeindruckend. Bei so viel Grausamkeit, Schmerz und Leid schafft sie dennoch, dass man immer wieder weiterlesen möchte, auch wenn Tränen in den Augen dies erschweren.

    „Alma“ ist eines der besten Bücher rund um die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs. Intensiv, schmerzhaft und nachhaltig zeigt Dagmar Fohl an der fiktiven Figur Aaron Stern ein schreckliches Schicksal. Dabei spannt sie einen breiten Bogen von den ersten leisten Vorwehen und der Wegbereitung zum Nationalsozialismus bis hin zu den schrecklichen Tagen und der Suche des Lebens danach. Denn immer wieder stelle ich mir die Frage, wie kann man als Überlebender weiterleben? Wie kann man diese schreckliche Bilder verarbeiten/vergessen/bewältigen.

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    HEIDIZs avatar
    HEIDIZvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: „Alma“ erzählt vom Musikalienhändler und Cellisten Aaron Stern, der 1939 Deutschland verließ und seine Tochter zurücklassen musste.
    Aaron und seine Familie im Zweiten Weltkrieg und danach

    „Alma“ erzählt vom Musikalienhändler und Cellisten Aaron Stern, der 1939 Deutschland verließ und seine Tochter zurücklassen musste. Seine Odyssee wird beschrieben – er versucht, in verschiedenen Ländern Heimat zu finden, schließlich gerät er auch noch in die Fänge der Nationalsozialisten, verschiedene Arbeiten nimmt er an, schlägt sich so durch … Schließlich kehrt er nach Hamburg zurück und er beginnt, seine Tochter zu suchen.

    Es ist sehr interessant zu lesen, wie die Figur Aaron Stern den Aufstieg der Nationalsozialisten erlebt. Man wird in die Historie hineingezogen und erlebt die Geschichte vor dem Hintergrund der wahren Historie des Zweiten Weltkrieges.

    Aaron kommt ins Konzentrationslager und Leah, seine Frau, schafft es, die Papiere zu besorgen, die Aaron benötigt, um aus dem Konzentrationslager entlassen zu werden, nämlich die Ausreisepapiere aus Deutschland. Sie beschafft außerdem Schiffspassagen nach Kuba, ist schwanger und erleidet auf Grund der ganzen Aufregungen eine Frühgeburt. Man muss das Kind zurücklassen in Deutschland und nach dem Krieg beginnt die Suche. All das wird lebendig und fesselnd spannend beschrieben, man kann das Buch kaum zur Seite legen. Man wird förmlich in einem Sog in die Geschichte hineingezogen.

    Die Art und Weise, wie die Autorin ihre Geschichte an den Leser bringt ist eine sehr eingängige. Schön ist, wie sie die Geschichte während und nach dem Krieg einbezieht in ihre Geschichte vom Aaron Stern und seiner Familie. Man kann sich sehr gut in die Charaktere hineinversetzen und die Szenen sind ebenso bildhaft und detailliert beschrieben, ohne langatmig zu sein, im Gegenteil, es passiert immer wieder etwas, man ist gefesselt und mir hat das Lesen große Freude bereitet, ich war kurzweilig spannend unterhalten.

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    MelaKafers avatar
    MelaKafervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Dieses kleine große Buch lehrt uns, die Augen offen zu halten und nicht weg zu sehen, wenn Unmenschlichkeit zu siegen droht.
    Tieftraurig, aufrüttelnd und doch voller Hoffnung

    Aaron Stern wächst als Junge jüdischer Eltern in einem gutbürgerlichen Stadtteil Hamburgs auf. Die Eltern besitzen eine Musikalienhandlung.

    In einer Rückblende erzählt Aaron von dieser unbeschwerten Zeit, in der die Eltern gerne Nachbarn und Freunde zu kleinen Hauskonzerten in ihr Haus einluden. Jüdisch oder nicht jüdisch spielte dabei überhaupt keine Rolle, die kleinen Hauskonzerte entwickelten sich fast immer zu kleinen fröhlichen Festen.

    Aaron entdeckt in dieser Zeit seine große Liebe für das Cello und erhält Unterricht bei einem namhaften Cellisten. Eine unbeschwerte, friedliche Zeit.

    Die Gefahr, die in Form der Nationalsozialisten heraufzieht, wird anfangs vor allem vom Vater völlig unterschätzt. Doch die Lage für die jüdische Bevölkerung wird immer schwieriger, eine Ausreise bald nahezu unmöglich.

    20-jährig übernimmt Aaron die Musikalienhandlung, verliebt sich in Leah, die er bald darauf schon heiratet. Sie wird schwanger. In der Progromnacht wird Aaron verhaftet. Leah gelingt es Tickets für eine Schiffspassage nach Kuba zu bekommen. Den nur mit einer solchen kann Aaron aus dem Lager entlassen werden. Kurz vor der geplanten Abreise erleidet Leah eine Frühgeburt. Sie müssen ihre zu schwache Tochter Alma bei Freunden zurücklassen.

    Die dann folgende Odyssee ist kaum in Worte zu fassen. Und doch hat die Autorin sich genau das zur Aufgabe gemacht.

    Dieses Buch hat mich sprachlos gemacht, ob der ganzen Grausamkeiten, die geschehen sind und von denen man doch zu wissen glaubte.

    Dagmar Fohl hat ein Plädoyer für Menschlichkeit, die Kraft der Musik und gegen das Vergessen geschrieben, dass mich tief berührt hat.

    Dieses kleine große Buch lehrt uns, die Augen offen zu halten und nicht weg zu sehen, wenn Unmenschlichkeit zu siegen droht und Menschen ausgegrenzt werden. Ein trauriger, aufrüttelnder und letztlich doch Hoffnung machender Roman.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Ein Kleinod, das sich zu lesen lohnt

    Aaron Stern liebt die Musik und vor allem sein Cello, mit dem er hin und wieder trotz seines Lampenfiebers konzertiert. Gerade einmal 20, übernimmt er den Musikalienhandel seines Vaters und lernt in diesem Hamburger Geschäft die Liebe seines Lebens kennen, Leah. Obwohl die Zeichen immer düsterer werden und der Antisemitismus überdeutlich seine Gewaltbereitschaft beweist, schmieden Aaron und Leah Pläne. Sie heiraten und erwarten ein Kind, als Aaron erst ins Hamburger Konzentrationslager Fuhlsbüttel und dann ins KZ Sachsenhausen verschleppt wird.

    Ein Mensch, der in einem Lager wohnt, einerlei in welchem, ruft Ablehnung und Skepsis hervor. Er befindet sich in einer unfreiwilligen Situation, die ihn allmählich zermürbt, denn er wartet und weiß nicht, wann sein Lagerleben endet. (S.87)
    Einige Zeit später verlassen Leah und Aaron auf dem Passagierschiff St. Louis Hamburg - auf dem Weg nach Kuba. Nicht nur, dass sie ihre neugeborene Tochter zurücklassen müssen, nein, die rettende Reise wird zu einer Irrfahrt und für das junge Ehepaar erst der Beginn einer schrecklichen Odyssee. Was Aaron erlebt, ist kaum in Worte zu fassen.

    Ich konnte den Schmerz, den ich spürte, nur dadurch ertragen, dass ich erstarrte und schwieg. (S.154)
    Dagmar Fohl hat mit diesem Buch ein Kleinod vorgelegt, dass sehr eindrücklich von Verfolgung und größtmöglicher Unmenschlichkeit erzählt. Dass sie ihre Hauptfigur dabei in Ich-Form erzählen lässt, macht den schmalen Roman nur noch eindringlicher und berührender. So lassen sich die etwas mehr als 200 Seiten rasch lesen - aber nicht ohne nachzuhallen, nicht ohne sich im Kopf festzuhaken. Es ist die Geschichte eines Mannes, der zerbricht und dennoch nie die ganze Hoffnung fahren lässt. Wie er sich in dunkelster Stunde von den allerfinstersten Gedanken loslösen kann, das lohnt sich zu lesen.
    Die Tatsache, dass die Autorin ihren Roman den Flüchtlingen und Verfolgten widmet, und Esther Bejerano, eine Auschwitz-Überlebende, ein sehr aktuelles Vorwort hat schreiben lassen, zeigt, wie wichtig ihr Buch und die historischen Zusammenhänge, aus denen wir heute noch lernen können und müssen, ist.
    "Alma" ist ein Roman wider dem Vergessen und wichtiger denn je. Aber es ist auch ein enorm berührender, sprachlich sehr reduzierter, umso eindringlicher Roman. Ich hoffe sehr, dass er eine große Leserschaft findet, den er hat es in allen Belangen verdient.

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    buecherwurm1310s avatar
    buecherwurm1310vor 2 Jahren
    Wieviel kann ein Mensch aushalten?

    Der Hamburger Musikalienhändler und Cellist Aaron Stern muss 1939 Deutschland verlassen. Seine Tochter bleibt zurück. Als er nach dem Krieg schließlich nach Hamburg zurückkehrt, macht er sich auf die Suche nach seiner Tochter Alma.

    Aaron berichtet sein Leben und Erleben aus der Ich-Perspektive, was diese Geschichte besonders eindringlich macht.

    Obwohl Aarons Eltern Juden sind, gehören sie der evangelischen Kirche an. Musik ist in seinem Elternhaus allgegenwärtig. Als Aaron vierzehn Jahre alt ist kommt Hitler an die Macht. Später übernimmt Aaron das Geschäft seines Vater. Er lernt seine Frau Leah kennen. Die beiden verbindet die Liebe zur Musik. Dann wird er ins KZ gebracht und es dauert Monate bis Leah ihn herausholen kann. Sie wollen auswandern, kurz vorher wird Alma geboren. Sie ist ein Frühchen und würde die Reise nicht überleben. Schweren Herzens lassen sie sie das Baby bei einem „arischen“ Freund. In Kuba verweigert man ihnen die Einreise. Auch in Amerika dürfen sie nicht einreisen. Es geht zurück nach Europa. Vom Lager Westerbruck in den Niederlanden kommen sie schon bald nach Auschwitz. Aaron hält dank eisernem Überlebenswillen und der Musik durch.

    Wir alle wissen, was geschehen ist, und man mag sich das Grauen gar nicht vorstellen. Aber gerade darum, darf nicht vergessen werden, was geschehen ist, damit sowas nieder wieder geschieht. Allerdings zweifele ich im Moment gerade sehr, ob uns das Geschehen von damals wirklich eine Lehre ist.

    Ich bewundere Aaron für seinen Willen zu überleben. Viele seiner Leidensgenossen gehen lieber in den Tod. Aber er steht immer wieder auf in Gedanken an seine Tochter. Wieviel kann ein Mensch aushalten?

    Die Erinnerungen an das Erlebte verlassen ihn auch nach dem Krieg nicht und Albträume sorgen dafür, dass er es immer wieder erlebt. Soll er davon wirklich seiner Tochter berichten? Er hat Zweifel und lässt doch nichts unversucht, um Alma zu finden.

    Eine bewegende Geschichte.

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    hasirasi2s avatar
    hasirasi2vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Gäbe es eine Melodie zu dieser Geschichte, wäre sie unglaublich traurig und sehr berührend. Nur ein Herz aus Stein bleibt hier unbewegt.
    Musik kann Leben retten

    „Es geht darum, mit Musik eine Geschichte zu erzählen. Es geht immer um die Geschichte, die hinter den Noten steckt. Es geht um Emotionen.“ (S. 19)

    Gäbe es eine Melodie zu dieser Geschichte, wäre sie unglaublich traurig und sehr berührend. „Alma“ beschreibt den Überlebenskampf des jüdischen Musikalienhändlers Aaron Stern während der Nazizeit so unglaublich bildhaft und real, dass man ein Herz aus Stein haben müsste, wenn er einen nicht bewegen würde.

     

    Aaron wächst in Hamburg auf. Obwohl seine Eltern Juden sind, gehören sie dem evangelischen Glauben an. Sein Vater hat einen Musikalienhandel. Musik, insbesondere das Cellospiel, begleitet Aaron von Kindheit an.

    Er ist 14, als Hitler an die Macht kommt und muss bald darauf von der Schule abgehen. Mit 20 übernimmt er den Laden seines Vaters. Als er seine Frau Leah kennenlernt, verbindet die Musik sie sofort. 1938 wird Aaron als Novemberjude ins KZ Sachsenhausen gebracht. Erst im März 1939, kurz vor ihrer Auswanderung nach Amerika, bekommt Leah ihn frei. Ihre Tochter Alma wird im 7. Monat kurz vor ihrer Abreise geboren und ist nicht reisefähig. Sie müssen sie bei einem „arischen“ Freund zurücklassen.

    Eine Odyssee über Meere und Kontinente beginnt. Die Auswanderer dürfen nirgendwo von Bord gehen, jedes angelaufene Land verspricht neue Hoffnung und wird zur neuen Enttäuschung. Einige stürzen sich lieber ins Meer, als zurück nach Europa zu fahren. Aaron rettet sich in die Musik. Letzten Endes stranden sie in den Niederlanden im Lager Westerbrock. Von dort geht es bald nach Auschwitz. Im KZ wird er täglich gedemütigt und verhöhnt, ist immer kurz vorm Verhungern – aber er hält irgendwie durch. Die Musik (er spielt im Lagerorchester) und der Glaube an ein Wiedersehen mit Alma hält ihn am Leben. „Wir musizierten um unser Leben, während das Grauen um uns herum immer größere Ausmaße annahm.“ (S. 122) Viele Internierte werfen sich lieber in den Hochspannungszaun, als in die Gaskammer zu gehen oder sich den Nazis anzubiedern. Aber Aaron hält durch, denn in Hamburg wartet hoffentlich seine Tochter auf ihn.

    Nach dem Krieg ist er ein gebrochener Mann, wird die Erinnerungen und Albträume nie los. Bei der Suche nach Alma stellt er sich immer wieder die Frage, ob er seinem Kind diese Vergangenheit antun kann und will.

     

    Aaron ist der Ich-Erzähler dieses Buches, deshalb ist man als Leser immer dabei, denkt und fühlt wie er. Manchmal war es mir fast zu viel, war ich zu dicht an ihm dran. Ich glaube nicht, dass ich das alles ausgehalten hätte. Egal wie oft er zusammenbricht, er rappelt sich immer wieder auf – für die Suche nach Alma. Wie stark, hoffnungsvoll und zuversichtlich muss man sein, um das alles zu überstehen?! Dieser unbedingte Überlebenswille hat mir sehr imponiert.

    Am Ende des Buches sagt er: „Ich hatte nie die Absicht, meine Geschichte zu erzählen. ... Doch ich lebe in Deutschland des Jahres 2016. Ich empfand es als meine Pflicht, zu sprechen.“ (S. 211)

    Kommentare: 10
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    Ariettas avatar
    Ariettavor 8 Monaten
    hexhexs avatar
    hexhexvor einem Jahr

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